Star Wars: Die hohe Republik - 1. Die Verschwörung
Rund 150 Jahre vor den Ereignissen der ersten Phase der Hohen Republik stehen die Planeten Eiram und E’ronoh seit Generationen miteinander im Konflikt. Ausgerechnet eine unerwartete Annäherung zwischen den beiden Herrscherhäusern könnte endlich die Chance auf Frieden bieten. Doch längst nicht jeder hat ein Interesse daran, dass die alten Feindschaften begraben werden. Die Jedi-Ritterin Gella Nattai wird in die diplomatischen Bemühungen hineingezogen und bekommt mit Axel Greylark einen Partner zur Seite gestellt, mit dem sie zunächst überhaupt nichts anfangen kann. Während die Spannungen zwischen den beiden Welten erneut zunehmen, müssen Gella und Axel herausfinden, wer im Hintergrund versucht, einen Frieden zu verhindern.
Mit „Die Verschwörung“ beginnt die zweite Phase der Hohen Republik und gleichzeitig geht die Handlung zeitlich deutlich zurück. Das finde ich grundsätzlich spannend, weil man dadurch eine Epoche kennenlernt, in der vieles, was später von Bedeutung sein wird, noch ganz anders aussieht. Allerdings braucht die Geschichte für meinen Geschmack eine ganze Weile, bis sie wirklich in Fahrt kommt.
Im Mittelpunkt steht weniger das klassische Star-Wars-Abenteuer als vielmehr der politische Konflikt zwischen Eiram und E’ronoh. Alte Feindschaften, unterschiedliche Interessen und das Misstrauen zwischen den beiden Seiten bestimmen einen großen Teil der Handlung. Das sorgt durchaus für interessante Momente, verlangt aber auch etwas Geduld. Gerade zu Beginn werden viele Figuren, Beziehungen und politische Zusammenhänge eingeführt. Wer hier große Weltraumschlachten und pausenlose Lichtschwertduelle erwartet, dürfte deshalb zunächst etwas enttäuscht sein..Mit zunehmender Laufzeit entwickelt die Geschichte aber immer mehr Zug. Besonders die Frage, wer eigentlich von dem andauernden Konflikt profitiert und welche Interessen hinter den Kulissen verfolgt werden, hat mir gefallen. Dazu kommen immer wieder actionreichere Passagen, sodass sich politische Intrigen und klassisches Star-Wars-Abenteuer schließlich recht gut ergänzen. Besonders interessant finde ich, dass der Konflikt nicht einfach in Gut und Böse aufgeteilt wird. Vielmehr zeigt sich, wie schwer es sein kann, eine Feindschaft zu beenden, wenn Hass und Misstrauen über Generationen weitergegeben wurden. Gella Nattai gefällt mir dabei als Hauptfigur. Sie ist eine Jedi, die ihren eigenen Platz noch nicht vollständig gefunden hat und keineswegs immer mit jener inneren Sicherheit auftritt, die man bei den Jedi vielleicht erwarten würde. Noch interessanter fand ich allerdings Axel Greylark. Anfangs wirkt er wie ein ziemlich oberflächlicher Lebemann, doch nach und nach zeigt sich, dass deutlich mehr hinter ihm steckt. Gerade das schwierige Verhältnis zwischen Gella und Axel bringt Leben in die Geschichte. Beide müssen miteinander arbeiten, obwohl sie sich gegenseitig zunächst kaum über den Weg trauen.
Oliver Siebeck trägt das komplette Hörbuch allein und macht das ganz wunderbar. Bei einer Laufzeit von rund 13 Stunden ist ein Sprecher besonders gefordert, weil er nicht nur die Handlung transportieren, sondern auch die zahlreichen Figuren voneinander unterscheidbar halten muss. Siebeck gelingt das sehr gut. Seine markante Stimme passt hervorragend in das Star-Wars-Universum und gerade in den dramatischeren Szenen bringt er ordentlich Druck in die Lesung. Gleichzeitig übertreibt er die unterschiedlichen Figuren nicht, sondern gibt ihnen genügend eigene Nuancen, damit man auch bei längeren Dialogpassagen gut folgen kann.
Die ungekürzte Lesung lässt sich mit ihren rund 13 Stunden natürlich ordentlich Zeit. Das passt einerseits zur komplexeren politischen Handlung, sorgt andererseits aber auch dafür, dass sich einige Passagen etwas ziehen. Eine stärkere Straffung hätte der Geschichte an manchen Stellen sicherlich gutgetan. Technisch gibt es dagegen nichts auszusetzen. Die Aufnahme ist sauber und Oliver Siebecks Stimme steht jederzeit klar im Mittelpunkt. Wer allerdings eine aufwendige Star-Wars-Inszenierung mit Musik, Geräuschen und Effekten erwartet, sollte bedenken, dass wir es hier mit einer klassischen Lesung und keinem Hörspiel zu tun haben.
Das Cover gefällt mir ausgesprochen gut. Die kräftigen Blau- und Gelbtöne sorgen sofort für einen hohen Wiedererkennungswert und gleichzeitig unterscheidet sich die Gestaltung angenehm von den klassischen Star-Wars-Filmplakaten. Gella Nattai steht klar im Mittelpunkt, während die futuristische Architektur und die Lichtstimmung das Zeitalter der Hohen Republik sehr schön transportieren. Zusammen mit dem goldenen Rahmen und dem großen Serienlogo wirkt das Ganze edel und passt hervorragend zu dieser Epoche von Star Wars.
„Die Verschwörung“ ist für mich kein Star-Wars-Roman, der von der ersten Minute an mitreißt. Dafür braucht die Geschichte etwas zu lange, um ihre zahlreichen Figuren und den Konflikt zwischen Eiram und E’ronoh in Stellung zu bringen. Hat man diese Phase überwunden, entwickelt sich aber eine interessante Mischung aus politischen Intrigen, persönlichen Konflikten und Abenteuer. Vor allem Gella und Axel tragen die Geschichte und machen neugierig darauf, wie sich diese Phase der Hohen Republik weiterentwickelt. Oliver Siebeck wertet das Hörbuch mit seiner starken Lesung zusätzlich auf. Kein rasantes Weltraumabenteuer, aber ein interessanter und letztlich gelungener Auftakt in die zweite Phase der Hohen Republik.