Die Playmos – 100/3. Der magische Ring: Auf Tauchgang mit den Meerjungfrauen

  • Die Playmos - 100/3. Der magische Ring: Auf Tauchgang mit den Meerjungfrauen

    Die Suche nach einem Mittel gegen Bens Verwandlung führt Emil, Liv und Sam diesmal ans Meer und schließlich tief unter die Wasseroberfläche. Dort begegnen sie der verletzten Meerjungfrau Blubbanthia. Ihre Schwester Gluxinara ist in einer überfluteten Felsenhöhle verschwunden, in der sie magisches Seegras beschaffen wollte, das Blubbanthias verletzte Flosse heilen kann. Für die Playmos ist sofort klar, dass dieses Kraut vielleicht auch bei Ben wirken könnte. Bevor sie das ausprobieren können, müssen sie jedoch Gluxinara finden. Der Eingang zur Höhle ist nicht ohne Weiteres zugänglich, ein Rätsel muss gelöst werden und mit Tentacolos wartet dort unten noch ein ziemlich unangenehmer Bewohner. Ben selbst nimmt am Tauchgang nicht teil. Seit er als kleiner Tiger unterwegs ist, kann er sich für Wasser nämlich nicht mehr sonderlich begeistern und bleibt deshalb bei Blubbanthia zurück, während seine Freunde in der Unterwasserwelt nach Gluxinara und dem Seegras suchen.

    Nach dem eher geradlinigen Fußballabenteuer gefällt mir diese dritte Station schon deshalb besser, weil die Unterwasserwelt wesentlich mehr Raum für Fantasie bietet. Meerjungfrauen, eine verborgene Höhle, magisches Seegras und Tentacolos sind Zutaten, mit denen sich sofort eine kleine Abenteuerwelt aufbauen lässt. Gleichzeitig bleibt Bens Rückverwandlung sinnvoll mit der jeweiligen Einzelgeschichte verbunden. Das Seegras ist nicht irgendein magischer Gegenstand, nach dem die Freunde zufällig suchen, sondern zunächst ein Heilmittel für Blubbanthia. Erst daraus ergibt sich die Hoffnung, dass es vielleicht auch Ben helfen könnte. Solche Verknüpfungen sind wichtig, damit das Konzept von „Der magische Ring“ nicht nach wenigen Episoden nach einer bloßen Aneinanderreihung verschiedener Playmobil-Sets aussieht. Sehr schön finde ich außerdem, dass Bens Tigergestalt diesmal konkrete Folgen hat. Seine Abneigung gegen Wasser ist ein kleiner, aber wirkungsvoller Einfall, der aus seiner Verwandlung mehr macht als nur den Anlass für die gesamte Reise und nebenbei für etwas Humor sorgt.

    Trotz der erneut knappen Laufzeit besitzt „Auf Tauchgang mit den Meerjungfrauen“ einen etwas ausgeprägteren Abenteuerbogen als der vorherige Teil. Die Freunde müssen zunächst den Weg finden, anschließend ein Rätsel bewältigen und sich schließlich mit den Gefahren der Höhle auseinandersetzen. Dadurch entsteht das Gefühl einer richtigen kleinen Expedition. Tentacolos bringt zusätzliche Spannung hinein, ohne dass die Geschichte ihren kindgerechten Charakter verliert. Natürlich sind Rätsel und Hindernisse nicht darauf ausgelegt, den Hörer vor unlösbare Aufgaben zu stellen, aber sie sorgen für genügend Abwechslung, damit die Handlung nicht nur aus der Suche nach Gluxinara besteht. Besonders gelungen ist für mich, dass die Rahmenhandlung dabei ständig präsent bleibt. Emil, Liv und Sam helfen nicht ausschließlich einer Meerjungfrau, sondern verfolgen gleichzeitig ihr eigenes dringendes Ziel. Dadurch bekommt selbst ein überschaubares Einzelabenteuer eine zweite Ebene. Im Vergleich zum schnellen Fußballspiel wirkt dieser Abschnitt etwas verspielter und märchenhafter, ohne deshalb langsamer erzählt zu sein.

    Die bekannte Hauptbesetzung sorgt erneut dafür, dass der ständige Wechsel der Spielwelten nicht zulasten der Vertrautheit geht. Gerrit Schmidt-Foß, Santiago Ziesmer, Ricardo Richter, Nicolas Artajo und Giuliana Jakobeit gehören wieder zum Ensemble und tragen die mittlerweile bestens eingespielte Dynamik der Figuren weiter. Gerade Ben bekommt durch seine ungewöhnliche Situation immer wieder neue Möglichkeiten. Diesmal muss er akzeptieren, dass Emil, Liv und Sam ohne ihn losziehen, während er bei Blubbanthia zurückbleibt. Das bringt eine andere Konstellation in die Handlung und verhindert, dass die Gruppe in jeder Episode exakt dasselbe Zusammenspiel wiederholt. Die Meerjungfrauen wiederum setzen stimmlich einen deutlichen Kontrast zu den Figuren aus Ritter- und Fußballwelt und unterstützen damit den märchenhaften Charakter dieser Station. Bei Episoden von nicht einmal einer halben Stunde ist das besonders wichtig: Neue Charaktere müssen schnell funktionieren und dürfen keine lange Eingewöhnungszeit benötigen. Hier fügt sich das gut zusammen, sodass die Unterwasserwelt auch über ihre Figuren eine eigene Identität bekommt.

    Akustisch bietet diese Episode bislang eine der dankbarsten Kulissen der Miniserie. Wasserbewegungen, die Atmosphäre unter der Oberfläche und die Felsenhöhle lassen sich sehr unmittelbar hörbar machen und unterscheiden sich deutlich vom Stadion oder der Ritterwelt der vorherigen Teile. Besonders innerhalb der Höhle sorgen räumliche Effekte und Hall dafür, dass die Umgebung größer und geheimnisvoller erscheint. Tentacolos bringt wiederum eine etwas bedrohlichere Klangfarbe hinein, während die fantastische Seite der Meerjungfrauenwelt ihren verspielten Charakter behält. Auch musikalisch darf die Inszenierung hier stärker ins Märchenhafte gehen und erzeugt damit eine angenehme Abwechslung. Genau solche Unterschiede braucht „Der magische Ring“, denn bei neun aufeinanderfolgenden Episoden könnte das Grundprinzip sonst schnell schematisch wirken. Wenn jede Spielwelt nicht nur anders aussieht, sondern auch anders klingt, entsteht tatsächlich das Gefühl einer Reise durch vollkommen unterschiedliche Abenteuerwelten.

    Das Cover gehört für mich ebenfalls zu den bislang reizvolleren Motiven der Miniserie. Statt eines Stadions oder einer Burg öffnet sich diesmal eine farbenprächtige Unterwasserlandschaft. Zwei Meerjungfrauen stehen beziehungsweise sitzen im Mittelpunkt, daneben sind eine rosa-weiße Meeresschildkröte, ein auffälliges pinkfarbenes Seepferdchen, Korallen, eine goldene Harfe und eine geöffnete Schatzschatulle zu sehen. Sonnenstrahlen fallen von der Wasseroberfläche hinab und verleihen der Szene trotz der vielen Blau- und Türkistöne eine helle, freundliche Wirkung. Besonders die Rosa-, Violett- und Goldakzente sorgen dafür, dass das Motiv sofort märchenhafter erscheint als seine beiden Vorgänger. Die wiederkehrenden Gestaltungselemente mit dem blauen Rahmen, „Die Miniserie“ und der gelben Kennzeichnung von Folge 100 halten gleichzeitig die optische Verbindung zum Gesamtprojekt aufrecht. Das Titelbild vermittelt damit genau das, was diese Episode auszeichnet: einen deutlichen Szenenwechsel und eine sehr fantasievolle neue Spielwelt.

    „Auf Tauchgang mit den Meerjungfrauen“ gefällt mir von den ersten drei Teilen bislang am besten. Die Unterwasserwelt besitzt mehr Atmosphäre und Entdeckercharakter als das Fußballabenteuer, gleichzeitig ist die Geschichte kompakt genug, um innerhalb ihrer kurzen Laufzeit nicht ins Schwimmen zu geraten. Der verborgene Zugang, Gluxinaras Verschwinden, das magische Seegras und Tentacolos liefern mehrere kleine Stationen, die gut ineinandergreifen. Besonders schön ist aber, dass Bens Verwandlung diesmal nicht nur die Rahmenhandlung bestimmt, sondern sein Verhalten unmittelbar beeinflusst. Ein Tiger, der lieber nicht tauchen möchte, ist ein einfacher Einfall, bringt aber genau jene spielerische Leichtigkeit hinein, die zu den Playmos passt. Nach drei Episoden wird außerdem immer deutlicher, was das Jubiläum leisten kann: Statt eine einzige Handlung über fast drei Stunden zu strecken, dürfen Emil, Liv, Sam und Ben durch völlig unterschiedliche Welten reisen, während die Suche nach Bens Rückverwandlung alles zusammenhält. Diese dritte Station nutzt dieses Prinzip bislang besonders überzeugend.

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