House of the Dragon: Staffel 3 - Der Tanz der Drachen ist endlich entfacht

  • House of the Dragon: Staffel 3 - Der Tanz der Drachen ist endlich entfacht

    Nach dem Ende der zweiten Staffel war meine Vorfreude auf die Fortsetzung ehrlich gesagt ein wenig gedämpft. Nicht, weil ich House of the Dragon grundsätzlich schlecht fand – ganz im Gegenteil. Aber Staffel 2 hatte für meinen Geschmack viel zu lange den Eindruck vermittelt, auf etwas Großes hinzuarbeiten, nur um genau dann aufzuhören, als dieses Große eigentlich beginnen sollte. Umso erfreulicher ist es, dass Staffel 3 diesen Fehler nicht wiederholt. Der Tanz der Drachen ist endgültig entfacht – und plötzlich zeigt die Serie wieder, warum dieses Universum einmal zum Besten gehörte, was das Fernsehen zu bieten hatte.

    Schon der Auftakt macht deutlich, dass die Zeit der endlosen Vorbereitungen vorbei ist. Der Krieg zwischen den Schwarzen und den Grünen wird nicht länger nur in Ratskammern geführt, sondern erreicht Schlachtfelder, Städte und schließlich immer größere Teile von Westeros. Dabei ist es aber keineswegs so, dass House of the Dragon nun acht Folgen lang ausschließlich Drachen aufeinander loslässt. Die politischen Intrigen bleiben ein wesentlicher Bestandteil der Serie. Der entscheidende Unterschied ist für mich, dass die Gespräche diesmal wesentlich häufiger tatsächlich Konsequenzen haben.

    Das macht die dritte Staffel insgesamt deutlich dynamischer. Entscheidungen werden getroffen, Bündnisse zerbrechen, Figuren wechseln die Seiten und Menschen sterben. Und wenn die Drachen schließlich eingesetzt werden, fühlt sich das nicht wie ein kurzer Effekt an, der eine ansonsten ereignisarme Episode aufwerten soll. Man spürt zunehmend, dass diese Wesen Massenvernichtungswaffen sind, deren Einsatz kaum kontrollierbare Folgen hat.

    Besonders eindrucksvoll ist natürlich die Schlacht in der Gullet gleich zu Beginn der Staffel. Das ist genau die Art von gewaltigem Fantasy-Spektakel, die ich mir von dieser Serie erhofft hatte. Gleichzeitig funktioniert die Sequenz nicht nur aufgrund ihrer Schauwerte. Hinter all dem Feuer, Blut und Chaos stehen Figuren, deren Schicksal inzwischen eine Bedeutung besitzt. Gerade deshalb können die großen Momente der Staffel ihre Wirkung entfalten.

    Überhaupt finde ich es bemerkenswert, wie sehr Staffel 3 davon profitiert, dass die Figuren mittlerweile fest etabliert sind. Nach den Zeitsprüngen und Darstellerwechseln der ersten Staffel und dem teilweise etwas zähen Aufbau der zweiten muss niemand mehr großartig vorgestellt werden. Die Serie kann ihre Figuren nehmen und sie mit den Konsequenzen dessen konfrontieren, was sie in den vergangenen Jahren angerichtet haben.

    Im Mittelpunkt steht dabei für mich eindeutig Rhaenyra. Emma D'Arcy liefert erneut eine hervorragende Leistung ab, aber noch interessanter finde ich die Richtung, in die sich die Figur entwickelt. Rhaenyra ist längst nicht mehr nur die Frau, der der Thron genommen wurde und mit der man deshalb automatisch sympathisiert. Je größer ihre Macht wird, desto deutlicher verändert sie sich. Aus Überzeugung wird zunehmend Fanatismus und aus ihrem Glauben an den eigenen Anspruch entwickelt sich etwas, das teilweise erschreckende Züge annimmt.

    Gerade das gefällt mir ausgesprochen gut. House of the Dragon beginnt endlich stärker mit der Vorstellung aufzuräumen, dass man sich einfach für Team Schwarz oder Team Grün entscheiden müsste und damit automatisch auf der „richtigen“ Seite steht. Im Grunde beobachten wir zwei Seiten einer Familie dabei, wie sie ein ganzes Land für ihren Machtanspruch zugrunde richten. Selbst Figuren, deren Motive man nachvollziehen kann, treffen Entscheidungen, die kaum noch zu rechtfertigen sind.

    Auch Daemon funktioniert für mich in dieser Staffel wieder wesentlich besser. Matt Smith besitzt ohnehin diese unglaubliche Präsenz, bei der manchmal schon ein Blick genügt. Nachdem seine Geschichte in Staffel 2 für meinen Geschmack teilweise etwas auf der Stelle trat, wird er diesmal wieder stärker in das eigentliche Geschehen eingebunden. Das tut sowohl der Figur als auch der gesamten Staffel gut.

    Etwas schade finde ich dagegen, dass Aemond zeitweise weniger Raum bekommt, als ich nach Staffel 2 erwartet hätte. Gerade weil Ewan Mitchell aus der Figur eine der interessantesten und unberechenbarsten Personen der Serie gemacht hat, hätte ich gerne noch mehr von ihm gesehen. Ähnliches gilt stellenweise für andere Figuren. Das Ensemble ist mittlerweile einfach so groß, dass zwangsläufig einzelne Handlungsstränge für längere Zeit in den Hintergrund rücken.

    Dafür hat mich Aegon erneut überrascht. Tom Glynn-Carney hat aus einer Figur, die man problemlos einfach als widerwärtigen Gegenspieler hätte schreiben können, einen erstaunlich vielschichtigen Charakter gemacht. Man muss Aegon nicht mögen, um seine Szenen interessant zu finden. Gerade seine Rückkehr im späteren Verlauf der Staffel gehört für mich zu den stärkeren Entwicklungen und verändert das Machtgefüge noch einmal erheblich.

    Was House of the Dragon weiterhin hervorragend beherrscht, ist die technische Seite. Die Ausstattung ist gewaltig, die Schauplätze wirken glaubwürdig und die Kamera schafft immer wieder Bilder, die problemlos aus einem großen Kinofilm stammen könnten. Vor allem die Drachen sind inzwischen nicht mehr bloß spektakuläre CGI-Kreaturen. Sie besitzen unterschiedliche Erscheinungsbilder und beinahe eigene Persönlichkeiten. Gleichzeitig werden ihre Einsätze zunehmend grausamer. Wenn ein Drache über ein Schlachtfeld hinwegfegt, sieht das zwar beeindruckend aus, aber die Serie vergisst nicht, was sich dort unten eigentlich abspielt.

    Und genau darin liegt für mich eine der größten Stärken dieser Staffel. Der Krieg wird nicht romantisiert. Die großen Häuser streiten um einen Stuhl, während unzählige Menschen dafür sterben, die mit diesem Konflikt überhaupt nichts zu tun haben. Je länger die Staffel dauert, desto deutlicher wird, dass es hier eigentlich keine Gewinner mehr geben kann.

    Natürlich ist auch Staffel 3 nicht perfekt. Einige Handlungsstränge bekommen deutlich mehr Aufmerksamkeit als andere und gelegentlich merkt man der Serie weiterhin an, dass sie ihre Figuren für bestimmte zukünftige Ereignisse positionieren muss. Auch das Tempo schwankt. Nach einigen enorm ereignisreichen Episoden gibt es wieder ruhigere Abschnitte, bei denen man kurz das Gefühl bekommt, die Handlung würde auf die Bremse treten.

    Allerdings haben mich diese Momente diesmal wesentlich weniger gestört als noch in Staffel 2, weil ich nie das Gefühl hatte, dass überhaupt nichts passiert. Selbst die ruhigeren Folgen verändern Figuren oder Machtverhältnisse. Man wartet nicht mehr ständig darauf, dass der Krieg irgendwann beginnt. Wir befinden uns mittendrin.

    Und dann kommt das Finale.

    „The Treasons at Tumbleton“ ist für mich tatsächlich die Folge, mit der Staffel 3 ihre perfekte Punktlandung hinlegt.

    Die Schlacht von Tumbleton bietet noch einmal alles, was man sich von House of the Dragon wünschen kann: Verrat, Drachen, Feuer, Chaos und eine ganze Reihe von Entscheidungen, deren Auswirkungen weit über diese eine Schlacht hinausreichen. Gleichzeitig ist die Episode nicht einfach nur ein möglichst großes Actionfinale. Gerade die Entwicklungen rund um Rhaenyra sind mindestens ebenso wichtig wie das Spektakel.

    Spätestens hier wird deutlich, wie weit sie sich inzwischen von der Rhaenyra entfernt hat, die wir am Anfang der Serie kennengelernt haben. Ihre zunehmende Überzeugung, nicht nur einen Anspruch auf den Thron zu besitzen, sondern beinahe eine höhere Bestimmung erfüllen zu müssen, macht mir wesentlich mehr Angst als irgendein Drache. Die Parallelen zu Daenerys sind dabei kaum zu übersehen, ohne dass Rhaenyra für mich einfach zu einer Kopie dieser Figur wird.

    Dazu kommen Ulfs Verrat, Helaenas Schicksal und die erneute Verschiebung der Machtverhältnisse. Die Staffel endet damit zwar erneut mit zahlreichen offenen Fragen, aber diesmal fühlt es sich für mich völlig anders an als am Ende von Staffel 2. Damals hatte ich das Gefühl, mitten in der Vorbereitung auf das Finale einfach nach Hause geschickt worden zu sein. Diesmal habe ich ein Finale bekommen. Ein richtiges Finale. Und danach werden die Figuren für den letzten Akt dieser Geschichte aufgestellt.

    Vielleicht ist genau das der größte Unterschied.

    Staffel 2 sagte acht Folgen lang: Gleich passiert etwas.

    Staffel 3 sagt: Jetzt passiert es.

    Für mich ist die dritte Staffel deshalb bislang die stärkste Staffel von House of the Dragon. Sie verbindet endlich die politischen Machtspiele, die persönlichen Tragödien und das gewaltige Fantasy-Spektakel so miteinander, wie ich es mir von Beginn an gewünscht hatte. Nicht jede Figur bekommt den Raum, den sie verdient hätte, und nicht jede Entwicklung funktioniert gleichermaßen gut. Aber erstmals hatte ich über eine komplette Staffel hinweg wieder dieses Gefühl, das mir die besten Jahre von Game of Thrones vermittelt haben: Ich wollte nach einer Folge eigentlich sofort wissen, wie es weitergeht.

    Nach dem eher ernüchternden Ende der zweiten Staffel hätte ich nicht unbedingt erwartet, dass ich das einmal sagen würde, aber Staffel 3 hat meine Begeisterung für House of the Dragon vollständig zurückgebracht.

    Jetzt bleibt nur noch Staffel 4.

    Und wenn die Serie dieses Niveau halten kann, dann könnte ausgerechnet der Untergang des Hauses Targaryen dafür sorgen, dass House of the Dragon am Ende doch noch als würdiger Nachfolger von Game of Thrones in Erinnerung bleibt.

  • Von Staffel 3 habe ich noch nichts gesehen, aber ich bin ein großer Freund der Serien. Wird auf Blu-ray gekauft.

    GoT Staffel 1 - für mich eine glatte 1. So etwas Gutes habe ich vorher kaum gesehen.

    GoT Staffel 2 - Fast genauso gut. 1 -

    GOT Staffel 3 - Auch noch eine solide 2

    GoT Staffel 4 - auch eine gute 2

    GoT Staffel 5 - immer noch gut, 2

    GoT Staffel 6 - man merkt, das die Vorlagen nicht mehr von Martin sind und von Beniof und Weiss geschrieben wurden. Martin hat wohl nur Ideen geliefert. 3+

    GoT Staffel 7 - Da waren richtig ärgerliche Klopper drin. Immer noch eine gute Serie, aber weit entfernt von der ersten Staffel. Eine glatte 3.

    GoT Staffel 8 - Das Gleiche wie bei Staffel 7. Auch eine 3 und viele doofe Dialoge zwischendrin.

    House of the Dragon Staffel 1 - Anders als GoT, aber auch gut, eine 2

    House of the Dragon Staffel 2 - Yoah, okay, mehr aber auch nicht, 3

    A Knight of the seven Kingdoms Staffel 1 - Endlich ist das Feeling von GoT 1 zurück. Ebenfalls ein glatte 1!

    Edited once, last by Tolkien (August 19, 2026 at 5:36 PM).

  • GoT Staffel 8 - Das Gleiche wie bei Staffel 7. Auch eine 3 und viele doofe Dialoge zwischendrin.

    Aus Neugier: Darf ich dich fragen, was du an der 8ten Staffel gut fandest, dass es eine 3 und keine 5-6 ist? Ich könnte ein ganzes Buch darüber schreiben, was ich an der letzten Staffel katastrophal finde xD

  • Aus Neugier: Darf ich dich fragen, was du an der 8ten Staffel gut fandest, dass es eine 3 und keine 5-6 ist? Ich könnte ein ganzes Buch darüber schreiben, was ich an der letzten Staffel katastrophal finde xD

    Ich würde dazu auch etwas sagen wollen.

    Die Staffel war sicherlich nicht mehr die beste, aber ich habe tatsächlich das Gefühl, dass sie heute schlechter gemacht wird, als sie tatsächlich ist. Es entsteht manchmal fast der Eindruck, dass man sie auch schlecht finden soll, weil sich inzwischen so sehr festgesetzt hat, dass Staffel 8 eine einzige Katastrophe gewesen sei. Ich kann viele Kritikpunkte absolut nachvollziehen, aber bei einer 5 oder 6 wäre ich trotzdem niemals gelandet.

    Was ich beispielsweise wirklich stark finde, ist „Ein Ritter der Sieben Königslande“. Das ist im Grunde noch einmal klassisches Game of Thrones, wie ich es besonders mochte: keine gigantische Schlacht, sondern Figuren, die miteinander reden und sich ihrer Vergangenheit stellen, während alle wissen, dass sie am nächsten Tag möglicherweise tot sind. Gerade Jaime und Brienne funktionieren hier für mich hervorragend. Die Szene, in der Jaime sie zum Ritter schlägt, gehört für mich sogar zu den schönsten Szenen der gesamten Serie. Dazu kommen Theons Rückkehr zu Winterfell, seine Begegnung mit Sansa oder die Gespräche am Feuer. Das sind kleine Momente, aber genau von solchen Szenen hat die Serie früher gelebt.

    Auch „Die lange Nacht“ finde ich längst nicht so schlecht, wie sie teilweise dargestellt wird. Dass die Folge stellenweise viel zu dunkel geraten ist, darüber brauchen wir nicht diskutieren. Und mein deutlich größeres Problem ist, dass man den Nachtkönig und die gesamte Bedrohung durch die Weißen Wanderer nach jahrelangem Aufbau innerhalb einer einzigen Folge erledigt. Da hätte wesentlich mehr kommen müssen.

    Aber die Schlacht selbst hat für mich trotzdem unglaublich starke Momente. Der Anfang mit den Dothraki, deren brennende Waffen nach und nach in der Dunkelheit verschwinden, erzeugt sofort dieses Gefühl völliger Hoffnungslosigkeit. Dazu Jorahs Tod, Theons Ende, Melisandre und schließlich Aryas Angriff auf den Nachtkönig. Gerade atmosphärisch funktioniert da für mich einiges ausgesprochen gut. Auch Ramin Djawadis Musik während der letzten Minuten mit dem Nachtkönig ist fantastisch.

    Generell finde ich die Staffel technisch teilweise sogar herausragend. Ausstattung, Effekte, Kamera, Musik und die schiere Größe einiger Szenen sind schon gewaltig. Königsmund in „Die Glocken“ ist beispielsweise für mich visuell beeindruckend inszeniert, auch wenn ich mit dem Weg dorthin große Probleme habe. Und gerade Emilia Clarke spielt Daenerys in diesen letzten Folgen meiner Meinung nach verdammt stark.

    Damit komme ich aber auch zu meinem größten Kritikpunkt: Die Staffel hätte schlicht deutlich mehr Zeit gebraucht. Das ist für mich eigentlich das Grundproblem, aus dem fast alle anderen Probleme entstehen.

    Ich habe beispielsweise überhaupt kein grundsätzliches Problem damit, dass Daenerys am Ende diese Entwicklung nimmt. Die dunklere Seite ihrer Persönlichkeit wurde vorher durchaus immer wieder gezeigt. Mein Problem ist, dass zwischen diesen einzelnen Ansätzen und der Frau, die schließlich eine bereits kapitulierte Stadt voller unschuldiger Menschen niederbrennt, einfach zu viel Entwicklung fehlt. Dafür hätte es mehrere weitere Folgen gebraucht. So wirkt es, als würde die Serie plötzlich einige Zwischenschritte überspringen.

    Ähnlich sehe ich es bei Jaime. Seine Entwicklung mit Brienne funktioniert für mich zunächst wunderbar und dann entscheidet er sich innerhalb kürzester Zeit wieder für Cersei. Auch das hätte man erzählen können. Menschen fallen schließlich in alte Verhaltensmuster zurück. Aber dann muss ich diesen Rückfall auch nachvollziehen können. Stattdessen wirkt es teilweise, als müsse die Figur möglichst schnell an den Punkt gebracht werden, den die Autoren für das Ende vorgesehen hatten.

    Genau das gilt für mich eigentlich für die komplette Staffel: Ich finde viele der Endpunkte gar nicht unbedingt schlecht, aber der Weg dorthin ist viel zu kurz.

    Selbst das Finale mag ich deshalb in Teilen. Daenerys vor dem Eisernen Thron ist ein starkes Bild. Drogon, der nach ihrem Tod den Thron zerstört, gefällt mir ebenfalls sehr. Jon, der am Ende wieder jenseits der Mauer landet und mit Ghost und den Wildlingen nach Norden zieht, finde ich sogar ziemlich passend. Sansa als Königin des Nordens funktioniert für mich ebenfalls.

    Bran als König wiederum... nee. Damit werde ich wahrscheinlich nie richtig warm. Vor allem weil seine Wahl plötzlich innerhalb weniger Minuten beschlossen wird. Dafür, dass sich acht Staffeln lang alles um Macht, Herrschaft und letztlich auch um diesen Thron gedreht hat, ist mir das einfach viel zu schnell abgehandelt.

    Und natürlich gibt es noch genug andere Sachen, bei denen ich auch nur den Kopf schütteln kann. Die teilweise vollkommen absurden militärischen Entscheidungen, Euron und seine Skorpione, Figuren, die plötzlich nur noch das wissen oder tun, was gerade für die Handlung notwendig ist, und einige Dialoge, bei denen man sich wirklich fragt, ob das noch dieselbe Serie ist wie ein paar Staffeln vorher.

    Trotzdem stehen dem für mich eben auch Briennes Ritterschlag, die Schlacht um Winterfell, Theons Ende, Jorahs Tod, Sandor gegen den Berg, Daenerys vor dem Thron, Drogon, Jon und Ghost, die Musik und zahlreiche fantastische Bilder gegenüber.

    Deshalb komme ich auch auf eine 3.

    Für eine 1 oder 2 ist mir erzählerisch einfach zu viel kaputtgegangen und im Vergleich zu den ersten Staffeln ist der Qualitätsverlust enorm. Aber eine 5 oder 6 würde für mich bedeuten, dass ich die Staffel fast komplett schlecht finde – und das tue ich eben überhaupt nicht. Dafür habe ich auch in Staffel 8 noch viel zu viele Szenen, die ich wirklich gerne gesehen habe.

    Ich glaube sogar, dass aus genau derselben grundlegenden Handlung eine richtig starke Schlussstaffel hätte werden können. Man hätte ihr einfach zehn Folgen geben müssen – oder vielleicht sogar noch eine weitere Staffel. Dann hätten Daenerys, Jaime, der Nachtkönig und auch die Frage nach der zukünftigen Herrschaft über Westeros die Zeit bekommen, die sie gebraucht hätten.

    Für mich ist Staffel 8 deshalb vor allem eines: eine enttäuschend überhastete Staffel mit teilweise großen erzählerischen Problemen – aber eben keine komplett schlechte Staffel.

  • Aus Neugier: Darf ich dich fragen, was du an der 8ten Staffel gut fandest, dass es eine 3 und keine 5-6 ist? Ich könnte ein ganzes Buch darüber schreiben, was ich an der letzten Staffel katastrophal finde xD

    Für mein Empfinden sind die letzten beiden Staffeln im Gegensatz zu den Anfängen stellenweise schlecht, aber dennoch besser als vieles, was sonst so im Genre zu finden ist. Das Rad der Zeit gefiel mir nicht besonders und auch die Herr der Ringe Serie liegt in meiner Gunst ein ganzes Stück darunter. Es gibt in den letzten Staffeln immer noch Schauwerte und gelungene Szenen, auch wenn man teilweise das Gefühl hat, als hätten die Autoren das schnell abfrühstücken wollen, da sowieso danach Schluß ist. Nach dem Motto, wen kann man noch schnell aufeinander treffen lassen? Jamie braucht noch ein Begegnung, den setzen wir also an den Strand. Wir brauchen noch ein Ende für Arya. Clegan schickt sie einfach wieder nach Hause und beendet so ihre jahrelange Odyssee. Ja, es gab schon Szenen, die haben mich sehr geärgert.

  • Ich kann eure Punkte sehr gut nachvollziehen. Ich gehe auf jedenfall mit, dass optisch und von der Inszenierung her das wirklich eine 10 von 10 ist. Auch das Endergebnis (welches wahrscheinlich dem von Martin ähnelt) finde ich nicht schlecht. Aber der Weg dorthin ist für mich sehr sehr schlecht. Es ist wie, als würde der ein Mathematiker, in dem Fall Martin, das Ergebnis einer Rechenaufgabe verraten und zwei Abiturienten wollen dann den Rechenweg erklären.

    Was ich mit am schlimmsten finde: Diese ganze Serie und die ganze Message hinter den weißen Wanderern sollte doch eigentlich zeigen, dass der Thron und alle politischen Konflikte irrelevant sind, wenn es eine Gefahr gibt, die alle Völker bedroht. Deswegen hat die 7te Staffel das ja richtig aufgebaut, dass die Häuser kooperieren und ihre Gier nach dem Thron überwinden müssen, um die Übergeordnete Bedrohung zu bekämpfen. Und dann wird diese lange Nacht abgehandelt wie ein Side Plot, um dann doch wieder um den Thron zu streiten. Dieser Nachtkönig hätte das finale sein müssen. Das war der Kern der Geschichte. Die hätten bis nach Königsmund vorrücken müssen und dort ein apokalyptisches Szenario gestalten können, in dem selbst Cersei einsehen muss, dass es wichtigeres gibt als den Thron. Wie jemand mal sagte: Es ist wie, als hätte man im vorletzen Harry Potter Film Voldemort besiegt, und im letzten mit Draco Malfoy um den Hauspokal gekämpft.

    Dann, was du bereits angesprochen hast: Die Entwicklung von Daenerys. Dass das am Ende so passiert, bin ich fine mit. Aber in Folge 3 war sie noch gut und zwei Folgen später eine eiskalte Kindermörderin, die Menschen, die sich ergeben haben, verbrennt? Das passt weder zu GoT noch zur Figur. Das war erzwungen und unlogisch, die wichtigste Figur wurde einfach ruiniert. Dieser ganze Danny wird böse Arc hätte man mindestens noch über eine Staffel ausbauen können, aber man wollte es ja unbedingt durchrushen. Eine Serie, die bekannt dafür war, sich immer sehr viel Zeit zu nehmen, wirft Charaktere, die sich über 7 Staffeln hinweg aufgebaut haben, einfach über den Haufen. Varys da als ganz großes Beispiel, der sich nie so blöd angestellt hätte, wenn es nicht erzwungen worden wäre. Dann noch Plot Punkte wie, dass der eine Drache so leicht abgeschossen wird und der andere kann 1000 Sachen ausweichen, dass Jons Wiedergeburt nicht erklärt wird, seine ganze Idendität war so ein wichtiges Geheimnis und wird dann kaum behandelt etc.

    Was aber mit am schlimmsten ist, ist die Missachtung der Kulturen. Wenn man als Writer das Privileg hat für so eine Serie schreiben zu dürfen, dann muss man sich in die Völker reinarbeiten. Das Wüstenvolk und das Seevolk haben Jahrhunderte für ihre Unabhängigkeit gekämpft, sie sind Daenerys gefolgt, weil sie ihnen die Unabhängigkeit versprochen hat und dann akzeptieren sie es von einem Stark beherrscht zu werden, während gleichzeitig der Norden sich unabhängig machen darf xD Es gibt keinen Grund, wieso die das akzeptieren sollten und deren ganze Historie wird einfach über den Haufen geworfen. Die Dodraki (keine Ahnung, ob ich die Namen alle richtig schreibe) waren alle Daenerys Blutreiter, das bedeutet, nach ihrem Tod hätten sie sich alle umbringen müssen, das ist so in deren Kultur und für die gäbe es nichts schlimmeres, als gegen die Regeln des Blutreiters zu verstoßen. Das wirkt zwar alles wie Details, aber wenn man eine Welt mit bestimmten Regeln und Völkern etabliert, kann man deren Gesetze und Historie nicht einfach vergessen.

    Und das sind eben die Punkte, die das für mich so schlecht machen. Es gibt Enden, die gefallen mir einfach nicht, aber da kann ich sagen, dass ich einfach einen anderen Geschmack hatte. Aber hier hat man einfach Writer, die handwerkliche Fehler ohne Ende gemacht haben, die Regeln ihrer eigenen Welt missachten, gar nicht verstanden haben, worauf diese Serie hinauslaufen sollte und es schnell beenden wollten, um Star Wars zu schreiben. Diese Serie hat sich jaherlang aufgebaut und hätte noch weiter ausgebaut werden müssen, nur um alle Charaktere, Kulturen und wichtigen Storystränge innerhalb von 6 Folgen gegen die Wand zu fahren.


    Die Wunde sitzt tief xD Ich war wirklich hardcore Fan der Welt und hab auch die Bücher zur Vorgeschichte und zu allen vorherigen Königen und Konflikten gelesen und hatte das Gefühl, die Writer, die das Privileg hatten, die beliebteste Serie zu schreiben, haben sich nicht damit auseinandergesetzt.

  • lucasnow

    Ich glaube, wir liegen da am Ende gar nicht so weit auseinander. Gerade beim Nachtkönig kann ich einen großen Teil deiner Kritik nachvollziehen. Nach diesem jahrelangen Aufbau hätte die Bedrohung durch die Weißen Wanderer für mich wesentlich größer ausfallen müssen. Dass nach einer einzigen Schlacht plötzlich alles vorbei ist, fand ich ebenfalls ziemlich enttäuschend. Ob der Nachtkönig allerdings zwingend das eigentliche Finale hätte sein müssen, weiß ich nicht. Dass danach noch einmal der Kampf um den Thron in den Mittelpunkt rückt, finde ich grundsätzlich nicht verkehrt – nur hätte man beidem wesentlich mehr Raum geben müssen.

    Bei Daenerys sehe ich es ähnlich: Mit dem Endpunkt selbst habe ich kein großes Problem, mit dem Weg dahin schon. Das hätte deutlich mehr Zeit gebraucht. Eigentlich trifft das auf fast alles zu, was du aufzählst. Viele Entwicklungen wären für mich durchaus möglich und nachvollziehbar gewesen, wenn man ihnen noch eine komplette Staffel gegeben hätte.

    Ich würde nur nicht ganz so weit gehen und sagen, dass dadurch alles vorher Aufgebaute ruiniert wurde oder die Staffel für mich komplett schlecht ist. Dafür funktionieren für mich einfach noch zu viele einzelne Momente, Figuren und gerade die Inszenierung. Deshalb lande ich eben bei der 3 und du vermutlich irgendwo kurz vor der Forderung nach öffentlicher Auspeitschung der Autoren.

    Aber nach deinem letzten Absatz verstehe ich zumindest, warum die Wunde bei dir noch etwas tiefer sitzt. Wenn man sich zusätzlich so intensiv mit der Geschichte, den Kulturen und den ganzen Hintergründen dieser Welt beschäftigt hat, fallen einem solche Ungereimtheiten natürlich noch viel stärker auf.

Participate now!

Don’t have an account yet? Register yourself now and be a part of our community!