Die Playmos - 100/2. Der magische Ring: Das schnelle Fußballspiel
Ben steckt noch immer im Körper eines kleinen Tigers, und für Emil, Liv und Sam steht fest, dass sie alles versuchen müssen, um ihren Freund zurückzuverwandeln. Die Suche nach einer Lösung führt die Gruppe diesmal in die Welt des Fußballs. Beim VfL Strickheim fällt ihnen schnell auf, dass auf dem Spielfeld etwas nicht stimmen kann: Die Spieler bewegen sich mit einer Geschwindigkeit, die mit sportlichem Können allein kaum zu erklären ist. Hinter dem erstaunlichen Tempo steckt ein Trainer, der sich eines magischen Umhangs bedient. Für die Playmos ist dieser Fund gleich in doppelter Hinsicht interessant. Sie wollen herausfinden, weshalb bei den Fußballspielen mit Magie nachgeholfen wird, sehen in dem Umhang aber zugleich eine mögliche Chance für Ben. Vielleicht besitzt er Kräfte, mit denen sich auch die Wirkung des magischen Rings beeinflussen lässt. Damit wird aus einem merkwürdigen Fußballspiel die nächste Etappe ihrer Suche nach einem Weg, Ben wieder in einen Jungen zu verwandeln.
Nach „Wie alles begann“ zeigt sich nun deutlicher, wie das Jubiläumsabenteuer aufgebaut ist. Der erste Teil musste noch die neue Ausgangslage schaffen und Ben überhaupt in eine Playmobil-Welt befördern, während „Das schnelle Fußballspiel“ unmittelbar mit dem eigentlichen Reiseprinzip arbeiten kann. Eine neue Spielwelt bringt ein neues Problem mit sich und gleichzeitig taucht ein magischer Gegenstand auf, der möglicherweise bei Bens Rückverwandlung helfen könnte. Diese Verbindung gefällt mir, weil dadurch die einzelnen Stationen nicht wie wahllos aneinandergereihte Kurzabenteuer wirken. Der Fußballfall besitzt einen eigenen kleinen Spannungsbogen, bleibt aber gleichzeitig Teil der übergeordneten Geschichte. Dass ausgerechnet Geschwindigkeit zum zentralen Rätsel wird, passt wunderbar zum Schauplatz und sorgt für eine unkomplizierte, sehr spielerische Idee. Fußball ist für die Playmos zwar keineswegs Neuland, durch die Magie und Bens besondere Situation bekommt das bekannte Thema diesmal aber einen anderen Dreh.
Mit knapp 19 Minuten ist die zweite Episode erheblich kürzer als der Auftakt, erzählt dafür aber auch deutlich konzentrierter. Viel Zeit für Einführungen braucht es nicht: Die Freunde landen in der Fußballwelt, bemerken die ungewöhnlich schnellen Spieler und gehen der Ursache auf den Grund. Dadurch entwickelt die Geschichte beinahe vom Start weg Bewegung. Ein besonders kompliziertes Rätsel sollte man bei dieser Laufzeit natürlich nicht erwarten, denn Mannschaft, Trainer und magischer Umhang müssen innerhalb weniger Szenen etabliert und miteinander verbunden werden. Gerade deshalb finde ich es sinnvoll, dass David Bredel und Florian Fickel den Fall nicht künstlich verkomplizieren. Wichtiger ist ohnehin, dass der größere Handlungsbogen weitergeführt wird. Mit jedem magischen Gegenstand verbindet sich nun die Hoffnung, endlich etwas gegen Bens Verwandlung unternehmen zu können. Das gibt auch einem vergleichsweise kleinen Fußballabenteuer einen zusätzlichen Antrieb und lässt die Suche nach einer Lösung weiterhin wie einen roten Faden durch die Miniserie laufen.
Die vertrauten Stimmen sind auch bei diesem kurzen Abstecher ein wichtiger Bestandteil des Wiedererkennungswertes. Gerrit Schmidt-Foß, Santiago Ziesmer, Ricardo Richter, Nicolas Artajo und Giuliana Jakobeit gehören erneut zum Ensemble und können auf eine Gruppendynamik zurückgreifen, die nach so vielen Folgen längst eingespielt ist. Interessant bleibt dabei vor allem Bens veränderte Position. Früher wartete er außerhalb der Spielwelten auf Emil, Liv und Sam, nun steckt er selbst mitten im Geschehen und ist durch seine Tigerverwandlung sogar derjenige, um den sich die anderen kümmern müssen. Das sorgt für eine andere Rollenverteilung, ohne dass sich das vertraute Miteinander plötzlich fremd anhört. Bei einer so kurzen Episode müssen sich die zusätzlichen Figuren rund um den VfL Strickheim dagegen schnell über Stimme und Auftreten definieren, denn für längere Charakterentwicklungen bleibt schlicht keine Zeit. Das funktioniert im Rahmen dieser kompakten Geschichte gut und hält den Fokus dort, wo er hingehört: bei den Playmos, Ben und dem nächsten möglichen Ausweg aus seiner misslichen Lage.
Die Fußballkulisse sorgt akustisch ganz automatisch für mehr Bewegung als die Ritterwelt des Auftakts. Ballkontakte, Zurufe, Laufgeräusche und die Atmosphäre auf dem Spielfeld geben den Szenen einen lebendigen Rhythmus. Besonders die übernatürliche Schnelligkeit der Spieler muss dabei nicht umständlich erklärt werden, sondern lässt sich über das Sounddesign unmittelbar vermitteln. Genau das kommt einer Episode mit dieser kurzen Laufzeit entgegen. Auch die magische Komponente um den Umhang hebt sich ausreichend vom normalen Spielgeschehen ab, sodass Sport und Fantasy nicht wie zwei voneinander getrennte Elemente wirken. Die Musik begleitet das Geschehen flott und hält sich dort zurück, wo Dialoge und Geräusche bereits genügend Dynamik erzeugen. Insgesamt entsteht eine Inszenierung, die ziemlich genau das macht, was der Titel verspricht: Das Fußballspiel fühlt sich tatsächlich schnell an. Lange Übergänge oder atmosphärische Ruhephasen wären hier eher hinderlich gewesen.
Das Cover setzt vollständig auf die Fußballwelt und lässt schon beim ersten Blick keinen Zweifel am Schauplatz. Ein großes Stadion bildet den Hintergrund, auf dem Rasen stehen Tor, Bälle, Trainingshütchen, Anzeigetafel und weitere Sportgeräte. Zwei Playmobil-Fußballer dominieren die Szene, wobei der laufende Spieler im Vordergrund zusätzliche Bewegung hineinbringt. Durch die kräftigen Blau- und Grüntöne wirkt das Motiv hell und freundlich und unterscheidet sich deutlich von der Ritterburg des ersten Teils. Gleichzeitig bleiben das große weiße „die playmos“-Logo, die gelbe Kennzeichnung „Die Miniserie“, die Figurenplakette und der Hinweis auf Folge 100 unverändert, wodurch die einzelnen Teile optisch sofort als zusammengehöriges Jubiläumsabenteuer zu erkennen sind. Der magische Aspekt spielt auf dem Titelbild zwar kaum eine Rolle, dafür bringt es die jeweilige Spielwelt sehr klar auf den Punkt. Gerade als zweites Motiv einer Reihe wechselnder Schauplätze funktioniert diese Gestaltung für mich ausgesprochen gut.
„Das schnelle Fußballspiel“ ist ein kurzer, temporeicher zweiter Abschnitt von „Der magische Ring“, der das Konzept der Miniserie klarer erkennen lässt. Während der Auftakt vor allem davon lebte, Ben erstmals selbst in eine Playmobil-Welt zu schicken, beginnt nun die eigentliche Suche nach einer Möglichkeit, seine Tigerverwandlung rückgängig zu machen. Dass jede Station dafür ein eigenes kleines Abenteuer mit einem möglicherweise hilfreichen magischen Gegenstand verbindet, ist eine schöne Lösung. Der Fußballfall selbst bleibt überschaubar und bietet bei knapp 19 Minuten weder besonders große Überraschungen noch tief ausgearbeitete Nebenfiguren. Das braucht er aber auch nicht. Sein Tempo, die Magie rund um den Umhang und das vertraute Zusammenspiel der Figuren tragen die Episode problemlos. Vor allem fühlt sich dieser zweite Teil nicht wie ein beliebiger Zwischenstopp an, weil Bens Problem ständig im Hintergrund präsent bleibt. Damit hat das Jubiläumsabenteuer nach seiner ausführlicheren Eröffnung seinen Rhythmus gefunden – und die Reise durch die unterschiedlichen Spielwelten kann nun richtig beginnen.