Die Playmos – 100/8. Der magische Ring: Das Autorennen um den Vulkan

  • Die Playmos – 100/8. Der magische Ring: Das Autorennen um den Vulkan

    Kaum ist die Schatzsuche überstanden, geraten Emil, Liv, Sam und Tiger-Ben bereits in das nächste Abenteuer. Diesmal landen sie beim „Ring of Fire“, einer Rallye rund um den aktiven Vulkan Ahi Tipua. Rennstallbesitzer Di Corsa hat ein Problem: Seine Fahrer sind erkrankt und für die letzte Etappe braucht er dringend Ersatz. Liv übernimmt kurzerhand das Steuer, während Sam als Co-Pilot neben ihr Platz nimmt und sie über Kurven, Entfernungen und Gefahren informiert. Für die Playmos steht allerdings noch wesentlich mehr auf dem Spiel als der Sieg bei einem Autorennen. Als Preis winkt der Zirkum-Pokal, der aus dem geheimnisvollen Azurit gefertigt wurde und magische Kräfte besitzen soll. Damit könnte sich endlich eine Möglichkeit ergeben, Ben aus seiner Tigergestalt zu befreien. Zunächst müssen Liv und Sam jedoch die Rallye überstehen, bei der nicht nur der zunehmend unruhige Vulkan gefährlich wird. Konkurrent Hassler fährt ausgesprochen rücksichtslos und drängt sie bei einem Überholmanöver ab. Liv verhindert lieber einen Unfall, als um jeden Preis als Erste ins Ziel zu kommen – und erfährt anschließend, dass beim „Ring of Fire“ ohnehin die Gesamtzeit aller Etappen über den Sieger entscheidet.

    Nach dem rätsellastigen Dschungelabenteuer schlägt die Miniserie mit „Das Autorennen um den Vulkan“ wieder einen vollkommen anderen Weg ein. Diesmal zählen Geschwindigkeit, Reaktionsvermögen und das Zusammenspiel zwischen Fahrer und Co-Pilot. Gerade Letzteres gefällt mir, weil das Rennen dadurch etwas mehr Substanz bekommt. Sam sitzt nicht einfach neben Liv und kommentiert die Fahrt, sondern erfüllt tatsächlich die Aufgabe eines Rallye-Co-Piloten und versorgt sie mit den notwendigen Angaben zur Strecke. Liv wiederum bekommt Gelegenheit, eine Episode stärker zu tragen, was innerhalb des Neunteilers für zusätzliche Abwechslung sorgt. Dass der „Ring of Fire“ unmittelbar an einem aktiven Vulkan entlangführt, ist natürlich herrlich überzogen, passt aber bestens zu einer Playmobil-Spielwelt. Gleichzeitig wird der Zirkum-Pokal geschickt als Verbindung zu Ben eingesetzt. Nach all den bisherigen Fehlschlägen greifen die Freunde verständlicherweise nach jeder neuen Hoffnung, und ein aus magischem Azurit gefertigter Pokal klingt zunächst durchaus vielversprechend. So bleibt die Rahmenhandlung präsent, ohne das eigentliche Rennabenteuer zu erdrücken.

    Mit gut 17 Minuten gehört der achte Teil zu den kürzesten Abschnitten des Jubiläums, und ausgerechnet hier ist die knappe Laufzeit ein Vorteil. Ein Autorennen benötigt keine komplizierte Vorgeschichte, sodass es nahezu sofort losgehen kann. Hassler ist schnell als unfairer Konkurrent etabliert, der Vulkan erhöht zusätzlich den Druck und Liv und Sam haben ein klares Ziel. Sehr schön ist die Szene, in der Liv beim Überholmanöver zurücksteckt, um einen schweren Unfall zu verhindern. Die Geschichte macht daraus keine große Lektion, sondern lässt ihre Entscheidung einfach für sich sprechen. Dass Di Corsas Team aufgrund der Gesamtwertung anschließend trotzdem mit 11,3 Sekunden Vorsprung gewinnt, setzt einen passenden Schlusspunkt unter das Rennen. Beim Zirkum-Pokal wiederholt sich anschließend allerdings das inzwischen bestens bekannte Muster: Hoffnung, magische Reaktion – und Ben bleibt ein Tiger. Nach acht Episoden kann dieser Teil der Handlung kaum noch überraschen. Immerhin wird der Fehlschlag nicht unnötig ausgewalzt. Das nächste Portal öffnet sich und zieht die Freunde unmittelbar weiter, sodass die Geschichte mit ordentlich Schwung auf ihr Finale zusteuert.

    Stimmlich bleibt das vertraute Ensemble auch beim ständigen Wechsel der Welten die verbindende Konstante. Gerrit Schmidt-Foß, Santiago Ziesmer, Ricardo Richter, Nicolas Artajo und Giuliana Jakobeit kennen ihre Figuren längst so gut, dass die Dialoge selbst in den hektischeren Rennszenen angenehm selbstverständlich wirken. Diesmal profitieren insbesondere Liv und Sam von der Rollenverteilung. Als Fahrerin muss Liv Entschlossenheit und Konzentration zeigen, während Sam als Co-Pilot mit seinen schnellen Ansagen einen wesentlichen Anteil am Rennen besitzt. Dadurch geraten Emil und Ben zeitweise etwas stärker in den Hintergrund, was ich überhaupt nicht störend finde. Im Gegenteil: Bei neun miteinander verbundenen Episoden ist es angenehm, wenn nicht immer dieselbe Figur den jeweiligen Einzelkonflikt bestimmt. Hassler benötigt dagegen keine großen Zwischentöne. Er soll als überheblicher und rücksichtsloser Rivale funktionieren, und genau dafür reicht die kurze Zeit vollkommen aus. Auch Di Corsa fügt sich gut in das sportliche Umfeld ein, ohne dass die Nebenfiguren das vertraute Playmos-Ensemble überlagern.

    Beim Sound darf diese Episode ordentlich aufdrehen. Motoren, Beschleunigung, Reifen auf wechselndem Untergrund und Sams Ansagen erzeugen schon während der Fahrt eine hohe Dynamik. Dazu kommt mit Ahi Tipua eine zweite Gefahrenquelle, die akustisch zunehmend Raum einnimmt. Der Vulkan ist eben nicht bloß die hübsche Kulisse für den „Ring of Fire“, sondern macht die ohnehin anspruchsvolle Strecke zusätzlich unberechenbar. Erschütterungen und die drohende vulkanische Aktivität verleihen dem Rennen deshalb eine Spannung, die über den sportlichen Wettkampf hinausgeht. Schön ist auch, dass sich Sams Funktion als Co-Pilot unmittelbar auf die akustische Gestaltung auswirkt. Seine Angaben und Livs Reaktionen vermitteln zumindest spielerisch einen Eindruck davon, wie eng beide während einer Rallye zusammenarbeiten müssen. Die Musik unterstützt die Geschwindigkeit, ohne pausenlos maximale Dramatik zu verlangen. Dadurch bleibt noch genügend Spielraum, um das Finale des Rennens und die erneute magische Hoffnung durch den Zirkum-Pokal voneinander abzusetzen.

    Das Cover bringt die Rennatmosphäre ohne Umwege auf den Punkt. Ein grün-schwarzer Buggy mit der Startnummer 35 pflügt durch eine staubige Wüstenlandschaft, während die aufgewirbelte Erde hinter den Reifen bereits ordentlich Geschwindigkeit vermittelt. Im Vordergrund steht ein Rennfahrer in auffälliger roter Schutzkleidung mit Helm, daneben weist eine Tafel in die nächste Kurve. Auffällig ist, dass der im Titel so wichtige Vulkan auf dem Motiv gar nicht dominant in Erscheinung tritt. Stattdessen konzentriert sich das Bild vollständig auf Rallye, Fahrzeug und Strecke. Das funktioniert trotzdem, weil sich dieses Cover innerhalb der bisherigen Miniserie sofort von den Ritter-, Unterwasser-, Wikinger- oder Dschungelmotiven unterscheidet. Der kräftig grüne Buggy bildet einen schönen Blickfang vor der braunen Landschaft, und gerade die Reifenspuren sowie der Staub geben dem ansonsten typischen Playmobil-Produktmotiv etwas Bewegung. Man weiß jedenfalls auf Anhieb, welche Spielwelt die Freunde diesmal erwartet.

    „Das Autorennen um den Vulkan“ rast beinahe genauso schnell vorbei wie Livs Buggy und ist gerade deshalb ein unterhaltsamer vorletzter Abschnitt von „Der magische Ring“. Nach den Rätseln des siebten Teils bekommt die Jubiläumsgeschichte noch einmal einen kräftigen Temposchub, ohne sich ausschließlich auf Motoren und Verfolgungsjagden zu verlassen. Das Zusammenspiel von Liv und Sam, die Funktion des Co-Piloten und die Wertung über mehrere Etappen geben dem Rennen genügend Eigenständigkeit. Gleichzeitig gefällt mir Livs Entscheidung, einen möglichen Sieg nicht über die Sicherheit zu stellen. Ein wenig abgenutzt ist inzwischen lediglich die nächste vermeintliche Möglichkeit, Ben zurückzuverwandeln. Spätestens beim Zirkum-Pokal rechnet man eigentlich schon damit, dass es wieder nicht funktionieren wird. Da sich die Geschichte damit aber nicht lange aufhält und das nächste Portal bereits auf die Freunde wartet, fällt das kaum ins Gewicht. Nach acht völlig unterschiedlichen Stationen fehlt nun nur noch der Abschluss – und der darf nach dieser langen Reise ruhig endlich erklären, wie Ben seinen Tigerkörper wieder loswerden soll.

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