Frankfurter Buchmesse 2009

  • Die Frankfurter Buchmesse war in diesem Jahr im Bereich der Hörbücher und Hörspiele eher spärlich mit Neuheiten gesät. Zwar war die Ausstellungsfläche des Gemeinschaftsstands der Hörbuchverlage mit 600 m² größer und somit für den Besucher erfreulicherweise nicht mehr so beengt wie in den Jahren zuvor, aber es waren auch 10% weniger Aussteller da. Ein großen Teil der Fläche nahm die neue Hörbuchhandlung ein, in der während der ganzen Messe, und nicht nur am publikumsoffenen Sonntag, Hörbücher verkauft wurden. Eine gute Idee, die man von der Leipziger Buchmesse übernommen hat.

    Liebe Verlage, es reicht nicht aus, den Stand mit hübschen Messehostessen zu besetzen, die aber keine Auskunft über die Produkte geben können. Auch waren manche Stände verwaist und einige Verlage, die im Vorjahr noch anzutreffen waren, glänzten ganz mit Abwesenheit. Auch kam es öfters vor, dass man am Stand auf den Menschen verwiesen wurde, der ausgerechnet gerade nicht am Stand war. So gewinnt man keine Kunden!
    Die Lauscherlounge dagegen präsentierte sich mit Oliver Rohrbeck unter ihrem neuen Logo. Der große Lübbe-Stand war am Freitag gegen 14 Uhr aufgrund von Menschenmassen und kreischenden Fans nicht zu erreichen, als Til Schweiger zu einer Signierstunde seines Kinderbuchs „Keinohrhasen und Zweiohrküken“ an den Stand kam. Das war sogar am Samstag der Bild-Zeitung auf der letzten Seite einen Artikel wert!
    Gerüchteweise hörte man, dass am ersten Messetag zwar der neue Dan Brown-Roman „Das verlorene Symbol“ sehr werbewirksam mit LKWs angeliefert wurde, die Hörbuchfassung am Stand von Lübbe sehr zum Ärger von einigen Hörbuchfans aber vergessen wurde. Typisch möchte man sagen, denn werden Hörbücher im Buchhandel seit eh und je stiefmütterlich behandelt.
    Der Hörverlag stellte neben dem zweiten Val McDermid-Krimihörspiel „Schlussblende“ das Hörbuch von Frank Schätzings neuem Roman „Limit“ vor, das am 3. Dezember 2009 erscheinen wird. Gelesen wird das Mammutwerk auf 20 CDs von Heikko Deutschmann. Ein Hörspiel davon ist auch geplant, kann aber aus Zeitgründen frühstens 2010 produziert werden.
    Beim Patmos-Verlag gabs nichts Neues und die „Tripods“-Hörbücher waren unverständlicherweise mal ganz unten im Regal einsortiert, obwohl demnächst die Serien-DVD von „Die dreibeinigen Herrscher“ erscheint. Da hätte man die Hörbücher doch wieder etwas pushen können...
    Auch Alive war abseits der anderen Hörspielverlage und präsentierte nur ein beschränktes Sortiment an Hörspielen, die sie im Vertrieb haben. Immerhin zeigten sie dort die neue Jugendserie „Team Undercover“, die über Alive vertrieben wird.
    Ivar Leon Menger (Autor von Dodo und Darkside Park) konnte man kurz hallo sagen, bevor er ständig von Freunden umgeben und im Gespräch war. Auch Kai Meyer, der letzthin bei der Hörspielpremiere von „Die Geisterseher“ bei uns im Chat war, konnte man treffen. Weitere Prominente waren DSDS-Juror und Ex-Musikmanager Thomas M. Stein, Prof. Hademar Bankhofer und Peter Großmann (vom ARD-Morgenmagazin), Michael Wirbitzky und Sascha Zeus, die allesamt ihre Bücher bzw. ihre Autobiografie vorstellten.

    War noch jemand dieses Jahr auf der Frankfurter Buchmesse? Wie sind eure Eindrücke gewesen?

  • Auch ein #danke# von mir! Schöner Bericht, wenn auch etwas frustrierend... So kenne ich die Hörbuchfläche auf der Buchmesse leider auch: verwaist oder mit lächelnden Uninformierten bestückt...


    Eins und eins ist zwei - von London bis Shanghai!

  • Gerüchteweise hörte man, dass am ersten Messetag zwar der neue Dan Brown-Roman „Das verlorene Symbol“ sehr werbewirksam mit LKWs angeliefert wurde, die Hörbuchfassung am Stand von Lübbe sehr zum Ärger von einigen Hörbuchfans aber vergessen wurde. Typisch möchte man sagen, denn werden Hörbücher im Buchhandel seit eh und je stiefmütterlich behandelt.

    Dem möchte ich gerne widersprechen. Hörbücher von neuem Werk von Dan Brown waren vorhanden (zumindest noch zahlreich am Donnerstag, als ich eines mitnehmen durfte). Hörbücher haben mittlerweile ihren Stellenwert im Buchhandel, was auch die teilweise sehr guten und umfangreichen Hörbuchprogramme einiger Verlage unterstreichen. Sicherlich könnten diese weitaus besser präsentiert und auch als Alternative bzw. Zusatz zum Buch angeboten werden, aber eine moderne Buchhandlung kommt am Hörbuch nicht vorbei. Leider sind auch viele Kunden ein wenig pikiert, wenn ihnen ein Hörbuch angeboten wird (O-Ton "Ich kann schon lesen..."). Es existieren immer noch Berührungsängste, die wir noch nehmen müssen (vor allem beim Hörspiel!)

    Die von dir angesprochene "stiefmütterliche" Behandlung findet sicherlich noch im Buchhandel statt, keine Frage, aber die Gemeinsschaftsstände der Hörbuchverlage tragen leider nicht zu einer besseren Basis zwischen Verlag und Buchhandlung bei. Schon im letzten Jahr war mir der Bereich ein kleines Greuel. Trotz der Enge wirkten die Stände verloren, die Regale irgendwie leer. Dieses Jahr bestätigte meinen Eindruck abermals, mit dem Unterschied (den du auch schon beschrieben hattest), dass sogar fachkundiges Personal schwer zu finden war. Es mangelt an einer klaren Linie, eventuell das Geld um eine wirklich gute Präsentation auf die Beine zu stellen. Das einige Hörbuch-Verlage dieses Jahr nicht anzutreffen waren ist zudem ein Indiz, dass sich der Aufwand für die Messe in deren Augen nicht lohnt oder schlichtweg zu kostspielig ist. Immer mehr Verlage müssen Kosten senken, effizienter werden. Das gilt für große, renommierte, etablierte Publikumsverlage, als auch für kleinere in wahrscheinlich noch größerem Maße. Zudem gönnen sich nur wenige Verlage die Möglichkeit (indes auch den Luxus) Hörbücher in Eigenregie zu produzieren und zu vertreiben. Vieles läuft ja auch über Autragsarbeiten.

    Da ich nur am Donnerstag auf der Messe war, kann ich kein großes Fazit ziehen. Ich habe mich auf die großen Publikumsverlage konzentriert. Daher war es recht entspannt, habe viele nette Gespräche geführt. Insofern ein schöner Tag, der keiner Hetze oder Stress unterlag. Als Buchhändler freue ich micht natürlich über die zahlreichen starken Neuerscheinungen und das Frühjahr 2010 wird auch ein paar Perlen mit sich bringen.

    Edited once, last by Panaray (October 21, 2009 at 11:42 AM).

  • Also ich war am Mittwoch auf der Buchmesse.
    Vergleiche mit dem Vorjahr kann ich nicht ziehen, da ich letztes Jahr zum ersten Mal überhaupt dort war und obendrein am Sonntag. Ich habe diesen Besuch lediglich als überwältigend und überfüllt in Erinnerung. Ob ich damals nun mehr Neues gesehen habe als dieses Jahr, das kann ich entsprechend nicht sagen.
    Was ist mir aufgefallen?
    Tja, am deutlichsten, dass es an mehreren Ständen auf Fragen hin hieß "Tja...ähm...keine Ahnung, aber fragen Sie mal den Kollegen dort." (alternativ auch: "Haben Sie eine Visitenkarte, dann schreibe ich das darauf und reiche die dann weiter.") Dabei habe ich sicher wahrlich keine kryptisch-komplizierten Fragen gestellt.
    Gegensätzliches habe ich bei den meisten Hörspiel- / Hörbuch-Verlagen erlebt. Die Leute dort am Stand waren fast alle sehr nett, ich habe mich prima mit ihnen unterhalten können und meine Fragen wurde ebenfalls beantwortet.
    Dann ist mir noch aufgefallen -allerdings bei einem Buchverlag- dass offenbar überall Sparkurs angesagt ist. Letztes Jahr, das weiß ich noch, hatte besagter Verlag einen sehr großen, wunderschönen Stand, dieses Jahr hatte er noch etwa einen Meter Regalfläche unter dem "Dach" eines größeren Verlags. Sehr schade, dieser Verlag war immer eins meiner Highlights auf den Buchmessen.
    Was mir ebenfalls in Erinnerung geblieben ist, ist dass es immer mehr Anbieter elektronischer "Bücher" gibt. Da sträubt sich alles in mir, ich kann nichts dagegen tun.
    Ein richtiges Buch ist doch ein Erlebnis, es hat seinen speziellen Geruch, oft ein super schönes Cover, die Seiten rascheln und manchmal findet man noch Papierfissel vom Schnitt darin...das schafft kein eBook-Reader (oder wie die Dinger heißen).
    Tja, ich bin also mit recht gemischten Gefühlen abends nach Hause gefahren, insgesamt aber hat mir der Tag Spaß gemacht und interessant war er auch.
    Ich konnte einige Informationen mitnehmen, über die ich mich sehr gefreut habe und immer noch freue.

  • Ich war dieses Jahr nicht dort. Und werde wohl auch in den kommenden Jahren nicht wirklich wieder dort aufschlagen. HSP-Freaks Bericht spiegelt ungefähr das wieder, was ich auch aus den letzten Jahren her kenne. Wobei ich noch ein viel negativeres Fazit (wohlgemerkt: für mich) ziehe:

    Als ich Anfang der 80er zum ersten Mal auf die Buchmesse kam, ging es mir wie Pelznase: Ich war einfach überwältigt von der schieren Masse. Glücklicherweise mehr vom Angebot als vom Publikum. Habe dort zum ersten Mal als (damaliger) großer Sinclair Fan Jason Dark getroffen (und bin mit einem Stapel signierten Romanen stolz wie Oskar davon gestiefelt), habe mir von einem Zeichner der Gespenster-Geschichten ein DIN A3 Bild zeichnen lassen (aus irgendeinem Grund musste man damals nicht 5 Stunden für so etwas Schlange stehen) und bin staunend und auch leicht enttäuscht durch die Hallen der internationalen Verlage geschlichen. Was gab es dort alles für tolle Bücher (meist USA) und geniale Comics (meist Frankreich und Spanien), und wie wenig war davon doch in deutsch erschienen.

    Doch damals war ich gerade mal um die 12 Jahre alt. Und über die kommenden Jahre hinweg entschwand aber dieses Schlaraffenland-Gefühl. Die großen Comic-Verlage aus den USA wie Marvel sind wenn meist nur noch durch Distributoren wie Diamond vertreten (meine Spiderman-Jacke, die ich vor über 20 Jahren gewonnen habe, habe ich gerade zu Ostern meinem strahlenden Patenkind vermacht), mein damaliges Lieblingsmagazin FANGORIA bzw. der Publisher Starlog stellt gar nicht mehr aus und US-Verlage wie Zebra Books, die ich über Jahre hinweg reich gemacht habe, weil ich ihnen jedes Jahr aufs neue einen Stapel ihrer wunderbar faschistischen Endzeitserie THE SURVIVALIST abgekauft habe (theoretisch war das gar nicht erlaubt, aber genau das gab ja das prickelnde Gefühl), sind ebenfalls verschwunden.

    Der Entschluss, die Buchmesse nicht oder nur noch alle paar Jahre zu besuchen kam schlussendlich, als ich mich gerade zu einem neuen Messebesuch aufmachen wollte und dabei durch Zufall auf eine Tüte stieß. Eine Tüte, die dort schon ein Jahr unberührt rumstand. Ihr ahnt es: Es war die Sammlung von Katalogen, Werbeflyern etc. die ich im letzten Jahr eingesammelt hatte. Ich habe in den 12 Monaten kein einziges Mal reingeschaut und das Material auch nicht vermisst.

    Warum auch: Wenn ich wissen möchte, wann ein Buch erscheint, rufe ich einfach die Amazon-Seite auf. Ich muss mich nicht mehr durch irgendwelche Kataloge quälen (muss mich noch nicht einmal über die unsinnigen Suchergebnissen der Verlagsseiten ärgern). Wenn ich wissen will wann und wie es mit diversen Hörspielen weitergeht, wo bekomme ich bessere Infos als auf Fanseiten wie dieser hier. Von den Verlagen wohl kaum.

    Eins ist klar: Durch das Internet wurde die Buchmessse um ihren vielleicht interessantesten Vorteil beraubt: Informationen aus erster Hand – brandneu.

    Selbst Geld spart man nicht mehr. Was war das für ein cooles Gefühl, wenn ich bei Bantam den neuesten King oder Koontz (Hardcover natürlich) zum Umtauschkurs Dollar = DM abschleppen konnte. Auch hier wieder unter der Hand. Solche Sachen werden heutzutage nicht mehr gemacht, die deutschen Verlage haben sich eh immer gegen einen Verkauf auf der Messe gesträubt. War aufgrund der Buchpreisbindung in Deutschland auch irgendwie verständlich. Machte die Messe aber nun mal nicht attraktiver. Ach, und heute den gleichen Deal bei Bantam abzuziehen (Dollar = Euro) wäre wohl idiotisch. Da kriege ich die Schinken doch billiger und dazu frei Haus durch – na klar – Amazon.

    Was bleibt, das sind/wären die sozialen Kontakte. Nun, die Leute, die ich kenne und wieder treffen möchte bekam ich i.d.R. auf dem Buchmesse-Con zu sehen. Und selbst von denen haben sich mittlerweile viele entschieden, dass sich weder der Besuch auf der Messe noch auf den Con lohnt.

    Und ganz ehrlich: So ein Abend, wie ihn der Thomas Birker gerade wieder im Brauhaus organisiert ist für einen netten Plausch um ein vielfaches besser geeignet als ein überfüllter Messestand.

    Ein desillusionierter schelo

    "SAVE THE CHEERLEADER, SAVE THE WORLD"

  • Ich würde dir empfehlen mal die Leipziger Buchmesse zu besuchen. Die Atmosphäre und der Umgang ist in der Regel viel familiärer, einfach umgänglicher. Gerade als Comic-Fan dürfte dein Herz dort wahrscheinlich viel höher schlagen. Das Messegelände ist kleiner, dafür moderner und schöner. Samstags wird es in der Regel ziemlich voll und somit auch eng, da dann eine Meute von mangaesken Menschen über die Messe herfällt. Ein optisches Spektakel. Ich war im Frühjahr von Freitag bis Sonntag in Leipzig. War eine tolle Zeit und Leipzig ist nebenbei auch eine sehr schöne Stadt, die an für sich schon einen Besuch wert ist.

  • Das unterschreibe ich sofort.
    Ich freue mich auch schon auf Leipzig, die Buchmesse ist wirklich toll.
    Ich finde, Frankfurt hängt immer sowas Seriöses, Ernsthaftes, Steifes an...meiner Meinung nach.
    Da kommt Leipzig lockerer daher und ist dennoch ebenso interessant und informativ.
    Auch der Messe-Komplex ist viel schöner, heller und luftiger.
    Als ich dieses Mal von der Frankfurter Buchmesse kam, habe ich mich nachher unwillkürlich damit getröstet, dass Leipzig im Frühjahr ja auch wieder ist.

  • Ich finde Leipzig auch "freundlicher". Ich freue mich auch schon darauf... ;)

    "Alles richtig machen ist unmöglich. Gerecht zu sein noch mehr!
    Aber der Wille dazu, der muss in jeder Situation, bei deinem Tun und Handeln erkennbar sein."
    Dr. Markus Merk

  • Mir gefällt, dass seit letztem Jahr die E-book reader so gut dort promoted werden...... - wird ja auch Zeit!!!!

    Nur am Rande: Ich bin auf Seite 300 des neuen Schätzings Machwerks Limit - Gott ist das eine ätzende Soße...

    #winkewinke#

  • Ich bin mir sicher, dass sich die E-Books nicht durchsetzen werden. Auch wenn sie auf jeder Messe noch so angepriesen werden.

    #lach1# Und ich habe irgendwo gelesen, dass wenn man die ersten 250 Seiten von "Limit" überstanden hat, es erst richtig los geht...

  • Was ist denn so schlimm an "Limit"?
    Schätzing war gestern im TV zu einem Interview.
    Und was ich da über den Roman gehört habe, das klang immerhin so gut, dass ich ein gewisses Interesse an dem Buch bekommen habe.

    So ging es mir auch - auf WDR 5 und die Westdeutsche Allgemeine Zeitung haben sich lobend zu dem Werk geäußert.......
    Dann wurde erwähnt, dass Star Trek erwähnt wird usw.
    MUSS ICH HABEN!
    Na, hätte ich mal vorab noch die Kritiken im Spiegel und Stern gelesen, dann hätte ich mir das bestimmt überlegt. 1320 Seiten eng bedruckt.... - nun, wenn es interessant ist, wäre es ok...
    Aber Schätzing verfällt in Geschwafel , hält sich sehr lange an Kleinigkeiten auf - meist dann, wenn es grade mal spannend wird, bis zum Abwinken, dann ein stetiger Ortswechsel, dann werden Charkere aufgebaut über Seiten hinweg, nur um sie auf der nächsten Seite sterben zu lassen - oder die tauchen nicht mehr auf...... - dann ist er sehr wankelmütig, was er gerne hätte schreiben wollen - Thriller, SF oder Spionage Story. War es der Kritiker von Stern oder Spiegel, der meinte , man dürfte getrost Seiten überschlagen und verpasst nichts. Ich glaube es Ihnen nun.....ich quäle mich schon etwas durch.......

    #winkewinke#

  • Wieder zurück zum Thema ...

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