Die Playmos - 100/9. Der magische Ring: Überfall auf die SWAT-Zentrale
Nach ihrer langen Reise durch die unterschiedlichsten Spielwelten erreichen Emil, Liv, Sam und Ben die letzte Station ihres Abenteuers. Bens Zustand hat sich inzwischen weiter verändert: Er steckt zwar noch im Körper eines Tigers, kann aber nicht mehr sprechen und verhält sich zunehmend wie das Tier, in das ihn der magische Ring verwandelt hat. Gemeinsam bündeln die Freunde ihre Kräfte und schaffen tatsächlich eine teilweise Rückverwandlung. Ben sieht wieder aus wie ein Junge, benimmt sich jedoch weiterhin wie ein Tiger. Noch bevor sie herausfinden können, wie sie den Zauber vollständig brechen, greift ein SWAT-Team ein und nimmt die Gruppe fest. Die ungewöhnlichen Ereignisse der vergangenen Tage sind den Behörden nicht verborgen geblieben, und der magische Ring wird inzwischen als mögliche Gefahr betrachtet. Dann dringen Locke und Pic in die Zentrale ein, nehmen Commander Krisenherd als Geisel und wollen den Ring in ihre Gewalt bringen. Während Emil, Liv und Sam versuchen, den Überfall zu vereiteln, läuft ihnen zusätzlich die Zeit davon: Bens Mutter wird bald nach Hause kommen. Schließlich bleibt nur noch ein letzter Versuch, Ben vollständig zurückzuverwandeln.
Nach acht Reisen in immer neue Welten macht das Finale etwas, das mir wesentlich besser gefällt, als einfach noch eine weitere Station an die bisherige Reihe anzuhängen. David Bredel greift Geschehnisse aus dem gesamten Jubiläumsabenteuer wieder auf und zeigt, dass Bens Magie nicht folgenlos geblieben ist. Das plötzlich entstandene Haus mit dem goldenen Fußboden und weitere Merkwürdigkeiten haben Aufmerksamkeit erregt, und auch Locke kehrt aus dem Feuerwehrabenteuer zurück. Dadurch besitzt das Finale tatsächlich das Gefühl eines Abschlusses. Verschiedene Fäden laufen zusammen, statt nach dem bekannten Muster nur den nächsten vermeintlich magischen Gegenstand zu präsentieren. Gleichzeitig verändert sich die Bedeutung des Rings. Emil, Liv und Sam sind inzwischen nicht mehr bloß diejenigen, die Ben von einer möglichen Lösung zur nächsten begleiten. Gemeinsam können sie selbst etwas bewirken und ihm zumindest teilweise seine menschliche Gestalt zurückgeben. Nach all den vorherigen Abenteuern passt es hervorragend, dass ausgerechnet der Zusammenhalt der Freunde wichtiger wird als irgendein weiterer Zaubergegenstand.
Die gut 22 Minuten haben einiges zu bewältigen. Festnahme, SWAT-Zentrale, Überfall, Geiselnahme und der Kampf um den Ring sorgen zunächst für reichlich Bewegung, trotzdem liegt der eigentliche Höhepunkt für mich erst danach. Liv gelingt schließlich der entscheidende Zauber und Ben steht wieder als ganz normaler Junge vor seiner Mutter. Damit könnte die Geschichte eigentlich ihr erwartbares Happy End bekommen – tut sie aber nicht. Ben hat seine Erinnerungen verloren. Er weiß nichts mehr vom magischen Ring, erinnert sich nicht an die gemeinsamen Reisen und hält Emil, Liv und Sam plötzlich wieder für gewöhnliche Spielfiguren. Mehr noch: Er glaubt, inzwischen zu alt für diesen Kinderkram zu sein, und räumt sie weg. Mit einer solchen Wendung hätte ich bei den Playmos tatsächlich nicht gerechnet. Ausgerechnet nach einer Jubiläumsreise, die davon handelt, dass Ben erstmals selbst in seine Spielwelten eintauchen darf, verliert er am Ende die Erinnerung daran. Das ist überraschend melancholisch und gibt dem Finale einen kleinen Stich, den ein vollkommen problemloses Ende niemals gehabt hätte.
Auch stimmlich bekommt das Finale durch diese Entwicklung eine andere Färbung. Gerrit Schmidt-Foß, Santiago Ziesmer, Ricardo Richter, Nicolas Artajo und Giuliana Jakobeit haben das neunteilige Abenteuer als vertrauter Kern zusammengehalten und können hier noch einmal zwischen hektischer Action, Sorge und ruhigeren Momenten wechseln. Ben ist diesmal besonders interessant, weil seine Rückverwandlung zunächst nur äußerlich gelingt und sein tierisches Verhalten entsprechend anders gespielt werden muss als die vertraute Figur. Peter Flechtner gibt Commander Krisenherd die passende Präsenz für das SWAT-Szenario, während Claudio Maniscalco als Pic und Sven Plate als Locke auf der Gegenseite für markante Akzente sorgen. Lockes Wiederauftauchen zahlt sich dabei aus, weil man ihn nicht erst ausführlich etablieren muss. Am wirkungsvollsten ist für mich aber tatsächlich die Veränderung nach Bens vollständiger Rückkehr. Wenn er seine Freunde nicht mehr erkennt und sie nur noch als Spielzeug betrachtet, bekommt das vertraute Zusammenspiel plötzlich eine völlig andere Bedeutung.
Die Geräuschkulisse darf zunächst noch einmal richtig in die Vollen gehen. Einsatzkräfte, Funkverkehr, Fahrzeuge, die technische Umgebung der SWAT-Zentrale und schließlich der Überfall ergeben eine wesentlich härtere, hektischere Kulisse als etwa die märchenhaften oder historischen Welten früherer Teile. Dazwischen stehen die magischen Effekte des Rings, die bewusst nicht in diese kontrollierte Umgebung passen. Dieser Gegensatz hat seinen Reiz: Die Spezialeinheit versucht eine Situation zu beherrschen, die sich mit ihren üblichen Mitteln überhaupt nicht erklären lässt. Während der Geiselnahme und der Auseinandersetzung bleibt das Tempo entsprechend hoch. Umso stärker wirkt anschließend die Rückkehr in Bens Kinderzimmer. Nach all den Portalen, Rennen, Göttern, Meerjungfrauen, Wikingern und Gefahren wird es plötzlich wieder alltäglich. Gerade diese akustische Beruhigung hilft dem Schluss enorm. Bens Entscheidung, seine Playmos wegzuräumen, benötigt keinen großen Effekt – nach dem Lärm des vorherigen Abenteuers bekommt die Szene durch ihre vergleichsweise unspektakuläre Umgebung sogar noch mehr Gewicht.
Das Cover macht dagegen keinen Hehl daraus, dass vor dem ruhigeren Ende zunächst noch einmal Action angesagt ist. Ein schweres gepanzertes Einsatzfahrzeug dominiert das Motiv, davor steht ein vollständig ausgerüsteter Angehöriger der Spezialeinheit. Blaulicht, Suchscheinwerfer und die Flammen im Hintergrund erzeugen eine nächtliche Einsatzatmosphäre, die sich deutlich von sämtlichen bisherigen Motiven der Miniserie unterscheidet. Nach Dschungel, Wikingern, Meerjungfrauen oder Rennstrecke wirkt dieses Bild fast wie das Cover eines kleinen Polizeiactionfilms in Playmobil-Optik. Interessant finde ich auch, dass überhaupt nichts auf den emotionaleren Ausgang der Geschichte hindeutet. Wer nur das Titelbild betrachtet, erwartet vor allem einen spektakulären Überfall auf eine Einsatzzentrale. Dass sich dahinter letztlich der persönlichste Teil des gesamten Jubiläums verbirgt, ist dem Motiv nicht anzusehen. Als Abschluss der neun unterschiedlichen Coverwelten setzt es damit noch einmal einen sehr deutlichen eigenen Akzent.
„Überfall auf die SWAT-Zentrale“ beendet „Der magische Ring“ auf eine Weise, die ich der hundertsten Playmos-Folge so gar nicht zugetraut hätte. Natürlich gibt es noch einmal Action, einen Überfall und einen letzten Kampf um den Ring, doch hängen bleibt etwas ganz anderes: Ben bekommt endlich seinen menschlichen Körper zurück und verliert dafür die Erinnerung an das Abenteuer und seine lebendigen Freunde. Damit bekommt die lange Reise rückwirkend sogar eine gewisse bittersüße Note. Insgesamt hat die Jubiläumsgeschichte über neun Teile eine erstaunliche Bandbreite gezeigt und Ritter, Fußball, Meerjungfrauen, griechische Mythologie, Feuerwehr, Wikinger, Schatzsuche, Motorsport und Polizeiaction unter einem gemeinsamen Handlungsbogen vereint. Nicht jeder Versuch, Ben zurückzuverwandeln, war gleichermaßen überraschend, und das wiederholte Hoffen auf den nächsten magischen Gegenstand nutzte sich irgendwann etwas ab. Das Finale entschädigt dafür mit einem Ende, das tatsächlich etwas verändert. Ben glaubt nun, zu alt für seine Playmos zu sein. Emil, Liv und Sam sind jedoch weiterhin lebendig – und damit bleibt nach der hundertsten Folge eine Tür offen, die ich nach diesem ungewöhnlichen Abschied nur zu gerne wieder aufgehen hören würde.