Horrotica 1 – Die Sklavinnen des Dr. Nocturne (Romankritik)

  • Horrotica 1 – Die Sklavinnen des Dr. Nocturne

    Mit „Die Sklavinnen des Dr. Nocturne“ startet Bastei seine neue Reihe „Horrotica“ und bereits der Titel macht ziemlich deutlich, in welche Richtung die Reise gehen soll. Im kleinen englischen Ort Ravenmoor macht Hank Reynolds Bekanntschaft mit der jungen Eveline, die allerdings alles andere als eine gewöhnliche Frau ist. Was für Hank zunächst wie die Erfüllung seiner kühnsten Fantasien aussieht, endet für ihn ziemlich unschön. Hinter Eveline steckt der geheimnisvolle Dr. Nocturne, ein alter Wissenschaftler, der auf seinem Schloss mit Frauen experimentiert und sie für seine ganz eigenen Zwecke einsetzt. Im weiteren Verlauf geraten ein Reporter und eine junge Frau, die nach ihrem verschwundenen Bruder sucht, in die Geschichte und damit natürlich auch zunehmend in Nocturnes Machenschaften.

    Ich war tatsächlich gespannt darauf, was Bastei unter „Horrotica“ versteht und wie weit man sich mit dieser neuen Reihe vom klassischen Gruselroman entfernen würde. Nach dem ersten Band bin ich mir allerdings noch immer nicht ganz sicher, wie ich das Ganze einordnen soll. Ein herkömmlicher Gruselroman mit ein paar erotischen Szenen ist es jedenfalls nicht, Romantasy erst recht nicht. Mortimer Stone liefert vielmehr eine wilde Mischung aus Horror, Erotik und bewusstem Trash, die mich stellenweise tatsächlich an jene herrlich schrägen Horrorfilme erinnert hat, die in den 70er- und 80er-Jahren irgendwo zwischen Grusel, Sex und vollkommenem Irrsinn angesiedelt waren. Wer hier eine besonders ernsthafte Geschichte erwartet, dürfte deshalb ziemlich schnell mit den Ohren schlackern.

    Das größte Problem des Romans ist für mich allerdings, dass er einen erheblichen Teil seines Pulvers viel zu früh verschießt. Dr. Nocturne, seine Experimente und seine Beweggründe werden recht schnell offengelegt, wodurch das Geheimnisvolle, das gerade ein solches Szenario eigentlich braucht, weitgehend verloren geht. Ein düsteres Schloss, ein verrückter Wissenschaftler, untote Frauen und verschwundene Menschen bieten schließlich genügend Material, um daraus eine richtig schön unheimliche Geschichte aufzubauen. Stattdessen weiß man ziemlich früh, woher der Wind weht. Wirkliche Spannung entsteht deshalb nur bedingt. Erst als der Reporter und die nach ihrem Bruder suchende Frau stärker in den Mittelpunkt rücken, bekommt die Handlung für mich wieder etwas mehr Zug.

    Natürlich kommt man bei einer Reihe namens „Horrotica“ nicht um das Thema Erotik herum, und zurückhaltend geht Mortimer Stone damit wahrlich nicht um. Die entsprechenden Szenen sind teilweise ziemlich explizit, wobei sie überraschend unterschiedlich ausfallen. Hank Reynolds darf sich zu Beginn noch für den unwiderstehlichen Frauenhelden halten, obwohl der Roman selbst ihn eher wie einen ziemlich selbstgefälligen Trottel erscheinen lässt. Dr. Nocturne bekommt ebenfalls seinen Auftritt, während es bei seinem Diener und einer der untoten Frauen anschließend erheblich schräger und deutlich härter zur Sache geht. Dagegen fällt die Begegnung zwischen dem Reporter und der eigentlichen weiblichen Hauptfigur fast schon konventionell aus. Erotisch fand ich das Ganze allerdings nur bedingt. Dafür sind manche Beschreibungen einfach zu direkt und teilweise so überzeichnet, dass ich eher schmunzeln musste.

    Genau darin liegt für mich aber auch ein gewisser Reiz dieses ersten Bandes. Ich hatte zunehmend das Gefühl, dass sich „Die Sklavinnen des Dr. Nocturne“ selbst nicht sonderlich ernst nimmt. Vieles ist dermaßen überdreht, dass man es eigentlich nur als bewussten Trash lesen kann. Der verrückte Wissenschaftler in seinem Schloss, seine untoten Verführerinnen, die sexuelle Selbstüberschätzung mancher Männer und einige geradezu groteske Situationen passen hervorragend in diese Richtung. Sobald ich aufgehört hatte, nach einer atmosphärisch dichten Horrorgeschichte zu suchen und mich auf diesen ziemlich wilden Mix eingelassen habe, hatte ich durchaus meinen Spaß damit.

    Was mir trotzdem fehlt, ist echter Horror. Dafür hätte Ravenmoor mit seinem Schloss und Dr. Nocturne eigentlich eine wunderbare Kulisse geboten. Etwas mehr Atmosphäre, ein langsamerer Aufbau und vor allem weniger frühe Erklärungen hätten der Geschichte meiner Meinung nach gutgetan. Der Roman will möglichst schnell zeigen, was „Horrotica“ sein soll, und tritt dabei ordentlich aufs Gaspedal. Das sorgt zwar dafür, dass auf den relativ wenigen Seiten ständig etwas passiert, nimmt der Geschichte aber zugleich jede Möglichkeit, ihre unheimlichen Elemente wirklich auszuspielen. Gerade das Verhältnis zwischen Horror und Erotik darf sich in den kommenden Bänden für meinen Geschmack deshalb gerne noch etwas zugunsten des Horrors verschieben.

    Als Auftakt ist „Die Sklavinnen des Dr. Nocturne“ damit ein ziemlich kurioses Ding geworden. Literarische Feinkost sollte man hier definitiv nicht erwarten, einen biederen Gruselroman allerdings ebenfalls nicht. Mortimer Stone serviert Sex, untote Frauen, einen wahnsinnigen Wissenschaftler und jede Menge herrlich bekloppten Trash und scheint dabei durchaus zu wissen, wie absurd das alles ist. Wirklich spannend fand ich den Roman nur selten und manches ist mir schlicht zu plakativ geraten. Gleichzeitig hat mich diese vollkommen unbekümmerte Mischung aber genug unterhalten, dass ich wissen möchte, wie sich „Horrotica“ weiterentwickelt. Wenn jeder Autor seinen eigenen Ton einbringen darf, könnte aus der Reihe durchaus eine herrlich schräge Wundertüte werden. Für den Auftakt gilt jedenfalls: seltsam, schlüpfrig, ziemlich durchgeknallt – aber ganz sicher nicht langweilig.

  • Ich würde sie definitiv dafür feiern, wenn sie sich tatsächlich trauen würden, DAS als Hörspiel umzusetzen. Allein die Vorstellung, wie einige dieser Szenen akustisch inszeniert werden, hat schon etwas herrlich Absurdes. 🤣

  • Sorry, DerPoldi

    Ich habe den Roman jetzt durchgelesen und konnte beim besten Willen nichts Positives daran finden. Die Handlung besteht aus Versatzstücken anderer Vorlagen, so dass man die eigene Fantasie gar nicht bemühen muss: Für jeden Handlungsabschnitt hat man sofort irgendwelche Filmszenen vor dem geistigen Auge. Und auch wenn man eingesteht, dass jede(r) unter Erotik etwas anderes versteht: Die entsprechenden Szenen schildern einfach das, was es ansonsten in Internet-Pornos zu sehen gibt.

    Auch die Handlung als solche gewinnt ganz sicher keinen Preis für Originalität oder Eigenständigkeit. Sie ist im Gegenteil dermaßen vorhersehbar, dass man eigentlich nach 10 Seiten aufhören könnte zu lesen. Man weiß da eh schon, wie es ausgehen wird. Dass die Figuren blass bleiben sei ebenfalls noch erwähnt (wobei das natürlich bei Heftromanen eher die Regel als die Ausnahme ist).

    Soll das ganze nun eine Satire sein oder zumindest eine Huldigung an den Trash-Film der 70er Jahre? Falls ja ist es Autor 'Mortimer Stone' nicht gelungen, diesen Aspekt erkennbar zu machen.

    Doch noch etwas Positives: Für einen Heftroman finden sich wenig Rechtschreibfehler. Was meinen Verdacht, dass die Ausgestaltung der Szenen einer KI überlassen wurde, noch verstärkt (ist aber natürlich nur eine böse Vermutung).

    Das ebook hat die Nummer 0001 bekommen. BASTEI hält es demnach also für möglich, irgendwann eine vierstellige Zahl an Romanen zu erreichen. Bleibt es auf dem Niveau von Heft 1, hoffe ich sehr, dass sie sich irren.

    Nicht jeder Verkannte ist ein Genie. (Walter Moers)

  • Ich habe das Ganze schon beim Lesen nicht wirklich ernst genommen. Für mich war ziemlich schnell klar, dass man das mit einer gewissen Portion Humor betrachten sollte und vermutlich auch genau so verstehen muss. Deshalb habe ich mich über einige Dinge eher amüsiert, anstatt großartig darüber nachzudenken oder mich daran zu stören. Wenn man anfängt, das alles auf die Goldwaage zu legen und nach Logik oder Realismus zu suchen, macht man sich vermutlich selbst einen Teil des Spaßes kaputt.

    Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass die Reihe ihre Fans finden wird. Ob sie allerdings irgendwann tatsächlich die 100 vollmacht, da bin ich doch eher skeptisch. Dafür müsste sie schon über einen sehr langen Zeitraum ein Publikum bei der Stange halten. Aber überraschen lassen würde ich mich natürlich trotzdem.

  • Horrortica (düster-geheimnisvoll- verboten) Band 1 [Oktober 2026]

    -Die Sklavinnen des Dr. Nocturne.

    Wer Retro-Gruselgeschichten liebt, wie z.B. Frankensteins Sohn, Im Bann der Monsterspinne oder eben solche, die sich in den 70'ern und 80ern größter Beliebtheit erfreuten, darf hier zugreifen. Allerdings ist der Erotik-Gehalt recht hoch. Das gab es auch bei Sinclair und Dämonenkiller in der Form, so nicht.

    Auf 63 Seiten, muß man dann mit 3-4 Seiten einbeziehen, die Hardcore-Erlebnisse beinhalten. Weibliche Leser, sag ich jetzt mal, schreckt sowas eher ab, denn mit Romantik hat das ganze herzlich wenig am Hut.

    Die Story ist recht simpel gehalten: Reporter Ethan Blackmore bekommt den Auftrag, eine aufregende Story zu schreiben, in einer kleinen Ortschaft, in welcher es nicht mit rechten Dingen zu geht. Auf einem düsteren Schloss, sollen Männer (von Frauen) entführt werden, die bis heute nicht wieder-kehrten, und zu allem Übel soll dort ein wahnsinniger Wissenschaftler, namens Dr. Nocturne, seine kranken Experimente durchführen.

    In dem kleinen Örtchen Ravenmoor angekommen, macht der 37 jährige Ethan sobald die Bekanntschaft mit der jungen Krankenschwester Clara Ashford, deren Bruder angeblich auf das düstere Anwesen entführt wurde. Beide tun sich zusammen (nachdem sie eine gemeinsame Nacht bei Clara zuhause verbrachten), um sich das unheimliche Gemäuer aus der Nähe anzusehen...

    Das ist so in groben Zügen die Hauptstory. Ich las neulich einen Dorian Hunter Roman, aus Mitte der 80 er, der fast die gleiche Handlung bot!

    Wer also im Grusel (/Erotik) Bereich eine Herausforderung oder was neues sucht, ist hier eher fehl am Platze!

    Wer von den altbackenen Gruselgeschichten nicht genug bekommen kann, und ein paar Seiten Hardcore-Erotik nicht stören, darf hier gerne zugreifen. Auch wird es hier vermutliche keine festen Hauptfiguren wie Helden und Antagonisten geben, denn jede Folge wird wohl in sich abgeschlossen sein. Wobei ich gar nichts gegen ein festes Pärchen wie Eireen Fox und Tom Fawley hätte, die alle paar Folgen mal auftauchen!

    Bei 63 Seiten ohne komplizierte Wendungen und verstrickte Handlung, hatte ich meinen Spaß beim lesen.

    Oder anders formuliert, wer den Roman in den Händen hält, weiß eigentlich, wenn er Titel und Cover sorgfältig betrachtet, auf was er sich da einlässt. Ich hab genau das bekommen, was ich erhofft/"befürchtet" hatte.

    Negativ zu bewerten war der Satz: "Ihr fror das Blut in den Adern". Dies musste ich im Roman satte 3-4 mal lesen, nervte mich schon bei einem anderen Geisterjäger, und ist an Langweile nicht mehr zu überbieten!

    Werd ich mir Teil 2 -"Die Insel der toten Wikinger" auch antun???

    Na klar, die Reihe fängt doch erst gerade (richtig) an...:)

    The Jokes on you!

    Edited 11 times, last by Evil (October 11, 2026 at 2:05 PM).

  • Kleiner Nachtrag. Im Horrortica stand eine Anzeige, für eine neue Mystery-Romance-Serie:

    TAYLOR -Fear the Heart. "Gänsehaut trift auf Herzklopfen"- Zum Sammeln, Gruseln und Träumen.

    Dann eher die Mystery Serie für Mädels. ;):love::)

    The Jokes on you!

  • Evil

    Da hast du dir mit deiner Besprechung aber wirklich einiges an Mühe gemacht! Vielen Dank für diesen ausführlichen Einblick. 😊

    Mich freut es besonders, dass dir der erste Roman so gut gefallen hat und du offenbar genau das bekommen hast, was du dir von der Reihe erhofft hast. Gerade bei solchen Retro-Gruselgeschichten kommt es ja auch darauf an, dass man sich auf ihren ganz eigenen Charme einlassen kann.

    Und dass du trotz deiner Kritikpunkte schon fest entschlossen bist, auch den zweiten Band zu lesen, spricht doch eigentlich für sich. Ich bin jedenfalls gespannt, wie dir die Fortsetzung gefallen wird!

  • Aber Hand aufs Herz - das hat kein Mensch geschrieben, oder? KI ik hör Dir trapsen.

    Sehe gerade Stollentroll hat diesen Verdacht auch geäußert.

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

Participate now!

Don’t have an account yet? Register yourself now and be a part of our community!