Die Brixton Boys - 2. Der venezianische Spiegel

  • Die Brixton Boys - 2. Der venezianische Spiegel

    Ein merkwürdiger Vorfall weckt die Neugier von Josh, Hank und Jeff: In einem alten Spiegel soll plötzlich das Gesicht eines fremden Menschen aufgetaucht sein. Damit nicht genug, denn wenig später sind auf dem Glas Zeichen zu erkennen, die offenbar eine Bedeutung besitzen. Für die drei Brüder aus Brixton ist das natürlich genau die Art von Geheimnis, der sie nicht widerstehen können. Aus ersten Nachforschungen entwickelt sich bald eine Suche, bei der immer neue Hinweise entschlüsselt werden müssen. Dabei geraten die Jungen unter anderem auf einen Friedhof und stellen irgendwann fest, dass noch andere Personen ein erhebliches Interesse an der Angelegenheit haben. Was zunächst beinahe nach einem übersinnlichen Phänomen aussieht, entpuppt sich schließlich als wesentlich irdischer – ungefährlich wird die Sache dadurch allerdings nicht.

    Folge 2 funktioniert für mich spürbar besser als der bisherige Einstieg in die Serie. Vor allem das zentrale Geheimnis hat mich diesmal schnell interessiert. Ein Spiegel, in dem Dinge erscheinen, die dort eigentlich nicht sein dürften, ist ein schönes Motiv für einen Jugendkrimi und bringt gleichzeitig eine leichte Gruselkomponente mit hinein. Die Geschichte bleibt zudem ständig in Bewegung und schickt die Jungen von einer Entdeckung zur nächsten. Natürlich merkt man, welchen klassischen Detektivhörspielen die Serie ihre Inspiration verdankt. Das stört mich grundsätzlich nicht, solange daraus genügend eigene Ideen entstehen. Und das gelingt hier für mich besser als zuvor. Gerade die Mischung aus geheimnisvollen Beobachtungen, verschlüsselten Informationen und der Suche nach deren Bedeutung macht über weite Strecken Spaß.

    Bei genauerem Nachdenken funktioniert allerdings nicht jedes Detail gleichermaßen überzeugend. Die Lösung verlangt rückblickend eine ganze Reihe von Vorbereitungen und Umständen, die erstaunlich exakt ineinandergreifen müssen. Während des Hörens fällt das durch das flotte Tempo weniger auf, nach der Auflösung habe ich mich aber bei einigen Dingen gefragt, ob man das tatsächlich auf diese Weise organisiert hätte. Auch verschiedene Gegenstände bekommen eine auffällig große Bedeutung für die Ermittlungen, obwohl ihr Weg zu den Jungen nicht immer vollkommen natürlich wirkt. Ähnlich verhält es sich mit manchen Rätseln: Das Knobeln selbst macht Spaß, doch der Weg zur jeweiligen Erkenntnis erscheint gelegentlich komplizierter als notwendig. Ausgerechnet für den Abschluss nimmt sich das Hörspiel dagegen kaum Zeit. Nach der Enthüllung hätte ich gerne noch etwas länger bei den Figuren verweilt, statt beinahe unmittelbar aus der Geschichte entlassen zu werden.

    Bei den drei Hauptfiguren fehlt mir weiterhin etwas, das für eine länger laufende Jugendserie ziemlich wichtig ist: Ich möchte allein beim ersten Satz wissen, welchen der Brüder ich gerade höre. Das gelingt mir noch nicht zuverlässig. Henning Nöhren, Benjamin Kiesewetter und Vincent Borko liefern für sich genommen ordentliche Leistungen, doch als Trio entsteht für meine Ohren noch keine ausreichend klare akustische Trennung. Gleichzeitig wünsche ich mir mehr charakteristische Eigenschaften für jeden Einzelnen. Josh bekommt inzwischen ein deutlicheres Profil und bleibt dadurch leichter hängen, während Hank und Jeff für mich noch nicht denselben Wiedererkennungswert besitzen. Sobald Konrad Bösherz zu hören ist, fällt dagegen sofort auf, wie hilfreich eine deutlich andere Stimmfarbe sein kann. Mit Dietmar Wunder und Rainer Fritzsche ist die Produktion darüber hinaus gewohnt hochwertig besetzt.

    Die Inszenierung unterstützt den Fall angenehm, ohne ihn künstlich größer machen zu wollen, als er ist. Besonders gut funktioniert für mich der Kontrast zwischen den alltäglicheren Szenen und den Momenten, in denen der Spiegel beziehungsweise die Suche nach seinen Geheimnissen in den Vordergrund rückt. Auf dem Friedhof bekommt die Geschichte zusätzlich eine leicht düstere Färbung, ohne dabei das Genre zu wechseln. Musik und Geräusche halten sich häufig im Hintergrund und lassen den Dialogen genügend Platz. Genau das passt zu einem Hörspiel, bei dem Hinweise und Gespräche entscheidend sind. Insgesamt wirkt die Produktion stimmig und lässt sich sehr angenehm hören.

    Optisch trifft das Cover den Kern der Geschichte ausgesprochen gut. Der große, reich verzierte Spiegel nimmt beinahe die gesamte Bildfläche ein und wird dadurch sofort zum entscheidenden Gegenstand des Falls. In seinem Inneren erscheint eine venezianisch wirkende Stadtansicht, während Sprünge durch die Spiegeloberfläche laufen. Die Hand, die von rechts ins Motiv hineinragt, sorgt zusätzlich für eine gewisse Unruhe. Mir gefällt besonders, dass man nicht einfach die drei Detektive auf das Cover gestellt hat, sondern das Rätsel selbst zum Motiv macht. Die kräftigen Orange-, Blau- und Türkistöne geben dem Ganzen außerdem einen eigenen Stil, und der große orangefarbene Serienname hebt sich hervorragend vom dunklen Hintergrund ab.

    Mit „Der venezianische Spiegel“ bin ich bei den Brixton Boys schon wesentlich eher angekommen. Der Fall besitzt ein starkes zentrales Motiv, bietet genügend Rätsel und hält das Tempo über weite Strecken hoch. Nicht alles hält einer genaueren Betrachtung stand, und bei der Konstruktion hätte etwas weniger Aufwand an manchen Stellen sogar glaubwürdiger gewirkt. Dafür hatte ich während des Hörens deutlich mehr Spaß als beim vorherigen Abenteuer. Was mir weiterhin fehlt, ist eine wirklich klare Identität der drei Brüder. Nicht nur ihre Stimmen, auch ihre Persönlichkeiten müssten sich für mich stärker voneinander abheben, damit aus Josh, Hank und Jeff irgendwann Figuren werden, die ich sofort erkenne und mit denen ich die Serie verbinde. Folge 2 ist für mich trotzdem ein Schritt in die richtige Richtung – und diesmal bin ich tatsächlich neugierig darauf, wie es mit den drei weitergeht.

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