Top Secret - Maritims Mystery-Thriller zwischen Geheimdiensten, manipulierten Erinnerungen und unerklärlichen Todesfällen

  • Top Secret – Maritims Mystery-Thriller zwischen Geheimdiensten, manipulierten Erinnerungen und unerklärlichen Todesfällen

    Zwischen Agententhriller, Mystery und Horror – Serienhintergrund

    „Top Secret“ ist eine sechsteilige Mystery-Hörspielserie des Maritim-Verlags, geschrieben von Ellen B. Crown und ursprünglich zwischen 2008 und 2010 veröffentlicht. Die Reihe verbindet Geheimdienstthriller, Mystery, Horror, Science Fiction und Verschwörungsgeschichte zu einer fortlaufenden Handlung um zwei amerikanische Spezialagenten, deren eigene Vergangenheit mindestens ebenso rätselhaft ist wie die Fälle, die sie untersuchen. Im Mittelpunkt stehen Jade Morgrave und W. Ashton Rawleigh. Beide arbeiten für eine geheime amerikanische Organisation, die sich mit Todesfällen und Ereignissen beschäftigt, für die gewöhnliche Ermittlungsbehörden keine ausreichende Erklärung finden. Die beiden Agenten werden an Orte geschickt, an denen scheinbar Unmögliches geschehen ist: Menschen sterben unter Umständen, die medizinischen Erkenntnissen widersprechen, alte Artefakte scheinen Einfluss auf ihre Umgebung auszuüben, ungewöhnliche Tiere entwickeln tödliche Eigenschaften und jahrzehntealte Experimente führen zu Konsequenzen, die niemand vorhersehen konnte.

    Doch „Top Secret“ erzählt nicht einfach sechs voneinander unabhängige Monster- oder Mysteryfälle. Bereits die erste Folge macht deutlich, dass Morgrave und Rawleigh selbst Teil eines größeren Geheimnisses sind. Ihre Erinnerungen wurden manipuliert, Teile ihrer Vergangenheit verborgen und ihre bisherigen Existenzen bewusst verändert. Die Organisation, für die sie arbeiten, besitzt Informationen über sie, die ihnen selbst fehlen. Dieser übergeordnete Handlungsbogen wird von Folge zu Folge wichtiger. Einzelne Fälle können zwar einen eigenen Schwerpunkt besitzen, doch Hinweise auf die Vergangenheit der Agenten, die Rolle ihrer Vorgesetzten und die tatsächlichen Ziele der Geheimorganisation werden weitergeführt. Besonders ab der dritten Akte ist deutlich, dass die Reihe als fortlaufende Geschichte konzipiert wurde.

    Maritim selbst beschreibt „Top Secret“ rückblickend als Mysteryserie, die von der Fernsehserie „Akte X“ inspiriert wurde, sich inhaltlich aber deutlich von ihr entfernt. Die Ähnlichkeit liegt tatsächlich vor allem in der Grundkonstellation: Zwei sehr unterschiedliche Ermittler arbeiten für eine staatliche beziehungsweise geheimdienstliche Organisation und untersuchen Fälle, die sich an der Grenze zwischen rationaler Erklärung und scheinbar Übernatürlichem bewegen. Auch die geheimnisvolle Titelmusik, die Aktenbezeichnungen und die Atmosphäre aus Misstrauen, verdeckten Informationen und nicht vollständig beantworteten Fragen verstärken diesen Eindruck. Inhaltlich entwickelt Ellen B. Crown jedoch eine eigene Mythologie um Morgrave, Rawleigh, Charles Desmond, Mr. Barker und die Geheimorganisation.

    Die Hörspiele richten sich ausdrücklich an ein älteres Publikum. Die ursprünglichen Maritim-Veröffentlichungen wurden teilweise mit einer Empfehlung ab 16 Jahren beworben. Gewalt, grausame Todesfälle, Körperhorror und sexuelle Themen werden wesentlich direkter behandelt als in klassischen Jugend-Mysteryserien. Besonders „Schwarzes Blut“ und „Lazarus“ bewegen sich stellenweise deutlich im Horrorgenre.

    Sechs Akten eines großen Geheimnisses – Folgenübersicht

    Die Serie umfasst sechs Folgen:

    1. „Akte 001 – Herz aus Eis“

    2. „Akte 002 – Diadem“

    3. „Akte 003 – Tage des Zorns“

    4. „Akte 004 – Schwarzes Blut“

    5. „Akte 005 – White Night“

    6. „Akte 006 – Lazarus“

    „Herz aus Eis“ und „Diadem“ erschienen 2008. „Tage des Zorns“, „Schwarzes Blut“ und „White Night“ folgten 2009. Mit „Lazarus“ wurde die Reihe 2010 fortgeführt. Damit endet die veröffentlichte Serie nach sechs Akten. Eine siebte Folge erschien nicht. Gerade bei „Lazarus“ ist jedoch deutlich, dass die übergeordnete Geschichte nicht vollständig abgeschlossen war. Mehrere frühere Fragen erhalten neue Antworten, gleichzeitig werden weitere Zusammenhänge eröffnet. Die sechs Folgen bilden deshalb keinen vollständig in sich geschlossenen Gesamtzyklus mit endgültiger Auflösung sämtlicher Geheimnisse.

    Die ursprünglichen Hörspiele erschienen auf jeweils einer CD. Die Laufzeiten unterscheiden sich deutlich. „Herz aus Eis“ dauert knapp 48 Minuten, „Diadem“ rund 63 Minuten, „Tage des Zorns“ ungefähr 53 Minuten, „White Night“ etwa 46 bis 50 Minuten und „Lazarus“ rund 78 Minuten. Bei „Schwarzes Blut“ existieren in verschiedenen Verzeichnissen abweichende Laufzeitangaben; die heute angebotene digitale Fassung liegt bei ungefähr 52 Minuten. Später wurden die Produktionen als Downloads und im Streaming erneut verfügbar gemacht. Dadurch blieb die kleine Serie auch nach dem Ende der ursprünglichen Maritim-CD-Ära zugänglich.

    Jade Morgrave und W. Ashton Rawleigh – Zwei Agenten ohne vollständige Vergangenheit

    Das Zentrum von „Top Secret“ bilden Jade Morgrave und W. Ashton Rawleigh. Jade wird von Christine Pappert gesprochen, Rawleigh von Thomas Karallus. Bereits in „Herz aus Eis“ wird deutlich, dass ihre Situation außergewöhnlich ist. Beide waren ursprünglich hochqualifizierte Agenten, doch ihre Erinnerungen wurden verändert beziehungsweise deaktiviert. Zu ihrem eigenen Schutz lebten sie zeitweise unter anderen Identitäten und ohne vollständiges Wissen über ihre früheren Einsätze. Erst als die Geheimorganisation sie wieder benötigt, werden Teile dieser Erinnerungen reaktiviert.

    Damit beginnt die Serie mit einer ungewöhnlichen Ausgangslage. Die beiden Ermittler versuchen nicht nur, einen neuen Fall zu verstehen. Sie müssen zugleich herausfinden, wer sie selbst eigentlich sind, welche Aufgaben sie früher übernommen haben und warum ihre Vorgesetzten entschieden, ihnen die Erinnerung daran zu nehmen. Diese persönliche Ebene unterscheidet „Top Secret“ von einer reinen Fallserie. Jeder neue Einsatz kann Hinweise enthalten, die mit den beiden Agenten selbst zusammenhängen.

    Jade und Ashton sind außerdem sehr unterschiedliche Persönlichkeiten. Jade Morgrave ist selbstbewusst, körperlich trainiert und kampferfahren. Sie besteht ausdrücklich darauf, als Miss Morgrave angesprochen zu werden. Ihre Reaktionen sind häufig unmittelbarer und emotionaler als die ihres Partners. W. Ashton Rawleigh wirkt kontrollierter, teilweise härter und stärker auf die Mission konzentriert. Bereits seine Initialen ergeben „WAR“, ein Wortspiel, das innerhalb der Figurenzeichnung bewusst zu seinem Auftreten passt.

    Zwischen beiden entsteht zunächst eine professionelle Partnerschaft mit deutlichen Reibungen. Sie provozieren einander, widersprechen sich und reagieren sehr unterschiedlich auf Gefahr. Im Verlauf der sechs Folgen verändert sich diese Beziehung. Vertrauen entwickelt sich nur langsam, denn beide wissen, dass ihre Erinnerungen manipuliert wurden und möglicherweise auch ihre Gefühle oder bisherigen Beziehungen Bestandteil der geheimen Vergangenheit sind. Spätestens in den späteren Akten werden die emotionalen und romantischen Spannungen deutlicher. Die Serie macht die Beziehung der beiden damit selbst zu einem Bestandteil ihres fortlaufenden Rätsels.

    Jade Morgrave – Kämpferin zwischen Härte und Unsicherheit

    Jade gehört zu den interessanteren weiblichen Hauptfiguren innerhalb der damaligen Maritim-Serien. Sie wird nicht als vorsichtige Begleiterin eines männlichen Agenten angelegt. Sie ist selbst Spezialistin, kann kämpfen und wird in gefährliche Situationen ebenso unmittelbar geschickt wie Ashton. Gleichzeitig zeigt die Serie zunehmend ihre verletzliche Seite. Die fehlenden Erinnerungen erzeugen eine grundlegende Unsicherheit. Jade kann sich auf ihre Fähigkeiten verlassen, nicht aber auf ihre eigene Biografie. Menschen in ihrer Umgebung wissen möglicherweise mehr über sie als sie selbst. Diese Situation wird im Verlauf der Reihe immer belastender.

    Ein weiterer Teil ihrer Entwicklung betrifft ihre Gefühle für Ashton. Was zunächst wie ein permanenter verbaler Schlagabtausch wirkt, verändert sich allmählich. Jade beginnt, ihren Partner nicht mehr ausschließlich als Kollegen zu betrachten. Gerade diese persönlichen Momente zeigen jedoch auch eine Eigenheit von Ellen B. Crowns Schreibweise. Die Hörspiele verwenden teilweise eine sehr körperliche und ausdrücklich erotische Sprache, die sich deutlich von gewöhnlichen Agenten- und Mysteryserien unterscheidet.

    Christine Pappert spricht Jade mit viel Energie. Ihre Stimme kann selbstbewusst und ironisch wirken, in den stärker emotionalen Szenen aber auch Unsicherheit und Angst vermitteln.

  • W. Ashton Rawleigh – Ein Mann wie seine Initialen

    Thomas Karallus spricht W. Ashton Rawleigh. Rawleigh ist der ruhigere und kontrolliertere Teil des Duos, besitzt jedoch ebenfalls eine aggressive und gefährliche Seite. Er ist kein klassischer Gentleman-Agent. Seine Ausbildung hat ihn zu einem Menschen gemacht, der auch unter extremen Umständen handlungsfähig bleibt. Dennoch wird schnell deutlich, dass auch seine Vergangenheit manipuliert wurde. Rawleigh ist damit ebenso Versuchsperson der eigenen Organisation wie Jade.

    Sein Verhältnis zu Jade entwickelt sich von professioneller Rivalität zu wachsender persönlicher Nähe. Beide können einander reizen und provozieren, verlassen sich in entscheidenden Situationen jedoch vollständig aufeinander.

    Thomas Karallus verleiht Rawleigh eine markante Präsenz. Besonders bekannt war seine Stimme bereits als deutsche Synchronstimme von Kevin James beziehungsweise Doug Heffernan aus „King of Queens“. Maritim nutzte diese Bekanntheit später sogar werblich auf einzelnen Coverausgaben. Innerhalb von „Top Secret“ funktioniert Karallus jedoch deutlich ernster. Rawleigh besitzt Härte, trockenen Humor und eine unterschwellige Aggressivität, die hervorragend zu der düsteren Geheimdienstwelt passt.

    Charles Desmond – Der Vorgesetzte mit eigenen Geheimnissen

    Charles Desmond wird von Wolfgang Condrus gesprochen. Er gehört zu den wichtigsten wiederkehrenden Nebenfiguren der Serie und ist ein Vorgesetzter von Jade und Ashton. Desmond verfügt über Informationen, die den beiden Agenten vorenthalten werden. Schon dadurch bleibt sein Verhältnis zu ihnen ambivalent. Er gibt Befehle, entscheidet über Einsätze und kennt Teile ihrer Vergangenheit. Gleichzeitig ist nicht eindeutig, wie viel Einfluss er selbst auf die Maßnahmen hatte, mit denen die Erinnerungen der beiden verändert wurden.

    Im Verlauf der Serie zeigt sich, dass Desmond nicht einfach der allwissende Leiter der Organisation ist. Auch er befindet sich innerhalb eines größeren Systems und muss Informationen zurückhalten beziehungsweise Entscheidungen akzeptieren, deren vollständige Hintergründe möglicherweise außerhalb seines Einflusses liegen.

    Wolfgang Condrus verleiht ihm Autorität, ohne ihn zu einem eindimensionalen kalten Geheimdienstchef zu machen. Besonders in späteren Folgen zeigt Desmond eine menschlichere und stärker persönlich betroffene Seite.

    Mr. Barker – Der Mann hinter den Akten

    Mr. Barker wird von Andreas Borcherding gesprochen. Er ist eine der rätselhaftesten Figuren der gesamten Serie. Barker gehört ebenfalls zur Geheimorganisation, doch seine tatsächliche Position und sein Wissensstand werden nur schrittweise deutlich. Er taucht immer wieder auf, besitzt Zugriff auf außergewöhnliche Informationen und kann Jade und Ashton praktisch jederzeit in einen neuen Einsatz schicken.

    Besonders in den späteren Folgen wächst seine Bedeutung für den großen Handlungsbogen. Barker wirkt deutlich schwerer einschätzbar als Charles Desmond. Die Agenten wissen nicht, ob sie ihm vollständig vertrauen können.

    Andreas Borcherding spricht ihn entsprechend zurückhaltend und undurchsichtig. Er muss nicht laut oder aggressiv auftreten, um eine bedrohliche Wirkung zu erzeugen. In „White Night“ und „Lazarus“ wird Barker zunehmend zu einer Schlüsselfigur. Seine Kenntnisse über frühere Experimente und Ereignisse lassen erkennen, dass die Organisation schon lange vor den aktuellen Ermittlungen mit Phänomenen konfrontiert war, die nicht in gewöhnliche wissenschaftliche Kategorien passen.

    Klaus-Dieter Klebsch – Die Stimme aus dem Dunkel

    Klaus-Dieter Klebsch spricht den Erzähler in allen sechs Folgen. Seine Rolle ist vergleichsweise kompakt. „Top Secret“ wird überwiegend szenisch erzählt und benötigt keinen Erzähler, der sämtliche Bewegungen und Ortswechsel ausführlich beschreibt. Gerade deshalb erhalten seine Auftritte besonderes Gewicht.

    Klebsch spricht häufig die düsteren, beinahe literarisch formulierten Einleitungen der Folgen. Blut, Dunkelheit, Tod und apokalyptische Bilder werden nicht nüchtern beschrieben, sondern in stark atmosphärischer Sprache eingeführt. Seine tiefe und markante Stimme wurde einem großen Publikum unter anderem als deutsche Stimme von Hugh Laurie beziehungsweise Dr. Gregory House bekannt. Bei „Top Secret“ verleiht sie der Serie unmittelbar eine erwachsene, bedrohliche Grundstimmung.

    Trinity – Erinnerungen als Waffe und Schutz

    Eine der wichtigsten Ideen der Serie ist die Manipulation von Erinnerungen. Jade und Ashton wurden nicht einfach pensioniert oder aus dem aktiven Dienst entfernt. Ihre Vergangenheit wurde gezielt verändert. Dabei wird der Begriff beziehungsweise die Struktur „Trinity“ mit dieser Reaktivierung und der geheimen Organisation verbunden.

    Das Verfahren besitzt einen scheinbar nachvollziehbaren Zweck: Agenten, die zu viel wissen oder durch ihre Einsätze in extreme Gefahr geraten sind, können unter einer neuen Identität weiterleben. Doch daraus entsteht ein grundlegendes moralisches Problem. Wer entscheidet, welche Erinnerungen ein Mensch behalten darf?

    Wenn Jade und Ashton ihre eigene Vergangenheit nicht kennen, können sie auch nicht überprüfen, ob ihre Vorgesetzten ihnen die Wahrheit sagen. Die Geheimorganisation schützt ihre Agenten damit möglicherweise vor äußeren Gegnern, gewinnt zugleich aber vollständige Kontrolle über deren Identität.

    Diese Idee bildet den eigentlichen roten Faden von „Top Secret“. Die Monster, Artefakte und ungewöhnlichen Todesfälle sind spektakulär, doch die beunruhigendste Frage bleibt die nach der Vergangenheit der beiden Hauptfiguren.

    Akte 001 – Herz aus Eis

    „Herz aus Eis“ eröffnet die Serie. Jade Morgrave und W. Ashton Rawleigh leben zunächst in unterschiedlichen Existenzen. Beide wissen nicht mehr vollständig, dass sie früher als Spezialagenten gearbeitet haben. Eine neue Krise führt dazu, dass sie reaktiviert werden. Ihr erster veröffentlichter Einsatz bringt sie auf eine abgelegene kolumbianische Insel.

    Dort wurde im Umfeld des Drogenschmuggels ein Einheimischer getötet. Hinweise führen zu einem amerikanischen Kriegshelden, der eigentlich längst verschwunden sein sollte. Die Insel selbst gilt als menschenfeindlicher Ort. Unter den Einheimischen kursiert die Vorstellung von Blut und Dunkelheit – „La sangre y la oscuridad“.

    Jade und Ashton treffen unter anderem auf Ramon Gúajero, Miguel Lopez und Carlos Sanchez. Hinzu kommen ein Sheriff und Lieutenant Sergej Vechayew. Der Fall verbindet Drogenschmuggel, militärische Vergangenheit und ein Wesen beziehungsweise Phänomen, dessen Natur nicht eindeutig in ein gewöhnliches Ermittlungsbild passt.

    Gerade die Einführung der Hauptfiguren nimmt viel Raum ein. „Herz aus Eis“ muss gleichzeitig den Fall, die Organisation und die ungewöhnliche Vergangenheit der Agenten etablieren. Die Besetzung ist prominent: Walter von Hauff spricht Ramon Gúajero, Wolfgang Bahro Miguel Lopez, Michael Schernthaner Carlos Sanchez, Norbert Gastell den Sheriff und Peter Groeger Lieutenant Vechayew. Die Folge erschien 2008 und dauert knapp 48 Minuten.

    Akte 002 – Diadem

    „Diadem“ führt die Agenten nach Rom. Ausgangspunkt ist ein Verkehrsunfall. Das Ehepaar Francesco und Theresa Moravia gerät während einer Autofahrt in Streit und fährt eine Nonne an. Doch Schwester Lucrezia überlebt unter Umständen, die medizinisch kaum erklärbar erscheinen. Charles Desmond erfährt von dem Vorfall und schickt Jade und Ashton in die Ewige Stadt.

    Die Ermittlungen führen zu einem Diadem, das keine gewöhnliche Schmuckkrone ist. Es wird als mysteriöses Folterinstrument mit einer langen und dunklen Geschichte beschrieben. Religion, Familiengeschichte, körperliche Qualen und scheinbar unmögliche Überlebensfähigkeit verbinden sich zu einem Fall, der wesentlich stärker ins klassische Mystery- und Horrorgenre führt als der Serienauftakt. Auch Exorzismus und kirchliche Motive spielen eine Rolle.

    Christian Mey spricht Pater Amorth, Mogens von Gadow einen Priester und Helmut Krauss einen Mönch. Jo Kern übernimmt die besonders auffällige Rolle Lucrezia di Tempestas. Crock Krumbiegel und Daniela Hoffmann sprechen Francesco und Theresa Moravia. Zur Familie di Tempesta gehören außerdem Gaetano, Monica und Aurelio, gesprochen von Fritz von Hardenberg, Dagmar Dempe und Norbert Gastell. Philipp Brammer ist als Dottore Stefani zu hören.

    Mit ungefähr 63 Minuten ist „Diadem“ deutlich umfangreicher als „Herz aus Eis“. Die Folge ist außerdem für die übergeordnete Handlung wichtig. Am Ende bleiben Fragen offen, die über den einzelnen Rom-Fall hinausweisen.

  • Akte 003 – Tage des Zorns

    „Tage des Zorns“ beginnt mit mehreren scheinbar voneinander unabhängigen Ereignissen. Jade und Ashton befreien Geiseln aus einem Sumpfgebiet. Auf dem Rückweg verändert sich der Zustand einer der geretteten Personen auf erschreckende Weise. Der Mensch verliert die Kontrolle und stirbt schließlich vor den Augen der Agenten.

    Parallel beschäftigt sich die Geschichte mit einem Motorsportler, dessen Tod ebenfalls nicht den bekannten Abläufen zu entsprechen scheint. Der entscheidende Widerspruch: Hinweise deuten darauf hin, dass er bereits vor dem eigentlichen Unfall tot gewesen sein müsste. Die Ermittler müssen herausfinden, was diese Ereignisse miteinander verbindet.

    Mit „Tage des Zorns“ wird die typische Erzählstruktur der Serie besonders deutlich. Unterschiedliche Schauplätze, Personen und Ereignisse werden zunächst unabhängig präsentiert. Erst nach und nach erkennt der Hörer ihre Verbindung.

    Zu den zentralen Gastfiguren gehören James Grain und Lance Carson, gesprochen von Gerhard Acktun und Peter Groeger. Klaus Dittmann übernimmt Dr. Alastair Stark, Peter Weis Dr. J. F. Jacobson. Ghadah Al-Akel spricht Rahel Goldblum, Jo Kern Samantha, Lutz Riedel Vasquez und Michael Iwannek Yüen Chang. Mehrere Reporter werden von Karin Eckhold, Susanne Meikl und Michael Tietz gesprochen. Reent Reins übernimmt einen Sportreporter.

    Die Folge dauert ungefähr 53 Minuten. Besonders wichtig ist, dass „Tage des Zorns“ den roten Faden der ersten beiden Akten ausdrücklich weiterführt. Die einzelnen Folgen sind spätestens jetzt nicht mehr sinnvoll als vollständig unabhängige Fälle zu betrachten.

    Akte 004 – Schwarzes Blut

    „Schwarzes Blut“ führt tief in den brasilianischen Dschungel. Viele Jahre vor der eigentlichen Gegenwartshandlung entdeckt ein wissenschaftliches Team eine ungewöhnliche Spinnenart. Die Tiere sind hochgiftig und aggressiv. Ein Mitglied der damaligen Gruppe verfolgt jedoch eigene Interessen. Was zunächst als wissenschaftliche Entdeckung erscheint, wird dadurch zu einer Gefahr.

    Rund drei Jahrzehnte später sind die Folgen noch immer nicht beseitigt. Jade Morgrave und Ashton Rawleigh werden mit den Ereignissen konfrontiert. Im Gegensatz zu den stark verschachtelten vorherigen Akten wird „Schwarzes Blut“ wesentlich geradliniger erzählt. Vergangenheit und Gegenwart hängen unmittelbar miteinander zusammen, und die zentrale Bedrohung ist früh erkennbar.

    Edgar Bessen spricht Dr. Stephen Norman, Melanie Manstein Lori Atkins und Manfred Erdmann einen Sergeant. Eberhard Prüter übernimmt Konstantin Yushin. Erich Räuker spricht Professor Dr. Blade Stuart, Anke Reitzenstein Mary Stuart und Sascha Draeger Phil Armstrong. Michael Harck ist ebenfalls in mehreren kleineren Männerrollen beteiligt.

    Die riesigen beziehungsweise außergewöhnlich gefährlichen Spinnen machen „Schwarzes Blut“ zur deutlichsten Kreaturenhorrorfolge der Serie. Trotz der vergleichsweise eigenständigen Haupthandlung wird der übergeordnete Serienbogen weitergeführt. Ein Gespräch zwischen Charles Desmond und Mr. Barker verdeutlicht, dass die Vergangenheit von Jade und Ashton weiterhin eine zentrale Rolle spielt.

    Akte 005 – White Night

    „White Night“ spielt zu großen Teilen in Russland und führt nach St. Petersburg. Schon die atmosphärische Einleitung verweist auf den Winterpalast, die Kanäle der Stadt und etwas, das sich unter deren Oberfläche bewegt. Ausgangspunkt der eigentlichen Mission ist die Entführung einer außergewöhnlichen jungen Frau.

    Jade und Ashton werden auf den Fall angesetzt, erkennen zunächst jedoch nicht, warum das Mädchen sowohl für ihre eigene Organisation als auch für andere Personen von besonderem Wert ist. Der Fall entwickelt sich dadurch gleichzeitig auf zwei Ebenen. Einerseits müssen die Agenten eine Entführung aufklären. Andererseits kommen sie der Organisation, Mr. Barker und ihrer eigenen Vergangenheit näher.

    Philipp Brammer spricht Maxim, Michael Schernthaner Andrej und Sabine Bohlmann Jelena. Claudia Burges ist als Milla zu hören, eine russische Geheimagentin, die innerhalb der Handlung eine besondere Rolle spielt. Fritz von Hardenberg übernimmt Tower. Karin Eckhold spricht eine Stewardess, Manfred Erdmann und Gerhard Acktun zwei Türsteher.

    „White Night“ macht deutlicher als die vorherigen Folgen, dass die Einzelmissionen und die persönliche Geschichte von Jade und Ashton nicht voneinander getrennt werden können. Die Agenten erhalten neue Informationen, doch jede Antwort führt zu zusätzlichen Fragen. Die Folge erschien im November 2009.

    Akte 006 – Lazarus

    „Lazarus“ ist die längste und letzte veröffentlichte Folge. Jade und Ashton befinden sich zunächst auf einer Mission gegen einen brutalen Auftragsmörder. Kurz bevor sie ihr Ziel erreichen, werden sie von Mr. Barker zurückgerufen. Eine Entdeckung zwingt die Organisation, einem Ereignis nachzugehen, dessen Ursprung Jahrzehnte zurückliegt.

    Im Zentrum stehen Erdbohrungen und extreme Temperaturen tief unter der Oberfläche. Die offizielle Beschreibung nennt 6600 Grad Celsius – heißer als die Oberfläche der Sonne. An einem solchen Ort dürfte nach allen bekannten biologischen Regeln kein Leben existieren. Doch genau diese Gewissheit wird infrage gestellt.

    Die Handlung verbindet wissenschaftliche Expedition, Untergrundhorror, geheime Forschung und die größere Mythologie der Serie. Der Titel „Lazarus“ verweist bereits auf Wiederkehr und Auferstehung. Die biblische Figur Lazarus wird von Jesus aus dem Tod zurückgerufen. Innerhalb von „Top Secret“ wird dieses Motiv mit der Frage verbunden, ob Leben dort existieren beziehungsweise zurückkehren kann, wo es eigentlich unmöglich sein müsste.

    Dietmar Wunder übernimmt eine besonders markante Rolle als Madison. Klaus Dittmann ist erneut als Dr. Stark zu hören. Weitere Rollen sprechen Frank-Otto Schenk, Peter Weis und Anke Reitzenstein.

    „Lazarus“ greift zahlreiche Hinweise aus den vorherigen Folgen wieder auf und stellt sie in einen größeren Zusammenhang. Auch die Vergangenheit von Jade und Ashton erhält neue Bedeutung. Gerade deshalb wirkt Folge sechs eher wie der Höhepunkt einer ersten Serienphase als wie ein endgültiges Finale. Antworten werden gegeben, doch die gesamte Mythologie wird nicht vollständig abgeschlossen. Die Folge erschien im Frühjahr 2010 und dauert ungefähr 78 Minuten.

    Christine Pappert und Thomas Karallus – Das feste Agentenduo

    Christine Pappert und Thomas Karallus bilden den unveränderten Mittelpunkt sämtlicher Folgen. Ihre Stimmen waren bereits vor „Top Secret“ aus zahlreichen Synchron- und Hörspielproduktionen bekannt. Besonders auffällig ist ihre gemeinsame Verbindung zu „King of Queens“. Christine Pappert sprach in der deutschen Synchronfassung Carrie Heffernan, Thomas Karallus deren Ehemann Doug.

    In „Top Secret“ treffen beide erneut als eng miteinander verbundene Hauptfiguren aufeinander, allerdings in einem vollkommen anderen Genre. Jade und Ashton sind keine humoristische Ehepaar-Konstellation. Sie sind bewaffnete Geheimagenten, deren Vergangenheit manipuliert wurde und die immer wieder mit brutalen Todesfällen konfrontiert werden.

    Gerade die stimmliche Vertrautheit der beiden Sprecher hilft jedoch beim Zusammenspiel. Dialoge, Provokationen und emotionale Veränderungen wirken flüssig. Mit fortschreitender Serie entwickeln beide ihre Figuren immer stärker aus der ursprünglichen Agentenschablone heraus.

    Wolfgang Condrus und Andreas Borcherding – Die Männer hinter den Agenten

    Wolfgang Condrus und Andreas Borcherding sind als Charles Desmond und Mr. Barker ebenfalls in allen beziehungsweise nahezu allen zentralen Folgen präsent. Ihre Figuren stehen stellvertretend für die undurchsichtige Hierarchie der Organisation. Desmond ist der sichtbarere Vorgesetzte. Barker besitzt die geheimnisvollere Funktion.

    Der Hörer erhält niemals sofort sämtliche Informationen darüber, wer welche Entscheidungen trifft. Gerade dadurch bleibt die Organisation selbst eine Mysterykomponente. Jade und Ashton können einen übernatürlichen Fall lösen und dennoch am Ende weniger über ihre Arbeitgeber wissen als zuvor.

  • Ein Ensemble bekannter Synchronstimmen

    Die Gastbesetzungen gehören zu den auffälligsten Produktionsmerkmalen von „Top Secret“. Wolfgang Bahro, Norbert Gastell, Peter Groeger, Walter von Hauff, Helmut Krauss, Fritz von Hardenberg, Dagmar Dempe, Philipp Brammer, Daniela Hoffmann, Gerhard Acktun, Klaus Dittmann, Peter Weis, Lutz Riedel, Michael Iwannek, Edgar Bessen, Melanie Manstein, Eberhard Prüter, Erich Räuker, Anke Reitzenstein, Sascha Draeger, Sabine Bohlmann, Claudia Burges, Manfred Erdmann und Dietmar Wunder gehören zu den beteiligten Stimmen.

    Dadurch erhält jede Akte ein umfangreiches eigenes Ensemble. Besonders die zweite und dritte Folge arbeiten mit vielen Nebenfiguren. Die Sprecher müssen Familien, Wissenschaftler, Geistliche, Reporter, Soldaten und Geheimdienstmitarbeiter darstellen. Da zahlreiche Figuren nur in einer Folge vorkommen, können auch sehr bekannte Stimmen für vergleichsweise kleine Rollen eingesetzt werden.

    Ellen B. Crown – Die Autorin hinter allen sechs Akten

    Alle sechs Hörspiele werden Ellen B. Crown zugeschrieben. Eine gesicherte öffentlich dokumentierte Biografie der Autorin beziehungsweise eindeutige Angaben zu einer möglichen weiteren Identität liegen in den zugänglichen Produktionsinformationen nicht vor. Deshalb lässt sich darüber nichts Verlässliches sagen. Fest steht, dass sämtliche sechs Akten unter demselben Autorennamen veröffentlicht wurden.

    Dadurch besitzt die Serie trotz der unterschiedlichen Genres einen klaren erzählerischen Zusammenhang. Crown bevorzugt eine sehr bildhafte Sprache. Besonders die Einleitungen sind häufig poetisch, düster und voller körperlicher Bilder. Blut, Hitze, Dunkelheit, Tod und Verfall werden nicht nur funktional beschrieben, sondern sollen unmittelbar Atmosphäre erzeugen.

    Auch die Struktur gehört zu ihren wiederkehrenden Stilmitteln. Mehrere Folgen beginnen mit voneinander getrennten Ereignissen. Erst im Verlauf erkennt der Hörer, warum sie zusammengehören. Dieses Prinzip erlaubt es, Informationen bewusst zurückzuhalten und den Mysterycharakter zu verstärken.

    Maritim und die Produktionsphase 2008 bis 2010

    „Top Secret“ entstand in einer besonders produktiven Phase des Dortmunder Maritim-Verlags beziehungsweise der damaligen Verlagsgruppe Hermann. In derselben Zeit veröffentlichte das Label zahlreiche neue Serien und setzte bestehende Reihen fort. Dazu gehörten unter anderem „Planet Eden“, „Danger“, „Dark Trace“, „NYPDead“, „Kurier Preston Aberdeen“, „Raumstation Alpha-Base“ und umfangreiche Sherlock-Holmes-Produktionen.

    „Top Secret“ wurde als hochwertige Mysteryserie für ein erwachsenes Publikum positioniert. Die ursprünglichen Einzelveröffentlichungen erschienen auf CD und kosteten laut damaligen Verlagsangaben überwiegend 8,95 Euro.

    Bei der Produktion kam es 2009 zeitweise zu Verzögerungen. Maritim erklärte damals allgemein, dass Erkrankungen und Schwierigkeiten bei der gleichzeitigen Verfügbarkeit von Sprechern und Studios mehrere geplante Veröffentlichungen verschoben hätten. Davon waren auch „Schwarzes Blut“ und „White Night“ betroffen. Die vierte Akte wurde schließlich im Sommer 2009 ausgeliefert, die fünfte im November. „Lazarus“ folgte 2010.

    Von der CD ins Streaming – Die zweite Veröffentlichungsgeschichte

    Nach dem Ende der ursprünglichen Maritim-Phase wechselte der umfangreiche Katalog später in die heutige Maritim-Struktur um Highscore Music beziehungsweise Skyscore Media. „Top Secret“ wurde digital wieder zugänglich gemacht.

    2015 erschienen die Folgen erneut als Downloads beziehungsweise auf Streamingplattformen. Inzwischen sind sie wieder im aktuellen Maritim-Katalog enthalten. Damit besitzt die Reihe zwei deutlich unterschiedliche Lebensphasen.

    Die ursprünglichen CDs stammen aus der Zeit zwischen 2008 und 2010 und sind für Sammler die physische Form der Serie. Die digitalen Fassungen ermöglichen es späteren Hörern, die vollständigen sechs Akten ohne die alten Tonträger zu entdecken. Maritim führt „Top Secret“ bis heute im eigenen Katalog und beschreibt die Reihe als Mystery mit rasantem Tempo, Dramatik und Spannung.

    Mystery, Agententhriller oder Horror – Die Genrefrage

    „Top Secret“ lässt sich nicht auf ein einziges Genre reduzieren. Die Geheimorganisation und die Einsätze von Jade und Ashton machen die Reihe zunächst zu einem Agententhriller. Die rätselhaften Todesfälle, manipulierten Erinnerungen und nicht vollständig erklärbaren Erscheinungen gehören zum Mysterygenre.

    „Schwarzes Blut“ funktioniert deutlich als Kreaturen- und Survivalhorror. „Diadem“ besitzt religiösen Horror, Exorzismus und ein historisches Folterinstrument. „White Night“ verbindet Geheimdienstgeschichte und Entführung mit einer stärker science-fictionartigen beziehungsweise paranormalen Komponente. „Lazarus“ führt schließlich tief in wissenschaftlichen und körperlichen Horror.

    Die Mischung wechselt von Folge zu Folge, während die Figuren und der große Geheimnisbogen die Serie zusammenhalten.

    Die Nähe zu „Akte X“

    Die Nähe zu „Akte X“ war bereits bei Erscheinen der Serie offensichtlich und wird heute auch von Maritim selbst ausdrücklich genannt. Zwei Agenten untersuchen ungewöhnliche Fälle. Eine Geheimorganisation verbirgt Informationen. Der Hörer kann nie sicher sein, ob ein Ereignis wissenschaftlich erklärbar oder tatsächlich paranormal ist. Auch die Titelmusik erinnert bewusst an die atmosphärische Welt der Fernsehserie.

    Doch Jade und Ashton entsprechen nicht einfach Fox Mulder und Dana Scully. Die Rollenverteilung von Gläubigem und Skeptiker wird nicht kopiert. Beide Figuren sind wesentlich stärker als ausgebildete Action- und Geheimdienstagenten charakterisiert. Vor allem die manipulierte Vergangenheit und ihre Beziehung zur eigenen Organisation bilden einen eigenständigen Handlungsbogen.

    „Top Secret“ nutzt also eine vertraute Mystery-Grundidee, baut darauf aber eine eigene Geschichte.

  • Die Cover von Michaela Bock – Dunkle Bilder für geheime Akten

    Die Titelbilder der ursprünglichen sechs Veröffentlichungen stammen von Michaela Bock. Sie geben der Serie ein klar erkennbares visuelles Erscheinungsbild. Die Cover arbeiten überwiegend mit sehr dunklen Flächen, Schwarz, Grau und einzelnen kräftigen Farbakzenten.

    Der Schriftzug „TOP SECRET“ steht auffällig im oberen beziehungsweise zentralen Bereich. Die Folgen werden nicht einfach nummeriert, sondern als „Akte 001“, „Akte 002“ und so weiter bezeichnet. Dadurch entsteht die Optik einer geheimen Fallserie.

    Die Motive verzichten weitgehend auf feste Porträts von Jade und Ashton. Christine Pappert und Thomas Karallus werden nicht als Modelle ihrer Figuren verwendet. Stattdessen stehen rätselhafte Objekte, Gesichter, Tiere oder Landschaften im Vordergrund. Dadurch bleibt die Vorstellung der beiden Hauptfiguren den Hörern überlassen.

    Herz aus Eis – Ein rätselhaftes Auftaktmotiv

    Das Cover der ersten Akte ist bewusst schwer eindeutig der Handlung zuzuordnen. Es erzeugt zunächst Atmosphäre und Geheimnis, ohne bereits zu verraten, was Jade und Ashton auf der Insel erwartet.

    Gerade für den Serienauftakt funktioniert dieses Prinzip gut. „Top Secret“ soll nicht mit einem eindeutig erkennbaren Monster werben, sondern mit dem Gefühl einer geheimen Akte. Die düstere Bildsprache und der markante Schriftzug etablieren das Grunddesign, das die späteren Folgen fortführen.

    Diadem – Ein Gesicht ohne Augen

    Das Cover von „Diadem“ zeigt ein verstörendes menschliches Gesicht beziehungsweise eine schreiende Gestalt, deren Augenpartie besonders auffällig verfremdet ist. Ohne Kenntnis des Hörspiels bleibt die Bedeutung zunächst rätselhaft.

    Nach dem Hören lässt sich das Motiv stärker mit den körperlichen und religiösen Horrorbildern der Geschichte verbinden. Die Gestaltung setzt nicht auf das Kolosseum oder ein touristisches Rommotiv. Damit wird verhindert, dass die Folge wie ein gewöhnlicher Italienthriller wirkt. Stattdessen steht das Grauen im Vordergrund.

    Tage des Zorns – Fotografie und Verfremdung

    „Tage des Zorns“ arbeitet stärker mit einer bearbeiteten fotografischen beziehungsweise fotorealistischen Darstellung. Das Motiv lässt sich nicht unmittelbar einem einzelnen Gegenstand aus der Handlung zuordnen.

    Gerade dadurch passt es zum Aufbau der Folge, in der scheinbar unabhängige Ereignisse erst spät miteinander verbunden werden. Die Gestaltung bleibt dunkel und bedrohlich und fügt sich in das Reihendesign ein.

    Schwarzes Blut – Die Spinne als unmittelbare Warnung

    Das vierte Cover unterscheidet sich deutlich. Hier wird die zentrale Gefahr nicht verborgen. Eine große Spinne steht unmittelbar im Mittelpunkt des Motivs. Damit weiß der Betrachter bereits vor dem Hören, welche Form des Horrors ihn erwartet.

    Der schwarze Hintergrund verstärkt die Wirkung des Tieres. Für Menschen mit ausgeprägter Spinnenangst dürfte dieses Cover bereits selbst eine erhebliche Wirkung besitzen. Gerade weil „Schwarzes Blut“ auch erzählerisch geradliniger als die vorherigen Akten aufgebaut ist, passt die direkte Bildsprache hervorragend zur Folge.

    White Night – Der Leuchtturm im Sturm

    „White Night“ zeigt einen einsamen Leuchtturm in einer von Sturm und Dunkelheit geprägten Umgebung. Das Motiv spielt tatsächlich auf einen Bestandteil der Handlung an.

    Licht und Schatten dominieren die Gestaltung. Der Leuchtturm steht als einzelner heller Punkt in einer bedrohlichen Landschaft. Gleichzeitig passt das Bild zum Thema der Serie: Information und Wahrheit existieren nur als kleine Lichtquelle innerhalb eines großen Bereichs des Unbekannten.

    Die fünfte Akte gehört dadurch zu den atmosphärischsten Covermotiven der Reihe.

    Lazarus – Eine Horrorvision aus der Tiefe

    Das Cover der letzten Folge greift eine verstörende Horrorvision der Geschichte auf. Dunkle Farben und eine deformierte beziehungsweise unwirkliche Erscheinung verweisen auf jene Lebensformen und Bilder, die im Zusammenhang mit den unterirdischen Entdeckungen stehen.

    Das Motiv ist deutlich stärker dem Horror verpflichtet als das abstraktere Cover der ersten Folge. Auf einzelnen Ausgaben befindet sich zusätzlich ein auffälliger Werbehinweis auf Thomas Karallus als deutsche Stimme von Kevin James. Diese Vermarktung zeigt, wie stark bekannte Synchronsprecher zu dieser Zeit bereits als Verkaufsargument für Hörspiele eingesetzt wurden.

    Einheitliches Design trotz wechselnder Schauplätze

    Ob kolumbianische Insel, Rom, Motorsportwelt, brasilianischer Dschungel, Russland oder Erdinneres – die Cover müssen vollkommen unterschiedliche Schauplätze zusammenhalten. Michaela Bock löst dies nicht durch eine immer gleiche Figurenabbildung, sondern durch Stil und Layout.

    Schwarz und andere dunkle Farben dominieren. Der Serientitel bleibt unverändert. Die Nummerierung als geheime Akte ist auf jeder Veröffentlichung sofort erkennbar. Das zentrale Motiv wechselt entsprechend dem Fall.

    Dadurch entsteht eine visuelle Anthologie innerhalb einer fortlaufenden Serie.

    Die Sprache der Klappentexte

    Eine Besonderheit von „Top Secret“ sind die ungewöhnlich atmosphärischen Inhaltsangaben. Sie erklären oft kaum, worum es konkret geht.

    „Herz aus Eis“ spricht von Blut, Dunkelheit und einem menschenfeindlichen Land. „Diadem“ beschwört die Ewige Stadt, Hitze, Nacht und Tod. „Tage des Zorns“ beschreibt ein schlafendes Wesen beziehungsweise eine Kraft, deren Wut durch einen Zyklus gebunden wird. „Schwarzes Blut“ erzählt vom Paradies, von der Hölle und einem Gott, der sich vom Fleisch seiner Opfer ernährt. „White Night“ beschreibt Dämmerung, silbriges Licht, Kanäle und etwas, das sich unter der Oberfläche bewegt. „Lazarus“ beginnt mit einer Temperaturangabe und führt anschließend in einen Abgrund mit bleichen, augenlosen Leibern.

    Diese Texte funktionieren weniger als klassische Inhaltszusammenfassungen denn als atmosphärische Einstimmungen. Sie sollen Neugier erzeugen und möglichst wenig über die tatsächliche Auflösung verraten.

    Wissenschaft und das scheinbar Unmögliche

    Viele „Top Secret“-Fälle beginnen dort, wo eine bekannte wissenschaftliche Regel verletzt scheint. Ein Mensch überlebt etwas, das tödlich sein müsste. Ein anderer ist bereits tot, bevor der vermeintlich tödliche Unfall stattfindet. Eine Spinnenart besitzt Eigenschaften, die sie zu einer außergewöhnlichen Gefahr machen. Tief unter der Erde erscheint Leben unter Bedingungen möglich, unter denen es nach menschlichem Wissen nicht existieren dürfte.

    Die Serie präsentiert diese Ereignisse nicht grundsätzlich als Magie. Jade und Ashton suchen nach biologischen, medizinischen, historischen oder technischen Erklärungen. Doch selbst wenn Teile eines Falls rationalisiert werden können, bleibt häufig ein Rest des Unbekannten.

    Gerade dieses Schweben zwischen Erklärung und Mystery ist eines der wichtigsten Elemente der Reihe.

    Geheimdienste und die Kontrolle der Wahrheit

    Die Organisation besitzt Informationen, die der Öffentlichkeit niemals zugänglich werden sollen. Damit untersucht „Top Secret“ nicht nur unerklärliche Ereignisse, sondern auch die Frage, wer bestimmen darf, welche Wahrheit bekannt wird.

    Jade und Ashton retten möglicherweise Menschen, verhindern Katastrophen und lösen Todesfälle auf. Doch die Ergebnisse ihrer Ermittlungen landen nicht zwangsläufig bei Polizei, Presse oder Öffentlichkeit. Sie werden zu Akten.

    Schon der Serientitel macht deutlich, dass Geheimhaltung zum System gehört. Das gilt schließlich sogar für die Identität der Agenten selbst.

    Erinnerung, Persönlichkeit und Selbstbestimmung

    Die Manipulation der Erinnerung ist das philosophisch interessanteste Thema der Reihe. Ein Mensch besteht nicht nur aus körperlichen Fähigkeiten. Erinnerungen bestimmen Beziehungen, Schuld, Angst und Identität.

    Wenn eine Organisation diese Erinnerungen löschen, deaktivieren oder wiederherstellen kann, besitzt sie Macht über die Persönlichkeit ihrer Mitarbeiter. Jade und Ashton müssen deshalb zunehmend hinterfragen, ob ihre gegenwärtigen Entscheidungen tatsächlich frei sind.

    Sie können nicht sicher wissen, welche Erfahrungen ihnen fehlen und warum gerade diese Erinnerungen entfernt wurden. Die Suche nach paranormalen Phänomenen wird damit gleichzeitig zur Suche nach der eigenen Vergangenheit.

  • Eine kurze Serie mit langem roten Faden

    Mit nur sechs Folgen gehört „Top Secret“ zu den kurzen Maritim-Serien jener Zeit. Inhaltlich war sie jedoch deutlich auf längerfristige Entwicklung angelegt.

    Die erste Folge führt die manipulierten Erinnerungen ein. „Diadem“ erweitert die Mysterywelt. „Tage des Zorns“ verbindet frühere Ereignisse stärker miteinander. „Schwarzes Blut“ führt den Hintergrund trotz einer eigenständigeren Haupthandlung fort. „White Night“ richtet den Blick deutlicher auf Barker und die Geheimorganisation. „Lazarus“ bündelt zahlreiche Hinweise und macht die Vergangenheit der Hauptfiguren zum zentralen Bestandteil der Handlung.

    Genau dadurch fällt das Ende nach sechs Folgen besonders auf. Die Serie endet nicht wie eine Anthologie, bei der einfach kein weiterer Fall erzählt wird. Sie endet mitten in einer Welt, deren größtes Rätsel noch nicht vollständig beantwortet ist.

    Top Secret innerhalb des Maritim-Katalogs

    Die Reihe entstand zu einer Zeit, in der Maritim zahlreiche eigenständige Genreproduktionen veröffentlichte. „Planet Eden“ bediente Science Fiction und Endzeit. „Danger“ setzte auf abgeschlossene Thriller- und Horrorgeschichten. „NYPDead“ verband Kriminalfall und Gerichtsmedizin. „Dark Trace“ konzentrierte sich auf moderne Kriminalermittlungen.

    „Top Secret“ besetzte innerhalb dieses Programms die Schnittstelle aus Geheimdienst, Mystery und Horror. Gerade deshalb ähnelt die Reihe keinem dieser Nachbarn vollständig.

    Sie besitzt die fortlaufende Mythologie von „Planet Eden“, die düsteren Stoffe von „Danger“ und den Ermittlungscharakter eines Krimis, verlagert dies jedoch in eine internationale Geheimdienstwelt.

    Eine Serie für Erwachsene

    Maritim bewarb einzelne Folgen ausdrücklich mit dem Hinweis, sie seien nichts für schwache Nerven und ab 16 Jahren empfohlen. Diese Einordnung ist nachvollziehbar.

    Menschen sterben teilweise grausam. „Schwarzes Blut“ arbeitet mit Spinnenhorror. „Diadem“ enthält religiöse Gewalt und Exorzismus. „Lazarus“ beschreibt verstörende Körperbilder. Auch Sexualität und erotische Fantasien werden direkter angesprochen, als es bei damaligen Mainstream-Hörspielserien üblich war.

    „Top Secret“ zielte damit bewusst auf ein erwachsenes Hörspielpublikum.

    Wiederentdeckung im digitalen Zeitalter

    Nach 2010 verschwand „Top Secret“ zunächst gemeinsam mit vielen anderen älteren Maritim-Produktionen weitgehend aus der öffentlichen Wahrnehmung. Durch die spätere Neuordnung des Maritim-Katalogs wurden die Folgen digital erneut verfügbar.

    Downloads und Streaming beseitigten damit eines der größten Probleme kleiner abgebrochener Hörspielserien: Die Hörer müssen nicht mehr sechs vergriffene CDs zusammensuchen, um die fortlaufende Handlung vollständig erleben zu können.

    Der heutige Maritim-Katalog führt die Serie weiterhin. Dadurch kann „Top Secret“ auch von Hörern entdeckt werden, die die ursprünglichen CDs von 2008 bis 2010 nie erlebt haben.

    Ungelöste Akten – Das Ende nach Lazarus

    Nach „Lazarus“ war Schluss mit „Top Secret“. Eine siebte Akte erschien nicht, obwohl die übergeordnete Handlung zu diesem Zeitpunkt noch längst nicht vollständig abgeschlossen war. Gerade deshalb wirkt das Ende heute etwas abrupt, denn einige Fragen rund um Jade, Ashton und die Organisation bleiben offen.

    Warum die Reihe nicht fortgesetzt wurde, ist nicht eindeutig dokumentiert. Es gibt keine verlässliche Angabe dazu, ob wirtschaftliche Gründe, Produktionsentscheidungen oder andere Umstände dafür verantwortlich waren.

    Auch Hinweise auf bereits fertiggestellte, aber unveröffentlichte Folgen oder konkrete weitere Titel sind nicht belegt. So bleibt „Lazarus“ bis heute der letzte veröffentlichte Fall – und „Top Secret“ eine Serie, deren größtes Geheimnis am Ende tatsächlich ungelöst bleibt.

    Geheimagenten, Monster und verlorene Erinnerungen

    „Top Secret“ gehört zu den ungewöhnlicheren Serien aus Maritims produktiver Phase der späten 2000er-Jahre. Die Grundkonstellation erinnert bewusst an „Akte X“: Zwei Agenten untersuchen unerklärliche Fälle, während ihre eigene Organisation Informationen zurückhält. Doch Ellen B. Crown entwickelt daraus eine eigenständige Geschichte.

    Jade Morgrave und W. Ashton Rawleigh besitzen keine vollständige Erinnerung an ihre Vergangenheit. Ihre Identitäten wurden manipuliert, ihre Fähigkeiten später reaktiviert und ihre neuen Missionen führen sie immer wieder zu Ereignissen, die mit gewöhnlicher Ermittlungsarbeit kaum zu erklären sind.

    Christine Pappert und Thomas Karallus bilden das feste Agentenduo. Wolfgang Condrus spricht den undurchsichtigen Vorgesetzten Charles Desmond, Andreas Borcherding den noch geheimnisvolleren Mr. Barker. Klaus-Dieter Klebsch verleiht den poetisch-düsteren Erzählertexten ihre unverwechselbare Stimme.

    Um dieses Kernensemble versammelte Maritim eine beeindruckende Zahl bekannter Sprecher: Wolfgang Bahro, Walter von Hauff, Norbert Gastell, Peter Groeger, Helmut Krauss, Fritz von Hardenberg, Dagmar Dempe, Philipp Brammer, Daniela Hoffmann, Gerhard Acktun, Klaus Dittmann, Peter Weis, Michael Iwannek, Edgar Bessen, Eberhard Prüter, Erich Räuker, Melanie Manstein, Sascha Draeger, Sabine Bohlmann, Claudia Burges, Anke Reitzenstein und Dietmar Wunder gehören dazu.

    Die sechs Fälle führen von einer abgelegenen kolumbianischen Insel über Rom und den Motorsport bis in den brasilianischen Dschungel, nach Russland und schließlich tief unter die Erdoberfläche. „Herz aus Eis“ eröffnet das Geheimnis der beiden Agenten. „Diadem“ verbindet Rom, Religion und ein grausames historisches Objekt. „Tage des Zorns“ verknüpft rätselhafte Todesfälle zu einem größeren Zusammenhang. „Schwarzes Blut“ bringt mit aggressiven Spinnen deutlichen Kreaturenhorror in die Serie. „White Night“ führt die Ermittler tiefer in die eigene Organisation und nach St. Petersburg. „Lazarus“ bringt zahlreiche frühere Hinweise zusammen und führt die Geschichte zugleich zu ihrem bisher größten Mysterium.

    Michaela Bocks Cover halten diese unterschiedlichen Schauplätze durch ein dunkles, einheitliches Akten-Design zusammen. Spinne, verzerrtes Gesicht, Leuchtturm und Horrorvisionen funktionieren wie einzelne Bilder aus einer geheimen Kartei.

    Gerade die Kombination aus internationalem Agententhriller und Horror macht „Top Secret“ besonders. Die größte Gefahr liegt jedoch nicht in Spinnen, Artefakten oder Wesen tief unter der Erde. Sie liegt in der Erkenntnis, dass Jade und Ashton Menschen vertrauen müssen, die ihre Erinnerungen kontrolliert haben.

    Damit bleibt das eigentliche Geheimnis der Serie bis zum Ende persönlich: Die beiden Agenten können nahezu jeden unbekannten Fall untersuchen – nur ihre eigene Vergangenheit liegt weiterhin hinter einer Akte, auf der in großen Buchstaben steht:

    TOP SECRET.

  • Der Akte X Clone hatte Potential. Leider war die VÖ-Politik unglücklich und sorgte für ein rasches Ende.

    Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

    Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

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