Schwarzer Mond über Soho – Die magischen Fälle des Peter Grant 2
Peter Grant hat sich kaum daran gewöhnt, dass zu seinem Polizeialltag inzwischen auch Geister, Magie und Zauberei gehören, da wartet bereits der nächste außergewöhnliche Fall auf ihn. Mehrere junge Jazzmusiker sterben unter rätselhaften Umständen, und schnell deutet einiges darauf hin, dass hinter den Todesfällen mehr steckt als ein gewöhnlicher Serienkiller. Gleichzeitig taucht mit Simone Fitzwilliam eine Frau in Peters Leben auf, die ihn gehörig aus dem Konzept bringt. Während sich zwischen beiden eine immer engere Beziehung entwickelt, verdichten sich die Hinweise auf einen gefährlichen Schwarzmagier, der offenbar seine ganz eigenen Ziele verfolgt. Für Peter bedeutet das, dass seine Ausbildung bei Thomas Nightingale schneller ernst wird, als ihm lieb sein kann.
Nach „Die Flüsse von London“ war für mich vor allem spannend, ob die Mischung aus Polizeikrimi, Urban Fantasy und trockenem britischen Humor auch über einen zweiten langen Fall hinweg funktioniert. „Schwarzer Mond über Soho“ zeigt ziemlich schnell, dass Ben Aaronovitch seine Welt keineswegs schon im ersten Band ausgeschöpft hat. Im Gegenteil: Diesmal wirkt vieles noch etwas selbstverständlicher. Peter kennt die magische Seite Londons inzwischen zumindest grundsätzlich und muss deshalb nicht mehr bei jeder übernatürlichen Erscheinung komplett von vorne anfangen. Dadurch kann sich die Geschichte stärker auf die eigentlichen Fälle, Peters Ausbildung und die Beziehungen zwischen den Figuren konzentrieren. Mit 9 Stunden und 39 Minuten ist auch diese Produktion wieder ausgesprochen umfangreich, wirkt auf mich insgesamt aber etwas konzentrierter als der Vorgänger.
Besonders gelungen finde ich diesmal die Verbindung zwischen der Kriminalhandlung und dem Jazzmilieu. Die Musik ist nicht einfach nur Dekoration, sondern eng mit der Geschichte und mit Peters persönlichem Hintergrund verbunden. Dadurch bekommt der Fall eine ganz eigene Atmosphäre, die sich deutlich vom ersten Teil unterscheidet. Gleichzeitig bleibt Aaronovitch seiner Vorliebe für Abschweifungen treu. Architektur, Polizeibürokratie, Stadtgeschichte und magische Regeln nehmen immer wieder viel Raum ein. Das kann interessant und teilweise ausgesprochen witzig sein, verlangt aber auch Aufmerksamkeit. Wer bei dieser Reihe nur nebenbei zuhört, dürfte schnell einzelne Zusammenhänge verpassen. Mir gefällt dafür, dass Peter inzwischen selbstbewusster auftritt, ohne plötzlich zum übermächtigen Zauberer zu werden. Er macht Fehler, überschätzt sich und gerät mehr als einmal in Situationen, die ihm deutlich über den Kopf wachsen. Auch Simone bringt eine neue Seite in seine Figur und sorgt dafür, dass neben dem eigentlichen Fall stärker persönliche Gefühle ins Spiel kommen. Gleichzeitig wird die Bedrohung durch den Schwarzmagier immer konkreter und erweitert die übergeordnete Handlung der Reihe. Gerade zum Ende hin zieht das Tempo deutlich an, wobei der Abschluss bewusst einiges offenlässt und klar auf die Fortsetzung vorbereitet.
Leonard Hohm ist auch diesmal das Zentrum der Produktion und für mich inzwischen sehr eng mit Peter Grant verbunden. Er trifft dessen Mischung aus Neugier, Selbstironie, jugendlicher Überheblichkeit und wachsender Ernsthaftigkeit hervorragend. Besonders gut funktionieren wieder die trockenen Kommentare, weil Hohm sie nie zu stark auf Pointe spricht. Dadurch entsteht dieser typische Peter-Grant-Humor ganz beiläufig. Auch das übrige Ensemble überzeugt erneut und sorgt dafür, dass sich trotz zahlreicher Nebenfiguren schnell klare Charaktere entwickeln. Gerade bei Simone, Nightingale und den Figuren aus dem Jazzumfeld ist es wichtig, dass sie nicht neben Peter verblassen, und genau das passiert hier nicht. Die Dialoge wirken lebendig und spontan, während dramatischere Szenen deutlich intensiver gespielt werden. Insgesamt empfinde ich die Sprecherleistung sogar noch etwas geschlossener als im ersten Teil, weil die wichtigsten Figuren inzwischen etabliert sind und man sofort wieder in diese Welt zurückfindet.
Akustisch passt „Schwarzer Mond über Soho“ besonders gut zum Hörspielformat, weil Jazz einen so großen Stellenwert innerhalb der Handlung besitzt. Die Musik wird nicht nur als Übergang oder Hintergrund eingesetzt, sondern trägt entscheidend zur Atmosphäre bei. Clubs, nächtliche Straßen und Peters Ermittlungen bekommen dadurch einen ganz eigenen Klang. Die Geräuschkulisse ist erneut sehr detailliert, wirkt diesmal stellenweise aber etwas zurückhaltender als im Vorgänger. Das schadet der Produktion für mich kaum, weil die einzelnen Effekte dadurch umso gezielter wirken. Die Mischung aus Erzählerpassagen und ausgespielten Szenen funktioniert weiterhin hervorragend und ermöglicht es, die Romanhandlung nahezu vollständig abzubilden, ohne dass daraus eine trockene Lesung wird. Besonders in den unheimlicheren und magischen Momenten zeigt sich, wie viel die Inszenierung zur Wirkung beiträgt. Stimmen, Musik und Geräusche greifen sehr sauber ineinander und erzeugen immer wieder richtiges Kopfkino.
Das Cover führt die Gestaltung des ersten Teils konsequent weiter und sorgt dadurch sofort für Wiedererkennungswert. Wieder steht London deutlich im Mittelpunkt, diesmal allerdings mit einer noch dunkleren, nächtlicheren Stimmung, die hervorragend zum Titel „Schwarzer Mond über Soho“ passt. Die Verbindung aus Großstadt, Schatten und geheimnisvollen Elementen vermittelt genau dieses Gefühl, dass hinter dem normalen London eine zweite Welt verborgen liegt. Gleichzeitig wirkt das Motiv urban und modern und vermeidet eine zu klassische Fantasyoptik. Das passt für mich sehr gut zu Peter Grant, weil diese Serie eben gerade davon lebt, Magie mitten in einer realen Metropole stattfinden zu lassen. Auch typografisch bleibt alles klar und übersichtlich, sodass sich der zweite Teil sofort als Bestandteil derselben Reihe erkennen lässt.
„Schwarzer Mond über Soho“ gefällt mir sogar noch etwas besser als „Die Flüsse von London“. Die Welt ist inzwischen etabliert, Peter Grant hat sich als Figur gefunden und dadurch kann die Geschichte schneller in ihren eigentlichen Fall einsteigen. Besonders die Verbindung aus Jazz, Magie und Mord funktioniert hervorragend und gibt diesem zweiten Teil eine ganz eigene Atmosphäre. Gleichzeitig bleibt die Reihe herrlich eigenwillig. Ben Aaronovitch nimmt sich weiterhin Zeit für London, Architektur, Bürokratie und allerlei scheinbare Nebensächlichkeiten, was manchmal etwas ausufert, für mich aber längst zum besonderen Charakter dieser Welt gehört. Leonard Hohm und das Ensemble machen erneut einen hervorragenden Job, während die Musik diesmal sogar noch stärker zur Geschichte gehört als zuvor. Dazu kommt eine Handlung, die Peters magische Ausbildung deutlich voranbringt und mit dem Schwarzmagier eine Bedrohung etabliert, die offensichtlich noch längst nicht erledigt ist. Für mich eine sehr gelungene Fortsetzung, die den ersten Teil nicht einfach wiederholt, sondern die Reihe spürbar erweitert und gleichzeitig große Lust auf den nächsten Fall macht.