Warum setzt sich der Mehrkanalton auf Hörspielen nicht durch?

  • Im Filmsektor ist es gang und gäbe, dass Mehrkanalton für ein rund um Erlebnis sorgen. Auf Hörspielen sucht man Dolby 5.1. oder DTS, mit Ausnahme der DVD-Hörspiele, vergebens. Aber nicht nur das. Dolby Sorround und Sorround-Effekte haben sich in Hörspielen nicht durchgesetzt. Im Gegenteil, dank MP3 wird noch weiter komprimiert, wo runter der Ton noch mehr leidet. Lassen die Labels hier nicht ein großes Potential brach liegen? Wäre dies nicht eine Möglichkeit den Kinderschuhen zu entwachsen, sich von Kinderhörspielen und Hörbüchern zu unterscheiden und besonders die Cineasten und Fans von Kinofilmen für das Hobby "Erwachsenenhörspiele" zu begeistern?

    Als ich 1998 in den Foren eingestiegen bin, war eine meiner ersten Fragen an Carsten Hermann warum man keine Hörspiele in 5.1 Tonformat veröffentlicht. 13 Jahre später muss ich dies wieder fragen. In Sachen Tonformat hat sich das Hörspiel also nicht weiter entwickelt, ist man stecken geblieben. Ist nicht vielleicht das ein Grund warum die Hörspielbranche ins Stocken gerät? Weil man sich nicht weiter entwickeln konnte und die verschiedenen Möglichkeiten aus dem Kino- und Filmsektor nicht übernommen hat?

  • Eine gute Frage - ich glaube er meinte, dass die Zeit noch nicht reif sei. Möglicher Weise, weil die Datenmenge zu groß für eine CD sei. Heute darf das aber keine Entschuldigung mehr sein. Noch dazu wo Sorround-Effekte nicht unbedingt einen 5.1. Mehrkanalton brauchen. Die Ton-Effekte sind meistens zu eindimensional.

  • Also ich persönlich brauch das weder beim Film noch beim HSP. Für wen das was ist, wär das sicher interessant.

    . #

    Die einen kennen mich #winkewinke# - die anderen können mich#pokuss#

    " Ersteller des 1. Beitrages 2010,11+12 "

  • Zumindest beim Hörspiel scheinen sehr viele so zu denken. Im Grunde scheint der Hörspielfan überhaupt eher ein konservativer Mensch zu sein. "Neues" wird nur sehr schwer angenommen, selbst wenn es in anderen Bereichen des Lebens schon alltäglich ist. Ich nehme mich da weiß Gott nicht raus, sondern ich bin ein typisches Beispiel dafür - ich liebe Kassetten, mag keine downloads und halte auch an der CD fest. Keine Filmfirma würde es sich erlauben den Ton eines Blockbusters in Stereo abzuliefern.

  • Ich glaube, dass der Mehrkanalton hierfuer eher ungeeignet ist oder nicht qualitativ zufriedenstellend umgesetzt werden kann. Viele bezeichnen ja Hoerspiel als "Kopfkino". Dabei muss man aber bedenken, dass fuer ein Kino schlicht und ergreifend die visuelle "Eingabe" fehlt. Weniger ist bekanntlich mehr und die "raeumliche Justierung" in der Stereoaufnahme ist meist vollkommen ausreichend und effektiv um den erwuenschten Effekt zu erzielen.

    der Joe

    "Weiche aus, um nicht weh zu tun. Tue lieber weh, als zu verletzen. Verletze lieber, als zu töten. Töte nur, um nicht selbst getötet zu werden. Ruhst du in dir selbst, wird es dir gelingen, dich daran zu halten."

  • Müsste aber nicht gerade wenn der visuelle Teil fehlt, der Ton die Aufgaben dieses visuellen Teiles übernehmen und deutlich mehr bieten als ein einfaches Stereosignal #gruebel#

  • So "einfach" ist ein Stereosignal gar nicht.

    der Joe

    "Weiche aus, um nicht weh zu tun. Tue lieber weh, als zu verletzen. Verletze lieber, als zu töten. Töte nur, um nicht selbst getötet zu werden. Ruhst du in dir selbst, wird es dir gelingen, dich daran zu halten."

  • Ist Euch eigentlich klar wieviel Aufwand es ist 5.1 Signal zu erstellen? Selbst beim Film ist nicht immer alles in 5.1 das meiste ist Stereo und nur gesonderte Sequenzen bekommen die 5.1-Effekte spendiert. Also von der Produktion her ist das sehr teuer. Davon abgesehen die meisten CD-Player können nur Stereo und wer kann sich schon eine 5.1-Anlage leisten um damit Hörspiele zu hören?

    Um die Bewegungen im Raum hörbar zu machen bei der Aufnahme mit mehreren Micros gearbeitet werden, die Sprecher müssen sich Bewegen und wie im Theater agieren um es echt wirken zu lassen. Sicherlich kann man das auch simulativ später in der Postproduktion herstellen, aber das ist auch sehr aufwändig.

  • Davon abgesehen die meisten CD-Player können nur Stereo und wer kann sich schon eine 5.1-Anlage leisten um damit Hörspiele zu hören?

    Leisten könnten es sich die Leute vielleicht schon - zumal das ganze ja nicht nur für Hörspiele verwendbar wäre.
    Aber wenn ich mir so überlege, wo und wann am ehesten Hörspiele konsumiert werden, beantwortet das die Frage eigentlich bereits. Für den MP3-Player oder für die drei ??? beim Einschlafen macht 5.1 wenig Sinn.

  • @Telliminator/DiStefano: Eure Erklärungen scheinen die plausible Begründung dafür zu sein, dass sich das Tonformat nicht durchgesetzt hat - a) der technische Aufwand und b) die Anforderungen. Ich finde es trotzdem schade. Ich brauche keine ??? mit 5.1., aber bei einigen Hörspielen würde sich eine entsprechende Tonkulisse schon bezahlt machen. Abgesehen davon weiß ich noch, dass diese beiden Begründungen mir damals Mitte der 90iger entgegen gehalten wurden als ich auf der Suche nach einer Heimkinoanlage war. Im Filmbereich hat es sich dann trotz der Anforderungen und des Aufwandes durchgesetzt, im Hörspiel, das in erster Linie vom Ton "lebt" nicht. Irgendwie paradox, aber irgendwie auch nicht, weil der Ton wohl mit den Hörgewohnheiten der Menschen nicht kompatibel zu sein scheint.

  • Also ich brauche das nicht. Klar gibt es ein paar Top-Hörspiele, wo das noch das Tüpfelchen auf dem i wäre, aber beim Gros der Hörspiele ist das nicht notwendig und würde sich ja wohl auch unliebsam auf den Preis niederschlagen.


    Eins und eins ist zwei - von London bis Shanghai!

  • Provokant, aber nicht böse gemeint: Sind Hörspiele vielleicht gerade deswegen nur ein Nischenprodukt? Weil man zwar den Anspruch erhebt Hörspiele für Erwachsene zu machen, aber dafür nur ungeeignete Mittel einsetzt?

  • Provokant, aber nicht böse gemeint: Sind Hörspiele vielleicht gerade deswegen nur ein Nischenprodukt? Weil man zwar den Anspruch erhebt Hörspiele für Erwachsene zu machen, aber dafür nur ungeeignete Mittel einsetzt?

    Sicher nicht, denke ich. Wenn man sich umschaut, wie viele Leute Hörspiele gerne flexibel auf dem MP3-Player anhören, wäre noch mehr Aufwand um den Sound einfach zuviel des Guten. Klar wird es immer "High-End"-Fans geben, aber wie viele?


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  • Wahrscheinlich hast Du recht. Der Trend geht auch in eine komplett andere Richtung, nämlich in die Daten-Komprimierung. Aber interessant ist es doch, dass sich Film und Hörspiel eigentlich sehr ähnlich sind, aber doch zumindest in Sachen Ton in ganz andere Richtungen hin entwickeln.

  • Wahrscheinlich hast Du recht. Der Trend geht auch in eine komplett andere Richtung, nämlich in die Daten-Komprimierung. Aber interessant ist es doch, dass sich Film und Hörspiel eigentlich sehr ähnlich sind, aber doch zumindest in Sachen Ton in ganz andere Richtungen hin entwickeln.

    Das liegt wohl eher am "statischen" Einsatz des Mediums Film - und am sehr "mobilen" Einsatz des Hörspiels, meinst Du nicht auch?

    Während man Film fast immer im Wohnzimmer oder im Kino genießt, geht Hörspiel fast überall.


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  • @Markus_G.

    Datenkomprimierung und guter Ton müssen sich nicht ausschließen, abgesehen vom Aufwand stimme ich aber zu das 5.1 oder gar 7.1 Surround-Sound eine geiles Hörerlebnis bieten würde. Mittendrin statt nur dabei - je nach Genre Herzinfarkt inklusive ;D

  • Wieder ist ein bisserl Zeit ins Land gezogen, der Mehrkanalton hat sich nach wie vor nicht durchgesetzt. Nachdem sich der Download durchsetzen wird, frage ich mich ob sich dies positiv, negativ oder gar nicht auf den Ton und das Tonformat niederschlagen wird? Was meinen die hier anwesenden Labels? Warum kein Mehrkanalton bei euren Hörspielen?

  • Och, ne Amadeus-Folge in 7.1 können wir uns gut vorstellen - aber die Befürchtung ist wohl nach wie vor, dass die DVD dann von den meisten Hörern nicht gekauft werden würde, weil sie eben nicht im CD-Spieler am Bett, im Auto oder sonstwo läuft.

    Wir haben auch immer von einer Lady-Bedfort-Platte und einer -Kassette geträumt... Manche Sachen bleiben wohl Träume.

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