John Sinclair - 196. Die Maske

  • John Sinclair 196 – Die Maske

    Ein abgelegenes Nonnenkloster in Essex wird zum Schauplatz einer Reihe brutaler Morde. Der Täter verbirgt sein Gesicht hinter einer unheimlichen Maske und scheint sich in den weitläufigen Gemäuern und den darunterliegenden Katakomben bestens auszukennen. Als John Sinclair eingeschaltet wird, stößt er schnell auf Hinweise, die weit über einen gewöhnlichen Mordfall hinausgehen. Während die Zahl der Opfer wächst und die Angst unter den Schwestern immer größer wird, muss John herausfinden, wer sich hinter der Maske verbirgt und welches alte Geheimnis mit dem Kloster verbunden ist. Viel Zeit bleibt ihm dafür nicht, denn der Killer ist längst bereit, erneut zuzuschlagen.

    Nach den sehr starken letzten Folgen waren meine Erwartungen an „Die Maske“ durchaus hoch. Der Einstieg erfüllt diese zunächst auch problemlos: Die Atmosphäre ist sofort da, der Schauplatz funktioniert hervorragend und die Produktion macht von Beginn an deutlich, dass sie aus dem Nonnenkloster möglichst viel herausholen will. Inhaltlich fällt die Geschichte dagegen wesentlich geradliniger aus. Im Kern bekommt man einen klassischen Slasher-Stoff mit maskiertem Killer, abgelegenem Schauplatz, verängstigten Opfern und dunklen Gängen. Das ist sicher keine besonders originelle Ausgangslage und wirkt für eine Serie wie John Sinclair zunächst fast überraschend konventionell. Gerade deshalb kommt es hier umso stärker darauf an, was die Inszenierung daraus macht.

    Und genau dort liegt für mich die Stärke der Folge. Die eigentliche Geschichte bleibt zwar relativ einfach, entwickelt aber durch den Schauplatz und die ständige Bedrohung eine sehr angenehme Spannung. Das Kloster mit seinen abgelegenen Räumen, den düsteren Korridoren und den verborgenen Katakomben eignet sich hervorragend für eine solche Geschichte. Man weiß lange nicht, wann und wo der Täter das nächste Mal auftauchen wird, und gerade diese Unberechenbarkeit sorgt dafür, dass die Handlung trotz ihrer überschaubaren Komplexität funktioniert. Gleichzeitig hätte ich mir allerdings ein paar überraschendere Wendungen oder eine stärkere übernatürliche Komponente gewünscht. Gerade bei John Sinclair erwartet man irgendwann doch mehr als einen maskierten Killer, der seine Opfer durch finstere Gemäuer jagt. Das alte Rätsel und die Katakomben bringen zwar zusätzliche Mystery-Elemente hinein, doch insgesamt bleibt die Handlung eher schlicht. Trotzdem hatte ich keine Langeweile, weil die Folge konsequent auf Tempo, Atmosphäre und Bedrohung setzt und dadurch sehr kurzweilig bleibt.

    Dietmar Wunder ist als John Sinclair wieder vollkommen in seinem Element und trägt die Folge mit der gewohnten Mischung aus Ruhe, Entschlossenheit und einer gewissen trockenen Gelassenheit. Martin May als Suko und Achim Schülke als Sir James Powell ergänzen ihn wie gewohnt zuverlässig. Besonders wichtig sind diesmal aber die vielen weiblichen Rollen innerhalb des Klosters. Franziska Trunte als Sister Catherine, Manon Straché als Mother Agnes, Anneke Schwabe als Sister Margaret und Philine Peters-Arnolds als Sister Beatrice geben ihren Figuren trotz teilweise begrenzter Spielzeit klare Konturen. Gerade in den Angst- und Bedrohungsszenen funktioniert das sehr gut, weil die Reaktionen glaubwürdig wirken und nicht in bloßes hysterisches Schreien abrutschen. Gregor Höppner sorgt als Erzähler erneut für die nötige Verbindung zwischen den Szenen, während Oliver Siebeck und Lars Schmidtke das Ensemble überzeugend ergänzen. Insgesamt ist die Sprecherleistung für mich einer der stärksten Punkte dieser Folge.

    Technisch lässt „Die Maske“ kaum Wünsche offen. Das Sounddesign macht aus dem Kloster einen richtig greifbaren Schauplatz. Schritte in langen Gängen, schwere Türen, Regen, Wind, Gewitter und die hallenden Katakomben sorgen für eine sehr dichte Atmosphäre. Besonders in den Verfolgungs- und Mordszenen wird mit Geräuschen ausgesprochen wirkungsvoll gearbeitet, ohne dass alles in einem akustischen Dauerfeuer untergeht. Auch die Musik trägt viel zur Spannung bei und unterstützt die düstere Grundstimmung sehr gut. Ein kleiner Kritikpunkt bleibt für mich allerdings die Verwendung älterer Musikstücke, die stilistisch nicht immer vollkommen mit dem modernen Sinclair-Klangbild harmonieren. Das fällt nicht ständig auf, aber gelegentlich wirkt ein Einsatz etwas fremd. Insgesamt ist die technische Umsetzung dennoch ausgesprochen stark und hebt die eher einfache Geschichte deutlich an.

    Das Cover gehört für mich definitiv zu den auffälligeren der neueren Folgen. Im Mittelpunkt steht der maskierte Killer mit langem Schnabelmasken-Gesicht, dunkler Kleidung und blutigem Messer. Vor ihm liegt eine verletzte Nonne im Wasser, während im Hintergrund ein brennendes Gebäude, Gewitter, Regen und eine weitere reglose Gestalt für zusätzliche Dramatik sorgen. Das Motiv ist ausgesprochen actionreich und vermittelt sofort, dass hier keine ruhige Geistergeschichte wartet. Besonders die Maske des Täters bleibt im Gedächtnis und gibt dem Cover einen eigenen Wiedererkennungswert. Gleichzeitig ist das Bild fast schon übervoll mit dramatischen Elementen, was aber erstaunlich gut zum klassischen John-Sinclair-Stil passt. Der gelbe Serientitel und der ebenfalls gelbe Folgentitel heben sich sehr klar vom dunklen Motiv ab. Für mich ein starkes, klassisch-pulpiges Sinclair-Cover, das die Slasher-Ausrichtung der Geschichte perfekt widerspiegelt.

    „Die Maske“ ist für mich eine dieser John-Sinclair-Folgen, bei denen die Produktion deutlich stärker ist als die eigentliche Geschichte. Der Plot ist vergleichsweise simpel und bewegt sich ziemlich deutlich auf bekanntem Slasher-Terrain. Ein abgelegenes Kloster, ein maskierter Killer und eine Gruppe potenzieller Opfer sind nun wirklich keine revolutionäre Idee. Dafür funktioniert die Umsetzung umso besser. Die Atmosphäre ist dicht, das Sounddesign hervorragend, die Sprecher spielen sehr überzeugend und gerade die Szenen in den Katakomben entwickeln eine angenehm düstere Wirkung. Dadurch bleibt die Folge trotz der eher schlichten Handlung spannend und unterhaltsam. Inhaltlich hätte ich mir etwas mehr Überraschung und vielleicht auch einen stärkeren Sinclair-Touch gewünscht, technisch und inszenatorisch ist „Die Maske“ aber wieder auf einem sehr hohen Niveau. Für mich kein Höhepunkt der Reihe, aber eine sehr kurzweilige und stark produzierte Folge, die aus einer eher einfachen Geschichte erstaunlich viel herausholt.

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