Vielen Dank für eure Reaktionen.
Danke insbesondere auch an Prince Adam für die sehr interessanten Fragen, die ich hier mal zu beantworten versuche.
Vorausgeschickt sei die Bemerkung, dass es sich hier um meine persönliche Meinung und Herangehensweise handelt. Das mag von Autor zu Autor variieren.
Bei Sherlock Holmes ist es für mich so, dass ich da ein relativ fest gefasstes Bild von Aussehen, Charakter und Verhaltensweise habe. Dieses ist für mich bei allen Serien und Reihen ziemlich gleich, fast wie eine Schablone, und ist einfach der fiktiven Person Sherlock Holmes und der Unmenge an bereits veröffentlichtem Material geschuldet. Da hat sich dieses Bild herauskristallisiert und ich versuche dann, einen Fall zu konzipieren, der auf dieses Bild passt. Dabei gibt es immer das Gespann Holmes/Watson, das für mich immer entsprechend der Doyle-Charaktere agieren sollte, sodass die Figuren weiter unverkennbar bleiben, egal, in welches Szenario ich die beiden stecke. Es geht aber auch anders herum: Ich entwickle eine Idee mit einem entsprechenden Krimi-Plot und schaue danach, auf welchen Ermittler/auf welche Serie oder Reihe diese Idee am besten passen könnte.
Bei Van Dusen ist es etwas komplizierter, wenngleich die Herangehensweise ähnlich ist. Entscheidend ist für mich in erster Linie, was vom Auftraggeber gewünscht ist. Bevor ich zu den "Neuen Fällen" von Maritim/All Score Media kam, hatte ich mit der Figur "Van Dusen" keinerlei Berührungspunkte gehabt. Ich habe weder die Originalgeschichten von Futrelle gelesen, noch hatte ich bis dahin eines der Hörspiele von Michael Koser gehört. Asche auf mein Haupt. 
Bevor ich mich also an die Arbeit machen durfte, habe ich das alles nachgeholt, um mich so gründlich wie möglich auf die bevorstehende Arbeit vorzubereiten. Ich erhielt für die erste Folge "Professor van Dusen im Spukhaus" - was für mich eine große Ehre war - das bereits vorliegende Exposé von Michael Koser, nach dem ich dann eine erste Skriptfassung schrieb. Danach folgten ein bis zwei Telefonate mit Michael Koser und ein paar Abstimmungen und Verbesserungen, die ich am Skript vornahm. Das war meine erste Arbeit zu "Van Dusen". Was danach kommen sollte, hätte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht auszumalen gewagt.
Zur Herangehensweise: Bei den "Neuen Fällen" ist die Sache ziemlich klar. Diese sind eindeutig im "Koser-Universum" angesiedelt und werden in die bestehende Zeitlinie eingegliedert. Sie sollten gerne auch einen historischen Bezug haben, wobei ich immer betonen muss, dass ich sehr weit davon entfernt bin, ein Historiker zu sein, wie es der von mir sehr geschätzte Michael Koser war.
Bei der Holysoft Serie war es so, dass von Anfang an klar war, dass die Fälle in der Jetztzeit spielen sollten und Hatch weiblich ist. Das sind die grundlegenden Unterschiede, aus denen sich jedoch viel ergibt, wie z. B. etwas modernere Verbrechen, vor allem aber auch die hin und wieder stattfindenden geschlechterspezifischen Kabbeleien zwischen Van Dusen und Hatch, die es bei den "Neuen Fällen" so nicht gibt. Insofern sind meine Ideen für die Holysoft-Serie anders. Hier gibt es auch eine Rahmenhandlung, die ich mal weniger, mal mehr vorantreibe. Van Dusen darf hier zwischendurch auch mal leicht schwächeln, ihm darf ein Missgeschick passieren. Die Hauptsache ist, dass sein Charakter dennoch erkennbar bleibt und sein Intellekt natürlich ebenso. Ich versuche immer, "besondere" Fälle zu schaffen, was hin und wieder dazu führt, dass sie dem einen oder anderen Hörer zu konstruiert vorkommen. Das nehme ich mir selbstverständlich zu Herzen und versuche, das bei kommenden Fällen zu berücksichtigen. Es ist halt immer ein wenig der berühmte Spagat, den man als Autor irgendwie hinbekommen muss.
Ich weiß nicht, ob das die Frage vollumfänglich beantwortet. Es gibt aber vielleicht einen kleinen Einblick in meine Arbeit.
Herzlichen Dank für die Erwähnung von Dr. Cornelius Stahl. Das war/ist eine Reihe, mit der ich ca. 2010 anfing, Geschichten zu schreiben. Dr. Stahl ist jemand, der durchaus Ähnlichkeiten mit dem Holysoft Van Dusen hat. Insofern waren das damals wertvolle Fingerübungen für mich. Ich möchte diese Zeit und diese Reihe auch nicht missen. Ich nehme mir immer wieder vor, die Reihe fortzusetzen, doch es fehlt mir leider die Zeit dazu. Einer Hörspielbearbeitung und Fortsetzung der Reihe würde ich mich nicht verschließen. Da müssten halt nur ein paar rechtliche Dinge mit allen Beteiligten geklärt werden.