Perry Rhodan: Sternenozean – 13. Der Flug der Epha-Motana

  • Perry Rhodan: Sternenozean – 13. Der Flug der Epha-Motana

    Der Sieg über die Kybb-Cranar auf Ash Irthumo hat den Motana erstmals wirkliche Freiheit gebracht, nur nützt ihnen diese wenig, solange sie auf dem Planeten festsitzen. Vor dem ehemaligen Crythumo steht noch ein würfelförmiges Raumschiff der Besatzer, das Perry Rhodan und Atlan wieder flugtauglich machen können. Für einen regulären Start reicht seine Technik jedoch nicht mehr aus. Die erhöhte Hyperimpedanz hat die Raumfahrt verändert, Treibstoff und Steuerung reichen kaum noch aus. Also soll etwas funktionieren, das vor wenigen Folgen noch wie eine Legende geklungen hätte: Zephyda will gemeinsam mit zwölf Femesängern die Maschine allein durch die gebündelte mentale Kraft der Motana anheben. Als Epha-Motana muss sie die Energien kanalisieren, Perry bleibt zur Kontrolle an Bord, Atlan und Rorkhete beobachten den Versuch vom Boden. Tatsächlich hebt der Koloss ab und geht sogar in einen stabilen Horizontalflug über. Doch Zephyda kommt sehr schnell an ihre Grenzen. Die Konzentration bricht ein, das Schiff beginnt zu trudeln und droht abzustürzen. Parallel erzählt die Folge von einer zweiten Gruppe Motana um Aicha, die auf Baikhal Cain von den Kybb-Cranar unter mörderischen Bedingungen zu Epha-Motana ausgebildet wurden. Mit der SHALAVDRA erreichen sie schließlich Ash Irthumo – und Zephydas Experiment bekommt plötzlich eine ganz neue Bedeutung.

    Mir gefällt an „Der Flug der Epha-Motana“ vor allem, dass die Folge eine Idee weiterdenkt, die seit „Die Femesängerin“ vorbereitet wurde, anstatt einfach den nächsten Gegner auf die Figuren loszulassen. Die Motana haben ihre Unterdrücker vertrieben, besitzen aber noch keine eigene Raumfahrt. Was zunächst fast absurd klingt – ein Raumschiff wird mit Gesang und Psi-Kräften bewegt –, bekommt innerhalb dieses Universums erstaunlich schnell eine innere Logik. Die Choräle sind kein Zauberspruch, sondern bündeln Konzentration und Energie, während Zephyda als Epha die eigentliche Steuerarbeit übernimmt. Gut finde ich, dass der erste Versuch nicht problemlos gelingt. Zephyda ist inzwischen Stellare Majestät und für viele Motana bereits eine Symbolfigur, aber ihre neuen Fähigkeiten machen sie nicht automatisch unfehlbar. Sie überschätzt sich, verliert die Kontrolle und muss erfahren, dass Wille allein keine Beherrschung ersetzt. Dadurch bleibt die Figur glaubwürdig. Gleichzeitig verändert sich Perrys Rolle. Noch vor wenigen Folgen hat er den Widerstand mitorganisiert; nun muss er akzeptieren, dass der entscheidende Entwicklungsschritt von den Motana selbst kommt. Das ist wesentlich interessanter, als wenn Perry ihnen die Lösung einfach mitgeliefert hätte.

    Noch spannender als Zephydas Testflug finde ich diesmal den zweiten Handlungsstrang um Aicha, weil er zeigt, dass dieselbe Entdeckung auf ganz unterschiedliche Weise entstanden ist. Raphid-Kybb-Karter lässt auf Baikhal Cain tausend Motana auswählen und unter Zwang zu Raumfahrern ausbilden. Wer nicht genügt, wird aussortiert und getötet; selbst die vermeintlich bessere Behandlung im Trainingslager ist also nur eine andere Form von Sklaverei. Aicha und ihre Rivalin Careve lernen unter diesem Druck, die Epha-Matrix zu beherrschen und Schiffe im Hyperraum zu führen. Ausgerechnet die Kybb liefern ihren Unterdrückten damit das Werkzeug, das später gegen sie verwendet werden kann. Als die SHALAVDRA Ash Irthumo erreicht, kippt die Situation endgültig. Die dortigen Motana setzen ihre Choräle ein, die Kybb verlieren die Orientierung, und Aicha kann sich gegen Raphid-Kybb-Karter wenden. Dadurch bekommt die Folge eine schöne Spiegelung: Zephyda tastet sich freiwillig und noch unsicher an die neue Fähigkeit heran, Aicha beherrscht sie bereits, weil sie unter Lebensgefahr dazu gezwungen wurde. Beide Wege führen zur selben Erkenntnis: Die Motana müssen nicht länger auf Piloten ihrer Besatzer angewiesen sein. Für den Sternenozean ist das ein enormer Schritt, weil aus einem lokalen Aufstand nun überhaupt erst eine Bewegung werden kann, die andere Welten erreicht.

    Claudia Urbschat-Mingues trägt die Folge über weite Strecken und kann Zephyda diesmal weniger kämpferisch, dafür angespannter und verletzlicher anlegen. Besonders während des Flugversuchs hört man, wie sehr sie zwischen Verantwortung und Selbstzweifel steht. Volker Brandt gibt Atlan dabei eine ungewohnt beruhigende Seite; seine Beziehung zu Zephyda wird zwar nicht groß ausgespielt, ist aber in den kurzen gemeinsamen Szenen deutlich genug spürbar. Volker Lechtenbrink hält Perry angenehm sachlich, ohne ihn in den Vordergrund zu drängen. Charles Rettinghaus bleibt als Rorkhete derjenige, bei dem man noch immer nicht sicher ist, wie viel er eigentlich weiß. Luise Lunow gibt Anthloza erneut eine raue Autorität, während Andreas Bisowski und Katrein Frenzel als Hekhet und Nerine das Motana-Ensemble erweitern. Simon Jäger fällt als Selboo ebenfalls auf und wird erkennbar für die kommenden Ereignisse positioniert. Die größte Veränderung hört man jedoch sofort beim Erzähler: Christian Schult übernimmt nach Joachim Höppner. Natürlich fehlt zunächst Höppners unverwechselbare Wärme und Schwere. Schult versucht aber klugerweise nicht, ihn zu kopieren. Seine Stimme ist heller, direkter und etwas nüchterner. Nach kurzer Eingewöhnung funktioniert das für mich erstaunlich gut und gibt der dritten Staffel sogar einen leicht veränderten Grundton.

    Akustisch ist die Folge fast wie für ein Hörspiel erfunden, denn die entscheidende Technologie besteht aus Stimmen. Schon in „Die Femesängerin“ waren die Choräle mehr als bloße Musik, hier werden sie endgültig Teil der Handlung. Der Neue Chor Berlin wird so mit elektronischen Flächen, tiefen Impulsen und dem Orchester verbunden, dass man tatsächlich das Gefühl bekommt, die gesammelte mentale Energie baue sich hörbar auf. Beim ersten Start ist das besonders gelungen: Das Knarren und Arbeiten des alten Würfelraumers, technische Warnungen, Perrys Kommandos und die Stimmen der Motana greifen immer enger ineinander, bis das Schiff sich tatsächlich bewegt. Als Zephydas Kräfte nachlassen, verliert auch die Klangfläche ihre Stabilität. So wird ein Vorgang hörbar, der eigentlich vollständig im Kopf der Figuren stattfindet. Die Passagen um Aicha klingen härter und technischer; Trainingsräume, Kontrollen und Kybb-Technik stehen im Gegensatz zur organischen Kraft der Choräle. Christian Hagitte und Simon Bertling verbinden beide Ebenen erneut sehr souverän, Sonja Harth hält die Parallelhandlung im Schnitt klar auseinander. Neu ist außerdem der Abspannsong: Anstelle von Camouflage beendet in der dritten Staffel Covenants „The World Is Growing Loud“ die CDs und passt mit seinem elektronisch-melancholischen Klang ausgesprochen gut zu dieser neuen Phase der Serie.

    Das Cover wirkt auf mich diesmal fast wie der Blick in eine riesige fremde Raumstation. Mehrere ringförmige Konstruktionen und gewaltige gebogene Bauteile staffeln sich übereinander, kleine Flugobjekte schweben dazwischen, und im Zentrum ragt eine helle, beinahe felsartig wirkende Struktur aus der ansonsten tiefblauen Szenerie. Menschen spielen auf dem Bild praktisch keine Rolle. Gerade das passt für mich sehr gut zu einer Folge, in der sich der Maßstab des Motana-Handlungsstrangs verändert. Bislang waren Wälder, Inseln, Minen und einzelne Festungen entscheidend. Nun geht es erstmals ernsthaft darum, den Planeten zu verlassen und den Sternenozean selbst zurückzuerobern. Die riesigen Ringe und Plattformen vermitteln dieses Gefühl von Raumfahrt und Größe, ohne einfach eine gewöhnliche Raumschlacht abzubilden. Gleichzeitig bleibt durch die kalte blau-schwarze Farbgebung die vertraute Serienoptik erhalten. Der Titel zieht sich breit über das obere Drittel und wirkt durch seine Länge fast selbst wie ein Teil dieser technischen Architektur. Gut finde ich, dass Zephyda nicht als übergroße Heldin auf dem Motiv erscheint. Die Folge macht sie zwar zur zentralen Figur, das Cover richtet den Blick aber auf das, was durch ihre Fähigkeiten erstmals wieder möglich wird: Bewegung zwischen den Welten.

    „Der Flug der Epha-Motana“ ist für mich ein ungewöhnlich guter Start in die dritte Staffel, gerade weil er nicht versucht, das Ende von Folge 12 mit noch mehr Action zu überbieten. Stattdessen zieht die Geschichte eine Konsequenz aus dem bisherigen Motana-Handlungsbogen. Befreiung allein reicht nicht; ein Volk, das im Sternenozean etwas verändern will, muss sich bewegen können. Mit der Epha-Matrix findet die Serie dafür eine Lösung, die Science Fiction und Psi-Elemente sehr typisch für „Perry Rhodan“ verbindet und zugleich unmittelbar aus der Kultur der Motana hervorgeht. Dass Zephyda beim ersten Versuch scheitert, während Aicha und ihre Gruppe unter viel brutaleren Bedingungen bereits weiter sind, verhindert einen zu einfachen Triumph. Erstmals entsteht das Gefühl, dass sich die einzelnen Motana-Schicksale zu etwas Größerem verbinden. Nicht alles ist gleich spannend – das Training auf Baikhal Cain muss viel Hintergrund in relativ kurzer Zeit transportieren, und die Liebesgeschichte zwischen Atlan und Zephyda tritt beinahe völlig zurück. Dafür hat die Folge einen klaren Entwicklungsschritt, der dem Zyklus neue Möglichkeiten eröffnet. Christian Schult und der neue Covenant-Abspann markieren zusätzlich hörbar den Staffelwechsel. Nach zwölf Folgen des Suchens, Fliehens und Überlebens beginnen die Motana nun, ihren eigenen Weg durch den Sternenozean zu finden. Damit wirkt Folge 13 weniger wie ein neues Kapitel als wie der Moment, in dem eine bisher unterdrückte Kultur wirklich aufbricht.

    Edited once, last by DerPoldi (October 3, 2026 at 10:06 AM).

  • DerPoldi October 3, 2026 at 10:02 AM

    Changed the title of the thread from “Perry Rhodan – Sternenozean – 13. Der Flug der Epha-Motana” to “Perry Rhodan: Sternenozean – 13. Der Flug der Epha-Motana”.

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