Bill Bo und seine Bande - Die komplette 2. Staffel

  • Bill Bo und seine Bande - Die komplette 2. Staffel

    Bill Bo denkt gar nicht daran, seinen Traum von Burg Dingelstein aufzugeben. Da er und seine Bande inzwischen überall gesucht werden, muss allerdings eine neue Idee her. Kurzerhand wird eine Theatergruppe überfallen und deren Kostümfundus geplündert. Mit Perücken, falschen Bärten und allerlei Verkleidungen wollen sich die Räuber unkenntlich machen – schwieriger wird es allerdings, auch ihre unverwechselbaren Dialekte zu verstecken. Währenddessen versucht Ding-Ding in Alheim Unterstützung für die Verteidigung der Burg zu organisieren. Dort liegt jedoch bereits das Heer des Obristen von Kalkenhof und sorgt für ganz eigene Probleme. Als Ding-Ding schließlich ausgerechnet die verkleideten Räuber als Verstärkung anheuert, scheint Bill Bo seinem Ziel so nah wie nie zuvor.

    Die zweite Staffel knüpft direkt an die erste an und setzt genau dort an, wo mir die Serie schon zuvor am meisten Spaß gemacht hat: bei den Figuren, den herrlich absurden Dialogen und dem völligen Chaos, das Bill Bo und seine Bande mit erstaunlicher Zuverlässigkeit verursachen. Gleichzeitig wird die Geschichte diesmal größer. Burg Dingelstein bleibt zwar das Zentrum, doch mit Alheim, dem Obristen und weiteren neuen Figuren bekommt die Handlung zusätzliche Schauplätze und Konflikte.

    Besonders gut gefällt mir die Idee mit den Verkleidungen. Natürlich wäre eine andere Kleidung allein bei dieser Bande niemals ausreichend, denn spätestens sobald jemand den Mund aufmacht, dürfte die Tarnung eigentlich auffliegen. Genau daraus entstehen einige der schönsten Situationen der Staffel. Die unterschiedlichen Dialekte, die schon im ersten Teil einen großen Anteil am Humor hatten, werden diesmal sogar direkt zum Teil der Handlung. Das ist eine wunderbar einfache Idee, aus der erstaunlich viele Gags entstehen.

    Auch dramaturgisch gefällt mir Staffel zwei noch etwas besser als die erste. Der Kampf um Burg Dingelstein ist inzwischen etabliert, sodass nicht mehr so viel Zeit für die Einführung der Figuren benötigt wird. Stattdessen kann die Geschichte schneller neue Verwicklungen entwickeln. Dass Ding-Ding ausgerechnet ihre eigenen Gegner als vermeintliche Helfer anwirbt, sorgt für ein herrliches Verwirrspiel, bei dem man natürlich längst ahnt, dass diese Konstruktion irgendwann spektakulär auseinanderfallen muss.

    Mit 5 Stunden und 34 Minuten ist die zweite Staffel sogar noch etwas umfangreicher, trotzdem empfand ich sie nicht als zu lang. Im Gegenteil: Die zusätzlichen Figuren und Handlungsorte sorgen für genügend Abwechslung. Natürlich arbeitet die Serie weiterhin stark mit Running Gags, Wiederholungen und bewusst überzeichneten Charaktereigenschaften. Wer damit schon in Staffel eins wenig anfangen konnte, wird hier vermutlich nicht plötzlich bekehrt. Für mich gehört genau das aber inzwischen zum Charakter der Reihe.

    Auch die Besetzung ist wieder ein riesiger Spaß. Maddin Schneider als Bill Bo funktioniert für mich inzwischen vollkommen selbstverständlich. Seine Art zu sprechen, seine Ausbrüche und diese Mischung aus Größenwahn und völliger Überforderung passen einfach perfekt zu diesem Räuberhauptmann. Michael Kessler ist erneut eine große Bereicherung und darf gleich mehrere Facetten ausspielen. Besonders schön ist außerdem, dass mit Oliver Kalkofe als Obrist von Kalkenhof eine weitere sehr markante Stimme dazukommt. Josef Hannesschläger bringt als Bürgermeister von Alheim ebenfalls einen ganz eigenen Ton hinein. Wolfgang Krebs, Thomas Nicolai und Tommy Krappweis sorgen dafür, dass die Räuberbande weiterhin so herrlich unterschiedlich klingt. Gerade Tommy Krappweis hat mit seinen verschiedenen Rollen und Sprachfärbungen einige der komischsten Momente auf seiner Seite.

    Technisch bleibt die Produktion auf dem hohen Niveau der ersten Staffel. Die vielen handgemachten Geräusche, die Originalmusik und die sehr lebendige Raumgestaltung sorgen dafür, dass man die Szenen problemlos vor sich sieht. Besonders bei größeren Gruppen, Verfolgungen oder dem Durcheinander rund um Burg Dingelstein wird es akustisch ordentlich voll, ohne dass die Dialoge darunter leiden. Auch musikalisch bleibt die Serie ihrem verspielten, leicht nostalgischen Charakter treu. Man hört sehr deutlich, dass hier nicht einfach Stimmen zusammengeschnitten wurden, sondern eine richtige Hörspielwelt gebaut werden sollte.

    Das Cover setzt die Gestaltung der ersten Staffel konsequent fort. Wieder werden reale Gesichter mit puppenartigen Körpern kombiniert und damit die Verbindung zur Augsburger Puppenkiste sofort hergestellt. Diesmal steht zusätzlich eine neue Figur im Zentrum, wodurch schon optisch klar wird, dass die Geschichte erweitert wird. Die hellen Farben und die bewusst etwas altmodische Gestaltung passen hervorragend zu diesem Mix aus Nostalgie und moderner Hörspielkomödie. Wer Staffel eins kennt, erkennt die Reihe sofort wieder.

    Die zweite Staffel von „Bill Bo und seine Bande“ hat mir sogar noch etwas besser gefallen als die erste. Die Figuren sind längst etabliert, die Geschichte kann dadurch schneller loslegen und besonders das Spiel mit den Verkleidungen und den Dialekten sorgt für viele herrliche Situationen. Dazu kommen neue Figuren, die sich wunderbar in dieses ohnehin schon ziemlich verrückte Ensemble einfügen. Sprecher, Musik und Sounddesign machen erneut einen riesigen Anteil am Spaß aus und schaffen ein Hörspiel, das Kinder genauso hören können wie Erwachsene, die noch immer Freude an der Augsburger Puppenkiste haben. Nach über fünf Stunden war ich jedenfalls noch lange nicht satt – und eine dritte Staffel hätte ich sehr gerne genommen.

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