Posts by Martin Seebeck

    Also wenn jemand ein schlechtes Hörbuch hört und dann das nächste innerhalb der Serie auch noch, dann kann es letztlich für den Betreffenden nicht so schlecht sein.

    Ja, aber dann erübrigt sich jedes Klagen über "Mittelmaß" oder "verschwindende Qualität", denn dann ist das einfach nur darwineskes Überleben der Tüchtigen. Der Markt entscheidet, und wenn die Algorithmen die Kunden füttern und die Kunden mit dem Futter zufrieden sind, dann ist alles gut.

    Nur bitte nicht den Kuchen essen und behalten wollen.

    Wir, Kassettenkinder-Generation etc., definieren Erfolg noch anders. Für uns heißt "Erfolg", dass jemand sich positiv äußert, eine Kritik schreibt, ein gutes Buch oder Hörspiel weiterempfiehlt. Und so spricht es sich rum und wird was (oder eben nicht).

    In der Aufmerksamkeitsökonomie braucht es das nicht mehr. Es reicht, wenn du deine Zeit hingegeben hast. Wenn du es gehört hast, egal, ob es dir gefallen hat, oder nicht, das heißt, es geht in die Algorithmen ein. Andere bekommen es weiterempfohlen, weil du es gehört hast. Wenn es scheiße für dich war, das ist egal, denn Menschen schreiben ja nichts mehr darüber. Sie gehen zum nächsten Hörbuch über. Deswegen kann auch eine Übersetzung von der K.I. schlecht gemacht sein, auf die großen Zahlen umgerechnet ist es egal, ob es für dich gut war. Du hast es gehört. Das reicht.

    Wenn etwas gut übersetzt oder produziert war, aber es nicht in diese Aufmerksamkeitsmechanismen Eingang gefunden hat, das ist egal, denn es erfährt ja keiner. Und wenn es keiner mitbekommt, warum der Aufwand?

    Das sich inzwischen deutlich herauskristallisierte Problem mit dem Einsatz der K.I. ist der Mensch. Und zwar nicht der Mensch als Ganzes, sondern speziell die Eigenschaft, die ihn, wenn man ihn in Bezug auf eine NEUE ENTWICKUNG fragt, in welche Richtung denn die Entscheidung gehen soll, "billiger" oder "besser", immer zu Ersterem greifen lässt.

    Neuestes Beispiel: die K.I.-Übersetzungen bei Audible. Ich zitiere nur einen Ausschnitt, den Rest des Artikels bitte selbst vor Ort lesen.

    Quote

    Natürlich bleibt es jedem Autor und Verlag selbst überlassen, in welcher Qualität sie ihre Werke veröffentlichen. Richtig peinlich wird es jedoch, wenn sprachliche Totalausfälle unkorrigiert als Hörbuch vertont werden. Man fragt sich unweigerlich, ob überhaupt noch echte Menschen diese Texte einlesen oder vorab prüfen. Ein Sprecher, der solche sinnbefreiten Sätze unfallfrei vorträgt, macht das Erlebnis unfreiwillig komisch. Traut sich keiner der Hörbuchsprecher bei offensichtlichem Stuss, das Gespräch mit Übersetzern und Verlagen zu suchen? Die Qualitätskontrolle bei Audible scheint in diesen Fällen völlig zu versagen. Möglicherweise zwingt der Druck, massenhaft neue Inhalte produzieren zu müssen, die Anbieter dazu, grundlegende Standards über Bord zu werfen.

    Genau an letztem Satz hänge ich mich noch extra auf. Niemand "zwingt" hier irgendwen. Auch Audible nicht, die schon gar nicht.

    Ich ärgere mich über die Verachtung, die aus so einer Strategie spricht. "Lass mal das LLM machen, die Fehler versenden sich eh, die Hörer(innen) hören sowieso nicht zu oder sind zu dumm, um die Fehler zu bemerken, und außerdem sind das meiste Nackenbeißer-Kitsch-Wälzer, da spielt es keine Rolle. Und so kostet es uns nix."

    Die drei Konzerte von John Williams mit den Philharmonikern wurden zu einer großartigen Bluray zusammengeschnitten, der man die Begeisterung der Musiker für den Dirigenten (dem bestimmt ein Drittel den Wunsch verdankt, überhaupt Orchestermusiker werden zu wollen) deutlich anmerkt.

    Wer das noch nicht hat ... lohnt sich; die Musikauswahl (aus diesem wirklich beeindruckenden Portfolio) ist zudem sehr gelungen:

    External Content www.youtube.com
    Content embedded from external sources will not be displayed without your consent.
    Through the activation of external content, you agree that personal data may be transferred to third party platforms. We have provided more information on this in our privacy policy.

    Die Diskussion dreht sich doch etwas im Kreis. Ich glaube, der Zug ist abgefahren, und die Hörspielhörer werden sich einfach daran gewöhnen müssen, dass es so ist, wie es ist:

    • dass es deutlich günstiger geworden ist, viele Hörspiele, aber selten das einzelne zu hören
    • dass die Bandbreite aufgrund des Diktats der Algorithmen schmaler geworden ist (der Holmes-Effekt: was bekannt ist, wird noch mehr gehört)
    • dass es unmöglich wird, den Überblick über die Flut von Neuerscheinungen zu behalten bzw. "alles" zu hören
    • dass produzentenseits Hörspiele stromlinienförmiger gestaltet werden müssen, um noch wirtschaftlich herstellbar zu bleiben, damit gehen Detailmerkmale wie individuelle Rollenentwicklungen eher unter ("Herr Schenk, so wie immer. Und: bitte!")

    Und all das hat Vor- und Nachteile. Denn wer sagt denn, dass das, das fehlen wird, auch vermisst wird?

    Mit dem "Hoppers" - Film konnte ich was anfangen, aber das hier macht mir wieder klar, dass entweder das Prinzip "man braucht eine gute Story, um einen guten Film zu machen" nicht mehr gebraucht wird -- oder ich einfach völlig raus bin (als Nebenfiguren finde ich die Minions ja witzig, aber 90 Minuten lang? Weia).

    Ich finde, es ist müßig, darüber zu diskutieren, wie als wie erfolgssteuernd das Marketing bei Hörspielserien einzustufen ist. Mit den Zahlen und Statistiken bzw. Erfolgshebeln rückt kein Label raus, daraufhin ist es vielleicht hilfreicher, die weiteren Faktoren zu betrachten:

    1. Bekomme ich die Hörer dazu, davon anderen zu erzählen?
    2. Hat es eine zirkuläre Dramaturgie (soll heißen, können die Hörer Folge 63 nach der Folge 84 und der Folge 10 hören, ohne was verpasst zu haben)?
    3. Ist es ein Franchise, das für sich steht? Tie-in-Hörspiele mögen zwar lange in den Charts bleiben ("Frozen"), aber das sind keine Serien
    4. Braucht man als Hörer wenig Aufwand, um in die Welt reinzukommen (das berührt dann die Genrefrage)?

    Dann kann man mal den Test machen: DDF und TKKG 2-4 check (bei 1 weiß ich nicht Bescheid, was sagen die Fans dazu?) / John Sinclair 2-3 check (was ist mit 1 und 4?) usw.

    Vielleicht schreiben hier ein paar Foristen zu ihren Lieblingsserien, ob sie die Punkte 1 bis 4 erfüllt sehen. Wenn das Ergebnis sich mit dem Erfolg der Serie deckt, stimmt die These.

    Wie würde Takimo hier abschneiden? Wie Mark Brandis? Und wie "Die letzten Helden"?

    Ich werde mal versuchen einige meiner für mich besten Serien zu nehmen und sie diesen Test zu unterziehen. Ich bin gespannt :thumbup:

    Kam was dabei raus?

    Hierzu fällt mir direkt dieses Hörspiel ein. Diese wunderschöne orchestrale Musik (ich kenne leider den Titel nicht), als Oliver sich dazu entschließt nach London zu gehen.

    Ist sowieso ein wahnsinnig gutes Hörspiel.

    Das ist zu 100% die "Unvollendete" von Schubert.

    Display Spoiler

    External Content www.youtube.com
    Content embedded from external sources will not be displayed without your consent.
    Through the activation of external content, you agree that personal data may be transferred to third party platforms. We have provided more information on this in our privacy policy.

    Unter diesem Link könnt Ihr sie jetzt einsehen: der Deal innerhalb Deutschlands ist: ab 3 CDs (à 3€) von MB und MBRK wie vorrätig im Warenkorb wird das Porto erlassen. Die CDs sind noch original-eingeschweißt.

    Greift zu -- das ist die letzten Audio-CDs (im Handel sind sie längst vergriffen). Ich brauche nicht besonders zu betonen, dass Interplanar-Hörspiele sich doch nochmal besser anhören mit CD-Bitrate und -Auflösung gegenüber MP3-Dateien, selbst wenn die 320er wären.

    Sehr gut geschnitten, ausgezeichnet komponiert und mit erstaunlich vielen unbekannten Aspekten.

    Schaut sie Euch an, es lohnt sich:

    BONEY M. – Disco. Macht. Legende. - hier anschauen
    Boney M. ist einer der erfolgreichsten deutschen Pop-Acts aller Zeiten. Während „Rasputin“ heute mit über 22 Milliarden Views auf TikTok viral geht, zeigt die…
    www.ardmediathek.de

    Für mich das Highlight: Bobby Farrells verlassene Tochter als Eventpromoterin, die ihren verschwundenen Vater zu fotografieren scheint. Mehrschichtiges Erzählen, wie es sein soll.

    Welche Label könnte heute diese Rolle einnehmen? Jeder kennt und hört sie, aber irgendwie sagt man das nicht gerne laut? Gibt es so was überhaupt?

    Das beste Beispiel an der Stelle sind doch "Die drei Fragezeichen".

    Seid 150 Folgen liest man überall zu jeder Folge: "Kommt an die Klassiker nicht ran".

    Gekauft wird der Kram aber trotzdem wie verrückt.

    Das ist für mich tatsächlich die passende Analogie. Sieht man sich jetzt, so mal knapp 40 Jahre nach dem Ende von Mark I und so vielleicht 25 Jahre nach dem Ende von Mark II mal an, was auf den Konzerten von Herrn Anders so abgeht, zweifelt man manchmal am Verstand gewisser Konzertgänger, solange, bis man den Nostalgiefaktor voll einberechnet. Dann passt es wieder.

    External Content www.youtube.com
    Content embedded from external sources will not be displayed without your consent.
    Through the activation of external content, you agree that personal data may be transferred to third party platforms. We have provided more information on this in our privacy policy.

    Und so ist es mMn auch mit den ??? -- spricht man mit den Fans, bekommt man eigentlich immer zu hören, dass es die ersten Folgen sind, die sie bis heute bei der Stange halten. Und die, nicht die aktuellen Veröffentlichungen bzw. deren Qualität, lassen die Hörer die Portemonnaies zücken.

    Bei MT sind die Fans außerdem über das "ich schäme mich deswegen" längst hinaus, die sind eher stolz darauf.

    Ich kann mit Zombies überhaupt nichts anfangen, es sei denn, es ist eine überdrehte Parodie auf das Genre (z.B. die entsprechenden Episoden bei Castle oder Akte X). Vor zehn Jahren oder so gab es aber mal die perfekte Kombi aus Zombies, Hörspiel und Fitness-App:

    External Content www.youtube.com
    Content embedded from external sources will not be displayed without your consent.
    Through the activation of external content, you agree that personal data may be transferred to third party platforms. We have provided more information on this in our privacy policy.

    Die Idee dabei ist die Kombination interaktiver Hörspielepisoden, die man als Botenläufer in einer postapokalyptischen Welt erlebt, voll ausproduziert und auf das "erste Person-Gefühl" hin produziert, mit einem Punktesystem, das einem Belohnungen für gelaufene Strecke aufs Konto schreibt, und schließlich im Zufallsystem plötzlicher "Zombiewarnungen", bei denen man dann aus dem Stand 20% schneller laufen muss, für eine Minute oder so, um nicht die gesammelten Punkte wieder zu verlieren.

    Das funktionierte 1A. Die Motivation funktionierte super, und ich fand nur schade, dass es nie eine deutsche Synchro dafür gab.

    Aber für ein volles Erlebnis, d.h. eine komplette Story im Hörspiel so wie die "Last Of Us"-Games, tragen mir Zombies Geschichten nicht gut genug.

    Es ist eine Kiste, und insgesamt vielleicht 160 CDs OVP quer über beide Serien Ich überlege, sie in das kleine Shopsystem einzupflegen, damit man sehen kann, was genau da ist. Ich will sie aber dann zu einem Bundlepreis einstellen, z.B. „je 3 für zus. €X“

    Gesetzt den Fall, Ihr hättet gerne noch CDs für Eure Sammlung — bei welchem Bundlepreis inkl. Porto würdet Ihr sagen „jo, mache ich“?

    Okay, das wäre mir jetzt nicht als "Haupt"thema ins Ohr gesprungen, aber wer bin ich, dem Autor zu widersprechen :)

    Ich habe gemerkt, es gibt Definitionsprobleme zwischen "Handlungsfokus", "Botschaft" und "Thema". Dazu aber mehr anderswo.

    So viele Geschichten, wie erzählt werden, die alle den Bedarf nach Anfang, Mitte und Ende haben; da ist es klar, dass es nicht unbegrenzt viele Handlungsabläufe gibt. Ein Hörspiel ist dann auch durchschnittlich, wenn es nichts Einzigartiges anzubieten hat. Wenn man also das Gefühl hat, "eigentlich schon mal gehört". Hörspiele, die sich nur an der Handlungsebene entlang bewegen und keine weiteren Ebenen aufbauen, sind da in größerer Gefahr.