Perry Rhodan: Sternenozean – 17. Kampf um den Speicher

  • Perry Rhodan: Sternenozean – 17. Kampf um den Speicher

    Shallowain hat erreicht, worauf er seit „Terraner als Faustpfand“ hingearbeitet hat: Der HÜ-Schirm des SPEICHERS ist gefallen. Dario da Eshmale wollte nicht länger zusehen, wie unschuldige Geiseln hingerichtet werden, doch die Kralasenen danken ihm diese Entscheidung keineswegs mit Gnade. Kaum öffnet sich die terranische Geheimdienstzentrale auf Hayok, beginnt der Sturmangriff. Icho Tolot wirft sich den Eindringlingen entgegen und richtet unter den arkonidischen Truppen gewaltigen Schaden an, bis Fesselfelder selbst den Haluter stoppen. Gucky schafft es trotz der überall installierten PIEPER kurzzeitig zu teleportieren und greift ein, während Kantiran, Mal Detair, Filana Karonadse und die übrigen TLD-Leute immer weiter in die unteren Ebenen zurückgedrängt werden. Gleichzeitig geschieht im Rechner des SPEICHERS etwas Merkwürdiges: Die Biopositronik aktiviert Verteidigungsprogramme, von deren Existenz selbst die Agenten nichts wussten. Filanas Hoffnung, dass Mayk „Mole“ Molinas nach seinem körperlichen Tod irgendwie im System weiterlebt, bekommt damit plötzlich Substanz. Während im Untergrund um jede Ebene gekämpft wird, erhält Reginald Bull weit entfernt einen Notimpuls. Er setzt die PRAETORIA und einen großen Teil seiner Flotte in Richtung Hayok in Marsch. Für die Eingeschlossenen beginnt ein Wettlauf darum, lange genug am Leben zu bleiben, bis Hilfe eintreffen kann.

    Schon die Ausgangslage macht klar, dass diese Folge kaum Zeit für Umwege hat. „Kampf um den Speicher“ ist praktisch die zweite Hälfte von „Terraner als Faustpfand“, obwohl zwischen beiden Episoden mit Folge 15 und 16 zwei völlig andere Handlungsstränge lagen. Das empfinde ich immer noch als etwas unglücklich, weil man sich nach Terra und Jamondi gedanklich erst wieder nach Hayok zurückarbeiten muss. Ist man dort angekommen, gibt es allerdings kaum noch Gelegenheit zum Sortieren. Die Folge wirft einen direkt in den Angriff und hält den Druck fast durchgehend hoch. Dabei gefällt mir, dass Darios Entscheidung aus Folge 14 nicht nachträglich entwertet wird. Er hat den Schirm geöffnet, um Zivilisten zu retten, und muss nun mit der Konsequenz leben, dass Shallowain sein Versprechen gebrochen hat. Dadurch bekommt die Verteidigung des SPEICHERS eine andere emotionale Grundlage als eine gewöhnliche Schlacht. Niemand kämpft hier um Ruhm oder Gelände, sondern weil Rückzug irgendwann schlicht nicht mehr möglich ist. Dass die Terraner Ebene um Ebene verlieren, lässt den SPEICHER zudem tatsächlich wie einen räumlich nachvollziehbaren Ort wirken. Je tiefer sie gedrängt werden, desto enger wird die Geschichte. Aus einer großen Geheimdienstzentrale wird am Ende beinahe ein Bunker, in dem nur noch Zeit gekauft werden kann. Auch zeitgenössische Besprechungen betonten, wie stark diese Episode gegenüber dem Rest der Staffel auf Tempo und beinahe durchgehende Action setzt.

    Über weite Strecken besteht „Kampf um den Speicher“ tatsächlich aus Gefecht, Rückzug, neuer Verteidigungslinie und erneutem Gefecht. Umso wichtiger sind die kleinen Unterbrechungen. Die Idee, dass Mole in der Biopositronik weiterexistieren könnte, gibt dem Ganzen etwas beinahe Gespenstisches und knüpft schön an Folge 14 an. Auch Reginald Bulls paralleler Handlungsstrang hilft, weil er den Maßstab wechselt. Während im SPEICHER jeder Meter zählt, beschäftigt sich die PRAETORIA mit den Folgen der erhöhten Hyperimpedanz und der Frage, wie Raumfahrt unter den neuen Bedingungen überhaupt weiterentwickelt werden kann. Bulls Reaktion gefällt mir dabei: Er akzeptiert die technischen Grenzen nicht einfach als neuen Normalzustand, sondern fordert seine Leute auf, nach Lösungen zu suchen. Als schließlich der Notruf eintrifft und die Flotte nach Hayok aufbricht, weiß man natürlich, worauf es hinausläuft. Trotzdem funktioniert die Rettung, weil sie lange genug hinausgezögert wird. Noch besser ist, dass Bull danach nicht einfach Hayok besetzt. Er zwingt Ascari da Vivo und Kraschyn an den Verhandlungstisch und macht die Auslieferung Shallowains sowie freie Bewegungsmöglichkeiten für terranische Einheiten zur Bedingung. Der militärische Sieg wird damit sofort politisch weitergedacht. Und als Gucky schließlich im Zentralrechner nach Mole sucht, bestätigt sich tatsächlich, dass dessen Bewusstsein in der Biopositronik weiterexistiert.

    Stimmlich gehört die Folge Manfred Lehmann und Kaspar Eichel fast ebenso sehr wie Christian Stark. Lehmann macht aus Shallowain endgültig einen Gegner, den ich gerade wegen seiner Ruhe so unangenehm finde. Selbst mitten im Angriff klingt er nicht wie jemand, der die Kontrolle verliert; Gewalt ist für ihn Planung, Mittel und Beruf. Kaspar Eichel hat als Dario da Eshmale diesmal den undankbaren Part des Kommandanten, der seine Leute immer weiter zurücknehmen muss und trotzdem nicht resignieren darf. Das spielt er sehr glaubwürdig. Christian Stark hält Kantiran dagegen etwas stärker im Ensemble, was der Figur guttut. Er muss nicht in jeder Folge der emotionale Mittelpunkt sein. Jürgen Kluckert ist als Mal Detair wieder dieser verlässliche, warme Ruhepol, während Tilo Schmitz Icho Tolot mit seiner tiefen Stimme schon akustisch wie eine Waffe wirken lässt. Stefan Krauses Gucky bekommt neben der Action auch Momente, in denen Sorge und Loyalität wichtiger sind als sein sonstiger Witz. Ranja Bonalana gibt Filanas Hoffnung auf Moles Weiterleben genau die richtige Mischung aus persönlicher Sehnsucht und Zweifel. Besonders freue ich mich über Lutz Riedel als Reginald Bull. Er hat hier noch nicht enorm viel Zeit, klingt aber sofort nach jemandem, der Rhodan auf Augenhöhe vertreten kann. Christian Schult führt mit seinem nüchternen Erzählton sauber durch das Kampfgeschehen.

    Akustisch ist diese Folge wahrscheinlich die bislang kompromissloseste Demonstration dessen, was STIL mit einer großen Actionsequenz anfangen kann. Strahler, Fesselfelder, Schutzschirme, Explosionen, schwere Schritte, Funkverkehr und einstürzende Bereiche liegen teilweise dicht übereinander, bleiben aber erstaunlich gut voneinander unterscheidbar. Besonders Icho Tolots Angriff besitzt eine enorme Körperlichkeit. Man hört nicht nur Waffen, sondern Gewicht, Bewegung und die Reaktionen der Menschen um ihn herum. Ebenso gut funktioniert das schrittweise Zurückweichen in die tieferen Ebenen. Die Räume verändern ihren Klang, werden enger und technischer, während die Musik immer wieder Druck aufbaut. Christian Hagitte und Simon Bertling lassen das Berliner Filmorchester dabei wesentlich aggressiver spielen als in den ruhigeren Jamondi-Folgen; elektronische Impulse und Percussion treiben die Szenen voran. Gelegentlich ist mir das fast zu viel. Manche musikalische Übergänge könnten kürzer sein, und nach fast einer Stunde Dauerbelagerung stellt sich zwangsläufig eine gewisse akustische Sättigung ein. Sonja Harths Schnitt verhindert aber, dass daraus bloßer Lärm wird. Sehr schön ist auch die Biopositronik gestaltet: Sobald der Verdacht aufkommt, Mole könne im System weiterleben, bekommt die Technik etwas Eigenwilliges, beinahe Persönliches. Nach 63:31 Minuten Hörspiel setzt Covenants „The World Is Growing Loud“ den Schlusspunkt – selten war dieser Titel passender.

    Das Cover wirkt dagegen fast überraschend kühl und still. Links schwebt ein dunkles, stromlinienförmiges Fluggerät über einer spiegelnden, eisigen Landschaft, während rechts eine gewaltige helle Fels- oder Eisstruktur das Bild beherrscht. Darin lässt sich beinahe ein Gesicht erkennen, was dem Motiv etwas Traumartiges gibt. Über der Landschaft funkeln Sterne, das gesamte Bild bleibt in Schwarz, Weiß und kaltem Blau. Mit dem eigentlichen unterirdischen Kampf hat das zunächst wenig zu tun, doch gerade dieser Gegensatz gefällt mir. Statt Kralasenen, Strahlerfeuer und explodierende Korridore zu zeigen, vermittelt das Cover eher Isolation und Bedrohung. Das kleine Fahrzeug wirkt verloren gegenüber der riesigen Umgebung, ähnlich wie die eingeschlossenen Terraner gegenüber Shallowains Übermacht. Gleichzeitig besitzt die Gestaltung diesen leicht surrealen Charakter, den viele „Sternenozean“-Cover inzwischen entwickelt haben. Das silberne „Perry Rhodan“-Logo und der weit gesetzte Titel liegen darüber, ohne das Motiv zu erschlagen. Es versucht nicht, die Action eins zu eins zu bebildern, sondern gibt der CD eine eigene, frostige Stimmung. Als Titelbildzeichner der Hörspielausgabe wird Ralph Voltz geführt.

    „Kampf um den Speicher“ ist für mich eine Folge, bei der Inszenierung und Handlung nicht ganz im selben Verhältnis stehen. Was hier technisch und akustisch geleistet wird, ist enorm: Der Angriff besitzt Wucht, räumliche Klarheit und ein echtes Gefühl von Übermacht. Inhaltlich dreht sich die Geschichte dafür lange um denselben Zustand. Die Terraner kämpfen, weichen zurück und hoffen auf Hilfe. Das kann über knapp siebzig Minuten ermüden, und deshalb verstehe ich durchaus, warum diese Episode innerhalb der ansonsten sehr abwechslungsreichen Staffel polarisieren kann. Darios Entscheidung bekommt trotzdem ihre Konsequenz, Shallowain erreicht den Höhepunkt seiner bisherigen Bedrohlichkeit, Moles Schicksal erhält eine überraschende Wendung und Reginald Bull betritt diesen Hörspielzyklus mit einem Auftritt, der sofort Lust auf mehr macht. Vor allem das Ende gefällt mir: Die PRAETORIA rettet die Eingeschlossenen nicht nur, sondern verändert die politische Lage auf Hayok. Ascari muss einen Frieden akzeptieren, den sie selbst als Schande empfindet, während Gucky bestätigt, dass Moles Bewusstsein tatsächlich im Rechner weiterlebt. Damit endet die Folge emotional wesentlich wärmer, als ihr Dauerfeuer vermuten lässt. Als Abschluss des Kantiran/Hayok-Strangs dieser Staffel funktioniert sie deshalb gut – nicht als fein austariertes Drama, sondern als lange, laute Belagerung, an deren Ende die Kräfteverhältnisse neu sortiert sind.

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