Ghostly Tales & Creepy Stories - 14. Das Panopticon

  • Ghostly Tales & Creepy Stories - 14. Das Panopticon

    Helgoland im Jahr 1937. Auf der Insel existiert eine streng abgeschirmte Haftanstalt, deren Insassen alles andere als gewöhnlich sind. Hier werden Wesen gefangen gehalten, deren Existenz eigentlich niemand kennen sollte. Vampire und Werwölfe gehören ebenso dazu wie Mumien und zahlreiche andere Kreaturen. Einst entstand die Anlage als gemeinsames britisch-deutsches Projekt, inzwischen befindet sie sich vollständig unter der Kontrolle des Deutschen Reiches. Als Professor Locklear dorthin verschleppt wird, soll eine kleine britische Einheit ihn befreien. Die Mission führt die Soldaten direkt in das geheimnisvolle Panopticon – und schnell wird deutlich, dass ihre Ankunft keineswegs unbemerkt geblieben ist.

    Die Ausgangsidee finde ich zunächst sogar ziemlich reizvoll. Ein geheimes Gefängnis für übernatürliche Wesen auf Helgoland bietet eigentlich jede Menge Möglichkeiten für eine finstere Geschichte. Mein Problem beginnt dort, wo aus dieser einfachen Idee immer mehr gemacht wird. Die Folge präsentiert eine solche Vielzahl unterschiedlicher Kreaturen, Figuren und fantastischer Elemente, dass sich bei mir irgendwann ein Gefühl der Übersättigung eingestellt hat. Anstatt mich auf einzelne Bedrohungen einzulassen, wartete ich irgendwann nur noch darauf, welches Wesen als Nächstes auftauchen würde. Dadurch verliert das eigentlich ungewöhnliche Szenario für mich zunehmend seinen Reiz.

    Hinzu kommt, dass mir die Geschichte insgesamt zu wenig unheimlich geraten ist. Gerade aus einem solchen Ort hätte man enorm viel herausholen können: die Isolation der Insel, das Jahr 1937, ein streng bewachtes Gefängnis und hinter seinen verschlossenen Türen Dinge, die dort aus gutem Grund eingesperrt wurden. Alle Voraussetzungen für eine bedrückende Atmosphäre sind vorhanden. Stattdessen entwickelt sich die Handlung für meinen Geschmack viel stärker in Richtung eines fantastischen Abenteuers. Dazu kommen die Rettungsmission, verschiedene Fähigkeiten einzelner Figuren und mehrere Parteien mit unterschiedlichen Interessen. Das sorgt zwar ständig für Bewegung, aber Spannung und Grusel bleiben für mich erstaunlich überschaubar. Die Geschichte ist nicht langweilig, nur leider überhaupt nicht das, was ich mir von dieser Ausgangslage erhofft hatte.

    Bei den Sprechern sieht es wesentlich besser aus. Dietmar Wunder, Wolfgang Wagner, Lea Kalbhenn, Tobias Lelle und Wolfgang Condrus gehören zu einer Besetzung, an der ich kaum etwas auszusetzen habe. Die Rollen werden ernst genommen und überzeugend gespielt, was bei einer Geschichte mit derart fantastischen Figuren besonders wichtig ist. Dietmar Wunder trägt als Erzähler zusätzlich einiges dazu bei, dem Geschehen eine gewisse Schwere zu verleihen. Seine markante Stimme passt hervorragend zu diesem Stoff und sorgt immer wieder für jene düstere Grundstimmung, die mir innerhalb der Handlung selbst etwas zu kurz kommt. Sprechertechnisch befindet sich die Folge damit für mich auf dem gewohnt hohen Niveau der Reihe.

    Auch die technische Umsetzung kann sich hören lassen. Das Panopticon bekommt durch Geräusche, Musik und räumliche Akustik eine eigene Klangwelt, und gerade innerhalb des Gefängnisses entsteht ein schönes Gefühl von Größe und Abgeschlossenheit. Die zahlreichen Kreaturen werden akustisch wirkungsvoll eingebunden, ohne dass die Produktion billig oder unfreiwillig komisch klingt. Gerade deshalb finde ich es schade, dass das Skript nicht stärker auf eine wirklich bedrohliche Atmosphäre setzt. Die technische Seite hätte dafür alle Voraussetzungen geboten. So entsteht ein professionell produziertes Hörspiel, dessen Klanggestaltung mir letztlich besser gefällt als die Geschichte, die damit erzählt wird.

    Das Cover gefällt mir ebenfalls besser als die Folge selbst. Der Blick durch die schweren Gitter in den steinernen Zellentrakt vermittelt sofort, dass hier etwas Gefährliches weggesperrt wurde. Besonders die große angekettete Kreatur im Zentrum funktioniert als Blickfang, während weitere Gestalten im Hintergrund und hinter den Gittern zu erkennen sind. Die Fackeln und das kalte Mauerwerk geben dem Motiv eine angenehm düstere Wirkung. Gleichzeitig bleibt durch den pinkfarbenen Rahmen und die auffällige Typografie die bekannte Gestaltung der Reihe erhalten. Für mich vermittelt das Bild sogar eine stärkere Horrorwirkung als die Geschichte selbst.

    Das Panopticon“ für mich leider eine Enttäuschung innerhalb von „Ghostly Tales and Creepy Stories“. Nicht weil die Grundidee schlecht wäre – im Gegenteil, gerade deshalb finde ich es besonders schade. Aus dem geheimen Gefängnis auf Helgoland hätte eine richtig beklemmende Monstergeschichte entstehen können. Stattdessen werden so viele fantastische Elemente miteinander kombiniert, dass mir ein klarer Schwerpunkt fehlt. Ich hätte lieber weniger unterschiedliche Kreaturen erlebt und dafür mehr Zeit mit einzelnen Bedrohungen verbracht. Vor allem hätte ich mir wesentlich mehr Grusel gewünscht. Sprecher, Musik und technische Umsetzung liefern erneut eine starke Leistung, doch diesmal reicht das für mich nicht aus, um eine Geschichte aufzufangen, die mich einfach nicht richtig erreicht hat. Hoffentlich trifft die nächste Folge wieder stärker meinen Geschmack.

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