Posts by Martin Seebeck

    Zu dieser kryptischen Überschrift muss ich natürlich Einiges ergänzen, auch in der Gefahr, dass ein großer Teil der Leser "wtf" murmelt und sich aus den Antworten zur Frage raushält.

    Ansonsten würde mich mal eine Serie interessieren, die sich um Kontakt mit Außerirdischen dreht, die eben nicht zwei Beine, eine "Nase" mit kleinen Hubbeln dran haben und auch sonst ziemlich menschenähnlich sind, sondern die eher in die Richtung von "Arrival" tendiert. Aliens, bei denen ALLES anders ist.

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    Ich habe neulich mal wieder den Film "Arrival" gesehen und mich mit großem Vergnügen in der Meta-Zeitebene des Films verloren. Ich kann kaum in Worte fassen, wie sehr es sich wie ein Balsam auf der Seele anfühlt, dass die Aliens in der Geschichte mal nicht so aussehen:

    Hauptsache andockend an Urängste des Menschen, die sich meistens an Insektendesigns oder Reptilien orientieren und üblicherweise gruselige Münder/Zähne/Tentakel haben
    Das einzige "Fremde" hier sind Gummiprothesen überdeckt von Makeup; ansonsten ist alles exakt wie Menschen, also zwei Arme, Beine, Kopf mit zwei Augen über einer "Nase" über einem Mund (vorzugsweise in SF-TV-Serien, die nicht nur wenig Geld für aufwendigere Gestaltung haben, sondern darauf bauen wollen/müssen, dass die Aliens schnell für menschliche Zuschauer einfach genug verständlich genug sind, um die Story nicht auszubremsen)

    ... denn damit sind die Stories so vorhersehbar langweilig! Es geht dann nämlich entweder in die Richtung "huaaaa!" #spinne#oder in die Richtung "die Aliens stehen eigentlich nur für eine Strömung bei den Menschen, die aber sich nicht so gut erzählen ließe, aber fremd ist hier nix". Aber warum eigentlich?

    "Arrival" erzählt wunderbar gleichzeitig über den Wert von Leben im Angesicht des Todes, die Komplexität von Zeit und Kommunikation und von der Begegnung mit dem Anderen. Und dazu muss kein Schuss fallen, kein Krieg ausbrechen oder ein Monster jemanden von innen her auffressen. Und der Film spielte das Vierfache seiner Produktionskosten ein. Also hatte er sein Publikum gefunden. Wie ist das beim Hörspiel?

    Es gibt natürlich das kopfgesteuert-intellektuelle Erzählen, das jahrzehntelang geradezu Eintrittsvoraussetzung bei den Ö/R war. Das mit jeder zweiten Dialogzeile dem Zuschauer vermittelt hat "das hier ist Kunst", "das hier ist wichtig", oder "guckt mal, was ich für'n cleverer Typ bin". Aber darum geht es mir nicht. Mir geht es um diese wunderbare Vielschichtigkeit im Erzählen, die ich genieße und im Hörspiel viel zu selten (für meinen Geschmack) antreffe.

    Am Beispiel des Films "Arrival": das Staunen beim Entziffern einer völlig anderen, nonlinearen Sprache, und dass die, die diese Sprache lernen, plötzlich Zeit anders wahrnehmen. Wie cool ist das denn?! Die Komplexität der Beziehung zwischen Louise und Ian, bei der es mir jedes Mal so geht, dass ich mal die eine, mal die andere Seite besser verstehe und ihr nahe bin. Und die Unvorhersehbarkeit der Handlung, die ein paar Mal in bekannte Eskalationen droht abzubiegen und dann immer wieder Überraschungen bereithält. Und nicht zuletzt der totale Mindf*ck, der sich einstellt, wenn

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    sich herausstellt, dass die Anfangsszenen nach dem Ende des Films spielen.

    Ist das als Wunsch zu viel verlangt, einfach weil Menschen solche Vielschichtigkeit bei Buch und Film mögen, aber nicht beim Hörspiel?

    Ok, aber das ist ein anderer Schwerpunkt. Wenn sich Skeletor und He-Man unterhalten, ist das dick Aufgetragene schon im Stil eingepreist. Wenn die sich "realistisch" unterhalten würden, käme keiner mehr mit. Daraufhin würde das "Realistische" (so unterhalten sich echte Menschen) auch nicht "passen".

    Aber Deine Frage war "Hast Du Beispiele für realistische Dialoge in kommerziellen Hörspielen?" -- und Du hast nach Beispielen gefragt. Hier ist eins. Und wenn es Reaktionen darauf gibt, postet vielleicht auch noch ein anderer Hörspielmacher ein Beispiel.

    Am besten falsifiziert man Aussagen mit entsprechenden Gegenbeweisen. Hast Du Beispiele für realistische Dialoge in kommerziellen Hörspielen? Muss ein Hörspiel Deiner Meinung nach realistische Dialoge haben um zu funktionieren?

    Chris2710 wird sicher auch noch reagieren, aber ich biete mal was an: aus UAES eine Dialogszene beim Frühstück, und direkt daran ein Telefonat. Nehmt die Szene auseinander, was klingt wie natürlich für Eure Ohren und warum?

    https://www.interplanar.de/wp-content/uploads/Episode-06-Teil-03.mp3

    Vielleicht, nur vielleicht, wenn die Gegenbewegung zum Streaming, die der Guardian hier beobachtet, zu einer Renaissance des „Nicht-Überall-Verfügbaren“ führt, das auch die Unter-40jährigen erreicht:

    ‘If you can’t hold it, you don’t own it’: why media fans want to escape algorithms with CDs, DVDs and vinyl
    People describe their return to physical media – whether to protect data, support artists, or retain control of one’s choices
    www.theguardian.com

    Richtig klasse finde ich dieses Fanvideo, das sich die Eröffnungsschlacht aus dem ersten Kinofilm vornimmt und das Problem löst, das mich immer genervt hatte.

    Die Klingonen ballern jetzt nicht mehr dumm sofort auf das Unbekannte drauf, sondern reagieren auf einen Notruf. Auch verläuft die Schlacht etwas dramatischer.

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    Es ist ja schon eine Weile her, dass diese Frage intensiver diskutiert wurde, aber aus Macherseite sehe ich das so:

    In meiner aktiven Musikhörzeit war für mich folgende "Grauzone" akzeptabel -- ich stelle aus meinen CDs ein Einzelstück zusammen und verschenke dieses. Nicht nur ist es dann individuell, genau so gibt es das auch nicht noch ein zweites Mal, und wenn jemand aufgrund meiner ach-so-geschmackvoll zusammengestellten CD dann die eine oder andere Band für sich entdeckte und anfing, sich weiteres aus deren Oeuvre zuzulegen, freute ich mich.

    Ähnlich sehe ich es bei Hörspielserien. Wenn jemand eine Folge oder zwei aus einer Serie kopiert und verschenkt (nicht verkauft, natürlich), steigt die Wahrscheinlichkeit (wenn auch nicht Sicherheit), dass die beschenkte Person Gefallen findet. Es ist die persönliche Empfehlung und Verbindung, die es dann für mich akzeptabel ausmacht.

    Anders sehe ich das natürlich in Bezug auf Warez-Seiten mit deren Ehrgeiz, die ganzen Serien einzustellen. Der Schaden ist dann, nachvollziehbar, deutlich größer.

    Ralf Richter ... der "Mann, der Dr. Voss tötete" (der RA in "Fall für zwei" im Jahr 2000).

    Aber zuerst aufgefallen war er mir als der überdrehte Bankräuber neben Heinz Hoenig in "Die Katze", dem vielleicht besten Banküberfalls-Thriller, den die Deutschen je gedreht haben:

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    Ich hatte keine Ahnung, dass es ihm schon länger nicht gut ging ...

    Hier noch nicht erwähnt, und gerade in der Mediathek:

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    Sehr schöner Film, großartig erzählt und ein Hochgenuss in Zeichnung und Animation.

    "Lena" von Pur. Ich kann die Musik von dieser Band generell nicht ausstehen, aber dieser Song mit seinem dummen Text ist für mich einfach nur unerträglich. So viele Menschen denken immer, ich wäre nach diesem Song benannt worden, dabei hat meine Mutter diese Band nie gehört, eher Rockmusik oder französische Chansons.

    Kann ich völlig nachvollziehen. Melodie langweilig und Text echt zum Abgewöhnen, Reimdichoderichfreßdich.

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    Sofort zum Senderwechsel zwingen mich außerdem: "Final Countdown", "Wind Of Change", "Atemlos durch die Nacht", "Sweat (A la la la la long)", "Wishmaster", "Shape of you" und "Like a prayer".

    Zitat von Markus G.: Das Problem bei solchen „unbekannten“ Serien ist, dass man zügig Nachschub braucht, sonst geraten sie in Vergessenheit. Ein Fehler den auch renommierte Labels wie HM-Audiobooks leider machen. In Streamingzeiten wo es so viele Hörspiele Woche für Woche gibt, muss es schneller gehen. Ich hab die Serie schon wieder vergessen und weiß auch Nix mehr von der Startfolge.

    Dies ist dann wohl ein eindeutiger Fluch vom Stream. Sicher, durch die Flut der wöchentlich erscheinenden Hörspiele, da gehen dann neue junge Serien oder gar neue Einzelhörspiele unter. Aber was wäre hier die Lösung? Ein alles im Voraus produzieren oder ein schnellerer Takt verschlingt sicher viel Geld.
    Wie war dies zu Zeiten vom Datenträger, gab es da diese Probleme nicht? Sind da junge Serien nicht untergegangen?

    Wenn man als Staffel veröffentlicht, ist die Aufmerksamkeit einmal da, und dann verrschwindet sie genauso schnell als hätte man eine Einzelfolge auf den Markt gebracht. Von daher bin ich, nach zwei veröffentlichten Serien im Staffelsystem, von der Idee wieder weg.

    Verstehe ich gut ... aber ein Gedanke dazu: dass etwas in der Zukunft oder im Weltraum spielt, macht es für mich noch nicht zur SF. Sowohl die Zeit ("Zukunft") wie der Ort ("Weltraum") sind eben Zeit und Ort, aber nicht das Genre. Zum Genre SF macht eine Geschichte für mich die Begegnung mit dem "Anderen" (innen, außen, gesellschaftlich) und das "was wäre, wenn".

    Den Vergleich mit dem Seefahrerabenteuer finde ich dabei ausgesprochen treffend. Man könnte viele Geschichten wahrscheinlich tatsächlich aufs Meer zurückverlegen, Raumschiffe gegen Schiffe und Raumhäfen gegen Seehäfen austauschen, ohne dass ihr Kern zusammenbrechen würde. Aber macht sie das automatisch zu weniger Science-Fiction? Da bin ich mir nicht sicher. Schließlich lassen sich auch Kriminalgeschichten in den Wilden Westen verlegen, ohne dass sie deshalb aufhören, Krimis zu sein.

    Oder, in diesem Fall würde ich sagen: "eine Geschichte, die im Weltraum spielt, aber ohne wirklichen Verlust auch auf den Ozeanen der Erde spielen könnte, ist für mich eine Seefahrergeschichte, die halt im Weltraum spielt -- aber sie ist keine SF."