Jules Verne – Kurt Vethakes Hörspielreisen zwischen Tiefsee, Weltumrundung und einsamen Inseln
Acht Hörspielproduktionen nach sieben Abenteuerromanen – Serienhintergrund
Die Jules-Verne-Hörspiele von Kurt Vethake sind eine Gruppe von acht Literaturhörspielen, die zwischen 1966 und 1980 entstanden. Sie beruhen auf sieben bekannten Abenteuerromanen des französischen Schriftstellers und erschienen ursprünglich bei verschiedenen Schallplatten- und Kassettenlabels. Eine fortlaufend nummerierte Serie bildeten sie zunächst nicht. Erst durch den gemeinsamen Bearbeiter und Produzenten, den wiederkehrenden Sprecherstamm sowie spätere Wiederveröffentlichungen wurden die einzelnen Produktionen zunehmend als zusammengehörende Reihe wahrgenommen.
Kurt Vethake bearbeitete Jules Vernes Geschichten zu einer Zeit, in der umfangreiche Literaturklassiker häufig auf die Laufzeit einer Langspielplatte oder Musikkassette verdichtet wurden. Die mehrere hundert Seiten starken Romane mussten deshalb auf ungefähr 40 bis 60 Minuten reduziert werden. Längere Reisebeschreibungen, wissenschaftliche Erläuterungen und Nebenhandlungen entfielen, während die zentralen Figuren, Gefahren und Wendepunkte erhalten blieben.
Die erste Produktion entstand 1966 für Philips beziehungsweise Fontana. Vethake schrieb die Hörspielbearbeitung zu „In 80 Tagen um die Erde“ und übernahm die Produktion, während Benno Schurr Regie führte. Ab „20.000 Meilen unter dem Meer“ lag auch die Regie überwiegend bei Vethake selbst. Lediglich bei „Zwei Jahre Ferien“ stammte die eigentliche Hörspielbearbeitung von Peter Jacob.
Eine Besonderheit bildet „In 80 Tagen um die Erde“. Kurt Vethake bearbeitete den Roman zweimal. Nach der ersten Produktion von 1966 entstand 1975 für Maritim eine vollständig neue Fassung unter dem Titel „In 80 Tagen um die Welt“. Beide Hörspiele besitzen andere Sprecher, eine andere Inszenierung und unterschiedliche Laufzeiten. Es handelt sich nicht um eine überarbeitete Wiederveröffentlichung, sondern um zwei eigenständige Aufnahmen.
Damit stehen sieben vertonte Romane insgesamt acht Hörspielproduktionen gegenüber.
Die Veröffentlichungen verteilten sich zunächst auf Philips, Fontana, Maritim, Intercord, Unsere Welt und KLAX. Später wurden mehrere Aufnahmen an andere Anbieter weitergegeben und unter neuen Reihenbezeichnungen veröffentlicht. Besonders „Der Kurier des Zaren“ und „Die Kinder des Kapitäns Grant“ erschienen über Jahre hinweg mit zahlreichen unterschiedlichen Titelbildern. Hinter den verschiedenen Hüllen verbarg sich jedoch meist weiterhin dieselbe Aufnahme.
Auch bei „Zwei Jahre Ferien“ kam es zu einer Umbenennung. Das Hörspiel wurde später unter dem Titel „Die Irrfahrt des Schoners Sloughi“ angeboten. Beide Titel bezeichnen dieselbe Vethake-Produktion von 1974.
Die Hörspiele führen durch sehr unterschiedliche Teile von Jules Vernes Abenteuerwelt. Phileas Fogg versucht, die Erde innerhalb von achtzig Tagen zu umrunden. Professor Aronnax gerät an Bord der Nautilus und begegnet Kapitän Nemo. Michael Strogoff reist mit einer geheimen Botschaft durch das bedrohte Russische Reich. Lord Glenarvan sucht gemeinsam mit den Kindern des verschollenen Kapitäns Grant nach deren Vater. Eine Gruppe entflohener Kriegsgefangener baut sich auf einer unbekannten Insel eine neue Heimat auf, während Schüler nach der Irrfahrt des Schoners Sloughi ohne erwachsene Hilfe überleben müssen. Dr. Samuel Fergusson wagt schließlich eine Ballonfahrt über Afrika.
Trotz dieser völlig unterschiedlichen Geschichten besitzen die Hörspiele einen gemeinsamen Klang. Dafür sorgen vor allem die wiederkehrenden Berliner Stimmen. Peter Schiff, Klaus Jepsen, Heinz Rabe, Eberhard Krug, Hans Mahlau, Rolf Marnitz, Hans Schwarz, Hermann Nespech, Uwe Paulsen und Santiago Ziesmer übernehmen in mehreren Produktionen unterschiedliche Rollen.
Ein Sprecher kann innerhalb dieser Hörspielgruppe nacheinander Diener, Reporter, Wissenschaftler, Abenteurer oder Gegenspieler sein. Eine durchgehende Rollenbesetzung zwischen inhaltlich verbundenen Romanen war nicht vorgesehen. So spricht Eberhard Krug Kapitän Nemo in „20.000 Meilen unter dem Meer“, übernimmt in „Die geheimnisvolle Insel“ aber den Ingenieur Cyrus Smith. Der gealterte Nemo wird dort von Hans Eberhard dargestellt.
Die Gemeinsamkeit der Hörspiele entsteht daher nicht durch eine fortlaufende Handlung, sondern durch Vethakes Art der Bearbeitung. Seine Produktionen erzählen geradlinig, verwenden einen deutlich präsenten Erzähler und konzentrieren sich auf die wichtigsten Abenteuerstationen. Die Stimmen stehen im Mittelpunkt, während Musik und Geräusche die wechselnden Schauplätze herstellen.
Die acht Jules-Verne-Produktionen – Hörspielübersicht
Zu Kurt Vethakes Jules-Verne-Hörspielen gehören:
1. In 80 Tagen um die Erde
Die erste Fassung entstand 1966 für Philips beziehungsweise Fontana. Kurt Vethake schrieb die Hörspielbearbeitung und übernahm die Produktion. Benno Schurr führte Regie. Die Laufzeit beträgt ungefähr 39 Minuten.
2. Kapitän Nemo – 20.000 Meilen unter dem Meer
Das Hörspiel erschien 1970 bei Maritim. Bearbeitung, Produktion und Regie lagen bei Kurt Vethake. Die ursprüngliche Fassung besitzt eine Laufzeit von ungefähr 42 Minuten.
3. Der Kurier des Zaren
Die Produktion erschien 1972 bei Intercord. Kurt Vethake übernahm Bearbeitung, Produktion und Regie. Die Musik stammt von Arno Bergmann, die ursprüngliche Hüllengestaltung von Aiga Rasch. Die Laufzeit beträgt ungefähr 46 Minuten.
4. Die Kinder des Kapitäns Grant
Das Hörspiel erschien 1974 bei Intercord. Hörspielbearbeitung, Regie und Produktion lagen bei Kurt Vethake. Arno Bergmann schrieb die Musik, Ludwig Bender war als Toningenieur beteiligt. Die Laufzeit beträgt ungefähr 53 Minuten.
5. Die geheimnisvolle Insel
Die Produktion erschien 1974 bei Philips beziehungsweise Fontana. Kurt Vethake übernahm Bearbeitung, Produktion und Regie. Ludwig Bender war für den Ton verantwortlich, H. J. Nehm wirkte an der Hammondorgel mit. Das Hörspiel dauert ungefähr 41 Minuten.
6. Zwei Jahre Ferien
Das Hörspiel erschien 1974 bei Unsere Welt. Peter Jacob schrieb die Hörspielbearbeitung, Kurt Vethake führte Regie und übernahm die Produktion. Die Laufzeit beträgt 43 Minuten und 46 Sekunden. Spätere Veröffentlichungen verwendeten den Titel „Die Irrfahrt des Schoners Sloughi“.
7. In 80 Tagen um die Welt
Die zweite Bearbeitung des Romans erschien 1975 bei Maritim. Kurt Vethake übernahm Produktion und Regie. Die Musik stammt von Arno Bergmann, die ursprüngliche Illustration von Jürgen Rogner. Mit ungefähr 52 Minuten ist diese Fassung deutlich länger als die Produktion von 1966.
8. Fünf Wochen im Ballon
Die späteste Produktion entstand 1980 und erschien zunächst auf Musikkassette bei KLAX. Kurt Vethake übernahm Hörspielbearbeitung, Produktion und Regie. Wolfgang Loos und Boris Balin waren für den Ton verantwortlich. Die Laufzeit beträgt ungefähr 60 Minuten.
Die Aufnahmen entstanden somit nicht in einer einzigen geschlossenen Produktionsphase. Zwischen dem ersten und dem letzten Hörspiel liegen ungefähr 14 Jahre. Besonders dicht war die Folge der Veröffentlichungen zwischen 1970 und 1975. In diesem Zeitraum entstanden sechs der acht Produktionen.