Perry Rhodan: Sternenozean – 5. Havarie auf Hayok
Für Kantiran und Mal Detair wird aus der Flucht vor Shallowain diesmal ganz buchstäblich eine Bruchlandung. Die Veränderungen nach dem Hyperschock haben den Hyperraum unberechenbar gemacht, und ihre Space-Jet DIRICI wird in der Nähe des Hayok-Archipels aus dem Überlichtflug gerissen. Energiewandler überlasten, Material ermüdet, und statt weiter Abstand zwischen sich und Arkon zu bringen, müssen die beiden ausgerechnet auf Hayok herunter. Dort tarnen sie Schiff und Identität und versuchen, die notwendige Generalüberholung möglichst unauffällig über die Bühne zu bringen. Zwei Wochen sollen sie sich verstecken – eine Ewigkeit, wenn Shallowain der Hund nach einem sucht. Schon der Alltag wird gefährlich: Kantirans auffälliger Kreditchip lockt Kriminelle an, selbst die terranische Enklave Etymba erweist sich nicht als sicherer Rückzugsort. Dann bewahrheitet sich die schlimmste Befürchtung. Shallowains Kralasenen haben ihre Spur aufgenommen, und auch Ascari da Vivo ist auf Hayok. Kantiran muss erkennen, dass seine Mutter den Angriff aus „Die Mascantin“ überlebt hat. Aus dem Versuch, lediglich die Space-Jet reparieren zu lassen, entwickelt sich eine immer enger werdende Menschenjagd, an deren Ende Kantiran und Mal ihren Verfolgern nicht länger ausweichen können.
Dass die Reihe nach dem Ausflug zu Perry und Atlan sofort wieder zu Kantiran zurückkehrt, empfinde ich nicht als Rückschritt, sondern als ziemlich geschickten Schnitt. „Planet der Mythen“ hatte den Sternenozean geöffnet und damit eine vollkommen neue Welt begonnen; „Havarie auf Hayok“ erinnert nun daran, dass der erste große Konflikt noch längst nicht erledigt ist. Die Folge braucht deshalb auch keine neue mythologische Ebene. Sie lebt davon, dass zwei Menschen möglichst lange unerkannt bleiben müssen, obwohl der Gegner ihnen ständig näher kommt. Das macht die Geschichte direkter und wesentlich körperlicher als die vorangegangene Expedition. Besonders gut gefällt mir, wie Hayok dabei weniger als exotischer Planet denn als politischer Brennpunkt funktioniert. Terraner und Arkoniden sind gleichzeitig präsent, überall gibt es Beobachter, und Sicherheit hängt nicht davon ab, auf welcher Seite eine Grenze liegt. Kantiran kann sich auf seine Verbindung zu Perry Rhodan nicht einfach berufen und damit alle Probleme lösen. Er ist weiterhin Flüchtling, weiterhin für den arkonidischen Machtapparat interessant und vor allem weiterhin der Sohn einer Frau, die ihn nicht als Familie betrachtet. Dadurch bleibt sein persönlicher Konflikt erfreulich unangenehm. Gleichzeitig gewinnt Hayok als Schauplatz eine Funktion, die über bloße Kulisse hinausgeht: Der Planet ist Durchgangsstation, Reparaturhafen, Zuflucht und Falle zugleich, und mit jeder weiteren Minute verschiebt sich das Gewicht stärker in Richtung Falle.
Dramaturgisch setzt Folge 5 viel stärker auf Verfolgung und Eskalation als auf Entdeckung. Die beschädigte DIRICI liefert einen einfachen, aber wirksamen Grund, warum Kantiran und Mal nicht sofort wieder verschwinden können. Von diesem Moment an zieht sich die Schlinge langsam zu. Erst ist es nur die Sorge, erkannt zu werden, dann ein beinahe banaler Überfall wegen des Kreditchips, schließlich die Gewissheit, dass Shallowain seine Leute bereits auf sie angesetzt hat. Mir gefällt, dass nicht jede Gefahr automatisch mit der großen Serienverschwörung zusammenhängt. Gerade die gewöhnlichen Kriminellen erinnern daran, dass ein junger Mann mit wertvoller Technik und Geld auch in der Zukunft noch aus sehr bodenständigen Gründen zum Ziel werden kann. Umso bedrohlicher wirkt anschließend Shallowain. Er muss nicht permanent neben Kantiran stehen; die Vorstellung, dass seine Kralasenen irgendwo im Hintergrund beobachten, genügt. Mit Ascaris Rückkehr bekommt die Jagd zusätzlich eine persönliche Schärfe. Für Kantiran ist sie längst keine abstrakte Mascantin mehr. Er verbindet sie mit Theremes Tod und mit der Erkenntnis, dass seine gesamte Jugend von ihr geplant wurde. Das Hörspiel lässt diesen Hass stehen, ohne daraus eine versöhnliche Mutter-Sohn-Geschichte zu machen. Gerade das finde ich konsequent.
Christian Stark spielt Kantiran diesmal weniger suchend als zuvor. Die Herkunftsfrage ist beantwortet, aber sie hat ihn nicht beruhigt, sondern härter gemacht. Stark lässt die Figur schnell reagieren, gereizt werden und in den entscheidenden Momenten trotzdem nicht völlig die Kontrolle verlieren. Jürgen Kluckert ist als Mal Detair dabei weit mehr als der gemütliche Begleiter an seiner Seite. Seine tiefe, warme Stimme erdet die hektischen Szenen und gibt Kantiran jemanden, der nicht wegen seines Namens, seiner Abstammung oder seiner Fähigkeiten bei ihm bleibt. Manfred Lehmann genießt Shallowain hörbar. Er braucht keine großen Ausbrüche; diese trockene, massive Stimme vermittelt schon in ruhigen Sätzen, dass der Mann Gewalt nicht androhen muss, um gefährlich zu sein. Daniela Hoffmann gestaltet Ascari da Vivo erneut mit jener kontrollierten Kälte, die inzwischen fast beunruhigender wirkt als offene Wut. Norbert Langer bringt als Tonto eine weitere vertraute Stimme in die Episode, Christian Gaul und Roland Hemmo setzen kleinere Rollen deutlich genug ab. Über allem liegt noch einmal Joachim Höppners Erzähler, der gerade in einer so temporeichen Folge wichtig ist, weil er Orts- und Szenenwechsel präzise miteinander verbindet, ohne die Handlung durch Erklärungen auszubremsen.
Akustisch schlägt „Havarie auf Hayok“ einen deutlich nervöseren Ton an. Schon die Havarie der Space-Jet lebt von technischen Warnsignalen, vibrierenden Aggregaten und dem Gefühl, dass die Maschine ihre Besatzung jederzeit im Stich lassen könnte. Danach wird das Sounddesign urbaner: Gleiter, Verkehrsgeräusche, Innenräume und schnelle Ortswechsel lassen Hayok belebt wirken, ohne dass die Kulisse alles zudeckt. Besonders die Verfolgungsmomente profitieren davon, dass Christian Hagitte und Simon Bertling nicht jeden Schritt mit Musik zukleistern. Oft entsteht die Spannung aus Bewegung, Geräuschen und kurzen Pausen, bevor der orchestrale Score wieder Druck aufbaut. Saxophon, Piano und Horn erweitern diesmal die Klangpalette, während die elektronischen Elemente weiterhin das futuristische Grundgerüst liefern. Sonja Harths Schnitt hält die kurze Folge sehr straff zusammen. Tatsächlich ist das vielleicht sogar mein größter Kritikpunkt: Kaum hat sich die Jagd richtig zugespitzt, ist die CD beinahe schon vorbei. Die kompakte Laufzeit sorgt zwar dafür, dass kaum Leerlauf entsteht, aber einzelne Stationen auf Hayok hätten etwas mehr Raum vertragen. Der abschließende Perry-Rhodan-Mix von Camouflages „Passing By“ gehört weiterhin zum Klangbild dieser ersten Staffel und wirkt nach der angespannten Handlung fast wie ein kurzes Durchatmen.
Beim Cover dominiert nicht eine Figur, sondern die Technik. Mehrere kugel- und scheibenförmige Flugkörper schweben vor einem tiefblauen Sternenhimmel, während im Vordergrund drei kleinere, helle Kuppelgebäude oder Module stehen. Das größte Schiff schiebt sich von rechts massiv ins Bild und vermittelt allein durch seine Perspektive etwas Bedrohliches. Genau diese Entscheidung passt für mich zu „Havarie auf Hayok“. Kantiran und Mal sind auf Hayok winzig gegenüber den politischen und militärischen Kräften, die sie umgeben, und das Bild macht daraus keine klassische Porträtgestaltung. Stattdessen sieht man einen Raum, in dem überall Technik, Überwachung und Bewegung möglich sind. Das fast vollständig in Blau, Schwarz und Weiß gehaltene Motiv bleibt der bisherigen Serienoptik treu, wirkt aber voller und geschäftiger als „Planet der Mythen“. Besonders gelungen finde ich den Kontrast zwischen dem ruhigen Sternenhimmel und der eigentlichen Geschichte, in der von Ruhe keine Rede sein kann. Der Titel zieht sich breit über das obere Drittel und klingt schon für sich nach Kontrollverlust. Man muss weder Shallowain noch Ascari auf dem Cover sehen, um zu verstehen, dass Kantiran hier in einer Umgebung steckt, aus der es keinen einfachen Fluchtweg gibt.
„Havarie auf Hayok“ ist für mich keine Folge der großen Enthüllungen, sondern eine sehr effektive Rückkehr zu einem Konflikt, der nach dem Abstecher in den Sternenozean beinahe schon weit entfernt wirkte. Genau darin liegt ihre Stärke. Kantiran und Mal stehen wieder im Zentrum, Shallowain ist erneut unmittelbar gefährlich und Ascari beweist durch ihr bloßes Überleben, dass Kantirans Befreiungsschlag aus Folge 2 längst nicht die Wirkung hatte, die er sich erhofft haben dürfte. Die Handlung ist geradliniger als bei den bisherigen Episoden und verlangt weniger Vorwissen über kosmische Zusammenhänge; emotional hängt sie dafür umso stärker an den ersten drei Folgen. Wer Kantirans Geschichte bis hierher verfolgt hat, versteht sofort, warum die Begegnung mit seiner Mutter weit mehr bedeutet als das Auftauchen einer weiteren Gegnerin. Gleichzeitig gefällt mir, dass die Serie die beiden Handlungsstränge nicht zwanghaft in jeder Folge parallel weitererzählt. Perry und Atlan fehlen vollständig, und dadurch bekommt die Hetzjagd auf Hayok den nötigen Platz. Mit knapp fünfzig Minuten ist das Ganze fast zu schnell vorbei und endet bewusst offen. Als fünftes Kapitel funktioniert es für mich trotzdem sehr gut: weniger Weltentwurf, weniger Mythologie, dafür Bewegung, persönlicher Hass und das unangenehme Gefühl, dass Shallowain irgendwann jeden noch so guten Vorsprung aufholt.