Perry Rhodan: Sternenozean – 20. Das Land unter dem Teich

  • Perry Rhodan – Sternenozean – 20. Das Land unter dem Teich

    Lyressea ist erwacht, und mit ihr kehrt ein Stück Vergangenheit in den Sternenozean zurück, das bislang nur aus Legenden, Träumen und Bruchstücken bestand. Während Zephyda auf einem Konvent der Planetaren Majestäten endgültig als Stellare Majestät bestätigt wird, berichtet die Mediale Schildwache von der alten Ordnung Jamondis, vom Verrat Tagg Kharzanis und von ihren Schwestern. Eine davon spürt sie ganz in der Nähe: Catiaane, die Eherne Schildwache, soll unter der Motana-Stadt Kimte verborgen liegen. Das Problem ist gewaltig. Ihre Asylkapsel besitzt einen Selbstzerstörungsmechanismus, und niemand weiß, ob Lyressea ihn nach der Erweckung rechtzeitig stoppen kann. Im schlimmsten Fall würde die gesamte Stadt vernichtet. Zephyda entscheidet deshalb, Kimte räumen zu lassen. Die meisten Motana folgen, doch tausende Einwohner weigern sich und blockieren das Blisterherz. Perry, Lyressea und Rorkhete müssen einen Umweg nehmen, um den Teich der Trideage zu erreichen. Dort wird Lyressea angegriffen und offenbart erstmals ihre Zweite Gestalt. Schließlich findet die Gruppe den Zugang zur Asylkapsel – nur liegt diese gar nicht dort, wo sie liegen sollte. Hinter einem Energiefeld wartet ein anderer Planet, eine fremde Kunstwelt und ein Wettlauf gegen die Selbstzerstörung.

    Schon der Titel klingt zunächst fast märchenhaft, und tatsächlich besitzt „Das Land unter dem Teich“ eine ganz andere Grundstimmung als „Operation Kristallsturm“. Statt Wissenschaft, Geheimoperationen und Sabotage geht es um Erinnerung, Mythologie und eine verborgene Welt unter einer scheinbar alltäglichen Oberfläche. Diese Rückkehr zum Perry-Handlungsstrang funktioniert für mich leichter als der Staffelauftakt, weil das Ziel klar ist: Catiaane muss gefunden und erweckt werden. Um dieses Ziel herum werden trotzdem erstaunlich viele Informationen über die Vergangenheit des Sternenozeans gelegt. Lyressea ist dabei endlich mehr als die geheimnisvolle Frau aus Perrys Träumen. Sie kann erklären, wie die Schildwachen lebten, welche Rolle die Schutzherren spielten und warum Tagg Kharzani zu einer Schlüsselfigur des Niedergangs wurde. Das ist viel Hintergrundwissen, aber es fühlt sich weniger nach Lexikon an als frühere Erklärpassagen, weil die Informationen unmittelbar aus einer Figur kommen, die diese Zeit selbst erlebt hat. Auch der Konflikt um Kimte gefällt mir: Für Perry und Zephyda ist Catiaanes Rettung strategisch wichtig, für die Bewohner bedeutet sie womöglich den Verlust ihrer Stadt. Dass nicht alle Motana bereitwillig gehorchen, macht die Welt glaubwürdiger. Ein Befreiungskampf besteht eben nicht nur aus gemeinsamem Jubel und heldenhaften Entscheidungen.

    Dramaturgisch teilt sich die Folge fast in zwei Hälften. Zuerst stehen Konvent, historische Erklärungen und die Evakuierung Kimtes im Vordergrund, dann wird daraus ein richtiges Expeditionsabenteuer. Der Übergang gelingt für mich besonders gut über den Aufstand. Sobald Lyressea mit einem Pfeil angegriffen wird und sich in ihre Zweite Gestalt verwandelt, verändert sich auch unser Bild von den Schildwachen schlagartig. Aus den entrückten, beinahe ätherischen Wesen werden plötzlich körperlich extrem gefährliche Kämpferinnen. Die Fähigkeit wirkt zunächst fast übermächtig, wird aber durch kurze Dauer und hohen Kraftverbrauch begrenzt. Noch reizvoller finde ich die Asylkapsel selbst. Perry, Lyressea und Rorkhete steigen unter Kimte hinab und landen nach dem Durchschreiten eines Energiefeldes auf einer Welt außerhalb des Sternenozeans. Allein dieser Bruch mit der bisherigen Geografie ist ein großartiger Science-Fiction-Moment. Rorkhete gerät dort unter suggestive Kontrolle, fremde echsenartige Bewohner greifen an, Lyressea muss ihre Zweite Gestalt erneut einsetzen und gleichzeitig läuft die Zeit davon, weil Catiaanes Erweckung die Selbstzerstörung auslösen kann. Dadurch wird das letzte Drittel wesentlich spannender als der eher erklärende Anfang. Am Ende ist Catiaane gerettet, die Kapsel vernichtet sich, Kimte bleibt jedoch unversehrt – und aus einer gesuchten Schildwache sind nun zwei von sechs geworden.

    Yara Blümel-Meyers steht diesmal vollkommen zu Recht im Mittelpunkt. Ihre Lyressea besitzt etwas Ruhiges und Fremdes, wirkt aber nie wie eine emotionslose Wissensdatenbank aus der Vergangenheit. Wenn sie von den Schutzherren erzählt oder Catiaanes Nähe spürt, bekommt ihre Stimme Wärme und Dringlichkeit. Volker Lechtenbrink spielt Perry daneben bewusst zurückgenommen. Er hört zu, fragt nach und lässt Lyressea dort führen, wo sie eindeutig mehr weiß als er – eine Haltung, die der Figur sehr gut steht. Charles Rettinghaus kann Rorkhete diesmal wieder stärker ausspielen. Besonders die Szenen unter suggestiver Kontrolle geben ihm Gelegenheit, die sonst so feste, skeptische Figur hörbar aus dem Gleichgewicht zu bringen. Claudia Urbschat-Mingues setzt Zephyda in den Konventszenen mit der inzwischen vertrauten Mischung aus Härte und Verantwortungsbewusstsein fort. Ihre Ernennung zur Stellaren Majestät klingt nicht mehr nach einem überraschenden Aufstieg, sondern nach etwas, in das die Figur hineingewachsen ist. Barbara Ratthey verleiht Ikhete mit wenigen Szenen sofort Kontur, Karin David gibt Kischmeide die nötige Autorität, und Volker Brandt ist als Atlan zwar nicht der Schwerpunkt, bleibt aber klar präsent. Christian Schult hat diesmal deutlich mehr mythologischen Stoff zu vermitteln und findet dafür einen ruhigeren, beinahe chronikalischen Ton.

    Akustisch ist „Das Land unter dem Teich“ viel abwechslungsreicher, als der Titel vermuten lässt. Die Folge beginnt mit den großen Räumen des Konvents und den getragenen Rückblicken Lyresseas, wechselt dann in die gespannte Atmosphäre einer Stadt kurz vor der Evakuierung und endet in einer vollständig fremden Umgebung. Besonders der Weg in die Tiefe ist stark: Schritte, Fels, Wasser, Hall und die immer künstlicher werdenden Geräusche der verborgenen Anlage lassen den Übergang von Kimte zur Asylkapsel fast körperlich nachvollziehbar werden. Sobald das Energiefeld durchschritten ist, öffnet sich der Klang noch einmal. Die Kunstwelt besitzt eigene Naturgeräusche, fremdartige Stimmen und eine leicht unwirkliche Räumlichkeit, wodurch sofort klar wird, dass wir nicht mehr unter einem Teich stehen. Lyresseas Verwandlung in die Zweite Gestalt wird mit kräftigen, aber nicht albernen Effekten umgesetzt; wichtiger als ein einzelnes Monstergeräusch ist die plötzliche Beschleunigung der gesamten Szene. Christian Hagitte und Simon Bertling setzen Chor und Orchester diesmal stärker für das Mythische ein, während elektronische Flächen die alte Technik der Schildwachen markieren. Der Wechsel zwischen beiden Ebenen funktioniert hervorragend. Auch hier folgt am Ende Radiopilots „Post #1“, der mit seinem moderneren Popsound einen deutlichen Kontrast zur fast archaischen Stimmung der eigentlichen Folge bildet.

    Auf dem Cover schweben drei gewaltige kugelförmige Konstruktionen über einer kalten Gebirgslandschaft. Die größte Kugel nimmt fast die gesamte Mitte ein, ist mit unzähligen technischen Strukturen, Öffnungen und Lichtpunkten überzogen und wirkt zugleich wie Raumstation, Maschine und fremder Himmelskörper. Zwei kleinere Gebilde folgen dahinter, während über den Bergen ein heller, fast überirdischer Lichtschein liegt. Das Motiv gehört für mich zu den stärkeren, weil es verborgene Hochtechnologie und fast mythische Fremdheit verbindet. Wörtlich zeigt es natürlich kein „Land unter einem Teich“. Gerade das finde ich aber angenehm. Die Geschichte handelt am Ende ohnehin weniger von Wasser als von einem Zugang zu einem Ort, der räumlich vollkommen anders liegt, als die Figuren zunächst glauben. Die schwebenden Kugeln vermitteln dieses Gefühl, dass unter der Oberfläche eine viel größere technische Wirklichkeit verborgen ist. Gleichzeitig bleibt die vertraute blau-schwarze Gestaltung der Serie erhalten, diesmal mit stärkeren Weißanteilen, wodurch das Bild fast eisig wirkt. Das silberne Logo und der lange Titel liegen darüber erstaunlich ruhig. Kai Hoffmann wird für die Titelgestaltung geführt, und im Vergleich zum abstrakteren Cover der Folge 19 besitzt dieses Motiv für mich deutlich mehr unmittelbare Science-Fiction-Faszination.

    „Das Land unter dem Teich“ gefällt mir vor allem deshalb, weil es Antworten liefert, ohne das Geheimnis des Sternenozeans kleiner zu machen. Lyressea kann endlich aus eigener Erinnerung erzählen, Tagg Kharzani bekommt historische Kontur und die Schildwachen werden als weit mächtigere Wesen greifbar, als man nach Perrys Träumen vermuten konnte. Gleichzeitig entsteht sofort das nächste Rätsel: Warum liegt Catiaanes Asylkapsel auf einem Planeten im Halo einer ganz anderen Galaxie, obwohl ihr Zugang unter Kimte verborgen ist? Solche Ideen liebe ich an „Perry Rhodan“, weil sie die Größenordnung mit einem einzigen Schritt wieder verschieben können. Nicht alles funktioniert gleich gut. Der Konvent und die umfangreichen Erklärungen bremsen den Anfang, und die große Spannung setzt später ein als in vielen Actionfolgen. Dafür besitzt die Episode einen sehr sauberen inneren Bogen und mehrere starke Bilder: die blockierte Stadt, Lyresseas Verwandlung, der Gang unter dem Teich, das Energiefeld und die fremde Kunstwelt. Nach dem etwas zerfaserten Staffelauftakt wirkt Folge 20 auf mich deutlich geschlossener. Sie bringt Perry wieder ins Zentrum, ohne Zephyda und die Motana zu vergessen, und macht aus der Suche nach einer einzelnen Frau zugleich eine Reise in die Vergangenheit Jamondis. Am Ende sind zwei Schildwachen vereint, aber statt einer Lösung liegt plötzlich ein noch viel größerer Weg vor ihnen.

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