Die Playmos – 100/1. Der magische Ring: Wie alles begann

  • Die Playmos - 100/1. Der magische Ring: Wie alles begann

    Ben weiß längst, dass seine Playmos lebendig werden und in die unterschiedlichsten Spielwelten reisen können. Sein eigenes Zimmer ist inzwischen voll von den Schauplätzen ihrer Abenteuer, doch selbst mitkommen durfte er bislang nicht. Ausgerechnet zum großen Jubiläum ändert sich das: Gemeinsam mit Emil, Liv und Sam gelangt Ben in eine Ritterwelt und erlebt erstmals unmittelbar, was für seine Freunde längst zum Alltag gehört. Die Begeisterung darüber hält allerdings nicht lange an. Als Ben sich gegen Ritter zur Wehr setzen muss, benutzt er einen magischen Ring und verwandelt sich in einen kleinen Tiger. Kurz darauf fällt er dem Drachenprinzen Malgor Varek in die Hände. Emil, Liv und Sam müssen ihren Freund befreien und zugleich herausfinden, wie sich die Verwandlung rückgängig machen lässt. Damit beginnt eine Reise, die nicht auf diese Ritterwelt beschränkt bleiben wird.

    Für die hundertste Folge finde ich die Grundidee ausgesprochen passend. Statt lediglich ein besonders großes Abenteuer mit den üblichen Zutaten zu erzählen, verändern David Bredel und Florian Fickel eine Konstante der Serie: Ben überschreitet selbst die Grenze zwischen Kinderzimmer und Playmobil-Welt. Nach all den Erlebnissen von Emil, Liv und Sam fühlt sich das tatsächlich wie ein kleiner Einschnitt an. Gleichzeitig wird daraus kein Selbstzweck, denn Ben erhält nicht einfach den Status eines vierten routinierten Abenteurers. Im Gegenteil: Kaum ist sein Wunsch erfüllt, bringt ihn der magische Ring in eine ziemlich missliche Lage. Die Verwandlung in den Tiger gefällt mir deshalb besonders, weil sie das vertraute Verhältnis zwischen den Figuren auf den Kopf stellt. Plötzlich sind Emil, Liv und Sam diejenigen, die in diesen Welten Erfahrung besitzen, während Ben auf ihre Hilfe angewiesen ist. Die Ritterkulisse wiederum ist angenehm klassisch und eignet sich bestens, um das Jubiläumsabenteuer mit einer sofort verständlichen Spielwelt zu eröffnen.

    Als eigenständige Episode kann „Wie alles begann“ naturgemäß nur einen Teil dessen leisten, was man von einer regulären Playmos-Folge gewohnt ist. Die rund 26 Minuten dienen vor allem dazu, Ben in die Spielwelt zu bringen, den magischen Ring einzuführen, seine Verwandlung auszulösen und mit Malgor Varek den ersten größeren Gegenspieler ins Geschehen zu holen. Eine vollständige Auflösung ist gar nicht vorgesehen, denn die Geschichte bildet lediglich den Auftakt des umfangreicheren Jubiläumsabenteuers. Dafür kommt die Handlung erfreulich schnell in Bewegung. Lange Erklärungen braucht es nach hundert Folgen ohnehin nicht mehr, sodass der Sprung ins eigentliche Abenteuer zügig erfolgt. Dass dabei gleich mehrere offene Fragen entstehen, empfinde ich nicht als Nachteil, sondern als Bestandteil des Konzepts. Schließlich soll die Suche nach einer Möglichkeit, Ben zurückzuverwandeln, durch weitere Spielwelten führen. Als Beginn einer Miniserie setzt die Episode deshalb genau die richtigen Haken, ohne ihre 26 Minuten mit zu vielen Nebenhandlungen zu überladen.

    Bei den Stimmen ist die vertraute Besetzung ein wichtiger Anker, weil sich die Rollenverteilung innerhalb der Geschichte diesmal verändert. Gerrit Schmidt-Foß, Santiago Ziesmer, Ricardo Richter, Nicolas Artajo und Giuliana Jakobeit gehören zum Ensemble und sorgen dafür, dass man trotz der neuen Ausgangslage sofort wieder im typischen Playmos-Kosmos angekommen ist. Gerade Ben erhält zwangsläufig mehr Gewicht als sonst. Er beobachtet die Abenteuer nicht länger aus sicherer Entfernung, sondern muss selbst mit den Konsequenzen einer magischen Spielwelt zurechtkommen. Schön ist dabei, wie sich die unterschiedliche Erfahrung der Figuren auch in ihrem Zusammenspiel bemerkbar macht. Emil, Liv und Sam wirken in dieser Umgebung beinahe routinierter als derjenige, dem die ganzen Playmobil-Welten eigentlich gehören. Gleichzeitig bleibt der lockere Umgang miteinander erhalten, sodass aus der neuen Situation kein künstlich bedeutungsschweres Jubiläum gemacht wird. Das passt sehr gut zu einer Serie, die ihre Figuren über eine derart lange Laufzeit vor allem durch ihre unkomplizierte Dynamik zusammengehalten hat.

    Akustisch nutzt die Folge ihre Ritterwelt aus, ohne daraus eine überladene Effektshow zu machen. Das Geschehen erhält durch die passenden Geräusche sofort den Charakter eines mittelalterlichen Playmobil-Abenteuers, während der Übergang aus Bens Zimmer diesmal eine ganz andere Bedeutung besitzt als sonst. Schließlich verschwinden nicht nur Emil, Liv und Sam aus seiner vertrauten Umgebung – Ben wird selbst mitgerissen. Auch der magische Ring und die Verwandlung bekommen genügend akustische Präsenz, damit diese entscheidenden Momente nicht einfach zwischen den Dialogen untergehen. Musik und Geräuschkulisse halten das Tempo hoch und lassen die kurze Laufzeit sehr kompakt erscheinen. Trotz Ritter, Magie, Gefangenschaft und einem bedrohlichen Drachenprinzen bleibt die Inszenierung dabei jederzeit auf dem vertrauten kindgerechten Niveau der Reihe. Gefahr ist vorhanden, wird aber nie so ausgespielt, dass der leichte und spielerische Grundton verloren geht.

    Das Cover macht den Jubiläumscharakter sofort deutlich. Die große Playmobil-Ritterburg steht im Mittelpunkt und wird vor einer hellen, weitläufigen Berglandschaft präsentiert. Links davor positioniert sich ein dunkel gerüsteter Ritter, während weitere Figuren auf und vor der Burg zu entdecken sind. Dadurch erinnert das Motiv ganz bewusst an die Präsentation einer echten Playmobil-Spielwelt und passt damit ausgezeichnet zum Grundgedanken der Serie. Das kräftige Blau, das bekannte weiße „die playmos“-Logo und der gelbe Hinweis „Die Miniserie“ sorgen für einen sehr klaren, kinderfreundlichen Aufbau. Oben rechts werden Emil, Liv und Sam zusätzlich in der vertrauten „Hörspiel-Abenteuer“-Plakette gezeigt, während unten rechts die gelbe Markierung „Folge 100“ unübersehbar auf das Jubiläum hinweist. Gerade weil das Motiv nicht versucht, die Tigerverwandlung oder sämtliche Bestandteile der Geschichte bereits vorwegzunehmen, gefällt es mir gut. Es vermittelt unmittelbar Ritterabenteuer und Playmobil und besitzt durch die Jubiläumskennzeichnung trotzdem einen gewissen Sonderstatus.

    „Wie alles begann“ ist ein gelungener Einstieg in das Abenteuer zur hundertsten Folge und nutzt das Jubiläum sinnvoll, um an einer lange bestehenden Grundidee der Serie zu rütteln. Dass Ben endlich selbst erleben darf, wovon Emil, Liv und Sam ihm sonst erzählen, war eigentlich längst überfällig. Noch besser gefällt mir, dass ihm dabei nicht einfach eine triumphale Heldenrolle zugeschrieben wird. Seine erste Reise endet vielmehr ziemlich schnell als kleiner Tiger in Schwierigkeiten, wodurch die bekannte Gruppe plötzlich unter völlig neuen Voraussetzungen handeln muss. Als einzelner Teil bleibt die Geschichte zwangsläufig offen und kann nach 26 Minuten nur den Grundstein legen. Genau darin liegt aber ihr Reiz: Der magische Ring, Malgor Varek und die notwendige Rückverwandlung schaffen genügend Stoff für die folgenden Stationen. Nach hundert Folgen bekommt man damit nicht einfach nur mehr vom Gewohnten, sondern eine kleine Veränderung des Serienprinzips, die trotzdem unverkennbar nach den Playmos klingt. Für den Beginn der Miniserie ist das eine schöne Mischung aus Jubiläum, vertrautem Abenteuer und einem neuen Kniff, der unmittelbar Lust auf den nächsten Teil macht.

  • Die Folge kann man hier kostenlos hören:

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