Ghostly Tales & Creepy Stories - 13. Insel der Toten

  • Ghostly Tales & Creepy Stories - 13. Insel der Toten

    Vor einer Inselgruppe bei Hawaii häufen sich rätselhafte Vorfälle. Schiffe verschwinden spurlos, und selbst ein Kriegsschiff der US-Marine, das die Sache untersuchen soll, kehrt nicht zurück. Weil gewöhnliche Maßnahmen offenbar nicht mehr ausreichen, wird schließlich Peter Brix hinzugezogen. Er verfügt über magische Fähigkeiten und tritt die Mission nicht allein an: Zu seinem ungewöhnlichen Team gehören außerdem eine Werwölfin und ein Vampir. Gemeinsam sollen sie herausfinden, was auf der Insel vor sich geht. Dort angekommen, treffen sie auf einen abtrünnigen Priester und eine Vielzahl verfluchter Untoter. Aus der Suche nach den Vermissten entwickelt sich damit sehr schnell ein Kampf gegen Mächte, bei denen normale Waffen und Methoden kaum noch weiterhelfen.

    Der Beginn hat bei mir sofort funktioniert. Verschwundene Schiffe, eine abgelegene Insel und eine militärische Expedition, von der plötzlich ebenfalls jedes Lebenszeichen fehlt – damit baut die Geschichte zunächst ein schönes Geheimnis auf. Ungewöhnlicher wird es mit dem Auftauchen von Peter Brix und seinen Begleitern. Einen Magier zusammen mit einer Werwölfin und einem Vampir auf eine solche Mission zu schicken, ist schon eine ziemlich wilde Kombination. Trotzdem war ich zunächst durchaus neugierig, wie dieses Trio funktionieren würde. Gerade weil die drei offensichtlich nicht zum ersten Mal gemeinsam unterwegs sind, entsteht schnell der Eindruck, dass hinter ihnen noch eine größere Geschichte steckt.

    Genau hier liegt für mich allerdings auch eine Schwäche der Folge. Man erfährt zu wenig darüber, wer diese drei eigentlich sind, was sie können und wo ihre Grenzen liegen. Dadurch erscheinen sie gegenüber den Gefahren auf der Insel von Anfang an ausgesprochen mächtig. Wenn ich aber kaum einschätzen kann, wodurch ein Vampir, eine Werwölfin oder ein Magier ernsthaft in Bedrängnis geraten könnte, fällt es mir schwer, um sie zu fürchten. Gleichzeitig geht die Handlung nach der Ankunft sehr schnell in eine beinahe permanente Konfrontation über. Die Untoten sorgen zwar für reichlich Bewegung, doch irgendwann fehlt mir der Wechsel zwischen ruhigen, ungewissen Momenten und tatsächlicher Gefahr. Gerade die unbekannte Insel hätte sich hervorragend dafür geeignet, die Bedrohung zunächst langsam wachsen zu lassen. Das Finale kommt dann überraschend schnell und hinterließ bei mir das Gefühl, dass die Geschichte gerade dort aufhört, wo sie noch einmal richtig hätte zulegen können.

    Sprecherisch bewegt sich „Insel der Toten“ dagegen auf einem sehr guten Niveau. Dietmar Wunder, Frank Schaff, Sven Brieger, Julia Bautz, Beate Gerlach, Marko Bräutigam und die weiteren Beteiligten sorgen für eine professionelle Umsetzung. Besonders gut passt für mich Sascha Rotermund zu Peter Brix. Er gibt ihm eine selbstbewusste Präsenz, die zu einer Figur mit besonderen Fähigkeiten sehr gut funktioniert. Auch das Zusammenspiel des außergewöhnlichen Teams macht neugierig darauf, wie sich die Figuren entwickeln könnten, wenn man ihnen mehr Raum für ihre Persönlichkeiten geben würde. Gerade deshalb hätte ich mir innerhalb dieser Folge etwas mehr Hintergrund zu ihnen gewünscht.

    Bei der technischen Umsetzung zeigt die Reihe wieder ihre Stärken. Die Insel wirkt akustisch lebendig, die Auseinandersetzungen besitzen genügend Druck und Musik sowie Geräusche geben den zahlreichen übernatürlichen Szenen die passende Größe. Trotzdem entsteht bei mir nur selten wirkliche Anspannung. Das liegt weniger an der Qualität der Produktion als an der Menge dessen, was gleichzeitig passiert. Wenn die Figuren nahezu fortlaufend mit einer Gefahr nach der anderen konfrontiert werden, verliert das einzelne Ereignis irgendwann an Wirkung. Interessant ist außerdem der Abspann, der Peter Brix und sein Team noch einmal ausdrücklich hervorhebt und deutlich macht, dass hinter diesen Figuren mehr als nur dieser eine Auftritt steckt. Als Einführung eines möglichen neuen Hörspielkonzepts kann ich die Folge deshalb durchaus verstehen.

    Das Cover gefällt mir grundsätzlich gut und passt unmittelbar zur Geschichte. Die große untote Gestalt im Vordergrund dominiert das Bild, während das abgelegene Gebäude, der gewaltige Vollmond und die düstere Umgebung den Schauplatz etablieren. Besonders die Kombination aus kalten Grün- und Blautönen mit den wenigen warm beleuchteten Fenstern sorgt für eine schöne Wirkung. Allerdings verrät das Motiv auch sofort, welche Art von Gegnern auf der Insel wartet. Etwas mehr Zurückhaltung hätte das Geheimnis des Anfangs stärker unterstützt. Innerhalb der Reihe ist das Cover mit dem großen Schriftzug und dem grünen Grundton trotzdem sofort wiederzuerkennen.

    „Insel der Toten“ hat mir insgesamt ordentlich gefallen, bleibt für mich aber deutlich hinter den Möglichkeiten seiner Ausgangsidee zurück. Besonders der Anfang mit den verschwundenen Schiffen weckt schnell die Neugier, und auch Peter Brix mit seinen ungewöhnlichen Begleitern ist zunächst eine interessante Ergänzung. Sobald das Team die Insel erreicht, hätte ich mir jedoch mehr Aufbau, mehr Unsicherheit und vor allem stärkere Momente gewünscht, in denen diese mächtigen Figuren tatsächlich verletzlich erscheinen. Stattdessen passiert sehr viel in relativ kurzer Zeit, während das Ende für meinen Geschmack zu plötzlich erreicht ist. Sprecher und Produktion sind wieder stark und auch Sascha Rotermund gefällt mir als Peter Brix. Ob ich allerdings unbedingt weitere Abenteuer dieses Teams innerhalb von „Ghostly Tales & Creepy Stories“ brauche, weiß ich noch nicht. Als eigenständige Geschichte funktioniert die Folge für mich ordentlich – richtig gepackt oder gegruselt hat sie mich jedoch nicht.

Participate now!

Don’t have an account yet? Register yourself now and be a part of our community!