Die Brixton Boys - 4. Die schwarze Limousine

  • Die Brixton Boys - 4. Die schwarze Limousine

    In London sind innerhalb kurzer Zeit drei Männer aus der Gastronomie verschwunden. Einen freiwilligen Ausflug scheinen sie kaum unternommen zu haben, doch eine Verbindung zwischen den Fällen gibt es: Jeder von ihnen wurde zuletzt in einer schwarzen Limousine gesehen. Danach verliert sich seine Spur. Josh, Hank und Jeff beginnen, sich im Umfeld der Vermissten umzusehen, und entdecken allmählich, dass deren berufliche Tätigkeit eine entscheidende Rolle spielt. Hinter den Entführungen verbirgt sich ein kriminelles System, mit dem die Restaurantbesitzer unter Druck gesetzt werden. Und über allem schwebt plötzlich der Name eines Mannes, der für die Brixton Boys noch wichtig werden könnte: der Whistler.

    Diesmal gefällt mir vor allem, dass das Rätsel zunächst tatsächlich eines bleibt. Drei verschwundene Gastronomen und ein auffälliges Fahrzeug sind noch nicht genügend Informationen, um sich sofort zusammenreimen zu können, was dahintersteckt. Entsprechend gerne bin ich den Nachforschungen gefolgt. Auch die spätere Erklärung passt für mich gut zu einem Jugendkrimi, weil sie nicht auf irgendeiner spektakulären oder völlig abgehobenen Idee beruht. Die Täter verfolgen nachvollziehbare kriminelle Interessen und die Restaurants sind nicht zufällig Bestandteil der Geschichte. Das wirkt insgesamt geschlossener als der vorherige Fall und hat mich über die Laufzeit gut unterhalten.

    Noch fehlt mir allerdings etwas, damit aus einem ordentlichen Fall ein richtig starker wird. Die Geschichte könnte an manchen Stellen mehr riskieren und die Brixton Boys stärker unter Druck setzen. Gerade die schwarze Limousine hätte sich hervorragend als wiederkehrendes bedrohliches Element geeignet. Sehr interessant finde ich dagegen, dass mit dem Whistler offenbar jemand aufgebaut wird, der nicht nach einer einzigen Folge wieder verschwinden muss. Sein Auftauchen hätte etwas ausführlicher vorbereitet werden können, denn zunächst war mir nicht ganz klar, welche Bedeutung dieser Name überhaupt besitzt. Dass am Schluss trotzdem nicht alles endgültig erledigt ist, gefällt mir. Ein wiederkehrender Gegenspieler kann der Serie zusätzliche Spannung verleihen und dafür sorgen, dass die einzelnen Fälle stärker miteinander verbunden werden.

    Bei Josh, Hank und Jeff merke ich langsam erste Fortschritte, trotzdem bleibt die Figurenzeichnung für mich weiterhin die größte Baustelle der Serie. Henning Nöhren, Benjamin Kiesewetter und Vincent Borko spielen ihre Rollen gut, nur fehlt mir nach wie vor eine deutlichere Trennung der drei Charaktere. Da sie auch diesmal überwiegend als geschlossene Gruppe ermitteln, haben die einzelnen Brüder kaum Gelegenheit, eigene Stärken oder Eigenheiten zu zeigen. Genau solche Situationen wären aber wichtig, damit ich nicht nur drei Stimmen auseinanderhalten muss, sondern drei Persönlichkeiten vor mir habe. Die übrige Besetzung mit Hans-Georg Panczak und Frank Schaff gefällt mir sehr gut. Auch Dietmar Wunder überzeugt stimmlich selbstverständlich, wobei ich mit der Art seines Einsatzes weiterhin nicht vollständig glücklich bin.

    Denn die Inszenierung verlässt sich für meinen Geschmack noch zu häufig auf den Erzähler. Selbst kleine Handlungen werden teilweise beschrieben, obwohl Geräusche oder die Reaktionen der Figuren vollkommen ausreichen würden. Dadurch werden Dialogszenen gelegentlich für Informationen unterbrochen, die ich als Hörer gar nicht ausgesprochen benötige. Das fällt mir inzwischen stärker auf, weil die eigentliche Produktion ansonsten wirklich ordentlich gemacht ist. Geräuschkulisse und Musik funktionieren, die Dialoge klingen sauber und auch die spannenderen Passagen werden wirkungsvoll umgesetzt. Würde man Dietmar Wunder gezielter für größere Übergänge und wirklich notwendige Informationen einsetzen, könnte das Hörspiel für mich noch unmittelbarer wirken.

    Das Cover setzt die schwarze Limousine natürlich konsequent ins Zentrum. Interessanterweise steht sie nicht in einer nächtlichen Londoner Straße, sondern vor einem eher abgelegenen Holzgebäude in herbstlich wirkender Umgebung. Dadurch bekommt das Fahrzeug etwas Merkwürdiges, weil man sich automatisch fragt, weshalb es dort steht und was sich in dem Gebäude befindet. Die fast vollständig schwarze Karosserie hebt sich hervorragend von den kräftigen Orange- und Brauntönen der Umgebung ab. Mir gefällt außerdem, dass keine Figuren zu sehen sind. Das Auto selbst wird dadurch zum geheimnisvollen Gegenstand. Zusammen mit dem dunkelblauen Rahmen und dem orangefarbenen Serienlogo fügt sich das Motiv sehr schön in die bisherige Covergestaltung ein.

    „Die schwarze Limousine“ gehört für mich bislang zu den unterhaltsameren Fällen der Brixton Boys. Die Ausgangslage macht neugierig, die Auflösung erscheint mir insgesamt schlüssiger als bei „Das Wrack der São Gabriel“ und mit dem Whistler bekommt die Serie erstmals eine Figur, die über diesen einzelnen Fall hinaus interessant werden könnte. Gleichzeitig bleibt noch Luft nach oben. Etwas mehr Spannung und eine stärkere Profilierung von Josh, Hank und Jeff würden der Reihe enorm guttun. Auch die vielen kleinen Erzählerpassagen empfinde ich weiterhin als unnötig. Trotzdem hatte ich mit dieser Folge meinen Spaß. Nach vier Abenteuern sehe ich zwar weiterhin einige Schwächen der Serie, inzwischen aber ebenso deutlicher, was an den Brixton Boys funktionieren kann. Und gerade die Aussicht auf eine größere Geschichte rund um den Whistler macht mich neugierig auf die nächsten Folgen.

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