Top Secret – Maritims Mystery-Thriller zwischen Geheimdiensten, manipulierten Erinnerungen und unerklärlichen Todesfällen
Zwischen Agententhriller, Mystery und Horror – Serienhintergrund
„Top Secret“ ist eine sechsteilige Mystery-Hörspielserie des Maritim-Verlags, geschrieben von Ellen B. Crown und ursprünglich zwischen 2008 und 2010 veröffentlicht. Die Reihe verbindet Geheimdienstthriller, Mystery, Horror, Science Fiction und Verschwörungsgeschichte zu einer fortlaufenden Handlung um zwei amerikanische Spezialagenten, deren eigene Vergangenheit mindestens ebenso rätselhaft ist wie die Fälle, die sie untersuchen. Im Mittelpunkt stehen Jade Morgrave und W. Ashton Rawleigh. Beide arbeiten für eine geheime amerikanische Organisation, die sich mit Todesfällen und Ereignissen beschäftigt, für die gewöhnliche Ermittlungsbehörden keine ausreichende Erklärung finden. Die beiden Agenten werden an Orte geschickt, an denen scheinbar Unmögliches geschehen ist: Menschen sterben unter Umständen, die medizinischen Erkenntnissen widersprechen, alte Artefakte scheinen Einfluss auf ihre Umgebung auszuüben, ungewöhnliche Tiere entwickeln tödliche Eigenschaften und jahrzehntealte Experimente führen zu Konsequenzen, die niemand vorhersehen konnte.
Doch „Top Secret“ erzählt nicht einfach sechs voneinander unabhängige Monster- oder Mysteryfälle. Bereits die erste Folge macht deutlich, dass Morgrave und Rawleigh selbst Teil eines größeren Geheimnisses sind. Ihre Erinnerungen wurden manipuliert, Teile ihrer Vergangenheit verborgen und ihre bisherigen Existenzen bewusst verändert. Die Organisation, für die sie arbeiten, besitzt Informationen über sie, die ihnen selbst fehlen. Dieser übergeordnete Handlungsbogen wird von Folge zu Folge wichtiger. Einzelne Fälle können zwar einen eigenen Schwerpunkt besitzen, doch Hinweise auf die Vergangenheit der Agenten, die Rolle ihrer Vorgesetzten und die tatsächlichen Ziele der Geheimorganisation werden weitergeführt. Besonders ab der dritten Akte ist deutlich, dass die Reihe als fortlaufende Geschichte konzipiert wurde.
Maritim selbst beschreibt „Top Secret“ rückblickend als Mysteryserie, die von der Fernsehserie „Akte X“ inspiriert wurde, sich inhaltlich aber deutlich von ihr entfernt. Die Ähnlichkeit liegt tatsächlich vor allem in der Grundkonstellation: Zwei sehr unterschiedliche Ermittler arbeiten für eine staatliche beziehungsweise geheimdienstliche Organisation und untersuchen Fälle, die sich an der Grenze zwischen rationaler Erklärung und scheinbar Übernatürlichem bewegen. Auch die geheimnisvolle Titelmusik, die Aktenbezeichnungen und die Atmosphäre aus Misstrauen, verdeckten Informationen und nicht vollständig beantworteten Fragen verstärken diesen Eindruck. Inhaltlich entwickelt Ellen B. Crown jedoch eine eigene Mythologie um Morgrave, Rawleigh, Charles Desmond, Mr. Barker und die Geheimorganisation.
Die Hörspiele richten sich ausdrücklich an ein älteres Publikum. Die ursprünglichen Maritim-Veröffentlichungen wurden teilweise mit einer Empfehlung ab 16 Jahren beworben. Gewalt, grausame Todesfälle, Körperhorror und sexuelle Themen werden wesentlich direkter behandelt als in klassischen Jugend-Mysteryserien. Besonders „Schwarzes Blut“ und „Lazarus“ bewegen sich stellenweise deutlich im Horrorgenre.
Sechs Akten eines großen Geheimnisses – Folgenübersicht
Die Serie umfasst sechs Folgen:
1. „Akte 001 – Herz aus Eis“
2. „Akte 002 – Diadem“
3. „Akte 003 – Tage des Zorns“
4. „Akte 004 – Schwarzes Blut“
5. „Akte 005 – White Night“
6. „Akte 006 – Lazarus“
„Herz aus Eis“ und „Diadem“ erschienen 2008. „Tage des Zorns“, „Schwarzes Blut“ und „White Night“ folgten 2009. Mit „Lazarus“ wurde die Reihe 2010 fortgeführt. Damit endet die veröffentlichte Serie nach sechs Akten. Eine siebte Folge erschien nicht. Gerade bei „Lazarus“ ist jedoch deutlich, dass die übergeordnete Geschichte nicht vollständig abgeschlossen war. Mehrere frühere Fragen erhalten neue Antworten, gleichzeitig werden weitere Zusammenhänge eröffnet. Die sechs Folgen bilden deshalb keinen vollständig in sich geschlossenen Gesamtzyklus mit endgültiger Auflösung sämtlicher Geheimnisse.
Die ursprünglichen Hörspiele erschienen auf jeweils einer CD. Die Laufzeiten unterscheiden sich deutlich. „Herz aus Eis“ dauert knapp 48 Minuten, „Diadem“ rund 63 Minuten, „Tage des Zorns“ ungefähr 53 Minuten, „White Night“ etwa 46 bis 50 Minuten und „Lazarus“ rund 78 Minuten. Bei „Schwarzes Blut“ existieren in verschiedenen Verzeichnissen abweichende Laufzeitangaben; die heute angebotene digitale Fassung liegt bei ungefähr 52 Minuten. Später wurden die Produktionen als Downloads und im Streaming erneut verfügbar gemacht. Dadurch blieb die kleine Serie auch nach dem Ende der ursprünglichen Maritim-CD-Ära zugänglich.
Jade Morgrave und W. Ashton Rawleigh – Zwei Agenten ohne vollständige Vergangenheit
Das Zentrum von „Top Secret“ bilden Jade Morgrave und W. Ashton Rawleigh. Jade wird von Christine Pappert gesprochen, Rawleigh von Thomas Karallus. Bereits in „Herz aus Eis“ wird deutlich, dass ihre Situation außergewöhnlich ist. Beide waren ursprünglich hochqualifizierte Agenten, doch ihre Erinnerungen wurden verändert beziehungsweise deaktiviert. Zu ihrem eigenen Schutz lebten sie zeitweise unter anderen Identitäten und ohne vollständiges Wissen über ihre früheren Einsätze. Erst als die Geheimorganisation sie wieder benötigt, werden Teile dieser Erinnerungen reaktiviert.
Damit beginnt die Serie mit einer ungewöhnlichen Ausgangslage. Die beiden Ermittler versuchen nicht nur, einen neuen Fall zu verstehen. Sie müssen zugleich herausfinden, wer sie selbst eigentlich sind, welche Aufgaben sie früher übernommen haben und warum ihre Vorgesetzten entschieden, ihnen die Erinnerung daran zu nehmen. Diese persönliche Ebene unterscheidet „Top Secret“ von einer reinen Fallserie. Jeder neue Einsatz kann Hinweise enthalten, die mit den beiden Agenten selbst zusammenhängen.
Jade und Ashton sind außerdem sehr unterschiedliche Persönlichkeiten. Jade Morgrave ist selbstbewusst, körperlich trainiert und kampferfahren. Sie besteht ausdrücklich darauf, als Miss Morgrave angesprochen zu werden. Ihre Reaktionen sind häufig unmittelbarer und emotionaler als die ihres Partners. W. Ashton Rawleigh wirkt kontrollierter, teilweise härter und stärker auf die Mission konzentriert. Bereits seine Initialen ergeben „WAR“, ein Wortspiel, das innerhalb der Figurenzeichnung bewusst zu seinem Auftreten passt.
Zwischen beiden entsteht zunächst eine professionelle Partnerschaft mit deutlichen Reibungen. Sie provozieren einander, widersprechen sich und reagieren sehr unterschiedlich auf Gefahr. Im Verlauf der sechs Folgen verändert sich diese Beziehung. Vertrauen entwickelt sich nur langsam, denn beide wissen, dass ihre Erinnerungen manipuliert wurden und möglicherweise auch ihre Gefühle oder bisherigen Beziehungen Bestandteil der geheimen Vergangenheit sind. Spätestens in den späteren Akten werden die emotionalen und romantischen Spannungen deutlicher. Die Serie macht die Beziehung der beiden damit selbst zu einem Bestandteil ihres fortlaufenden Rätsels.
Jade Morgrave – Kämpferin zwischen Härte und Unsicherheit
Jade gehört zu den interessanteren weiblichen Hauptfiguren innerhalb der damaligen Maritim-Serien. Sie wird nicht als vorsichtige Begleiterin eines männlichen Agenten angelegt. Sie ist selbst Spezialistin, kann kämpfen und wird in gefährliche Situationen ebenso unmittelbar geschickt wie Ashton. Gleichzeitig zeigt die Serie zunehmend ihre verletzliche Seite. Die fehlenden Erinnerungen erzeugen eine grundlegende Unsicherheit. Jade kann sich auf ihre Fähigkeiten verlassen, nicht aber auf ihre eigene Biografie. Menschen in ihrer Umgebung wissen möglicherweise mehr über sie als sie selbst. Diese Situation wird im Verlauf der Reihe immer belastender.
Ein weiterer Teil ihrer Entwicklung betrifft ihre Gefühle für Ashton. Was zunächst wie ein permanenter verbaler Schlagabtausch wirkt, verändert sich allmählich. Jade beginnt, ihren Partner nicht mehr ausschließlich als Kollegen zu betrachten. Gerade diese persönlichen Momente zeigen jedoch auch eine Eigenheit von Ellen B. Crowns Schreibweise. Die Hörspiele verwenden teilweise eine sehr körperliche und ausdrücklich erotische Sprache, die sich deutlich von gewöhnlichen Agenten- und Mysteryserien unterscheidet.
Christine Pappert spricht Jade mit viel Energie. Ihre Stimme kann selbstbewusst und ironisch wirken, in den stärker emotionalen Szenen aber auch Unsicherheit und Angst vermitteln.