Top Secret: Akte 001. Herz aus Eis

  • Top Secret: Akte 001. Herz aus Eis

    Jaden Morgrave und W. Ashton Rawleigh führen ein Leben, hinter dem sich eine Vergangenheit verbirgt, an die sie sich nicht erinnern können. Beide waren einst Agenten eines amerikanischen Geheimdienstes, der sich mit außergewöhnlichen und ungeklärten Todesfällen beschäftigt. Ihre Erinnerungen wurden jedoch manipuliert. Als ein neuer Fall ihre besonderen Fähigkeiten erforderlich macht, wird dieser Eingriff rückgängig gemacht und die beiden werden gemeinsam nach Kolumbien geschickt. Auf einer Insel stoßen sie auf einen Todesfall im Umfeld des Drogenschmuggels, der überraschend mit einem längst verschwundenen amerikanischen Kriegshelden in Verbindung zu stehen scheint. Schon bald müssen Morgrave und Rawleigh feststellen, dass bei diesem Einsatz längst nicht jeder das ist, was er vorgibt zu sein.

    Mit „Herz aus Eis“ startet Top Secret mit einer ausgesprochen interessanten Grundidee. Zwei Geheimagenten, deren Erinnerungen gezielt verändert wurden, eine Organisation im Hintergrund und Fälle, bei denen offenbar mehr dahintersteckt als gewöhnliche Kriminalität – daraus lässt sich einiges machen. Gerade die beiden Hauptfiguren und ihre besondere Vorgeschichte haben bei mir schnell Interesse geweckt. Die Mischung aus Agententhriller, Mystery und Verschwörung erinnert dabei durchaus an Fernsehserien wie Akte X, ohne dass die Geschichte deshalb vollständig in diese Richtung geht.

    Ganz rund funktioniert der Auftakt für mich allerdings noch nicht. Das liegt vor allem am Aufbau der Geschichte. Zunächst nimmt sich das Hörspiel viel Zeit für Morgrave und Rawleigh und dafür, wer diese beiden Menschen eigentlich sind. Das finde ich grundsätzlich richtig, denn gerade bei einer neuen Serie möchte ich ihre Hauptfiguren kennenlernen. Sobald der eigentliche Einsatz beginnt, verändert sich das Hörspiel jedoch deutlich und konzentriert sich wesentlich stärker auf die Action und den aktuellen Fall. Dadurch stehen die zuvor ausführlicher herausgearbeiteten Persönlichkeiten plötzlich weniger im Mittelpunkt. Eine stärkere Verzahnung von Vergangenheit und gegenwärtiger Mission hätte der Geschichte meiner Meinung nach gutgetan. Auch die Dramaturgie verschenkt an einer entscheidenden Stelle etwas von ihrem Potenzial. Bereits zu Beginn werden Informationen vorweggenommen, die später eigentlich für zusätzliche Unsicherheit hätten sorgen können. Gerade bei einer Serie, die schon durch ihren Titel mit Geheimnissen und verborgenen Zusammenhängen spielt, hätte ich mir gewünscht, länger im Unklaren gelassen zu werden. Die Geschichte besitzt genügend interessante Elemente, um daraus ein größeres Rätsel zu entwickeln. Trotzdem bleibt der Fall unterhaltsam und bietet genügend Bewegung, damit der Einstieg in die Serie nicht langweilig wird.

    Bei den Sprechern sieht es deutlich besser aus. Christine Pappert und Thomas Karallus tragen das Hörspiel als Jaden Morgrave und W. Ashton Rawleigh sehr souverän und geben ihren Figuren von Beginn an eine eigene Persönlichkeit. Besonders in den ruhigeren Passagen funktioniert das hervorragend, weil dort mehr Raum für die beiden Charaktere vorhanden ist. Klaus Dieter Klebsch passt mit seiner markanten Stimme ausgezeichnet als Erzähler und gibt der Geschichte zusätzlich Gewicht. Mit Wolfgang Condrus, Wolfgang Bahro und Peter Gröger sind zudem weitere bekannte und überzeugende Stimmen vertreten. Sprechertechnisch hinterlässt der Serienstart deshalb einen ausgesprochen guten Eindruck.

    Akustisch gefällt mir „Herz aus Eis“ ebenfalls sehr gut. Vor allem die Musik unterstützt die geheimnisvolle Ausrichtung der Serie und verstärkt den Mysterycharakter deutlich. Dabei werden Erinnerungen an klassische Verschwörungs- und Mysteryserien geweckt, was zu diesem Stoff ausgesprochen gut passt. Auch die Geräuschkulisse funktioniert und sorgt dafür, dass die verschiedenen Situationen ausreichend räumlich und lebendig wirken. Insgesamt besitzt die Produktion einen Sound, der sehr gut zu einer Geschichte über Geheimdienste, manipulierte Erinnerungen und undurchsichtige Vorgänge passt.

    Das Cover geht ebenfalls konsequent in diese Richtung. Das halb versunkene beziehungsweise zerstörte Gebäude unter dem bedrohlichen Himmel wirkt zunächst rätselhaft und verrät praktisch nichts über die eigentliche Geschichte. Die dunklen Braun- und Goldtöne geben dem Motiv zusätzlich eine etwas unheilvolle Wirkung. Zusammen mit dem Schriftzug „Top Secret – Akte 001“ entsteht sofort der Eindruck einer geheimen Akte, bei der man erst durch das Anhören erfahren soll, was tatsächlich dahintersteckt.

    „Herz aus Eis“ ist für mich ein interessanter, wenn auch noch nicht vollständig überzeugender Auftakt. Die Grundidee der Serie gefällt mir ausgesprochen gut und gerade Morgrave und Rawleigh besitzen genügend Potenzial, um daraus ein starkes Ermittlerduo zu entwickeln. Auch die Mischung aus Geheimdienstgeschichte, Mystery und Action funktioniert grundsätzlich. Beim Aufbau hätte man für meinen Geschmack allerdings geschickter vorgehen und manche Information länger zurückhalten können. Dafür überzeugen die Sprecher und die akustische Gestaltung umso mehr. Unterm Strich bleibt ein hochwertig produzierter Serienstart mit einer spannenden Ausgangslage, bei dem ich vor allem neugierig wäre, wie sich das Konzept in den folgenden Akten weiterentwickelt.

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