Sollten problematische alte Hörspiele unverändert verfügbar bleiben?

  • Sollten problematische alte Hörspiele unverändert verfügbar bleiben?

    Ich hatte diesbezüglich vor einiger Zeit eine Diskussion mit einem anderen Hörspielhörer, bei der wir meinungstechnisch wirklich Welten auseinanderlagen.

    Es ging um die Frage, wie man heute mit älteren Hörspielen umgehen sollte, die Begriffe, Darstellungen oder gesellschaftliche Vorstellungen enthalten, die aus heutiger Sicht als problematisch oder zumindest fragwürdig angesehen werden.

    Während für mich ziemlich schnell eine bestimmte Haltung feststand, sah mein Gegenüber die Sache vollkommen anders. Und je länger wir darüber gesprochen haben, desto deutlicher wurde, dass es dabei eigentlich um eine viel grundsätzlichere Frage geht:

    Sollten problematische alte Hörspiele heute noch genauso und unverändert verfügbar sein, wie sie ursprünglich erschienen sind?

    Ich fand unsere Diskussion gerade deshalb interessant, weil ich zunächst gedacht hätte, dass unsere Ansichten gar nicht so weit auseinanderliegen können. Am Ende war praktisch das Gegenteil der Fall.

    Deshalb würde mich interessieren, wie ihr das seht.

  • Wenn "die Begriffe, Darstellungen oder gesellschaftliche Vorstellungen" zu der Zeit, in der das Hörspiel spielt, eine gewisse Relevanz hatten, sollte man entweder alles so belassen, wie es ist (auch wenn es weh tut) oder eben nicht mehr zur Verfügung stellen (wobei ich vermutlich in 90 Prozent aller Fälle Letzteres bevorzugen würde).

    Aber nachträglich etwas zu manipulieren, damit es 'hörbar' bleibt, halte ich für falsch. Dann sollte man es lieber komplett neu vertonen, wenn die Geschichte selbst Bedeutung hat.

    Bei Büchern sehe ich das anders. Gerade bei Kinderbüchern darf da gerne immer wieder korrigiert werden.

  • Die Frage ist immer, wer ist das Zielpublikum?

    Richtet es sich an Hörer, die den Stoff noch von früher kennen und heute wieder erleben wollen? Oder Sammler, die Hörspiele einer bestimmten Epoche auf einem neuen Medium in ihre Sammlung stellen wollen? Oder sind es Kinder, die unbedarft nebenbei ein Hörspiel hören?

    Nur in letzterem Fall kann ich es verstehen, wenn inhaltliche Änderungen vorgenommen werden oder gewisse Geschichten nicht mehr zur Verfügung gestellt werden. Für Erwachsene jedoch kann ich diese "Bevormundung" nicht gutheißen. Es sind Produkte ihrer Zeit und sollten auch so behandelt werden. Schon gar nicht, wenn diese Änderungen durch Dritte vorgenommen werden. Wenn der/die Erschafferin selber heute entscheidet, seine/ihren Namen nicht mehr unter ein Werk der Vergangenheit setzen zu wollen, kann ich das akzeptieren.

  • Ich kann verstehen, wenn Label „problematische“ Hörspiele aus dem Stream nehmen. Besonders bei Hörspielen für kleinere Kinder würde ich die definitiv aus dem Stream entfernen. Wenn sich aber dennoch für eine Veröffentlichung entschieden wird, sollten die Hörspiele unverändert und OHNE vorschalteten Disclaimer veröffentlicht werden. Empfehlenswert fänd ich als nur als Download (weil da sicher nur Erwachsene zugreifen) und dem Hörspiel eine höhere Altersempfehlung zu verpassen.

  • Ja, sollten sie. Vielleicht zuvor einen Disclaimer und dann ab ins Hörvergnügen.

    Fertig!

    Wer damit nicht klar kommt, startet die Stopp-Taste...💪

    Wenn ansonsten dieser Unsinn erst einmal Schule macht, würde wahrscheinlich gut an der Hälfte unserer geliebten Hörspiele herumgeschnippelt.

    Was würde dann beispielsweise aus den »Fünf Freunden im Nebel« oder »Onkel Toms Hütte« oder »Tom Sawyer« oder »Winnetou« werden?

    Ich lasse mir doch nicht alles vermiesen. Wir alle haben diese Hörspiele vermutlich schon mal gehört. Wir haben es alle überlebt. Keiner ist zu einer Bestie mutiert und hat sich dadurch in einen Unmenschen verwandelt.

    Erwachsene können selbst entscheiden, ob man es hören will. Mit Kindern sollte man bei Bedarf das Gespräch suchen.

    Das kriegen wir alle wunderbar hin, denke ich.

  • Also in ein bestehendes künstlerisches Werk eingreifen und damit für alle Zeiten verändern, geht gar nicht. Ich habe aber vollstes Verständnis wenn man gewisse Hörspiele heute nicht mehr 1:1 bringen möchte. Hierzu gibt es aber eine Vielzahl an Möglichkeiten zu handeln:

    Man setzt dem Hörspiel einen Disclaimer davor. Somit erfährt man vor dem Hören, dass es sich hierbei um ein „akustisches Zeitdokument“ handelt und warnt die Hörerschaft vor.

    Das Hörspiel bekommt ein „ab 18 Jahre“, „nur für Erwachsene“, etc.

    Man macht eine extended Version, in der gewisse heute nicht mehr tolerierbare Worte, Dialoge, Szenen, enthalten sind. Dies muss aber unbedingt kenntlich gemacht werden und es sollte nicht in das bestehende „Master“ eingegriffen werden. Dieses sollte weiterhin bestehen bleiben!

    Erklärungen bzw. eine Diskussion am Ende des Hörspiels um auf diverse heute nicht mehr adäquate und passende Begrifflichkeiten und Verhaltensweisen einzugehen.

    Wir hatten diese Diskussion ja bereits rund um die Disclaimer von EUROPA. Ich setze bewusst keinen Link, weil die Diskussion, wie immer wenn es in Richtung Politik geht, etwas aus dem Ruder lief. Ich hoffe also, dass man in diesem Thread trotz vielleicht unterschiedlicher Ansichten trotzdem so viel Empathie zeigt, den Diskussionspartner nicht zu verärgern.

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Erwachsene können selbst entscheiden, ob man es hören will. Mit Kindern sollte man bei Bedarf das Gespräch suchen.

    Deswegen ja der Vorschlag, nur Download (und wenn es sich von der Auflage noch lohnt natürlich auch auf Datenträger), da schließt man Kinder mehr mit aus, die sich eher im Stream aufhalten. Im Stream gehören für mich zeitkritische Hörspiele allerdings nicht mehr.

    Man setzt dem Hörspiel einen Disclaimer davor. Somit erfährt man vor dem Hören, dass es sich hierbei um ein „akustisches Zeitdokument“ handelt und warnt die Hörerschaft vor.

    Als Ton finde Ich Disclaimer grausam, vor allem wenn er sich über mehrere Folgen zieht und sich nicht überspringen lässt. Ich halte daher nicht viel davon. Wie geschrieben, am besten solche Hörspiele nur noch an Erwachsene per Download anbieten. Da würde sich dann auf dem entsprechenden Download Seiten auch ein schriftlicher Disclaimer anbieten, gerne auch mit genauer Angabe, was im Hörspiel kritisch ist.

  • Erhöht man nicht mit Verboten oder Kürzungen ohnehin nur die Aufmerksamkeit?

    Wie war das damals bei »Tanz der Teufel«?

    Der wurde kurz nach Veröffentlichung auf Video beschlagnahmt... aber trotzdem hatte den jeder bzw. jeder war auf der Suche nach dem Teil.

  • Das war eine andere Zeit ^^ Heute lockst du keinen Jugendlichen mehr hinter dem Ofen hervor wenn du verkündest das die neuste TKKG Folge nur stark gekürzt veröffentlicht wird, weil sie sonst zu verstörend wäre. Das gilt auch für Filme und Videospiele.

  • Stimmt. Ein Verbot wäre natürlich auch eine Möglichkeit. Aber eine, die ich ablehnen würde.

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Das war eine andere Zeit ^^ Heute lockst du keinen Jugendlichen mehr hinter dem Ofen hervor wenn du verkündest das die neuste TKKG Folge nur stark gekürzt veröffentlicht wird, weil sie sonst zu verstörend wäre. Das gilt auch für Filme und Videospiele.

    Mag sein.

    Ich wollte jedoch TKKG XX in der Version haben, so wie sie ursprünglich auf den Markt kam.

    Irgendeinen gekürzten oder veränderten Kram möchte ich nicht.

  • Ein Verbot oder wie auch immer geartete Vertriebseinschränkung durch den Gesetzgeber wird es für Hörspiele auch nicht geben. Es gibt noch nicht einmal eine gesetzlich vorgeschriebene Altersfreigabe wie bei Filmen oder Videospielen. Dafür ist die Bedeutung und der Beeinflussungsfaktor von Hörspielen (oder auch Büchern im Allgemeinen) viel zu gering. Der einzige Grund ein Hörspiel heute zu verbieten wäre eine strafrechtliche Relevanz. Dafür müsstest du aber ordentlich über die Stränge schlagen.

  • Ich denke zwischen Verbot und "nicht mehr zur Verfügung stellen" besteht doch noch ein großer Unterschied.

    Wenn ich an kritische Hörspiele denke, denke ich vor allem an ältere Radioproduktionen. Da habe ich schon das eine oder andere Stück gehört, von dem ich heute sagen würde: Geht gar nicht.

  • Ich finde diese Diskussion, die der ÖRR angestoßen hat, so unglaublich bescheuert und typisch für das Leben in einer Blase, fernab der Realität.

    Alte Hörspiele sind wegen der Wortwahl problematisch. In einer Welt, in der für Kinder im Netz Pornographie per Klick abrufbar ist, extreme und reale Gewalt, viele weitere höchst verstörende Dinge. Musik auf Spotify. Auch voll von Vergewaltigungen, extremer Herabwürdigung von Frauen, Gewalt- und Drogenverherrlichung, etc.

    Aber klar, easy, passt scho. Was, Paul Temple hat 1949 Neger gesagt? Verbrennt die Bänder, schützt unsere Kinder.

    “Life can't just be about solving one miserable problem after another, that can't be the only thing, they need to be things that inspire you and that make you glad to wake up in the morning and be part of humanity”

  • Moin,
    das ganze wurde doch auch schon bei TKKG umgesetzt. FSK von 6 auf 12 und in ein eigenes Archiv geschoben.
    Die alten Folgen 1 bis 99 (aus den 80er- und 90er-Jahren)sind vom Label EUROPA offiziell ausgegliedert.

    Drei alte Folgen wurden bei der modernen Prüfung als so kritisch eingestuft, dass EUROPA sie gar nicht erst im Streaming veröffentlicht hat (die wurden sogar komplett vom Markt genommen)

    Folge 19: Der Schatz in der Drachenhöhle

    Folge 20: Das Geheimnis der chinesischen Vase

    Folge 37: Der letzte Schuss

    Ebenso sind z.B. von Bibi Blocksberg, Hanni und Nanni, 5 Freunde etc. einige Folgen im Giftschrank.
    Was die Preise der CD´s natürlich ansteigen lässt.
    Ich fände ein Explicit-Tag würde eigentlich reichen.
    Würde das ggf. sogar den Second-Hand Markt noch stärker beeinflussen?

  • Man sieht, dass man versucht sich mit dem Zeitgeist zu arrangieren. Ich finde es gut wie man es im Stream mit TKKG gemacht hat. Auch eine Möglichkeit hier darauf aufmerksam zu machen, dass es aus einer anderen Zeit kommt. Das ein paar wenige Folgen aus dem Stream genommen wurde, ist bedauerlich. Aber ehrlich, kein Beinbruch.

    Mag sein.

    Ich wollte jedoch TKKG XX in der Version haben, so wie sie ursprünglich auf den Markt kam.

    Irgendeinen gekürzten oder veränderten Kram möchte ich nicht.

    Dann hört man es halt nicht im Stream, den man eh fast umsonst hört, sondern hört es von Kassette. So wie jene Folgen, die nicht im Stream verfügbar sind. Ist doch immer noch gscheiter als die Labels bekommen Schwierigkeiten. Oder Kinder sind ob des dargebotenen Wortschatzes oder Weltbildes verwirrt.

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Für mich ist jedes Buch, jeder Film und jedes Hörspiel ein Spiegel seiner Zeit und sollte genauso bleiben.

    Ich halte es sogar für grundsätzlich schwierig z.B. Literatur abzuändern.

    Dann würde die Frage bleiben wer bestimmt über die Änderungen z.B. ein gewähltes Gremium oder eine Mehrheit?

    Und wenn ja passen wir die Werke in 10, 20 Jahren wieder an wenn sich der Zeitgeist erneut geändert hat?

    Ich halte den Konsumenten für so reflektiert das er / sie weiß wie das Medium zu verstehen ist.

    Meine Meinung ist keine Änderungen.

    Unsere Kinder sind so aufgeweckt das sie gut unterscheiden können.

  • Unsere Kinder sind so aufgeweckt das sie gut unterscheiden können.

    Deshalb fangen sie auch mit sehr vielem was wir lieben auch nichts an. Aber ist das nicht schade? Was spricht gegen eine veränderte und zeitgemäße Fassung? Die auch die Jugend erreichen kann? Nur weil es den Älteren nicht gefällt? Warum kann nicht neben dem Original auch eine angepasste Version existieren? Wäre das so fürchterlich? Und gibt es diese veränderten und angepassten Versionen nicht seit Jahrhunderten bereits? Die Bibel fiele mir als Erstes ein. In der Musik gibt es die verschiedensten Versionen diverser Songs. Ich sehe das deutlich lockerer.

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

  • Wäre das so fürchterlich? Und gibt es diese veränderten und angepassten Versionen nicht seit Jahrhunderten bereits? Die Bibel fiele mir als Erstes ein.

    Mir fallen da als erstes die "vermurksten John Sinclair Stories" von Dennis Ehrhardt ein. ;)
    Ein massives Problem ist es ja das gerade von den Hörspielen der 70er und 80er Jahre einige Sprecher*innen bereits verstorben sind und damit die eben nicht "ergänzt" werden können. Auspiepen wäre eine Variante, nur eben die Schlimmste.

    Da ich beim Streaming nicht im Thema bin musste ich erstmal nachsehen.
    Sowohl bei Spotify als auch bei Amazon Music gibt es eine Kids-Variante. Das sollte doch eigentlich kein Problem sein alle Hörspiele in der normalen Version der Streamingdienste einzuordnen und die nicht jugendgefährdenden ausschließlich in der Kids-Version.
    Damit würden uns Oldies zumindest die Originale zur Verfügung stehen.

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