Apokalypse USA - 3. Eingelöste Versprechen

  • Apokalypse USA - 3. Eingelöste Versprechen

    Die Vereinigten Staaten stehen endgültig am Abgrund. Die letzten noch funktionierenden Gemeinschaften geraten zunehmend unter Druck, während der Präsident seine Macht mit immer brutaleren Mitteln absichert. In Wilmington bereiten sich die Verteidiger auf einen Angriff vor, der kaum zu überstehen scheint. Auch die Besatzung der „Pecos Trader“ steht vor einer Situation, in der jeder Fehler tödlich enden kann. Gleichzeitig verlässt Simon Tremble sein Versteck und macht sich auf den Weg nach Süden. Als letzter unabhängiger politischer Vertreter besitzt er vielleicht noch die Möglichkeit, dem Machtmissbrauch des Präsidenten etwas entgegenzusetzen. Doch dafür muss er nicht nur überleben, sondern auch die Menschen erreichen, die noch bereit sind, für eine andere Zukunft zu kämpfen.

    Mit „Eingelöste Versprechen“ zieht R. E. McDermott die Handlung der beiden vorherigen Bände konsequent zusammen. Was in „Der Weg nach Hause“ mit dem Zusammenbruch der Infrastruktur begann und sich in „Gegenwehr“ zu einem immer offeneren Machtkampf entwickelte, erreicht hier seinen endgültigen Höhepunkt. Die einzelnen Gruppen kämpfen inzwischen längst nicht mehr nur um Nahrung, Sicherheit oder einen geschützten Ort. Es geht darum, welche Gesellschaft aus dem Zusammenbruch überhaupt entstehen soll.

    Gerade deshalb wirkt der dritte Teil deutlich militärischer als seine Vorgänger. Kämpfe, Verteidigungsmaßnahmen und strategische Entscheidungen nehmen viel Raum ein. Das sorgt für ordentlich Tempo und einige sehr intensive Passagen, kann stellenweise aber auch etwas ausführlich geraten. Gerade bei den längeren Gefechten hätte ich mir gelegentlich eine etwas straffere Erzählweise gewünscht. Trotzdem hatte ich nie das Gefühl, dass McDermott lediglich Action um der Action willen liefert. Hinter den Auseinandersetzungen stehen immer Figuren und Gemeinschaften, die man inzwischen über viele Stunden begleitet hat und deren Schicksal einem deshalb nicht egal ist.

    Besonders gut funktioniert für mich, dass die vielen Handlungsstränge nun endlich sichtbar auf ein gemeinsames Ziel zulaufen. Die Reihe hat von Anfang an mit einer enormen Zahl an Personen, Orten und Gruppen gearbeitet. Gerade zu Beginn des ersten Bandes war das durchaus eine Herausforderung. Inzwischen zahlt sich dieser Aufbau aus. Figuren, die lange unabhängig voneinander unterwegs waren, werden Teil eines größeren Gesamtbildes und Entscheidungen aus früheren Teilen bekommen noch einmal neue Bedeutung.

    Simon Tremble rückt dabei stärker ins Zentrum. Seine Reise ist weniger spektakulär als manche Gefechtsszene, für die Gesamtgeschichte aber mindestens genauso wichtig. Er steht für die Frage, ob nach dem Zusammenbruch überhaupt noch etwas von den ursprünglichen demokratischen Strukturen gerettet werden kann. Diese politische Ebene bleibt zwar weiterhin recht eindeutig gezeichnet und der Präsident ist nicht gerade eine besonders ambivalente Figur, doch für das Finale funktioniert dieser klare Gegensatz erstaunlich gut.

    Was mir an der gesamten Trilogie gefallen hat, bleibt auch hier erhalten: Der eigentliche Auslöser der Apokalypse ist längst nicht mehr die größte Gefahr. Die Sonneneruption hat lediglich die Voraussetzungen geschaffen. Danach sind es die Menschen selbst, die entscheiden, ob aus der Krise Gemeinschaft, Ausbeutung, Gewalt oder neue Machtstrukturen entstehen. „Eingelöste Versprechen“ führt diesen Gedanken konsequent zu Ende und bietet dabei sowohl sehr düstere als auch überraschend hoffnungsvolle Momente.

    Gerrit Petersen begleitet auch den Abschluss der Trilogie und wirkt für mich inzwischen deutlich sicherer mit dem großen Figurenensemble. Nach insgesamt fast 50 Stunden mit diesen Charakteren haben sich viele seiner Stimmen fest eingeprägt und erleichtern die Orientierung zwischen den zahlreichen Schauplätzen. Seine ruhigeren Erzählerpassagen gefallen mir weiterhin am besten, weil seine natürliche Stimme sehr angenehm zu hören ist. Bei einigen Figuren arbeitet er noch immer stark mit verschiedenen Tonlagen und Akzenten, was manchmal etwas aufgesetzt klingt, im dritten Teil aber deutlich weniger störend auf mich wirkte. Gerade in den dramatischen Szenen bringt er viel Energie mit und trägt das enorme Finale überzeugend.

    Auch technisch bleibt „Eingelöste Versprechen“ eine klassische ungekürzte Lesung. Mit 16 Stunden und 7 Minuten ist der Abschluss erneut ausgesprochen umfangreich. Musik oder zusätzliche Geräusche gibt es nicht, dafür steht Petersen vollständig im Mittelpunkt. Gerade bei den vielen Actionsequenzen hätte eine aufwendigere Inszenierung natürlich ihren Reiz gehabt, doch die reine Lesung funktioniert weiterhin gut. Die Aufnahme bleibt klar und gleichmäßig, sodass auch längere Hörsessions angenehm möglich sind.

    Das Cover zeigt bereits sehr deutlich, wohin sich die Geschichte entwickelt hat. Während der erste Band noch von einer zerstörten Industrie- und Hafenlandschaft geprägt war und „Gegenwehr“ stärker den Überlebenskampf in der Natur zeigte, steht diesmal der offene bewaffnete Konflikt im Vordergrund. Mehrere Kämpfer, Mündungsfeuer und die dunkle Szenerie vermitteln sofort den Eindruck eines Landes, das endgültig im Bürgerkrieg angekommen ist. Der große Titel dominiert das Motiv und fügt sich trotzdem klar in die Gestaltung der beiden Vorgänger ein. Als Abschluss einer Trilogie wirkt das Cover entsprechend kompromisslos und passend.

    „Eingelöste Versprechen“ bringt „Apokalypse USA“ für mich zu einem überzeugenden Abschluss. Nicht jede Entwicklung ist überraschend und gerade die politischen Gegenspieler hätten stellenweise etwas mehr Grauzonen vertragen können. Auch einige der ausführlichen Kampfszenen ziehen sich länger, als es unbedingt notwendig gewesen wäre. Dafür gelingt es R. E. McDermott, die enorme Zahl an Figuren und Handlungsorten sinnvoll zusammenzuführen und der Geschichte einen Abschluss zu geben, der sich tatsächlich wie das Ende einer langen Reise anfühlt.

    Rückblickend gefällt mir besonders, wie sich die Trilogie von einem Blackout-Szenario immer weiter zu einer Geschichte über Gesellschaft, Macht und Zusammenhalt entwickelt hat. Der dritte Teil ist dabei der actionreichste, gleichzeitig aber auch derjenige, in dem viele zuvor aufgebaute Entwicklungen endlich ihren Platz finden. Gerrit Petersen rundet die Reihe mit einer insgesamt starken Lesung ab. Nach drei sehr umfangreichen Hörbüchern bleibt bei mir deshalb vor allem das Gefühl, eine große, konsequent erzählte Endzeitgeschichte abgeschlossen zu haben – und ein wenig schade ist es schon, diese Figuren nun zurückzulassen.

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