Gruselkabinett - 198. Der schwarze Kater

  • Gruselkabinett - 198. Der schwarze Kater

    Amerika im Jahr 1843: Nach dem rätselhaften Tod seiner Frau versucht Julian, mit einer neuen Ehe einen anderen Lebensabschnitt zu beginnen. Doch mit dem Einzug eines schwarzen Katers häufen sich unerklärliche Vorfälle, die das Zusammenleben zunehmend belasten. Während die Angst vor einer übernatürlichen Bedrohung wächst, gerät auch Julians eigene Wahrnehmung immer stärker ins Wanken. Hinter dieser Geschichte verbirgt sich eine ungewöhnliche Bearbeitung dreier Erzählungen von Edgar Allan Poe. „Das ovale Gemälde“, „Morella“ und „Der schwarze Kater“ werden zu einer zusammenhängenden Handlung verbunden, in der Liebe, Verlust, Besessenheit und Schuld eine verhängnisvolle Rolle spielen.

    Drei eigenständige Poe-Geschichten zu einem einzigen Hörspiel zusammenzuführen, ist eine reizvolle Idee, die hier erfreulich gut aufgeht. Anstatt die Vorlagen lediglich nacheinander zu präsentieren, entsteht eine neue Geschichte, deren einzelne Bestandteile sich gegenseitig ergänzen. Die Verbindung über Julian verleiht dem Geschehen einen persönlichen Mittelpunkt und sorgt dafür, dass die unterschiedlichen Motive nicht auseinanderfallen. Dabei gefällt mir vor allem, dass sich die Inszenierung nicht auf offensichtliche Schreckmomente verlässt. Das Grauen entwickelt sich vielmehr aus den Gefühlen und Entscheidungen der Figuren. Liebe kann in Abhängigkeit umschlagen, Trauer zur Besessenheit werden und aus zunächst kleinen Veränderungen entsteht schließlich eine Situation, in der sich kaum noch zwischen Wirklichkeit und Einbildung unterscheiden lässt.

    Erzählerisch besitzt diese Folge eine bemerkenswert unangenehme Grundstimmung. Die verschiedenen Poe-Motive greifen immer enger ineinander, während Julian zunehmend die Kontrolle über sein Leben zu verlieren scheint. Gerade die Frage, ob tatsächlich etwas Übernatürliches geschieht oder ob der Ursprung des Schreckens in ihm selbst liegt, macht einen erheblichen Teil der Spannung aus. Nicht jede Passage ist gleichermaßen unheimlich, doch die ruhigeren Abschnitte sind keineswegs überflüssig. Sie geben den Beziehungen zwischen den Figuren das nötige Gewicht und bereiten die späteren Entwicklungen vor. Die Verknüpfung der drei Vorlagen verlangt gelegentlich etwas Aufmerksamkeit, weil mehrere Schicksale und Motive miteinander verwoben werden. Dafür erhält man eine abwechslungsreiche Poe-Adaption, die sich von einer gewöhnlichen Umsetzung einzelner Erzählungen deutlich unterscheidet.

    Christoph Jablonca trägt als Julian einen großen Teil des Hörspiels. Seine Darstellung überzeugt vor allem durch die unterschiedlichen emotionalen Zustände, die seine Figur durchlebt. Zwischen Zuneigung, Verunsicherung und zunehmender innerer Zerrissenheit findet er stets den passenden Ton. Auch seine erzählenden Passagen fügen sich harmonisch in das Geschehen ein. Daniela Bette verleiht Morella eine eindrucksvolle Präsenz. Ihre ausdrucksstarke Stimme bringt sowohl die leidenschaftlichen als auch die beunruhigenden Seiten der Figur zur Geltung und macht verständlich, weshalb sie einen so nachhaltigen Einfluss auf Julian ausübt. Janina Sachau setzt als Elaine andere Akzente. Sie gestaltet ihre Rolle gefühlvoll, kann aber ebenso überzeugend auf die bedrohlichen Veränderungen reagieren. Das Zusammenspiel dieser drei Stimmen ist entscheidend dafür, dass die Geschichte auch jenseits ihrer unheimlichen Ereignisse funktioniert.

    Akustisch setzt die Produktion auf eine überwiegend klassische, ausgesprochen düstere Gestaltung. Die Musik begleitet die Handlung mit einer Mischung aus melancholischen und bedrohlichen Klängen, die den emotionalen Zustand der Figuren aufgreifen und gleichzeitig das heraufziehende Unheil ankündigen. Besonders wirkungsvoll sind jene Momente, in denen die musikalische Begleitung eine Szene langsam verdunkelt, ohne ihr die Wirkung durch übertriebene Dramatik zu nehmen. Die Geräusche bleiben dagegen häufiger dezent und überlassen den Stimmen und der Musik den größeren Raum. Wenn sie eingesetzt werden, unterstützen sie die jeweilige Umgebung und verstärken die beklemmende Atmosphäre. Insgesamt entsteht ein geschlossenes Klangbild, das hervorragend zu Poes morbider Erzählwelt passt.

    Das Cover ist ein ausgesprochen auffälliger Blickfang. Ein gewaltiger schwarzer Kater mit spitzen Ohren, zerzaustem Fell und glühend gelben Augen erhebt sich vor einer brennenden Szenerie. Durch seine überdimensionale Darstellung wirkt das Tier beinahe wie eine dämonische Erscheinung. Die kräftigen Orange- und Rottöne der Flammen bilden einen wirkungsvollen Gegensatz zu seinem dunklen Körper. Gleichzeitig fügt sich das Motiv mit seinem steinernen Rahmen und dem vertrauten Serientitel in die Gestaltung des Gruselkabinetts ein. Das Bild vermittelt unmittelbar Gefahr und lässt bereits erahnen, dass hinter diesem scheinbar gewöhnlichen Tier etwas zutiefst Unheimliches stecken könnte.

    Mit „Der schwarze Kater“ liefert das Gruselkabinett eine gelungene Poe-Adaption, die vor allem durch ihre ungewöhnliche Erzählstruktur überzeugt. Die Entscheidung, drei Geschichten miteinander zu verbinden, verleiht der Handlung zusätzliche Tiefe und ermöglicht eine ausführlichere Beschäftigung mit den Abgründen ihrer Hauptfigur. Dazu kommen ein überzeugendes Sprecherensemble und eine musikalische Gestaltung, die den schleichenden Schrecken wirkungsvoll unterstützt. Wer ausschließlich auf handfesten Horror und möglichst viele Schockmomente hofft, dürfte hier weniger auf seine Kosten kommen. Die eigentliche Stärke liegt in der zunehmend bedrückenden Atmosphäre und den zerstörerischen Gefühlen der Figuren. Eine ebenso tragische wie unheimliche Folge, die Edgar Allan Poes Geschichten auf interessante Weise neu miteinander verknüpft.

  • Schaurig zu erstehen an diesen Orten:

    Folge 198: Edgar Allan Poe – Der schwarze Kater
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    Tierisch gruselige Hörprobe:

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  • Darf man fragen warum?

    Immer doch, die "Entleerung der Gattin" mit der sexuellen Nötigung und dessen Darstellung ist nicht meins. Mag sein das ich im Dienst diesbezüglich zuviele Berührungspunkte hatte.

    Wiederum spricht es für ein hervorragendes Spiel der Protagonisten und Atmosphäre. Mich persönlich reißen solche besagten Scenen (Caine, Die Abenteuerin) raus.

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