Top Secret: Akte 002. Diadem

  • Top Secret: Akte 002. Diadem

    Ein Verkehrsunfall in Rom nimmt eine höchst ungewöhnliche Wendung. Das Ehepaar Moravia erfasst mit seinem Wagen die Nonne Lucrezia, doch obwohl der Zusammenstoß eigentlich tödliche Folgen haben müsste, überlebt sie auf unerklärliche Weise. Der Vorfall weckt das Interesse des amerikanischen Geheimdienstes und Charles Desmond setzt Jaden Morgrave und W. Ashton Rawleigh auf den Fall an. Ihre Nachforschungen führen sie zu einem geheimnisvollen Diadem, das offenbar als Folterinstrument benutzt wurde. Schon bald wird deutlich, dass hinter dem vermeintlichen Unfall etwas wesentlich Unheimlicheres steckt.

    Mit „Diadem“ macht Top Secret für mich bereits mit der zweiten Folge einen deutlichen Sprung nach vorne. Die interessante Grundidee der Serie war schon beim Auftakt vorhanden, hier funktioniert nun aber auch die Geschichte wesentlich besser. Statt die Handlung deutlich voneinander getrennt aufzubauen, werden verschiedene Ereignisse und Informationen miteinander verwoben. Anfangs lässt sich noch nicht erkennen, wie alles zusammenhängt, doch Stück für Stück entsteht ein Gesamtbild. Genau diese Art des Erzählens passt für mich viel besser zu einer Mysteryserie, die schließlich von Geheimnissen und deren Aufdeckung lebt. Auch der Spannungsaufbau ist diesmal wesentlich gelungener. Immer wieder werden neue Informationen eingestreut, ohne sofort deren vollständige Bedeutung zu erklären. Dadurch kann man als Hörer selbst miträtseln und versuchen, die einzelnen Zusammenhänge zu erkennen. Gleichzeitig gibt es Entwicklungen, die nicht bereits lange vorher offensichtlich sind. Gerade im weiteren Verlauf nimmt die Geschichte ordentlich Fahrt auf und steuert auf ein Finale zu, das für mich deutlich mehr Wirkung entfaltet als der Abschluss der ersten Folge.

    Sehr gut gefällt mir außerdem, dass man nun besser erkennen kann, wohin Top Secret grundsätzlich möchte. Kriminalfall, Geheimdienstgeschichte und Mysteryelemente greifen wesentlich natürlicher ineinander. Besonders die religiösen und unheimlichen Bestandteile sorgen diesmal dafür, dass die Serie eine eigene Atmosphäre entwickelt. Dabei wird auch nicht am Ende alles fein säuberlich abgeschlossen. Einige Dinge bleiben bestehen und eröffnen Möglichkeiten für die weitere Entwicklung. Dadurch bekommt die Serie bereits einen übergeordneten Handlungsbogen und macht entsprechend neugierig auf die nächsten Akten.

    Auch bei den Sprechern gibt es wieder einiges zu hören. Christine Pappert und Thomas Karallus sind erneut als Jaden Morgrave und W. Ashton Rawleigh dabei und funktionieren als zentrale Figuren sehr gut. Daniela Hoffmann und Crock Krumbiegel spielen das Ehepaar Moravia überzeugend und verleihen den Ereignissen zu Beginn die nötige Glaubwürdigkeit. Besonders hervorheben möchte ich Jo Kern als Lucrezia. Die Figur verlangt ihr einige ziemlich intensive Momente ab, die sie ausgesprochen wirkungsvoll umsetzt und damit einen großen Anteil an der unheimlichen Stimmung besitzt. Auch Dagmar Dempe kann in ihrer kleineren Rolle überzeugen. Christian Mey, Wolfgang Condrus und Norbert Gastell ergänzen das Ensemble.

    Produktionstechnisch legt die zweite Folge ebenfalls noch einmal zu. Die Musik ist abwechslungsreich und teilweise etwas rockiger gehalten, ohne die düstere Grundstimmung zu zerstören. Richtig stark wird die akustische Umsetzung aber bei den unheimlicheren Szenen. Vor allem der Exorzismus gehört für mich zu den Höhepunkten des Hörspiels. Hier spielen Stimmen, Geräusche und Musik hervorragend zusammen und erzeugen tatsächlich eine unangenehme, bedrohliche Atmosphäre. Genau bei solchen Momenten zeigt sich, wie gut Mystery im Hörspiel funktionieren kann, wenn die akustische Gestaltung stimmt.

    Das Cover ist passend finster ausgefallen. Das entstellte Gesicht auf der linken Seite und die dunklen Gewölbegänge ergeben ein Motiv, das zunächst eher rätselhaft wirkt. Erst im Zusammenhang mit der Geschichte erschließen sich einzelne Elemente genauer. Gerade das gefällt mir bei einem Mysteryhörspiel wesentlich besser, als wenn das Cover bereits wesentliche Bestandteile der Handlung verrät. Die fast vollständig schwarze Gestaltung passt zudem sehr gut zur bedrohlichen Atmosphäre dieser Folge.

    „Diadem“ ist für mich eine deutliche Steigerung gegenüber „Herz aus Eis“. Diesmal funktioniert nicht nur die grundsätzliche Idee der Serie, sondern auch die Art, wie die Geschichte erzählt wird. Die verschiedenen Handlungselemente greifen besser ineinander, es gibt einige gelungene Überraschungen und besonders die düsteren Passagen entfalten eine richtig schöne Mysteryatmosphäre. Dazu kommen ein überzeugendes Sprecherensemble und eine starke akustische Umsetzung, bei der für mich insbesondere der Exorzismus herausragt. Gleichzeitig wird genügend offengelassen, um Interesse an der übergeordneten Geschichte zu wecken. Nach dem etwas holprigen Start zeigt Top Secret mit seiner zweiten Akte für mich deutlich, welches Potenzial in der Serie steckt.

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