Top Secret: Akte 006. Lazarus

  • Top Secret: Akte 006. Lazarus

    Jaden Morgrave und W. Ashton Rawleigh sind einem brutalen Auftragsmörder auf den Fersen und kommen ihrem Ziel immer näher. Gleichzeitig hat sich auch ihre persönliche Beziehung weiterentwickelt. Doch bevor sie ihren Einsatz beenden können, werden sie von Mr. Barker zurückbeordert. Eine Entdeckung verlangt ihre sofortige Aufmerksamkeit und führt weit zurück in die Vergangenheit. Ihren Anfang nahm alles bei einer Erdbohrung, deren Ergebnisse offenbar niemals vollständig geklärt wurden. Für Jaden und Ashton beginnt damit ein Fall, der nicht nur ein weiteres Rätsel aufwirft, sondern unmittelbar mit dem großen Geheimnis verbunden ist, das sie seit Beginn der Serie begleitet.

    Mit „Lazarus“ erreicht Top Secret für mich einen neuen Höhepunkt. Die Serie hat sich seit ihrer ersten Akte kontinuierlich gesteigert und zahlt nun einiges von dem aus, was über mehrere Folgen hinweg vorbereitet wurde. Verschiedene Ereignisse, die zunächst wieder vollkommen unabhängig voneinander erscheinen, werden nach und nach miteinander verknüpft. Diesmal bekommt man dabei tatsächlich einige Antworten auf Fragen, die schon länger im Raum stehen. Natürlich wäre es nicht Top Secret, wenn dadurch nicht gleichzeitig wieder neue Rätsel entstehen würden.

    Gerade diese fortlaufende Geschichte macht inzwischen einen großen Teil des Reizes aus. „Lazarus“ würde ich deshalb auf keinen Fall als Einzelfolge empfehlen. Zu viel hängt mittlerweile mit den vorherigen Akten zusammen und gerade die neuen Erkenntnisse über Jaden und Ashton entfalten ihre Wirkung nur dann vollständig, wenn man ihren bisherigen Weg kennt. Die Serie belohnt damit zunehmend diejenigen, die von Anfang an dabei sind. Einzelne Hinweise, Gespräche und scheinbar nebensächliche Ereignisse bekommen plötzlich eine ganz andere Bedeutung. Auch die eigentliche Handlung gefällt mir ausgesprochen gut. Sie besitzt wieder stärker diesen Mysterycharakter, der für mich ohnehin eine der größten Stärken der Reihe ist. Die Geschichte spielt geschickt mit unterschiedlichen Ebenen und lässt lange offen, wie alles miteinander zusammenhängt. Dazu kommt eine deutlich düsterere Grundstimmung. Besonders die Ereignisse rund um die Erdbohrung und das Geheimnis, das damit verbunden ist, verleihen „Lazarus“ stellenweise sogar einen leichten Horroranstrich. Ein großer Schritt wird außerdem bei Jaden und Ashton gemacht. Ihre Vergangenheit und die Manipulation ihrer Erinnerungen waren von Beginn an eines der interessantesten Elemente der Serie. Diesmal kommen neue Informationen hinzu, die einiges in einem anderen Licht erscheinen lassen. Gleichzeitig wird ihre persönliche Beziehung weitergeführt. Grundsätzlich gefällt mir diese Entwicklung, weil beide dadurch noch menschlicher werden. Auf zwei sehr explizite sexuelle Passagen hätte ich allerdings problemlos verzichten können. Sie wirken auf mich eher hineingeschoben als wirklich notwendig und passen stilistisch nicht besonders gut zum Rest der Geschichte.

    Bei den Sprechern ist die Folge erneut hervorragend aufgestellt. Christine Pappert und Thomas Karallus sind inzwischen vollkommen in Jaden und Ashton angekommen und schaffen es sehr gut, sowohl die professionellen Agenten als auch deren persönliche Unsicherheiten zu vermitteln. Dietmar Wunder hinterlässt als Madison einen besonders starken Eindruck. Er gibt der Figur eine unangenehme Härte und sorgt allein mit seiner Darstellung für einige ausgesprochen düstere Momente. Klaus Dittmann setzt als Dr. Stark einen gelungenen Gegenpol. Frank-Otto Schenk, Peter Weis und Anke Reitzenstein ergänzen das starke Ensemble, während Klaus Dieter Klebsch erneut als Erzähler durch die Geschichte führt.

    Auch die akustische Umsetzung gehört für mich diesmal zu den großen Stärken. Die Musik ist deutlich auf die düstere Atmosphäre zugeschnitten und unterstützt die Mysteryelemente hervorragend. Besonders in den bedrohlicheren Szenen entsteht dadurch ein schönes Gefühl des Unbekannten. Geräusche und Musik greifen gut ineinander und sorgen dafür, dass gerade die unterirdischen und beklemmenden Momente sehr plastisch wirken. Die Produktion besitzt inzwischen einen eigenen Klang, der sich angenehm von den deutlicheren Akte-X-Anklängen der ersten Folge entfernt hat.

    Das Cover gehört ebenfalls zu den auffälligeren Motiven der Serie. Die aus dem Boden ragende Gestalt vor dem rot glühenden Hintergrund wirkt beinahe apokalyptisch und vermittelt sofort, dass „Lazarus“ deutlich stärker in Richtung Horror geht. Nach dem eher atmosphärischen Leuchtturmmotiv von „White Night“ ist das ein ziemlich drastischer Wechsel, der aber sehr gut zur Geschichte passt.

    „Lazarus“ ist für mich bislang eine der stärksten Folgen von Top Secret. Vieles, was seit der ersten Akte aufgebaut wurde, beginnt sich endlich miteinander zu verbinden. Gleichzeitig werden Jaden und Ashton stärker denn je selbst zum Bestandteil des großen Rätsels. Die Geschichte ist spannend, düster und bietet genau die Mischung aus Agententhriller, Mystery und Horror, die der Serie besonders gut steht. Lediglich die beiden unnötig expliziten Passagen hätte es für mich nicht gebraucht. Davon abgesehen funktioniert die sechste Akte hervorragend und endet an einem Punkt, an dem ich unbedingt wissen möchte, wie dieses große Geheimnis weitergeführt wird.

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