Dark Mysteries - 25. Böse Streiche
Walt Weaver glaubt, mit seinen neuen Arbeitskollegen ein entspanntes Männerwochenende in einer abgelegenen Waldhütte verbringen zu können. Doch seine vermeintlichen Freunde haben sich für den Neuling einen ziemlich üblen Streich ausgedacht – und der endet in einer Katastrophe mit einem Toten. Jahre später scheint die Vergangenheit die damalige Clique einzuholen. Ein maskierter Unbekannter beginnt, die Beteiligten mit makabren „Streichen“ zu terrorisieren, bei denen es längst nichts mehr zu lachen gibt. Während der Verdacht schnell auf Walt fällt, der angeblich in einem Sanatorium untergebracht ist, versucht Huey Stanton herauszufinden, wer sich tatsächlich hinter der unheimlichen Wolfsmaske verbirgt.
Nach einigen für mich schwächeren Geschichten ist „Böse Streiche“ wieder eine deutlich bessere Folge von „Dark Mysteries“. Markus Duschek greift dabei tief in die klassische Slasherkiste, und genau das hat mir gefallen. Abgelegene Waldhütte, eine Jugendsünde beziehungsweise ein fataler Streich, eine Gruppe mit einem gemeinsamen Geheimnis und Jahre später ein maskierter Rächer – das erinnert natürlich an zahlreiche Horrorfilme, die nach einem ähnlichen Muster funktionieren. Wirklich originell ist die Ausgangslage deshalb nicht, aber sie wird flott erzählt und besitzt genau diese leicht nostalgische Horrorfilm-Atmosphäre, die bei mir durchaus funktioniert.
Dass man relativ schnell eine ziemlich konkrete Vorstellung davon bekommt, wer hinter den Morden stecken könnte, nimmt der Geschichte zwar etwas von ihrem Mysterycharakter, ruiniert sie für mich aber keineswegs. Viel wichtiger ist, dass die einzelnen Attacken funktionieren und die Vergangenheit der Gruppe nach und nach ihre Wirkung entfaltet. Besonders gelungen finde ich, dass die damalige Tat nicht einfach als beliebiger Aufhänger dient, sondern Schuld und schlechtes Gewissen Hueys Handeln in der Gegenwart bestimmen. Und gerade als man glaubt, die Geschichte längst durchschaut zu haben, kann das Finale doch noch einmal einen Akzent setzen, mit dem ich in dieser Form nicht gerechnet hatte. Dadurch gewinnt die Folge auf den letzten Metern noch einmal deutlich.
Auch die Besetzung kann sich hören lassen. Stefan Brönneke, Dirk Hardegen, Daniela Hoffmann, Marcel Collé, Mathias Renneisen, Milton Welsh, Peter Lontzek, Manja Doering, Andrea Aust und Douglas Welbat bilden ein starkes Ensemble, das den Figuren wesentlich mehr Leben gibt, als es der geradlinige Plot allein vielleicht vermuten ließe. Gerade bei einer solchen Geschichte müssen Angst, Misstrauen und zunehmende Panik glaubwürdig funktionieren, und das gelingt hier insgesamt sehr ordentlich. Die prominenten Stimmen wirken dabei nicht wie bloße Namensbesetzungen, sondern fügen sich gut in das Zusammenspiel ein.
Technisch setzt „Böse Streiche“ auf die gewohnt filmische Machart der Reihe. Die Waldhütte und später die bedrohlicher werdenden Situationen bekommen durch Geräusche und Musik eine passende Atmosphäre, während die Mordszenen genügend akustische Härte besitzen, ohne ausschließlich auf möglichst drastische Effekte zu setzen. Mit 56 Minuten hat die Geschichte außerdem eine angenehme Länge. Sie hält sich nicht unnötig mit Nebenschauplätzen auf und bewegt sich recht zielstrebig auf die Konfrontation mit dem maskierten Täter zu. Gerade bei einem derart klassischen Slasherplot ist das für mich die richtige Entscheidung.
Das Cover gefällt mir ebenfalls. Die schwarze Gestalt mit der kantigen Wolfsmaske dominiert das Motiv vollständig und erzeugt schon durch ihre beinahe gesichtslose Erscheinung etwas Bedrohliches. Schwarz, Grau und das fahle Grün im Hintergrund ergeben eine kalte, unangenehme Farbgebung, die hervorragend zum Mystery-Thriller passt. Besonders gelungen finde ich, dass das Cover nicht versucht, möglichst viele Elemente der Geschichte unterzubringen. Die Maske genügt vollkommen als Blickfang und macht neugierig darauf, wer sich dahinter verbirgt.
„Böse Streiche“ gehört für mich wieder zu den besseren Folgen von „Dark Mysteries“. Die Geschichte ist sicherlich kein Musterbeispiel für einen unvorhersehbaren Thriller, und wer mit klassischen Slashern vertraut ist, dürfte einige Entwicklungen recht früh erahnen. Das stört mich hier aber nur wenig, weil Atmosphäre, Sprecher und Inszenierung stimmen und die Geschichte über ihre 56 Minuten gut unterhält. Dazu kommt ein Finale, das tatsächlich noch einmal überraschen kann und der ansonsten vertrauten Konstruktion einen schönen letzten Dreh gibt. Kein revolutionärer Genrebeitrag, aber ein geradliniger, schön düsterer Slasher fürs Ohr, mit dem ich deutlich mehr anfangen konnte als mit manch anderer Folge der Reihe.