Echte Trash-Perlen: Hörspiele - so schlecht, dass sie schon wieder gut sind!

  • Wir tauschen uns hier ja meist über Hörspiele aus, die wir aus Gründen prima finden. Aber hin und wieder amüsieren wir uns auch über Hörspiele, bei denen es eigentlich gute Gründe gäbe, sie in Bausch und Bogen zu verdammen. Manchmal ist es, wie bei der Sinclair Edition 2000 von Olver Döring, die (seinerzeit) innovative Machart, die das Trash-Werk veredeln. Manchmal jedoch kann es einfach nichts mehr retten - es bleibt Trash, und man liebt es dennoch.

    So möchte ich jetzt mal hier in die Runde werfen:

    Gibt es solche Trash-Hörspiele, bei denen es eigentlich keinen sachlichen Grund gibt, sie zu loben, die ihr dennoch mögt, aus welchen Gründen auch immer?

    Seid Ihr sogenanntem Trash gegenüber aufgeschlossen? Und was macht ihn für Euch aus?

    Und kann man als Macher bewusst Trash machen? Oder ist es immer wie bei Ed Wood: dass man eigentlich großes Kino hinbekommen möchte, aber am Ende reicht's halt dafür nicht.

    Welches sind für Euch die ultimativen Trash-Perlen der deutschsprachigen Hörspielgeschichte?

    Edited once, last by Hardenberg (January 8, 2024 at 12:47 PM).

  • Da fallen mir spontan die Hörspiele aus der Reihe "Blockbuster für die Ohren" ein.

    1. Kohltour der reitenden Leichen
    2. Ponyhof der Kanibalen
    3. Sunshine-Horror auf Ibiza

    Da habe ich mich auch schon gefragt, ob die Hörspiele absichtlich so schlecht gemacht wurden, damit man sie schon wieder gut findet. Besonders der dritte Teil, der sich ja auf den Film "Sunshine Reggae auf Ibiza" bezieht, ist da der Ausreißer nach unten. Ich würde aber fast behaupten, das war Absicht. ^^

    So mittelmäßiger Trash gefällt mir meistens nicht. Aber wenn es gut gemacht ist, oder in dem obigen Fall, so schlecht, dass es wieder gut ist, dann höre ich auch gerne mal rein. Das ist dann wirklich so ganz seichte Unterhaltung. Gut, um gedanklich aus einem stressigen Tag zu fliehen.

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    Ich bin heute so farbenfroh, ich habe fünf verschiedene Schwarztöne an.

  • Aber hallo, "Sunshine-Horror auf Ibiza", glatte Eins.

    Morscheck, Morscheck, Morscheck!!!

    Ich hab ja damals 2002 in der Wiener U3 zwischen Volkstheater und Neubaugasse mit dem Motorala A920 von Drei und Leni Riefenstahl das erste Selfie der Geschichte geknipst” - Aus meiner Biografie, erschienen im Jahr 2039, geschrieben im Jahr zuvor am Pool einer Finca auf den Kanaren

  • Die Frage lautet jetzt, ob Trash für uns alle wirklich das gleiche ist? Und was Trash tatsächlich ist?

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Meteor Horror - bis auf die letzten beiden Folgen amateurhaft trashig, aber ich denke immer wieder gerne an diese Perlen. Und zwar eher an die ersten Schrottfolgen, als an die zwei handwerklich halbwegs soliden und thematisch durchaus innovativen Schlussfolgen.

  • Jack Slaughter (ging aber auch nur in kleinen Dosen)

    Ed Gate (Zmindest Folge 1 war fast gut :D )

    Die Ferienbande (trifft genau mein Humor - und wenn schon allein die Art zu sprechen kein Trash ist, was dann? )

    Mein Name ist Dorian Hunter, und ich bin der Sohn des Teufels. Ich war der Sohn des Teufels, denn ich habe ihn getötet! :evil:

  • In der heutigen Zeit sind ja fast alle Hörspiele auf gutem bis sehr guten Niveau. Es muss jedoch nicht immer nur Kaviar sein, manchmal kann auch ein Butterbrot gut schmecken. Als ich mir gestern das Auto meines Vaters ausgeborgt hatte und dieser nur einen Kassettenplayer hat, habe ich mir Aliens in Raven Rock, seines Zeichens Folge 2 der METEOR-Gruselserie angehört. es war ein wirklich schönes Hörerlebnis. Keineswegs eine perfekte Hörspielumsetzung, trotzdem hat es Spass gemacht gehört zu werden. Geschichte und auch Umsetzung waren einfach ein "schöner Trash".

    Ich hatte dies damals 2009 im Hörspieltalk hier geschrieben:

    Schöner Trash

    Was denn nun wirklich als Trash anzusehen ist, sind wir nie so richtig auf die Spur gekommen. Auch die Frage ob denn nun Trash etwas positives oder negatives ist, konnten wir niemals ganz klären, scheint doch stark subjektiv zu sein, wie man hier nachlesen kann:

    Ist Trash in Hörspielen für euch positiv oder negativ besetzt?

    Kann man Larry Brent oder Macabros oder die HG Francis Gruselserie als Trash-Perle bezeichnen? Oder sind sie letztlich viel zu gut produziert, sodass sie dafür gar nicht erst in Frage kommen? Ich selbst bin da hin und her gerissen, fand die immer viel zu gut gemacht.

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Meteor Horror - bis auf die letzten beiden Folgen amateurhaft trashig, aber ich denke immer wieder gerne an diese Perlen. Und zwar eher an die ersten Schrottfolgen, als an die zwei handwerklich halbwegs soliden und thematisch durchaus innovativen Schlussfolgen.

    Der Pfarrer mit den Laseraugen ist auch einfach ein perfekter Trash-Titel!

  • Wie geschrieben, es wäre abzuklären ab wann man von Trash sprechen kann und ob es überhaupt eine negative Bedeutung hat. Wir sind da in all den Jahren, siehe Threads, auch nicht auf einen grünen Zweig gekommen. Sofern die für mich unübertroffenen guten Larry Brent, Macabros und HG Francis Gruselserienfolgen hinein gehören, im positivsten Sinne, dann würde ich auf alle Fälle auch die wunderbaren TSB-Vertonungen von John Sinclair auch dazu zählen. Auf jeden Fall! Und ohne Aufschrei sondern mit großem #applaus#

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Nun, ich denke, die eine Definition dürfte es da auch nicht geben. Ich würde zwei Gruppen klar voneinander abgrenzen:

    1. Trash, der in erster Linie durch die "trashige" Umsetzung bei Skript, Regie und Sprechern zum Trash wird. Wo also im Grunde nicht mehr gekonnt wurde.

    2. Trash, der inhaltlich als solcher in Erscheinung tritt, aber durchaus, was die handwerklichen Mittel bei der Umsetzung als Hörspiel angeht, tadellos oder sogar originell und besonders sein kann. Die Macher sind sich also darüber bewusst, was sie da bearbeiten und tun dies meist mit großem Spaß, aber auch einem gewissen inneren Abstand zur Thematik (etwa mit Augenzwinkern). +++ Wenn man dies ganz besonders ausgefallen und hochwertig umsetzt, dann wird es für mich gar zu einer Art Edel-Trash.

    Dabei ist natürlich alles letztlich eine Frage der Abgrenzung, aber das ist ja im Grunde immer so.

    Wo fängt der inhaltliche Trash an, wo hört er auf? Wir verkünden hier alle keine absoluten Wahrheiten, darum sollten wir uns darauf beschränken, unsere persönlichen Eindrücke zu schildern und uns darüber anzunähern oder eben bei Bedarf auch zu unterscheiden. ;)

    Für mich gehört so etwas wie John Sinclair inhaltlich auf jeden Fall zum Trash, wie auch andere Groschengruselgeschichten. Allein so Namen wie Asmodina oder Vampiro del Mar usw. Das ist für mich schon sehr trashig. Auch die Geschichten in ihrer einfachen, nicht selten von Schema F geleiteten Dramaturgie, bei der am Ende immer das Kreuz und der Ruf nach den Erzengeln alles klärt - also da kann ich nun wirklich nichts anderes drin sehen. TSB kenne ich nicht, aber Döring hat diese Geschichten durch seine kinogleiche Umsetzung Anfang der 2000'er schon immens aufgewertet. Für mich ist etwa so etwas wie "Die Geisterbraut" bester Edel-Trash. Man kann aber bei Döring auch die ganze Zeit sehen, wie er mit diesen Inhalten spielt, er zeigt viel Selbstironie (man denke an den Ausruf einer Figur am Ende einer Mehrteiler-Folge: "Wehe, das ist der Cliffhanger!"), also da war schon sehr viel Augenzwinkern dabei. Und darum war das Ganze am Ende auch so gut erträglich.

    Gleiches gilt doch auch für Larry Brent und Macabros. Da zeigen die Autorin und die Autoren ebenfalls sehr deutlich ihre augenzwinkernde Distanz zu den Geschichten, die sie da umgesetzt haben, und die Sprecherinnen und Sprecher tun ihr Übriges, um die Stoffe zu veredeln. Für mich darum ebenfalls so etwas wie Edel-Trash, vor allem Larry Brent (man denke an Horst Frank in der #1). Da ist das Drumherum eigentlich das, was das Ganze so gut macht, gar nicht mal die Geschichte in ihrem Kern.

    Bei der Gruselserie findet man Ähnliches (etwa die ironische Art von Tom Fawley und Eireen Fox oder die beiden alten Damen in der #14), aber hier wird insgesamt schon versucht, die Geschichten etwas "ernsthafter" zu erzählen, was auch gut gelingt, weil einfach die Sprecherinnen und Sprecher hier eine Menge mitbringen, um das alles nicht grottig erscheinen zu lassen, dazu kommt, dass das in der goldenen Ära von EUROPA produziert wurde, mit der Premium-Musik der damaligen Zeit, da kam ganz viel zusammen, und so ist am Ende etwas dabei herausgekommen, das inhaltlich zwar irgendwie total trashig ist, aber eben nicht so klingt.

    Auf jeden Fall merkt man den vorgenannten Serien allesamt an, dass da Leute am Werk sind, die wissen, was sie tun. Und so klingt das dann am Ende auch.

    Echter Trash, wenn man es denn so nennen möchte, zeichnet sich dagegen doch immer auch durch ein gewisses Unvermögen aus, ob dies nun bewusst eingesetzt wird, indem man improvisiert und Szenen einfach laufen lässt, oder man Großes schaffen möchte, aber es nicht hinbekommt.

    Ich denke, der "echte" Trash ist das, was viele nicht hören wollen. Ich selbst mag ihn auch nicht.

    Gut gemachtem Edel-Trash dagegen (inkl. augenzwinkerndem Abstand der Macher) bin ich nicht abgeneigt. Ich mag ja auch Tarantino.

    Edited once, last by Hardenberg (January 9, 2024 at 12:28 PM).

  • Was Trash an sich angeht, bin ich voll bei Dir! Sehe die genannten Serien auch alle als Trash bester Art. Ob Trash nun ein negativ oder positiv besetzter Begriff ist, scheiden sich die Geister. Ich für mich sehe ihn auf gar keinen Fall als negativ. Eher positiv, er sorgt für mein Interesse. Gerade weil Larry Brent & Co einfach reines Hörvergnügen für mich darstellt. Sieht sicherlich jeder anders. In unserer Umfrage, siehe obiger geposteten Link, war die Zahl jener die Trash als negativ bezeichnen leicht in der Überhand, jedoch war es ziemlich ausgeglichen. Das bedeutet letztlich, dass wenn jemand schreibt „Was für ein Trash“ nimmt der/die eine sofort Abstand vom Hören und der/die andere greift genau deshalb sofort zu oder, macht es, wie in meinem Fall interessanter für mich! Am Ende ist es wahrscheinlich zielführender zu schreiben, ein gutes Hörspiel oder ein schlechtes Hörspiel, als zu behaupten es wäre Trash, denn dies lässt einen zu großen Interpretationsspielraum, sofern er nicht(!) ausführlich erklärt warum es für ihn Trash ist. Auf jeden Fall würde ich eine Trash-Perle immer als „Must have“ ansehen, dass ich unbedingt hören will.

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Wo wir wieder bei den guten alten TSB Hörspielen wären :love:

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Naja, dem Wort Trash kommt ja heutzutage sowohl die Bedeutung eines Quasi-Genres zu als auch die eines sehr deutlichen Werturteils.

    Als Werturteil lässt sich da wohl nichts relativieren, als Genrebezeichnungen ist es dagegen für alle Schattierungen menschlicher Empfindung offen. Ich selbst mag "echten" Trash gar nicht. Ich mag aber auch keinen Horror im Gewand eines Gewaltpornos. Oder schmalzige Romantic Comedys. Und keine reinen Action-Spektakel. Ist alles wie immer eine Frage des persönlichen Geschmacks, und spannend wird es ja sowieso immer erst dann, wenn jemand schreibt, WARUM er es so empfindet.

  • Interessant wäre ob ein Hörspiel wo es um Monster und Dämonenjäger geht automatisch auch Trash ist? Was meint ihr? Was würde Linscheid sagen wenn man GREUL deshalb als Trash bezeichnen würde? Beleidigung, Ritterschlag oder persönlicher Geschmack?

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Interessant wäre ob ein Hörspiel wo es um Monster und Dämonenjäger geht automatisch auch Trash ist? Was meint ihr? Was würde Linscheid sagen wenn man GREUL deshalb als Trash bezeichnen würde? Beleidigung, Ritterschlag oder persönlicher Geschmack?

    Ich finde, jeder darf selbst entscheiden, ob GRËUL für ihn oder sie Trash ist. Gibt, was das angeht, keine allgemeingültige Wahrheit, sondern nur subjektive Wahrnehmung.

  • Für mich auf jeden Fall nicht. Dass Menschen an Monster glauben und sich andere als Dämonenjäger im Mittelalter aufgespielt haben, ist ja nicht an den Haaren herbei gezogen. Und beim Greul wissen wir ja gar nicht, ob es wirklich ein Monster ist oder es eine rationale Erklärung gibt. Aber für mich ist auch John Sinclair kein Trash - das müsste schon ein deutlich übertriebener sein, für mich

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