Elea Eluanda – 31. Spuk in Altenberg

  • Elea Eluanda – 31. Spuk in Altenberg

    Halloween steht vor der Tür, und in Altenberg gehen merkwürdige Dinge vor sich. Dass Ezechiel ausgerechnet jetzt liebend gern selbst als Gespenst durch die Gegend flattern würde, macht ihn natürlich sofort verdächtig. Doch schnell zeigt sich, dass die kleine Eule unmöglich für sämtliche Vorkommnisse verantwortlich sein kann. Die Spur führt nach Arambolien und zu Albert dem 327sten, einem kleinen Schlossgespenst, das Zechy offenbar unbeabsichtigt nach Altenberg eingeladen hat. Albert richtet einiges an Chaos an und sitzt zudem in der Menschenwelt fest. Elea und Ravi müssen deshalb nicht nur herausfinden, was hinter dem Spuk steckt, sondern auch einen Weg finden, Albert wieder nach Hause zu bringen. Gleichzeitig beschäftigt Elea noch ein ganz anderes Problem: Tante Lissy möchte, dass sie eine Geschichte schreibt, doch Inspiration lässt sich nun einmal schlecht erzwingen. So verbinden sich Halloween, ein waschechter Geist aus Arambolien und Eleas ganz normale Alltagssorgen zu einem Abenteuer, bei dem der vermeintliche Spuk bald eine ganz andere Erklärung bekommt als zunächst angenommen.

    Die Voraussetzungen für eine richtig schöne Halloween-Folge sind damit eigentlich hervorragend. Altenberg eignet sich wunderbar für eine herbstliche Geschichte, Ezechiel ist für jeden Unsinn zu haben, und mit Albert kommt endlich wieder ein Wesen aus Arambolien ins Spiel. Gerade diese Verbindung zwischen Eleas Alltag und der fantastischen Parallelwelt gehört für mich seit jeher zu den schönsten Seiten der Serie. Albert ist dabei eine nette Idee, weil zunächst gar nicht eindeutig feststeht, wer für die seltsamen Ereignisse verantwortlich ist. Dass Zechy ausgerechnet an Halloween selbst gerne Gespenst spielen möchte, liefert die passende falsche Fährte. Etwas ärgerlich ist allerdings, dass die offizielle Inhaltsangabe Alberts Identität bereits offen verrät und damit einen Teil des Rätsels vorwegnimmt. Wer die Folge ohne vorherige Kenntnis hört, dürfte an dieser Stelle wesentlich mehr Spaß am Miträtseln haben. Auch Eleas Schwierigkeiten mit ihrer Geschichte passen grundsätzlich gut hinein, weil dadurch neben dem fantastischen Abenteuer wieder ein ganz alltägliches Problem steht. Weniger glücklich bin ich mit Tante Lissys Verhalten: Ihr Drängen wirkt teilweise unnötig streng und lässt ein wenig die Unterstützung vermissen, die Elea in dieser Situation eigentlich gebrauchen könnte.

    Was mir dagegen fehlt, ist eine wirklich ausgeprägte Halloween-Atmosphäre. „Spuk in Altenberg“ verspricht schon im Titel ein kleines Gruselabenteuer, und mit Herbst, Halloween und einem echten Schlossgespenst liegen sämtliche Zutaten dafür bereit. Trotzdem bleibt die Geschichte erstaunlich zahm. Natürlich soll eine „Elea Eluanda“-Folge für Kinder ab sechs Jahren kein Schocker werden, aber ein paar schaurigere Momente, falsche Fährten oder geheimnisvollere Situationen hätten dem Ganzen sehr gutgetan. Albert ist letztlich eher chaotisch als unheimlich, sodass der Spuk seinen Schrecken ziemlich schnell verliert. Auch der Ablauf wirkt an einigen Stellen etwas holprig, wenn Schule, Halloween-Vorbereitungen, zwischenmenschliche Reibereien und das eigentliche Gespensterproblem aufeinandertreffen. Nicht jeder Übergang sitzt wirklich elegant. Trotzdem hat die Folge ihre charmanten Momente, und vor allem die Einbindung Aramboliens verhindert, dass daraus lediglich eine beliebige Halloween-Geschichte wird. Nach dem ersten Durchgang gefiel mir die Episode deshalb ordentlich, beim erneuten Hören sogar noch etwas besser, weil dann einige kleinere Einfälle stärker auffallen, die beim ersten Mal zwischen den verschiedenen Handlungssträngen leicht untergehen.

    Stimmlich ist die Folge dagegen sehr gut aufgestellt. Giuliana Jakobeit ist als Elea längst vollkommen mit der Figur verwachsen und trifft erneut schön die Mischung aus Selbstständigkeit, Nachdenklichkeit und gelegentlicher Unsicherheit. Tobias Müller gibt Ravi seine gewohnt sympathische und bodenständige Art, während Gerrit Schmidt-Foß als Ezechiel bei einem Halloween-Abenteuer natürlich beinahe Heimspiel hat. Seine überdrehte Begeisterung für alles Gespenstische passt herrlich zum Thema und sorgt für einige der lockersten Momente. Patrick Baehr übernimmt Albert den 327sten und macht aus ihm ein eigenwilliges, eher liebenswertes als furchteinflößendes Schlossgespenst. Hinzu kommen unter anderem Julia Kaps als Quirin Bartels, Sabine Jaeger als Tante Lissy, Ulrike Hugo als Rosa König, Berenice Krahl als Tessa Lipschitz und Nicolas Matt als Olli Süderbeck. Claudia Urbschat-Mingues ist erneut als Erzählerin zu hören und besitzt zweifellos eine markante, warme Stimme. Gewöhnungsbedürftig bleibt für mich eher die heutige Konzeption der Erzählerrolle: Sie kommentiert das Geschehen wesentlich weniger und wirkt stärker wie eine klassische Erzählinstanz außerhalb der Handlung. Dadurch bekommen manche Passagen einen leicht hörbuchartigen Charakter. Das ist keine Frage ihrer Leistung, sondern vor allem der Texte und der Inszenierung.

    Bei der akustischen Gestaltung wäre für meinen Geschmack deutlich mehr möglich gewesen. Jill Böttcher führt Regie, Dirk Müller verantwortet den Ton, Paul Kraus das Sounddesign und Carsten Richter die Geräusche. Handwerklich ist daran wenig auszusetzen: Die Stimmen sind sauber eingebettet, Schauplatzwechsel funktionieren und der bekannte Titelsong sorgt unmittelbar für das vertraute Elea-Gefühl. Ausgerechnet bei einer Halloween-Folge hätte ich mir jedoch gewünscht, dass Geräusche und Sounddesign wesentlich stärker mit der Stimmung spielen. Raschelndes Laub, Wind, knarrende Türen, unerklärliche Geräusche aus einem anderen Zimmer oder kleine akustische Schreckmomente hätten Altenberg ohne Weiteres eine geheimnisvollere Note verleihen können, ohne die Zielgruppe zu überfordern. Stattdessen bleibt die Klangkulisse über weite Strecken recht freundlich und zurückhaltend. Das passt zwar zum Grundton der Serie, verschenkt bei diesem speziellen Thema aber Möglichkeiten. Ein echtes Schlossgespenst darf sich schließlich auch einmal richtig bemerkbar machen. Die 42 Minuten klingen professionell und angenehm, nur hätte ich mir passend zu Halloween etwas mehr Mut gewünscht, das Unheimliche tatsächlich hörbar werden zu lassen.

    Das Cover von Andreas Besser gefällt mir dagegen richtig gut und gehört für mich sogar zu den stärkeren Motiven der neueren Folgen. Schon auf den ersten Blick wird klar, dass diesmal in Altenberg etwas Ungewöhnliches los ist. Elea sitzt links noch vergleichsweise gelassen am Tisch, während Ravi vor dem zum Leben erwachten Skelett zurückschreckt. Mittendrin thront Ezechiel mit sichtlichem Vergnügen auf dessen Schultern und macht das Chaos perfekt. Gerade dieser Gegensatz bringt den Humor der Serie sehr schön auf den Punkt. Die große Schultafel im Hintergrund und die herumwirbelnden Knochen erzeugen zudem eine kleine Spukatmosphäre, ohne das Motiv tatsächlich gruselig werden zu lassen. Farblich fügt sich alles wunderbar in den türkisfarbenen Rahmen der Reihe ein, während die Figuren durch Rot, Pink und Blau deutlich hervortreten. Auch der Doppeltitel „Spuk in Altenberg – Spubuk in Altenberg“ passt zu Ezechiels ganz eigener Sprache. Interessanterweise vermittelt das Cover für mich sogar etwas mehr Halloween- und Spukgefühl als die eigentliche Inszenierung. Es ist verspielt, turbulent und sofort als „Elea Eluanda“ erkennbar – genau so darf ein Cover dieser Serie aussehen.

    „Spuk in Altenberg – Spubuk in Altenberg“ ist für mich eine sympathische 31. Folge, aus deren hervorragender Ausgangsidee allerdings noch etwas mehr hätte werden können. Corinna Gerhards verbindet Altenberg wieder stärker mit Arambolien, Albert der 327ste ist eine nette Ergänzung des Figurenkosmos und besonders Ezechiel passt mit seiner Begeisterung für Gespenster perfekt in dieses Abenteuer. Gleichzeitig bleibt die Geschichte deutlich weniger schaurig, als Titel, Veröffentlichung Anfang Oktober und Grundidee erwarten lassen. Ein wenig mehr herbstliche Atmosphäre, geheimnisvollere Geräusche und ein stärker ausgespielter Spuk hätten die Episode für mich deutlich aufgewertet. Auch die heute wesentlich neutralere Erzählerfunktion bleibt etwas gewöhnungsbedürftig, während Claudia Urbschat-Mingues selbst stimmlich sehr gut in die Reihe passt. Dafür stimmt das Zusammenspiel der bekannten Figuren, Albert bringt frischen Wind aus Arambolien mit und das gelungene Cover macht unmittelbar Lust auf die Geschichte. Kein neues Highlight der Serie, aber ein unterhaltsames Halloween-Abenteuer, das beim zweiten Hören sogar etwas gewinnt – und bei dem ich mir lediglich gewünscht hätte, dass es in Altenberg tatsächlich ein kleines bisschen mehr spukt.

Participate now!

Don’t have an account yet? Register yourself now and be a part of our community!