Love at Pumpkin Valley – Wenn die Liebe ein Zuhause findet
Eine ausführliche Rezension zu Christoph Sobolls herbstlicher Liebesgeschichte
Manchmal braucht es gar keine besonders außergewöhnliche Geschichte, um mich für ein Buch zu begeistern. Manchmal reichen ein kleiner Buchladen, eine gemütliche Kleinstadt, zwei sympathische Hauptfiguren und eine ordentliche Portion Herbststimmung. Wenn dann aus einer zunächst recht unkompliziert wirkenden Liebesgeschichte eine Erzählung über Verlust, Familie, Freundschaft und die Suche nach einem Zuhause wird, bin ich ausgesprochen gerne bereit, mich für einige Stunden aus dem Alltag verabschieden zu lassen.
Genau das bietet Christoph Soboll mit Love at Pumpkin Valley. Eine romantische Geschichte über zwei Männer, die unterschiedlicher kaum sein könnten und deren Begegnung nicht nur ihre Vorstellung von Liebe, sondern auch von ihrem bisherigen Leben verändert.
Im Nachwort erklärt Soboll, dass seine Begeisterung für die herbstlichen und weihnachtlichen Liebesfilme des Hallmark-Senders den Anstoß zu diesem Buch gegeben hat. Er wollte eine klassische Wohlfühlromanze schreiben, in der sich zwei Männer verlieben und der Herbst mehr als nur eine dekorative Kulisse ist.
Diese Absicht ist dem Buch vom ersten Kapitel an anzumerken. Die Geschichte möchte ihre Leser in eine Welt entführen, die vertraut und gemütlich wirkt, ohne die Probleme ihrer Figuren vollständig auszublenden. Und ich musste dabei immer wieder an Stars Hollow aus den Gilmore Girls denken. Pumpkin Valley könnte tatsächlich eine jener amerikanischen Kleinstädte sein, in denen jeder jeden kennt, sich Neuigkeiten schneller verbreiten als anderswo und ein einfaches Stadtfest zum gesellschaftlichen Mittelpunkt des gesamten Jahres werden kann.
Schon kurz nach seiner Ankunft begegnet Riley dem jungen Quinn Rafferty, der im Buch- und Cafégeschäft Time Traveler arbeitet. Quinn kennt praktisch jeden Einwohner und ist bestens mit der Geschichte des Festivals vertraut. Schließlich haben seine inzwischen verstorbenen Eltern Tom und Sara maßgeblich dazu beigetragen, das Fest zu dem zu machen, was es heute ist.
Was zunächst als berufliche Zusammenarbeit beginnt, entwickelt sich über gemeinsame Spaziergänge, Gespräche und zahlreiche Tassen Kaffee zu einer persönlichen Beziehung. Dabei muss sich Riley zunehmend eingestehen, dass ihn nicht nur Pumpkin Valley, sondern insbesondere Quinn immer stärker beschäftigt.
Zusätzliche Schwierigkeiten entstehen durch den New Yorker Journalisten Harper Kelly, der nicht nur beruflich mit Riley konkurriert, sondern auch eine gemeinsame Vergangenheit mit Quinn besitzt. Der Druck wächst, während gleichzeitig das große Kürbisfestival näher rückt und immer mehr Verantwortung auf Quinns Schultern lastet.
Ausgerechnet in dem Moment, in dem sich beide emotional näherkommen, rückt Rileys bevorstehende Rückkehr nach New York unaufhaltsam näher. Er muss herausfinden, wie seine beruflichen Ziele und seine Gefühle für Quinn zusammenpassen könnten. Quinn wiederum steht vor der Herausforderung, sich auf jemanden einzulassen, ohne bereits den nächsten Abschied vor Augen zu haben.
Zusätzliche Schwierigkeiten entstehen durch den New Yorker Journalisten Harper Kelly, der nicht nur beruflich mit Riley konkurriert, sondern auch eine gemeinsame Vergangenheit mit Quinn besitzt. Der Druck wächst, während gleichzeitig das große Kürbisfestival näher rückt und immer mehr Verantwortung auf Quinns Schultern lastet.
Aus der zunächst leichten Romanze entwickelt sich dadurch eine Geschichte, in der beide Männer Entscheidungen treffen müssen, deren Bedeutung weit über die Frage hinausgeht, ob sie eine gemeinsame Zukunft haben.
Eine klassische Wohlfühlromanze mit zwei Männern
Christoph Sobolls Begeisterung für die romantischen Herbst- und Weihnachtsfilme des Hallmark-Senders ist nicht nur eine beiläufige Inspiration, sondern bildet das erzählerische Fundament seines Buches. Die vertrauten Zutaten solcher Filme sind praktisch alle vorhanden: Ein Großstadtmensch besucht eine idyllische Kleinstadt, trifft einen liebenswerten Bewohner, entdeckt die Vorzüge eines entschleunigten Lebens und muss sich schließlich fragen, was ihm wirklich wichtig ist. Hinzu kommen herbstliche Traditionen, eine eingeschworene Dorfgemeinschaft, gemütliche Geschäfte und natürlich einige Menschen, die das Liebesglück der Hauptfiguren mit wohlmeinenden oder auch weniger wohlmeinenden Ratschlägen begleiten.
Das Besondere liegt darin, dass Soboll dieses klassische Konzept auf eine Liebesgeschichte zwischen zwei Männern überträgt, ohne daraus ein grundsätzlich anderes Genre machen zu wollen. Riley und Quinn dürfen sich verlieben, miteinander flirten, romantische Spaziergänge unternehmen und dieselben Unsicherheiten erleben, die man aus unzähligen anderen Liebesgeschichten kennt. Ihre sexuelle Orientierung wird dabei nicht zum zentralen Konflikt erklärt. Vielmehr geht es um zwei Menschen, deren unterschiedliche Lebenserfahrungen und Zukunftsvorstellungen zunächst schwer miteinander vereinbar erscheinen.
Gerade diese Selbstverständlichkeit gefällt mir ausgesprochen gut. Soboll möchte keine Geschichte erzählen, in der die Beziehung seiner Hauptfiguren permanent durch gesellschaftliche Ablehnung definiert wird. Er stellt ihre Liebe in den Mittelpunkt und umgibt sie mit genau jener romantischen Wohlfühlatmosphäre, die das Genre auszeichnet. Dass er diese Geschichte selbst schreiben wollte, weil er entsprechende Bücher bei seiner Suche kaum gefunden hatte, macht seine persönliche Verbundenheit mit dem Projekt zusätzlich nachvollziehbar.
Natürlich bedeutet das auch, dass man viele Entwicklungen bereits erahnen kann. Wer regelmäßig romantische Kleinstadtgeschichten liest oder entsprechende Filme schaut, wird mit den erzählerischen Mustern schnell vertraut sein. Mich hat das allerdings kaum gestört, denn der eigentliche Reiz liegt weniger in überraschenden Wendungen als in der Frage, wie Soboll seine Figuren durch die vertrauten Situationen führt. Die Geschichte lebt von ihren Begegnungen, den kleinen romantischen Momenten und der Atmosphäre eines Ortes, an dem man sich als Leser selbst für eine Weile niederlassen möchte.
Pumpkin Valley – Eine Kleinstadt zum Verlieben
Einer der größten Pluspunkte des Buches ist für mich ganz eindeutig sein Schauplatz. Christoph Soboll erschafft mit Pumpkin Valley einen Ort, den ich beim Lesen beinahe vor mir sehen konnte.
Die kleine Stadt mit ihren rund zweitausend Einwohnern liegt eingebettet in die herbstlichen Wälder Vermonts. Die Maple Street bildet den Mittelpunkt des Ortes. Dort reihen sich kleine Geschäfte aneinander, Schaufenster sind mit Kürbissen dekoriert, an den Straßenlaternen hängen orangefarbene Bänder und vor den Häusern stehen Strohballen und herbstliche Blumenarrangements.
Besonders schön finde ich, dass Soboll nicht einfach nur eine anonyme Kleinstadt beschreibt, sondern ihr zahlreiche wiederkehrende Schauplätze gibt.
Da wäre beispielsweise das Time Traveler, eine Mischung aus Buchhandlung und Café, in dem Quinn arbeitet. Hier treffen sich Einwohner, werden Neuerscheinungen diskutiert und natürlich jede Menge Kaffee getrunken. Für mich ist dieser Laden das eigentliche Herz der Geschichte. Er ist nicht nur Quinns Arbeitsplatz, sondern wird im Verlauf des Buches zu einem Treffpunkt, an dem sich die Beziehung zwischen ihm und Riley ganz allmählich entwickelt.
Auch Greyson’s Diner, das gemütliche Gästehaus Honeybee und das Cottage, in dem Quinn gemeinsam mit seiner Großmutter Cybill lebt, tragen ihren Teil zur Atmosphäre bei. Hinzu kommen die Pumpkin Farm, der Aussichtspunkt Eagle Rock, der Saxton River und die romantische Lovers Bridge.
Gerade die Spaziergänge durch die herbstlichen Wälder und die gemeinsamen Stunden am Fluss gehören zu den schönsten Momenten des Buches. Soboll nimmt sich immer wieder Zeit, die Umgebung zu beschreiben. Man hört förmlich das Rascheln der Blätter, riecht den frisch gebrühten Kaffee und kann sich gut vorstellen, wie die goldene Herbstsonne die Häuser der kleinen Stadt in ein warmes Licht taucht.
Allerdings besteht Pumpkin Valley nicht nur aus hübschen Fassaden und herbstlichen Dekorationen. Im Verlauf der Geschichte wird deutlich, wie eng die Bewohner miteinander verbunden sind. Man kümmert sich umeinander, kennt die Sorgen der Nachbarn und steht zusammen, wenn Hilfe benötigt wird.
Diese Gemeinschaft ist ein wesentlicher Bestandteil der Handlung. Pumpkin Valley wird zu einem Ort, der Menschen nicht vor Verlust und Enttäuschung bewahren kann, ihnen aber dabei hilft, damit umzugehen. Besonders Quinns Geschichte verleiht dieser Vorstellung eine emotionale Bedeutung.