Die Playmos – 100/5. Der magische Ring: Brand im Dachstuhl

  • Die Playmos - 100/5. Der magische Ring: Brand im Dachstuhl

    Emil, Liv und Sam gelangen mit dem noch immer in einen Tiger verwandelten Ben zurück zu dem Haus, das durch seine Magie zu Beginn des großen Abenteuers entstanden ist. Lange können sie sich dort allerdings nicht umsehen, denn Sam riecht Rauch und wenig später steht der Dachstuhl in Flammen. Ausgerechnet Ben befindet sich bereits im Gebäude, wo außerdem ein Einbrecher versucht, Teile des goldenen Fußbodens zu stehlen. Die alarmierte Feuerwehr beginnt mit der Rettung, doch damit ist das Chaos noch lange nicht beendet. Der Täter flieht in einem gelben Sportwagen und bemerkt offenbar nicht rechtzeitig, dass Ben auf dessen Rücksitz gelandet ist. Emil, Liv und Sam setzen ihm mit einem Rettungswagen nach. Während der Verfolgung geschieht schließlich etwas Unerwartetes: Die Veränderungen, die Ben zuvor durch seine Magie hervorgerufen hat, beginnen sich aufzulösen. Das Haus, der goldene Boden und der Sportwagen kehren zu ihrem ursprünglichen Zustand zurück. Für einen Moment sieht es so aus, als könnte damit auch Bens Verwandlung beendet sein. Tatsächlich bekommt er sein gewohntes Fell zurück – ein Mensch wird er jedoch nicht.

    Nach den Ausflügen zum Fußball, unter Wasser und ins antike Griechenland schlägt „Brand im Dachstuhl“ einen anderen Weg ein. Statt die Freunde einfach in die nächste neue Spielwelt zu schicken, greifen David Bredel und Florian Fickel etwas auf, das bereits zu Beginn des Jubiläumsabenteuers eine Rolle gespielt hat. Das gefällt mir, weil „Der magische Ring“ dadurch stärker wie eine zusammenhängende Geschichte wirkt und nicht nur wie eine Reihe lose verbundener Kurzabenteuer. Gleichzeitig bildet das Feuerwehrthema einen schönen Gegensatz zu den zuletzt sehr fantastischen Schauplätzen. Meerjungfrauen, magisches Seegras, Pegasos und Zeus machen Platz für Löschfahrzeuge, Rettungseinsätze und eine Verfolgungsjagd. Die Magie verschwindet trotzdem nicht aus der Geschichte, sondern wird sogar wichtiger als zuvor. Erstmals lässt sich beobachten, dass einige von Bens Veränderungen offenbar nicht dauerhaft sind. Damit erfährt man tatsächlich etwas Neues über seine Kräfte und die Regeln, nach denen sie funktionieren. Gerade in der Mitte des Neunteilers ist das wichtiger, als einfach nur die nächste vermeintliche Möglichkeit zur Rückverwandlung auszuprobieren.

    Für nicht einmal 18 Minuten steckt erstaunlich viel Handlung in dieser Episode. Schon der Brand sorgt für unmittelbare Gefahr, zusätzlich befindet sich ein Einbrecher im Haus, Ben gerät erneut in Schwierigkeiten und schließlich wechselt die Geschichte in eine rasante Verfolgungsjagd. Trotz dieser Fülle bleibt der Ablauf übersichtlich, weil die Ereignisse unmittelbar aufeinander aufbauen. Besonders der letzte Abschnitt bringt die Rahmenhandlung einen entscheidenden Schritt weiter. Bislang bestand die Suche hauptsächlich daraus, etwas zu finden, das Ben vielleicht helfen könnte. Nun verändert sich zum ersten Mal seine eigene Magie. Dass sich fast alles zurückbildet, während ausgerechnet die Tigerverwandlung bestehen bleibt, ist ein schöner kleiner Rückschlag. Gleichzeitig bekommt Ben immerhin sein normales Fell zurück, sodass die Ereignisse nicht vollkommen folgenlos bleiben. Die Episode endet damit an einem Punkt, an dem man wesentlich mehr über sein Problem weiß als zuvor. Genau solche Entwicklungen braucht eine fortlaufende Geschichte, damit die einzelnen Kurzepisoden nicht nur Stationen auf einer endlosen Suche bleiben.

    Das bekannte Ensemble kann diesmal eine etwas hektischere Seite der Figuren ausspielen. Gerrit Schmidt-Foß, Santiago Ziesmer, Ricardo Richter, Nicolas Artajo und Giuliana Jakobeit sind inzwischen der feste stimmliche Mittelpunkt des Jubiläums und sorgen dafür, dass auch ein völliger Themenwechsel problemlos funktioniert. Die Sorge um Ben, das Feuer und die anschließende Jagd verlangen mehr Dringlichkeit als einige der vorherigen Abenteuer, ohne dass der leichte Grundton der Playmos verloren geht. Gerade die Tatsache, dass Außenstehende Ben lediglich als Tiger wahrnehmen und natürlich nichts von seiner tatsächlichen Identität wissen, bietet Raum für einige amüsante Situationen mitten im Einsatzgeschehen. Das funktioniert deshalb so schön, weil die Beteiligten die Situation nicht aufgesetzt komisch spielen. Für Emil, Liv und Sam steht schließlich wirklich ihr Freund auf dem Spiel. Die Nebenfiguren aus Feuerwehr- und Rettungsumfeld fügen sich gut in diese wesentlich alltäglichere Spielwelt ein und setzen sich deutlich genug von den wechselnden Fantasygestalten der vorherigen Episoden ab.

    Akustisch kann „Brand im Dachstuhl“ ordentlich auffahren. Feuer, Rauchentwicklung, Einsatzkräfte und Fahrzeuge ergeben von Anfang an eine wesentlich unruhigere Geräuschkulisse als zuletzt auf dem Olymp. Das Knistern und Lodern der Flammen vermittelt die Gefahr im Gebäude, während die Feuerwehrszenen durch zahlreiche kleine Einsatzgeräusche lebendig werden. Später verlagert sich der Schwerpunkt auf die Straße und damit verändert sich auch das Klangbild: Motoren, Geschwindigkeit und die Verfolgung des flüchtenden Einbrechers bestimmen nun das Geschehen. Dadurch besitzt die kurze Episode zwei deutlich voneinander unterscheidbare Hälften, ohne dass ein harter Bruch entsteht. Die Musik unterstützt das hohe Tempo und lässt in den gefährlicheren Momenten genügend Spannung aufkommen, bleibt aber weiterhin im kindgerechten Rahmen. Gerade bei einer so ereignisreichen Geschichte zahlt sich die kurze Laufzeit aus, denn akustisch herrscht fast ständig Bewegung, ohne dass sich einzelne Effekte unnötig wiederholen.

    Das Cover stellt folgerichtig die Feuerwehrwelt in den Mittelpunkt und gehört zu den realistischeren Motiven innerhalb der bisherigen Miniserie. Ein großes rotes Drehleiterfahrzeug dominiert das Bild, während mehrere Feuerwehrfiguren rund um den Einsatzwagen verteilt sind. Die ausgefahrene Leiter mit Rettungskorb reicht weit in die obere Bildhälfte, im Hintergrund ist zwischen modernen Gebäuden bereits Rauch zu erkennen. Zahlreiche kleinere Details wie Feuerlöscher, Verkehrskegel und Ausrüstung verstärken den Eindruck eines laufenden Einsatzes. Durch das kräftige Rot des Fahrzeugs vor der eher zurückhaltenden Stadtkulisse fällt das zentrale Motiv sofort ins Auge. Interessant ist auch der Kontrast zum vorherigen Cover: Statt Götterwelt, schneebedeckten Bergen und Pegasos gibt es nun eine moderne Stadt und handfestes Rettungsgerät. Trotzdem sorgen der bekannte blaue Rahmen, das Logo und die Kennzeichnung als Miniserie dafür, dass die Zusammengehörigkeit der einzelnen Teile sofort erkennbar bleibt.

    „Brand im Dachstuhl“ ist für mich ein wichtiger Abschnitt von „Der magische Ring“, weil sich die Geschichte zur Halbzeit nicht damit begnügt, einfach das bisherige Reisemuster fortzuführen. Die Rückkehr zu Bens selbst erschaffenem Haus greift frühere Ereignisse wieder auf, und mit dem allmählichen Verschwinden seiner magischen Veränderungen kommt erstmals wirklich Bewegung in die Frage, was mit ihm geschehen ist. Gleichzeitig funktioniert die Episode auch für sich als ausgesprochen flottes Feuerwehrabenteuer mit Einbruch, Rettungsaktion und Verfolgungsjagd. Bei der kurzen Laufzeit bleibt naturgemäß wenig Platz für ruhigere Szenen, doch diesmal passt das hohe Tempo zum Geschehen. Am interessantesten ist ohnehin die Erkenntnis am Ende: Bens Magie verliert offenbar ihre Wirkung, seine Verwandlung aber nicht. Damit wird aus dem Tigerproblem mehr als nur eine weitere vorübergehende Zauberei. Nach fünf Teilen besitzt die Jubiläumsgeschichte dadurch einen guten neuen Ansatzpunkt für ihre zweite Hälfte – und die Frage, weshalb ausgerechnet Ben nicht wieder der Alte wird, ist inzwischen spannender als die Suche nach dem nächsten magischen Hilfsmittel.

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