Ice Cream Man – Viel Blut, aber erschreckend wenig Substanz (Filmkritik)

  • Ice Cream Man – Viel Blut, aber erschreckend wenig Substanz

    Ich mag Eli Roth eigentlich. Er war nie ein Regisseur, der für feinsinnige oder besonders tiefgründige Horrorfilme bekannt war. Seine Filme leben von ihrer Kompromisslosigkeit, ihrem schwarzen Humor und der Bereitschaft, auch einmal Grenzen zu überschreiten. Genau deshalb funktionieren Werke wie Cabin Fever, die Hostel-Filme oder zuletzt Thanksgiving für mich so gut. Sie sind hart, teilweise geschmacklos und übertrieben, wissen aber meistens genau, welche Art von Film sie sein wollen. Umso gespannter war ich auf Ice Cream Man. Die Grundidee klang herrlich verrückt und genau nach der Art von Horrorfilm, die heute nur noch selten ins Kino kommt.

    Leider hat mich das Endergebnis deutlich weniger überzeugt, als ich gehofft hatte.

    Schon die Ausgangssituation macht eigentlich Lust auf mehr. In einer scheinbar idyllischen amerikanischen Kleinstadt taucht plötzlich ein geheimnisvoller Eisverkäufer auf, der kostenlos Eis an die Kinder verteilt. Kurz darauf verwandeln sich diese in blutrünstige Killer, die ohne jedes Zögern Eltern, Lehrer, Nachbarn und Polizisten auf brutalste Weise abschlachten. Allein diese Idee besitzt enormes Potenzial. Sie erinnert ein wenig an Children of the Corn, Village of the Damned, den Rattenfänger von Hameln oder auch moderne Filme wie Weapons, entwickelt daraus aber zunächst einen ganz eigenen Ansatz.

    Gerade die ersten zwanzig bis dreißig Minuten fand ich deshalb tatsächlich ziemlich unterhaltsam. Roth hält sich nicht lange mit Erklärungen auf, sondern wirft den Zuschauer direkt ins Chaos. Wenn plötzlich Kinder mit völlig ausdruckslosen Gesichtern und bunten Eisresten um den Mund zu brutalen Killern werden, besitzt das durchaus eine unangenehme Wirkung. Der Kontrast zwischen der sommerlichen Kleinstadtidylle und der extremen Gewalt funktioniert anfangs überraschend gut.

    Und natürlich liefert Eli Roth genau das ab, wofür ihn seine Fans kennen.

    Was die Splattereffekte angeht, hält sich der Film keinerlei Zurückhaltung auf. Hier werden Köpfe gespalten, Gliedmaßen abgetrennt, Körper zerstückelt und Gedärme durch die Gegend geschleudert. Manche Ideen sind derart überzogen, dass man kaum glauben kann, was man gerade sieht. Besonders die praktischen Make-up-Effekte sind hervorragend gelungen. Man merkt, dass hier viel handwerkliches Können eingeflossen ist. Für Freunde klassischer Splatterfilme gibt es zahlreiche Szenen, die wahrscheinlich noch lange im Gedächtnis bleiben werden.

    Leider reicht das auf Dauer einfach nicht aus.

    Nach dem starken Einstieg beginnt der Film nämlich, sich ständig selbst zu wiederholen. Im Grunde läuft die Handlung immer nach demselben Muster ab: Neue Erwachsene tauchen auf, reagieren ungläubig auf die Situation und werden wenige Augenblicke später möglichst spektakulär von den Kindern getötet. Anfangs besitzt das noch einen gewissen Schockeffekt, irgendwann wartet man aber nur noch darauf, welche absurde Tötungsidee sich Roth diesmal ausgedacht hat. Dadurch verliert der Film zunehmend an Spannung, weil man das Gefühl bekommt, dass sich die eigentliche Geschichte kaum weiterentwickelt.

    Auch die Figuren tragen leider nicht dazu bei, den Zuschauer emotional einzubinden.

    Jared ist als Hauptfigur durchaus sympathisch. Seine Laktoseintoleranz sorgt dafür, dass er als einer der wenigen Kinder nicht vom verfluchten Eis betroffen ist, was eine originelle Idee ist. Darüber hinaus bleibt seine Figur aber relativ eindimensional. Seine Schwester, ihre Freunde und die übrigen Überlebenden erhalten ebenfalls kaum Gelegenheit, wirklich Persönlichkeit zu entwickeln. Viele Figuren existieren ausschließlich, damit sie wenige Minuten später besonders spektakulär ums Leben kommen. Dadurch entsteht nie das Gefühl, dass tatsächlich etwas auf dem Spiel steht.

    Besonders schade finde ich, dass der Ice Cream Man selbst hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt.

    Optisch macht Ari Millen seine Sache wirklich gut. Mit seinem ständigen Grinsen, seiner makellos weißen Uniform und seinem schweigenden Auftreten besitzt er durchaus Ausstrahlung. Trotzdem erfährt man über die Figur über weite Strecken fast nichts. Gerade weil der Film seinen Antagonisten so geheimnisvoll inszeniert, hätte ich mir deutlich mehr Hintergrund, Motivation und Persönlichkeit gewünscht. Erst im letzten Drittel wird versucht, seine Vergangenheit zu erklären. Diese Auflösung kommt allerdings viel zu spät und wirkt zudem überraschend einfallslos. Statt etwas Eigenständiges zu erzählen, erinnert die Hintergrundgeschichte an verschiedene Horror-Klassiker, ohne deren Qualität oder emotionale Wirkung zu erreichen.

    Auch inszenatorisch hinterlässt Ice Cream Man bei mir einen zwiespältigen Eindruck.

    Auf der einen Seite stehen großartige praktische Spezialeffekte und einige wirklich gelungene Bilder. Auf der anderen Seite wirkt der Film insgesamt erstaunlich günstig produziert. Manche digitale Bluteffekte fallen unangenehm auf und zerstören leider den Eindruck, den die hervorragenden Maskeneffekte zuvor aufgebaut haben. Auch einige Kameraeinstellungen und die allgemeine Bildgestaltung wirken eher wie eine Direct-to-Streaming-Produktion als wie ein Kinofilm.

    Hinzu kommt, dass die Dialoge häufig erstaunlich schwach geschrieben sind. Viele Gespräche wirken künstlich oder unnötig lang, obwohl der Film ohnehin nur rund 85 Minuten dauert. Statt Atmosphäre aufzubauen oder Figuren zu vertiefen, verliert sich das Drehbuch immer wieder in belanglosen Szenen, bevor schließlich die nächste Gewalteinlage folgt.

    Dabei hätte der Film durchaus spannende Themen streifen können. Kinder als Täter statt Opfer, der Verlust von Unschuld oder die Frage, wie Eltern reagieren, wenn ihre eigenen Kinder plötzlich zur tödlichen Bedrohung werden – all das wird zwar kurz angerissen, aber nie wirklich weiterentwickelt. Stattdessen entscheidet sich Roth fast immer für den einfachen Weg und setzt lieber auf den nächsten möglichst schockierenden Kill.

    Dennoch würde ich den Film auch nicht komplett schlechtreden.

    Gerade Horrorfans, die kompromisslose Splatterfilme mögen und möglichst kreative Kills sehen möchten, dürften durchaus ihren Spaß haben. Langweilig ist Ice Cream Man eigentlich nie. Dafür passiert schlicht zu viel. Allerdings entsteht irgendwann der Eindruck, dass Eli Roth die Geschichte nur noch als Vorwand benutzt, um eine möglichst große Anzahl möglichst brutaler Morde aneinanderzureihen. Und genau dadurch verliert der Film mit jeder weiteren Minute an Wirkung.

    Ice Cream Man beginnt mit einer herrlich verrückten Ausgangsidee und liefert einige der härtesten und kreativsten Splattereffekte, die Eli Roth bislang auf die Leinwand gebracht hat. Leider verlässt sich der Film fast ausschließlich auf seine Gewalt und vergisst darüber alles andere. Die Figuren bleiben blass, die Geschichte entwickelt sich kaum weiter und die späte Hintergrundgeschichte wirkt eher wie eine Pflichtübung als wie eine echte Überraschung. Was als makabrer Horrorspaß beginnt, entwickelt sich zunehmend zu einer Aneinanderreihung immer brutalerer Kills, denen irgendwann die erzählerische Grundlage fehlt. Für eingefleischte Gore-Fans mag das durchaus reichen. Ich persönlich hatte mir nach Thanksgiving allerdings deutlich mehr erhofft und verließ den Film mit dem Gefühl, dass hier eine großartige Idee weit unter ihren Möglichkeiten geblieben ist.

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  • Der Trailer ist ja schon recht heftig. Ich liebe Horrorfilme! Mittlerweile brauch ich aber keine expliziten Splatterszenen mehr. Im Trailer ist schon recht viel "Hackepeterei" enthalten! Alter Schwede.

    Ich finds trotzdem schön Poldi, dass du, wie ich die Horrorfilme magst. Danke für deinen dunklen Einblick.:)

    The Jokes on you!

  • Gibt mittlerweile eine Erklärung warum manche Sachen im Film so unglaublich mies gemacht aussehen. Das passiert wohl wenn man der KI den Prompt gibt: Mach irgendwas mit nem Eis Verkäufer Dämon und weirden Sachen.

    Eli Roth hat nach dem Release des Films bestätigt das er in einigen Passagen KI verwendet hat. KI ist hierbei auch ein gutes Stichwort, wäre nicht überrascht wenn das Skript teils auch von der KI kam, denn so fühlt sich der Film an. Wenn man einen richtig guten Splatter sucht, dieser Film ist selbst da drin mittelmäßig. Er versucht so viel zu sein und schafft dabei etwas unglaubliches, denn er ist am Ende komplett von jeglicher Identität befreit.

    Kleiner Tipp, wenn man gerne schockiert werden will, aber zumindest noch etwas Lore zum Monster oder Killer, sowie den Figuren und Hintergründen bekommen will, dann empfiehlt sich die Terrifier Reihe. Das ganze Gemetzel rund um Art den Clown ist da doch weitaus interessanter und kreativer in seiner gesamten Umsetzung und auch schauspielerisch ist dort das meiste eigentlich ziemlich gut bis sehr gut.

  • Gibt mittlerweile eine Erklärung warum manche Sachen im Film so unglaublich mies gemacht aussehen. Das passiert wohl wenn man der KI den Prompt gibt: Mach irgendwas mit nem Eis Verkäufer Dämon und weirden Sachen.

    Eli Roth hat nach dem Release des Films bestätigt das er in einigen Passagen KI verwendet hat. KI ist hierbei auch ein gutes Stichwort, wäre nicht überrascht wenn das Skript teils auch von der KI kam, denn so fühlt sich der Film an. Wenn man einen richtig guten Splatter sucht, dieser Film ist selbst da drin mittelmäßig. Er versucht so viel zu sein und schafft dabei etwas unglaubliches, denn er ist am Ende komplett von jeglicher Identität befreit.

    Kleiner Tipp, wenn man gerne schockiert werden will, aber zumindest noch etwas Lore zum Monster oder Killer, sowie den Figuren und Hintergründen bekommen will, dann empfiehlt sich die Terrifier Reihe. Das ganze Gemetzel rund um Art den Clown ist da doch weitaus interessanter und kreativer in seiner gesamten Umsetzung und auch schauspielerisch ist dort das meiste eigentlich ziemlich gut bis sehr gut.

    Ich weiß nicht was ich davon halten soll.

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