Jules Verne – Kurt Vethakes Hörspielreisen zwischen Tiefsee, Weltumrundung und einsamen Inseln

  • Jules Verne – Kurt Vethakes Hörspielreisen zwischen Tiefsee, Weltumrundung und einsamen Inseln

    Acht Hörspielproduktionen nach sieben Abenteuerromanen – Serienhintergrund

    Die Jules-Verne-Hörspiele von Kurt Vethake sind eine Gruppe von acht Literaturhörspielen, die zwischen 1966 und 1980 entstanden. Sie beruhen auf sieben bekannten Abenteuerromanen des französischen Schriftstellers und erschienen ursprünglich bei verschiedenen Schallplatten- und Kassettenlabels. Eine fortlaufend nummerierte Serie bildeten sie zunächst nicht. Erst durch den gemeinsamen Bearbeiter und Produzenten, den wiederkehrenden Sprecherstamm sowie spätere Wiederveröffentlichungen wurden die einzelnen Produktionen zunehmend als zusammengehörende Reihe wahrgenommen.

    Kurt Vethake bearbeitete Jules Vernes Geschichten zu einer Zeit, in der umfangreiche Literaturklassiker häufig auf die Laufzeit einer Langspielplatte oder Musikkassette verdichtet wurden. Die mehrere hundert Seiten starken Romane mussten deshalb auf ungefähr 40 bis 60 Minuten reduziert werden. Längere Reisebeschreibungen, wissenschaftliche Erläuterungen und Nebenhandlungen entfielen, während die zentralen Figuren, Gefahren und Wendepunkte erhalten blieben.

    Die erste Produktion entstand 1966 für Philips beziehungsweise Fontana. Vethake schrieb die Hörspielbearbeitung zu „In 80 Tagen um die Erde“ und übernahm die Produktion, während Benno Schurr Regie führte. Ab „20.000 Meilen unter dem Meer“ lag auch die Regie überwiegend bei Vethake selbst. Lediglich bei „Zwei Jahre Ferien“ stammte die eigentliche Hörspielbearbeitung von Peter Jacob.

    Eine Besonderheit bildet „In 80 Tagen um die Erde“. Kurt Vethake bearbeitete den Roman zweimal. Nach der ersten Produktion von 1966 entstand 1975 für Maritim eine vollständig neue Fassung unter dem Titel „In 80 Tagen um die Welt“. Beide Hörspiele besitzen andere Sprecher, eine andere Inszenierung und unterschiedliche Laufzeiten. Es handelt sich nicht um eine überarbeitete Wiederveröffentlichung, sondern um zwei eigenständige Aufnahmen.

    Damit stehen sieben vertonte Romane insgesamt acht Hörspielproduktionen gegenüber.

    Die Veröffentlichungen verteilten sich zunächst auf Philips, Fontana, Maritim, Intercord, Unsere Welt und KLAX. Später wurden mehrere Aufnahmen an andere Anbieter weitergegeben und unter neuen Reihenbezeichnungen veröffentlicht. Besonders „Der Kurier des Zaren“ und „Die Kinder des Kapitäns Grant“ erschienen über Jahre hinweg mit zahlreichen unterschiedlichen Titelbildern. Hinter den verschiedenen Hüllen verbarg sich jedoch meist weiterhin dieselbe Aufnahme.

    Auch bei „Zwei Jahre Ferien“ kam es zu einer Umbenennung. Das Hörspiel wurde später unter dem Titel „Die Irrfahrt des Schoners Sloughi“ angeboten. Beide Titel bezeichnen dieselbe Vethake-Produktion von 1974.

    Die Hörspiele führen durch sehr unterschiedliche Teile von Jules Vernes Abenteuerwelt. Phileas Fogg versucht, die Erde innerhalb von achtzig Tagen zu umrunden. Professor Aronnax gerät an Bord der Nautilus und begegnet Kapitän Nemo. Michael Strogoff reist mit einer geheimen Botschaft durch das bedrohte Russische Reich. Lord Glenarvan sucht gemeinsam mit den Kindern des verschollenen Kapitäns Grant nach deren Vater. Eine Gruppe entflohener Kriegsgefangener baut sich auf einer unbekannten Insel eine neue Heimat auf, während Schüler nach der Irrfahrt des Schoners Sloughi ohne erwachsene Hilfe überleben müssen. Dr. Samuel Fergusson wagt schließlich eine Ballonfahrt über Afrika.

    Trotz dieser völlig unterschiedlichen Geschichten besitzen die Hörspiele einen gemeinsamen Klang. Dafür sorgen vor allem die wiederkehrenden Berliner Stimmen. Peter Schiff, Klaus Jepsen, Heinz Rabe, Eberhard Krug, Hans Mahlau, Rolf Marnitz, Hans Schwarz, Hermann Nespech, Uwe Paulsen und Santiago Ziesmer übernehmen in mehreren Produktionen unterschiedliche Rollen.

    Ein Sprecher kann innerhalb dieser Hörspielgruppe nacheinander Diener, Reporter, Wissenschaftler, Abenteurer oder Gegenspieler sein. Eine durchgehende Rollenbesetzung zwischen inhaltlich verbundenen Romanen war nicht vorgesehen. So spricht Eberhard Krug Kapitän Nemo in „20.000 Meilen unter dem Meer“, übernimmt in „Die geheimnisvolle Insel“ aber den Ingenieur Cyrus Smith. Der gealterte Nemo wird dort von Hans Eberhard dargestellt.

    Die Gemeinsamkeit der Hörspiele entsteht daher nicht durch eine fortlaufende Handlung, sondern durch Vethakes Art der Bearbeitung. Seine Produktionen erzählen geradlinig, verwenden einen deutlich präsenten Erzähler und konzentrieren sich auf die wichtigsten Abenteuerstationen. Die Stimmen stehen im Mittelpunkt, während Musik und Geräusche die wechselnden Schauplätze herstellen.

    Die acht Jules-Verne-Produktionen – Hörspielübersicht

    Zu Kurt Vethakes Jules-Verne-Hörspielen gehören:

    1. In 80 Tagen um die Erde

    Die erste Fassung entstand 1966 für Philips beziehungsweise Fontana. Kurt Vethake schrieb die Hörspielbearbeitung und übernahm die Produktion. Benno Schurr führte Regie. Die Laufzeit beträgt ungefähr 39 Minuten.

    2. Kapitän Nemo – 20.000 Meilen unter dem Meer

    Das Hörspiel erschien 1970 bei Maritim. Bearbeitung, Produktion und Regie lagen bei Kurt Vethake. Die ursprüngliche Fassung besitzt eine Laufzeit von ungefähr 42 Minuten.

    3. Der Kurier des Zaren

    Die Produktion erschien 1972 bei Intercord. Kurt Vethake übernahm Bearbeitung, Produktion und Regie. Die Musik stammt von Arno Bergmann, die ursprüngliche Hüllengestaltung von Aiga Rasch. Die Laufzeit beträgt ungefähr 46 Minuten.

    4. Die Kinder des Kapitäns Grant

    Das Hörspiel erschien 1974 bei Intercord. Hörspielbearbeitung, Regie und Produktion lagen bei Kurt Vethake. Arno Bergmann schrieb die Musik, Ludwig Bender war als Toningenieur beteiligt. Die Laufzeit beträgt ungefähr 53 Minuten.

    5. Die geheimnisvolle Insel

    Die Produktion erschien 1974 bei Philips beziehungsweise Fontana. Kurt Vethake übernahm Bearbeitung, Produktion und Regie. Ludwig Bender war für den Ton verantwortlich, H. J. Nehm wirkte an der Hammondorgel mit. Das Hörspiel dauert ungefähr 41 Minuten.

    6. Zwei Jahre Ferien

    Das Hörspiel erschien 1974 bei Unsere Welt. Peter Jacob schrieb die Hörspielbearbeitung, Kurt Vethake führte Regie und übernahm die Produktion. Die Laufzeit beträgt 43 Minuten und 46 Sekunden. Spätere Veröffentlichungen verwendeten den Titel „Die Irrfahrt des Schoners Sloughi“.

    7. In 80 Tagen um die Welt

    Die zweite Bearbeitung des Romans erschien 1975 bei Maritim. Kurt Vethake übernahm Produktion und Regie. Die Musik stammt von Arno Bergmann, die ursprüngliche Illustration von Jürgen Rogner. Mit ungefähr 52 Minuten ist diese Fassung deutlich länger als die Produktion von 1966.

    8. Fünf Wochen im Ballon

    Die späteste Produktion entstand 1980 und erschien zunächst auf Musikkassette bei KLAX. Kurt Vethake übernahm Hörspielbearbeitung, Produktion und Regie. Wolfgang Loos und Boris Balin waren für den Ton verantwortlich. Die Laufzeit beträgt ungefähr 60 Minuten.

    Die Aufnahmen entstanden somit nicht in einer einzigen geschlossenen Produktionsphase. Zwischen dem ersten und dem letzten Hörspiel liegen ungefähr 14 Jahre. Besonders dicht war die Folge der Veröffentlichungen zwischen 1970 und 1975. In diesem Zeitraum entstanden sechs der acht Produktionen.

  • Jules Vernes „Außergewöhnliche Reisen“ als Grundlage

    Jules Verne verband in seinen Romanen Abenteuer, geografische Entdeckungen und die technischen Möglichkeiten seiner Zeit. Viele seiner Geschichten gehören zu dem großen Romanzyklus der „Außergewöhnlichen Reisen“. Dabei handelt es sich nicht um eine fortlaufende Serie mit denselben Hauptfiguren, sondern um selbstständige Erzählungen, die unterschiedliche Regionen der Erde und verschiedene Formen des Reisens behandeln.

    Die Hörspielauswahl Kurt Vethakes bildet einen Querschnitt durch diese Welt.

    „In 80 Tagen um die Erde“ beziehungsweise „In 80 Tagen um die Welt“ nutzt die modernen Eisenbahn- und Dampfschiffverbindungen des 19. Jahrhunderts für einen Wettlauf gegen die Uhr.

    „20.000 Meilen unter dem Meer“ führt mit Kapitän Nemos Nautilus in eine technisch hoch entwickelte Unterwasserwelt.

    „Der Kurier des Zaren“ verzichtet weitgehend auf fantastische Erfindungen und erzählt stattdessen von einer gefährlichen Reise durch das Russische Reich.

    „Die Kinder des Kapitäns Grant“ verbindet die Suche nach einem verschollenen Seemann mit einer Expedition über mehrere Kontinente.

    „Die geheimnisvolle Insel“ erzählt vom Aufbau einer neuen Gemeinschaft und führt zugleich Figuren aus „Die Kinder des Kapitäns Grant“ und „20.000 Meilen unter dem Meer“ zusammen.

    „Zwei Jahre Ferien“ überträgt das klassische Inselabenteuer auf eine Gruppe von Schülern, die ohne Erwachsene überleben muss.

    „Fünf Wochen im Ballon“ verbindet die Erforschung Afrikas mit einer zu Jules Vernes Zeit noch jungen Form der Luftfahrt.

    Nicht vertont wurden von Vethake andere bekannte Romane wie „Reise zum Mittelpunkt der Erde“, „Von der Erde zum Mond“, „Robur der Sieger“ oder „Ein Kapitän von fünfzehn Jahren“. Zwar entstanden von diesen Stoffen ebenfalls deutschsprachige Hörspiele, sie stammen jedoch von anderen Bearbeitern und Produzenten.

    Die sieben ausgewählten Romane funktionieren jeweils unabhängig voneinander. Lediglich „Die Kinder des Kapitäns Grant“, „20.000 Meilen unter dem Meer“ und „Die geheimnisvolle Insel“ besitzen direkte literarische Verbindungen.

    Ayrton tritt zunächst in „Die Kinder des Kapitäns Grant“ auf und kehrt in „Die geheimnisvolle Insel“ zurück. Kapitän Nemo erscheint zuerst als Kommandant der Nautilus und lebt in „Die geheimnisvolle Insel“ verborgen in einer unterirdischen Höhle weiter. Dort wird auch ein Teil seiner Geschichte abgeschlossen.

    Kurt Vethake vertonte diese drei Romane jedoch nicht als ausdrücklich zusammenhängende Trilogie. Die Produktionen erschienen bei unterschiedlichen Labels, erhielten keine gemeinsame Nummerierung und verwendeten keine durchgehend identischen Rollenbesetzungen. Der Zusammenhang ergibt sich aus Jules Vernes Romanen und nicht aus einem übergeordneten Hörspielkonzept.

    In 80 Tagen um die Erde – Die erste Weltreise von 1966

    Mit „In 80 Tagen um die Erde“ begann 1966 Kurt Vethakes Beschäftigung mit Jules Verne. Das Hörspiel erschien als Langspielplatte bei Philips beziehungsweise Fontana und besitzt innerhalb der späteren Gruppe eine besondere Stellung.

    Kurt Vethake schrieb die Bearbeitung und übernahm die Produktion, führte aber noch nicht selbst Regie. Diese Aufgabe lag bei Benno Schurr. Damit unterscheidet sich die Aufnahme von den meisten späteren Jules-Verne-Hörspielen Vethakes, bei denen Bearbeitung, Produktion und Regie aus einer Hand kamen.

    Die Geschichte beginnt in London. Der wohlhabende Gentleman Phileas Fogg führt ein äußerst geregeltes Leben. Seine Tage folgen festen Abläufen, und selbst geringfügige Abweichungen von seinem Zeitplan sind nicht vorgesehen.

    In seinem Club kommt es zu einer Diskussion über die verbesserten Verkehrsverbindungen des 19. Jahrhunderts. Neue Eisenbahnstrecken und schnelle Dampfschiffe haben die Reisezeiten zwischen den Kontinenten deutlich verkürzt. Fogg behauptet, dass eine vollständige Umrundung der Erde inzwischen innerhalb von achtzig Tagen möglich sei.

    Die übrigen Clubmitglieder halten diese Berechnung für unrealistisch. Fahrpläne können nur funktionieren, solange kein Schiff verspätet ablegt, keine Bahnstrecke unterbrochen wird und kein unerwartetes Ereignis die Reise aufhält.

    Fogg schließt dennoch eine Wette über 20.000 Pfund ab. Noch am selben Abend verlässt er London. Begleitet wird er von seinem französischen Diener Passepartout, der erst kurz zuvor in Foggs Haushalt eingetreten ist und eigentlich auf ein ruhiges Leben gehofft hatte.

    Während Fogg die Reise wie eine mathematische Aufgabe behandelt, reagiert Passepartout wesentlich lebhafter. Er staunt über die fremden Länder, gerät in Schwierigkeiten und muss sich immer wieder auf neue Gefahren einstellen.

    Zusätzliche Spannung entsteht durch den Detektiv Fix. Kurz vor Foggs Abreise wurde die Bank von England beraubt. Fix hält den plötzlich auf Weltreise gehenden Gentleman für den gesuchten Täter und folgt ihm deshalb über mehrere Kontinente.

    Da der notwendige Haftbefehl nicht rechtzeitig eintrifft, versucht Fix, Fogg aufzuhalten und seine Rückkehr auf britisches Gebiet abzuwarten. Der vermeintliche Bankräuber weiß lange Zeit nichts von diesem Verdacht.

    Die Reise führt über Suez nach Indien. Dort begegnen Fogg und Passepartout der jungen Auda. Nach dem Tod ihres Mannes soll sie gegen ihren Willen gemeinsam mit dessen Leichnam verbrannt werden. Fogg entscheidet sich, die Frau zu retten, obwohl er dadurch wertvolle Zeit verliert.

    Diese Entscheidung zeigt, dass sich hinter seiner kontrollierten Fassade ein mitfühlender Mensch verbirgt. Die Wette ist für ihn wichtig, doch er stellt sie nicht über das Leben eines anderen Menschen.

    Auda begleitet Fogg und Passepartout anschließend auf der weiteren Reise. Über Hongkong, Japan und Nordamerika versuchen sie, rechtzeitig nach London zurückzukehren.

    Wolfgang Reinsch führt als Erzähler durch die stark verdichtete Handlung. Heiner Schmidt spricht Phileas Fogg, Claus Wilcke übernimmt Passepartout und Frank Scholze den Detektiv Fix. Ilona Wiedem ist als Auda zu hören.

    Zu den weiteren Sprechern gehören Werner Simon als Mr. Flanagan, Herbert Schimkat als Mr. Stuart, Gert Keller als Mr. Ralph, Kurt E. Welke als Konsul, Walter Prüssing als General Sir Francis Cromarty, Kurt Reich als Parse, Hans Röhr als Schiffer, Rudolf Siege als Schaffner, Hannes Andersen als Colonel, Peter Versten als Kapitän und Stefan Behrens als Zeitungsjunge.

    Mit ungefähr 39 Minuten ist die Fontana-Produktion das kürzeste Jules-Verne-Hörspiel innerhalb von Vethakes Werk. Die zahlreichen Stationen der Weltreise können deshalb nur in sehr kompakter Form dargestellt werden. Der Erzähler überbrückt große Entfernungen und längere Reisezeiten, während die Dialoge vor allem die entscheidenden Begegnungen und Hindernisse behandeln.

    Trotz der starken Kürzung bleiben die wesentlichen Bestandteile der Geschichte erhalten: die Wette, der Zeitdruck, Fix’ falscher Verdacht, die Rettung Audas und die überraschende Auflösung.

    Fogg glaubt nach seiner Rückkehr zunächst, die vereinbarte Frist überschritten zu haben. Erst Passepartout erkennt, dass die Reisenden durch ihre Bewegung von Westen nach Osten einen Tag gewonnen haben. Fogg erreicht den Club im letzten Augenblick und gewinnt die Wette.

    Die Produktion von 1966 blieb nicht Vethakes einzige Bearbeitung des Stoffes. 1975 nahm er den Roman für Maritim noch einmal vollständig neu auf. Dadurch lässt sich an derselben Geschichte besonders gut erkennen, wie sich seine Produktionsweise und sein Sprecherensemble innerhalb von knapp zehn Jahren verändert hatten.

  • Kapitän Nemo – 20.000 Meilen unter dem Meer

    1970 folgte bei Maritim „Kapitän Nemo – 20.000 Meilen unter dem Meer“. Diesmal übernahm Kurt Vethake Hörspielbearbeitung, Produktion und Regie selbst. Peter Wagner war als Toningenieur beteiligt.

    Die Geschichte beginnt mit Berichten über ein rätselhaftes Wesen, das auf den Weltmeeren Schiffe angreift und beschädigt. Wegen seiner Größe und Geschwindigkeit halten viele Beobachter es für ein unbekanntes Meerestier.

    Eine Expedition soll das vermeintliche Ungeheuer aufspüren. An Bord des amerikanischen Kriegsschiffes Abraham Lincoln befindet sich der französische Wissenschaftler Professor Pierre Aronnax. Begleitet wird er von seinem Diener Conseil. Zum Schiff gehört außerdem der erfahrene Harpunier Ned Land.

    Als die Abraham Lincoln auf das geheimnisvolle Objekt trifft, stellt sich heraus, dass es kein Tier ist. Aronnax, Conseil und Ned Land gelangen auf ein technisch hoch entwickeltes Unterseeboot.

    Die Nautilus wird von Kapitän Nemo befehligt. Er hat der Gesellschaft den Rücken gekehrt und lebt mit seiner Mannschaft unabhängig von allen Staaten auf den Weltmeeren. Seine technischen Möglichkeiten übertreffen alles, was Aronnax bisher für denkbar hielt.

    Nemo gestattet den drei Männern, an Bord zu bleiben. Gleichzeitig erklärt er ihnen, dass sie die Nautilus niemals wieder verlassen dürfen. Aus Gästen werden damit Gefangene, auch wenn Aronnax zunächst von der Unterwasserwelt und den wissenschaftlichen Möglichkeiten des Schiffes fasziniert ist.

    Professor Aronnax wird von Moritz Milar gesprochen. Peter Schiff übernimmt Conseil, Artur Binder den Harpunier Ned Land und Hans Mahlau den Kommandanten Farragut. Die zentrale Rolle des Kapitän Nemo spricht Eberhard Krug.

    Die Besetzung fällt mit fünf namentlich aufgeführten Hauptrollen ausgesprochen klein aus. Dadurch konzentriert sich die Inszenierung vollständig auf das Leben an Bord der Nautilus und das Verhältnis zwischen Nemo und seinen unfreiwilligen Gästen.

    Aronnax betrachtet den Kapitän mit wissenschaftlicher Neugier. Er bewundert dessen Wissen, die technischen Leistungen und den Zugang zu einer kaum erforschten Welt. Ned Land denkt dagegen von Anfang an an Flucht. Für ihn bleibt die Nautilus trotz aller Wunder ein Gefängnis.

    Conseil steht zwischen beiden Positionen. Er folgt seinem Professor treu und bewahrt selbst in gefährlichen Situationen Ruhe.

    Kapitän Nemo bleibt lange undurchschaubar. Er ist Wissenschaftler, Erfinder und Kommandant, zeigt aber ebenso Härte und eine tiefe Abneigung gegen die Gesellschaft außerhalb seines Schiffes. Seine Vergangenheit und die Gründe für seinen Rückzug werden in der stark gekürzten Hörspielfassung nur angedeutet.

    Kurt Vethake musste auch hier große Teile der Romanvorlage weglassen. Jules Vernes ausführliche Beschreibungen von Meerestieren, Landschaften und wissenschaftlichen Erkenntnissen hätten die verfügbare Spielzeit weit überschritten.

    Das Hörspiel konzentriert sich deshalb auf die Begegnung mit der Nautilus, das Leben unter Nemos Herrschaft, einzelne Gefahren der Unterwasserreise und den zunehmenden Wunsch nach Flucht.

    Die ursprüngliche Maritim-Ausgabe erschien 1970 unter dem Titel „Kapitän Nemo – 20.000 Meilen unter dem Meer“. Spätere Ausgaben stellten teilweise nur noch den bekannteren Romantitel in den Vordergrund.

    Die Aufnahme wurde auf Langspielplatte und Musikkassette veröffentlicht. Jahrzehnte später erschien sie erneut auf CD und wurde auch digital angeboten.

    Die Fortsetzung von Kapitän Nemos Lebensweg findet sich in „Die geheimnisvolle Insel“. Vethake besetzte die Figur dort allerdings neu. Eberhard Krug, der in „20.000 Meilen unter dem Meer“ Nemo spricht, übernimmt später Cyrus Smith. Den gealterten Kapitän Nemo verkörpert Hans Eberhard.

    Diese Umbesetzung zeigt erneut, dass die Produktionen nicht als fortlaufende Hörspielserie geplant waren. Die literarischen Zusammenhänge blieben erhalten, die Sprecher wurden jedoch für jedes Hörspiel neu auf die vorhandenen Rollen verteilt.

  • Der Kurier des Zaren – Ein Wettlauf quer durch Russland

    Mit „Der Kurier des Zaren“ wandte sich Kurt Vethake einem Roman zu, der innerhalb von Jules Vernes Werk eine Sonderstellung einnimmt. Während viele seiner berühmtesten Geschichten von technischen Erfindungen oder außergewöhnlichen Expeditionen handeln, erzählt dieser Roman ein klassisches Abenteuer voller Verfolgungen, Intrigen und persönlicher Opferbereitschaft. Fantastische Maschinen oder wissenschaftliche Visionen spielen kaum eine Rolle. Stattdessen stehen Mut, Loyalität und Durchhaltevermögen im Mittelpunkt.

    Die Hörspielproduktion entstand Anfang der 1970er-Jahre und erschien zunächst bei Intercord. Später wurde dieselbe Aufnahme von zahlreichen weiteren Labels übernommen und mit unterschiedlichen Titelbildern veröffentlicht. Dadurch gehört „Der Kurier des Zaren“ zu den am häufigsten wiederaufgelegten Jules-Verne-Hörspielen Kurt Vethakes.

    Die Handlung spielt während eines Aufstands im Russischen Reich. Große Teile Sibiriens werden von den Tataren bedroht, die Verbindung zwischen Moskau und Irkutsk droht vollständig zusammenzubrechen. Gleichzeitig verfolgt der Verräter Ivan Ogareff eigene Pläne. Er kennt die militärischen Strukturen des Zarenreiches genau und möchte die Verteidigung entscheidend schwächen.

    Nur eine einzige Möglichkeit scheint zu bleiben. Eine geheime Botschaft muss den Großfürsten in Irkutsk erreichen, bevor die Aufständischen die Stadt einnehmen können. Für diesen Auftrag wählt der Zar seinen zuverlässigsten Kurier aus: Michael Strogoff.

    Strogoff soll unter falschem Namen reisen und seine wahre Identität unter allen Umständen geheim halten. Bereits kurz nach seinem Aufbruch wird deutlich, dass ihn eine der gefährlichsten Missionen seines Lebens erwartet. Immer wieder muss er Kontrollen umgehen, feindlichen Spähern entkommen und neue Wege finden, um seine Reise fortsetzen zu können.

    Unterwegs begegnet er der jungen Nadja, die ebenfalls nach Irkutsk reisen möchte, um ihren Vater wiederzusehen. Zwischen beiden entsteht langsam ein Vertrauensverhältnis. Nadja begleitet den Kurier auf einem großen Teil seines Weges und wird zu einer wichtigen Verbündeten. Ihre Begegnung verleiht der Geschichte neben allen Gefahren auch eine menschliche und emotionale Ebene.

    Zum eigentlichen Gegenspieler entwickelt sich Ivan Ogareff. Anders als viele Schurken klassischer Abenteuerromane handelt er mit großer Geduld und Berechnung. Immer wieder gelingt es ihm, Strogoff einen Schritt voraus zu sein oder dessen Reise zu erschweren. Dadurch entwickelt sich ein spannender Wettlauf quer durch das Russische Reich.

    Eine Besonderheit des Romans sind außerdem die beiden Reporter Alcide Jolivet und Harry Blount. Der französische Journalist Jolivet betrachtet viele Situationen mit Humor und Leichtigkeit, während sein englischer Kollege Blount sachlicher und zurückhaltender auftritt. Beide begleiten große Teile der Reise und liefern immer wieder eine zusätzliche Perspektive auf die Ereignisse.

    Für die Hörspielbearbeitung musste Kurt Vethake den umfangreichen Roman erheblich kürzen. Die politischen Hintergründe des Aufstands sowie zahlreiche Stationen der Reise werden deutlich gestrafft. Im Mittelpunkt stehen stattdessen konsequent Michael Strogoffs Auftrag, seine Begegnung mit Nadja und der Konflikt mit Ivan Ogareff. Dadurch entwickelt das Hörspiel ein hohes Tempo, ohne den roten Faden der Geschichte zu verlieren.

    Die Titelrolle übernimmt Heinz Rabe, der Michael Strogoff mit ruhiger Entschlossenheit und großer Glaubwürdigkeit spricht. Seine Interpretation vermittelt den Eindruck eines Mannes, der seine Pflicht über alles stellt und sich auch unter größter Belastung nicht von seinem Ziel abbringen lässt.

    Den Gegenspieler Ivan Ogareff spricht Klaus Jepsen. Seine zurückhaltende und kontrollierte Spielweise macht Ogareff zu einem gefährlichen Gegner, der nicht durch Lautstärke, sondern durch Berechnung wirkt.

    Regine Mahler übernimmt die Rolle der Nadja, während Margarethe Schön als Strogoffs Mutter Marfa zu hören ist. Den Zaren spricht Herbert Wilk.

    Die beiden Reporter werden von Hans Mahlau als Alcide Jolivet und Tobias Pagel als Harry Blount dargestellt. Weitere Rollen übernehmen Rolf Marnitz als Großfürst, Micaela Pfeiffer als Sangarre, Gerhard Zimram als General Kisoff, Hermann Nespech als Polizeichef, Hans Schwarz als Emir Feofar-Khan und Santiago Ziesmer als Telegraphist Pigassoff.

    Wie bei mehreren Jules-Verne-Hörspielen Kurt Vethakes stammt die Musik von Arno Bergmann, dessen Kompositionen die Reise durch Russland wirkungsvoll begleiten. Als Toningenieur war Peter Wagner beteiligt. Produktion, Regie und Hörspielbearbeitung lagen vollständig in den Händen Kurt Vethakes.

    Mit einer Laufzeit von rund 46 Minuten gehört „Der Kurier des Zaren“ zu den mittellangen Produktionen der Reihe. Trotz der notwendigen Kürzungen bleibt die Geschichte jederzeit nachvollziehbar. Der Erzähler verbindet größere Ortswechsel, während die Dialoge die entscheidenden Begegnungen und Konflikte in den Mittelpunkt rücken.

    Besonders bemerkenswert ist die Veröffentlichungsgeschichte des Hörspiels. Nach der Intercord-Erstausgabe erschien dieselbe Aufnahme bei zahlreichen weiteren Labels, darunter Tempo, Kiosk, Bimbo, Music for Pleasure und weiteren Anbietern. Die Illustrationen unterschieden sich zum Teil erheblich voneinander. Mal dominierten Reiterszenen, mal russische Landschaften oder dramatische Begegnungen zwischen Strogoff und den Tataren. Dadurch entstand leicht der Eindruck, dass mehrere verschiedene Hörspielproduktionen existierten.

    Tatsächlich verbarg sich hinter den unterschiedlichen Hüllen fast immer dieselbe Aufnahme von Kurt Vethake. Gerade deshalb gehört „Der Kurier des Zaren“ heute zu den bekanntesten und am weitesten verbreiteten Jules-Verne-Hörspielen seines umfangreichen Schaffens.

  • Die Kinder des Kapitäns Grant – Eine Suche rund um den halben Erdball

    Mit „Die Kinder des Kapitäns Grant“ griff Kurt Vethake einen Roman auf, der innerhalb von Jules Vernes Werk eine besondere Stellung einnimmt. Die Geschichte erschien bereits 1867 und gehört zu den frühen großen Erfolgen des französischen Autors. Gleichzeitig bildet sie den ersten Teil jener lose verbundenen Romantrilogie, zu der später auch „20.000 Meilen unter dem Meer“ und „Die geheimnisvolle Insel“ gehören. Während Kapitän Nemo in den beiden späteren Werken eine zentrale Rolle spielt, beginnt die Trilogie mit der Suche nach einem ganz anderen Seefahrer – dem verschollenen Kapitän Harry Grant.

    Kurt Vethakes Hörspiel erschien 1974 zunächst bei Intercord und entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einer seiner am häufigsten wiederveröffentlichten Jules-Verne-Produktionen. Zahlreiche Schallplatten- und Kassettenlabels übernahmen dieselbe Aufnahme und veröffentlichten sie mit immer neuen Titelbildern. Dadurch begegnet Sammlern das Hörspiel bis heute in den unterschiedlichsten Ausgaben.

    Die Geschichte beginnt mit einem ungewöhnlichen Fund. Lord Glenarvan entdeckt im Magen eines gefangenen Hais eine Flaschenpost. Das beschädigte Schriftstück stammt offenbar vom verschollenen Kapitän Harry Grant, dessen Schiff vor Jahren spurlos verschwunden ist. Ein Großteil der Nachricht ist unleserlich geworden. Lediglich einzelne Hinweise lassen sich noch entziffern. Danach soll sich Grant irgendwo auf dem 37. Breitengrad südlicher Breite befinden.

    Obwohl diese Angabe kaum ausreicht, um den Aufenthaltsort eines Menschen zu bestimmen, beschließt Lord Glenarvan, eine Rettungsexpedition auszurüsten. Gemeinsam mit seiner Frau Helena sowie Grants Kindern Mary und Robert beginnt eine Reise, die sie über mehrere Kontinente führen wird.

    Der Weg führt zunächst nach Südamerika, später nach Australien und schließlich nach Neuseeland. Immer wieder glauben die Reisenden, ihrem Ziel ganz nahe zu sein, doch ebenso oft zerschlagen sich ihre Hoffnungen. Hinweise erweisen sich als falsch, Spuren verlieren sich und neue Gefahren treten an ihre Stelle. Gerade diese ständigen Rückschläge verleihen der Geschichte ihren besonderen Reiz. Anders als in vielen Abenteuerromanen steht hier nicht das Erreichen eines bestimmten Ortes im Mittelpunkt, sondern die unermüdliche Suche nach einem Menschen, dessen Schicksal völlig ungewiss ist.

    Eine wichtige Rolle übernimmt dabei Lord Glenarvan. Er finanziert die gesamte Expedition und fühlt sich verantwortlich, den Kindern ihres verschollenen Freundes zu helfen. Dabei handelt er weder aus Ruhmsucht noch aus persönlichem Vorteil. Vielmehr empfindet er es als seine Pflicht, die Suche nach Kapitän Grant nicht aufzugeben, solange noch Hoffnung besteht.

    Die eigentlichen Hauptfiguren bleiben jedoch Mary und Robert Grant. Während Mary niemals den Glauben an die Rückkehr ihres Vaters verliert, bringt Robert jugendliche Abenteuerlust und Optimismus in die Geschichte. Beide verleihen der Expedition ihre emotionale Grundlage. Die Suche gilt nicht irgendeinem verschollenen Kapitän, sondern dem Vater zweier Kinder, die sich weigern, ihn für tot zu erklären.

    Zu den beliebtesten Figuren des Romans gehört außerdem der französische Geograf Jacques Paganel. Durch ein Missverständnis gelangt er zufällig an Bord der Expedition und begleitet die Reisenden fortan auf ihrer Suche. Paganel verfügt über enormes geografisches Wissen, ist zugleich aber ausgesprochen zerstreut. Immer wieder sorgt seine Begeisterung für fremde Länder ebenso wie seine gelegentliche Unaufmerksamkeit für humorvolle Situationen. Zwischen den ernsten und gefährlichen Episoden lockert er die Handlung immer wieder auf.

    Eine weitere Schlüsselfigur ist Ayrton. Er behauptet zunächst, wichtige Hinweise auf den Aufenthaltsort Kapitän Grants geben zu können. Im Verlauf der Geschichte zeigt sich jedoch, dass seine Vergangenheit wesentlich komplizierter ist, als die Expedition zunächst vermutet. Gerade Ayrton entwickelt sich zu einer der interessantesten Figuren des Romans. Seine Geschichte endet nicht mit diesem Hörspiel. Jules Verne greift sie später in „Die geheimnisvolle Insel“ erneut auf und führt sie dort weiter.

    Für die Hörspielbearbeitung musste Kurt Vethake den umfangreichen Roman erheblich kürzen. Die Reise über drei Kontinente umfasst in der Vorlage zahlreiche Begegnungen, Naturbeschreibungen und Nebenhandlungen. Im Hörspiel konzentriert sich die Handlung deshalb vor allem auf die eigentliche Suche nach Kapitän Grant und die wichtigsten Wendepunkte der Expedition. Größere Ortswechsel werden häufig durch den Erzähler zusammengefasst, während die entscheidenden Begegnungen als Dialogszenen erhalten bleiben.

    Als Erzähler führt Peter Schiff durch die Geschichte. Er verbindet die langen Reiseabschnitte miteinander und sorgt dafür, dass die Handlung trotz der erheblichen Kürzungen jederzeit verständlich bleibt.

    Eberhard Krug spricht Lord Glenarvan mit ruhiger Autorität. Monika Ogorek übernimmt die Rolle seiner Frau Lady Helena, während Ina Patzlaff als Mary Grant und Santiago Ziesmer als Robert Grant zu hören sind.

    Den verschollenen Kapitän Grant spricht Gerhard Zimram. Eine der markantesten Figuren erhält Peter Larsen als Jacques Paganel, dessen lebendige und sympathische Interpretation wesentlich zum Charakter des Hörspiels beiträgt.

    Zum weiteren Ensemble gehören Hans Mahlau als Kapitän Mangles, Heinz Rabe als Major MacNabbs, Klaus Jepsen als Austin, Rolf Marnitz als Ayrton, Herbert Weiß als Thalcave, Hans Schwarz als Mulrady, Hans Eberhard als Ben Joyce sowie Hermann Nespech als Farmer O'Moore.

    Die Musik stammt erneut von Arno Bergmann, dessen Kompositionen den wechselnden Schauplätzen einen eigenen Charakter verleihen. Als Toningenieur war Ludwig Bender beteiligt. Hörspielbearbeitung, Produktion und Regie lagen bei Kurt Vethake.

    Mit einer Laufzeit von ungefähr 53 Minuten gehört „Die Kinder des Kapitäns Grant“ zu den längeren Jules-Verne-Hörspielen Vethakes. Dadurch bleibt den Figuren etwas mehr Raum zur Entwicklung als in einigen der früheren Produktionen. Besonders das Zusammenspiel zwischen Glenarvan, den Grant-Kindern und Paganel profitiert von der vergleichsweise großzügigen Spielzeit.

    Kaum ein anderes Jules-Verne-Hörspiel Kurt Vethakes besitzt eine ähnlich umfangreiche Veröffentlichungsgeschichte. Nach der Intercord-Erstausgabe erschienen Ausgaben bei Condor, Bimbo, Tempo, Klax, Kiosk, Music for Pleasure, FASS und weiteren Labels. Fast jede Veröffentlichung erhielt ein eigenes Titelbild. Mal standen das Segelschiff, mal die Suche nach Kapitän Grant oder dramatische Landschaften im Mittelpunkt der Illustration.

    Eine besondere Stellung nimmt die ursprüngliche Intercord-Ausgabe ein, deren Cover von Aiga Rasch gestaltet wurde. Die bekannte Illustratorin prägte mit ihren Arbeiten zahlreiche Hörspielveröffentlichungen der damaligen Zeit und verlieh auch diesem Titel ein markantes Erscheinungsbild.

    Kurios ist eine spätere Kassette des Labels Echo. Dort wurden auf der Hülle die Sprecher einer anderen Hörspielfassung angegeben, obwohl sich auf der Kassette tatsächlich Kurt Vethakes Produktion befand. Solche Fehler sorgten später immer wieder für Verwirrung unter Sammlern.

    Innerhalb von Kurt Vethakes Jules-Verne-Hörspielen besitzt „Die Kinder des Kapitäns Grant“ noch aus einem weiteren Grund eine besondere Bedeutung. Die Figur des Ayrton taucht einige Jahre später in „Die geheimnisvolle Insel“ erneut auf. Dort erfährt seine Geschichte eine Fortsetzung. Damit bildet dieses Hörspiel den ersten Teil jener literarischen Verbindung, die schließlich auch Kapitän Nemo und die Bewohner der geheimnisvollen Insel miteinander verknüpft.

    Durch die gelungene Mischung aus Abenteuer, Entdeckungsreise und persönlicher Suche gehört „Die Kinder des Kapitäns Grant“ bis heute zu den stärksten Jules-Verne-Adaptionen Kurt Vethakes. Die Geschichte lebt weniger von spektakulären technischen Ideen als von ihren glaubwürdigen Figuren, der Hoffnung auf eine glückliche Rettung und dem unerschütterlichen Willen, einen Menschen auch nach Jahren nicht aufzugeben.

  • Die geheimnisvolle Insel – Das Vermächtnis Kapitän Nemos

    Mit „Die geheimnisvolle Insel“ griff Kurt Vethake einen Roman auf, der innerhalb von Jules Vernes Werk eine besondere Rolle spielt. Die Geschichte erschien 1874 und bildet den Abschluss jener losen Trilogie, die mit „Die Kinder des Kapitäns Grant“ begann und in „20.000 Meilen unter dem Meer“ ihre berühmteste Fortsetzung fand. Während beide früheren Romane für sich allein stehen können, führt „Die geheimnisvolle Insel“ verschiedene Handlungsstränge zusammen und gibt zugleich Antworten auf Fragen, die Jules Verne zuvor bewusst offen gelassen hatte.

    Die Hörspielproduktion erschien 1974 bei Philips beziehungsweise Fontana. Kurt Vethake übernahm erneut Hörspielbearbeitung, Produktion und Regie. Trotz einer Laufzeit von nur rund 41 Minuten gelang es ihm, den Kern der umfangreichen Romanvorlage in einer geschlossenen Hörspielfassung zu erhalten.

    Die Handlung beginnt während des Amerikanischen Bürgerkriegs. Mehrere Männer befinden sich in einer belagerten Stadt und sehen nur noch eine Möglichkeit zur Flucht. Sie steigen gemeinsam in einen Ballon und lassen sich trotz eines schweren Sturms in die Luft treiben. Die Fahrt entwickelt sich schnell zu einem Kampf ums Überleben. Gewaltige Windböen tragen den Ballon weit über das Meer, bis er schließlich über einer unbekannten Insel abstürzt.

    Die Überlebenden werden voneinander getrennt. Besonders der Ingenieur Cyrus Smith scheint zunächst spurlos verschwunden zu sein. Seine Begleiter suchen verzweifelt nach ihm und entdecken ihn schließlich wohlbehalten an einem Ort, den er aus eigener Kraft kaum hätte erreichen können. Schon zu Beginn deutet sich damit an, dass auf der Insel etwas geschieht, das sich nicht ohne Weiteres erklären lässt.

    Nachdem die Gruppe wieder vollständig ist, beginnt der eigentliche Kampf ums Überleben. Anders als viele klassische Schiffbrüchige warten die Männer jedoch nicht auf Rettung. Unter der Führung von Cyrus Smith erkunden sie ihre neue Umgebung und beginnen, sich Schritt für Schritt eine Existenz aufzubauen. Sie errichten Unterkünfte, beschaffen Nahrung, fertigen Werkzeuge an und nutzen die natürlichen Rohstoffe der Insel.

    Gerade dieser Teil der Geschichte unterscheidet den Roman von vielen anderen Abenteuererzählungen Jules Vernes. Nicht das bloße Überleben steht im Mittelpunkt, sondern der Wiederaufbau einer kleinen Gemeinschaft. Wissen, Erfindungsreichtum und Zusammenarbeit werden zu den wichtigsten Voraussetzungen dafür, aus einer unbekannten Insel eine neue Heimat zu machen.

    Die zentrale Figur ist Cyrus Smith. Der Ingenieur besitzt umfangreiche technische Kenntnisse und verliert selbst in schwierigsten Situationen nicht den Überblick. Für nahezu jedes Problem sucht er eine praktische Lösung. Dadurch wird er zum natürlichen Anführer der kleinen Gruppe. Seine wissenschaftliche Denkweise verkörpert zugleich eines der wichtigsten Themen Jules Vernes: den Glauben daran, dass Wissen und Vernunft selbst unter widrigsten Umständen den entscheidenden Unterschied machen können.

    Zu Smiths engsten Begleitern gehören der Reporter Gedeon Spilett, der erfahrene Seemann Pencroff, der junge Harbert sowie Smiths treuer Diener Nab. Jeder von ihnen bringt eigene Fähigkeiten mit ein. Während Smith Pläne entwickelt, sorgt Pencroff häufig für deren praktische Umsetzung. Spilett behält auch in gefährlichen Situationen einen kühlen Kopf, Harbert interessiert sich besonders für Pflanzen und Tiere der Insel, und Nab bleibt seinem Herrn in jeder Lage loyal verbunden.

    Schon bald häufen sich auf der Insel rätselhafte Ereignisse. Immer wieder erhalten die Gestrandeten Hilfe, obwohl sie scheinbar völlig allein sind. Werkzeuge tauchen auf, Gefahren werden im entscheidenden Augenblick abgewendet und selbst die Rettung von Cyrus Smith scheint nicht allein durch Zufall erklärbar zu sein. Die Bewohner der Insel beginnen zu vermuten, dass sich noch ein weiterer Mensch auf der Insel befinden könnte.

    Eine wichtige Rolle übernimmt außerdem Ayrton, dessen Geschichte unmittelbar an „Die Kinder des Kapitäns Grant“ anknüpft. Dort war er zunächst als zwielichtige Figur aufgetreten. Nach seiner Aussetzung auf einer einsamen Insel lebt er nun vollkommen verwildert und hat fast jede Verbindung zur menschlichen Gesellschaft verloren. Cyrus Smith und seine Gefährten nehmen ihn dennoch bei sich auf und geben ihm die Möglichkeit, wieder Teil einer Gemeinschaft zu werden. Damit erhält Ayrton eine zweite Chance, die ihm im früheren Roman noch verwehrt geblieben war.

    Das größte Geheimnis der Geschichte wird jedoch erst gegen Ende gelüftet. Der unbekannte Helfer ist niemand anderes als Kapitän Nemo. Der legendäre Kommandant der Nautilus lebt noch immer und hat sich mit seinem Unterseeboot in einer verborgenen Höhle unter der Insel zurückgezogen. Über lange Zeit beobachtete er die Gestrandeten und griff immer dann ein, wenn sie ohne seine Hilfe kaum hätten überleben können.

    Damit verbindet Jules Verne zwei seiner bekanntesten Romane unmittelbar miteinander. Der geheimnisvolle Kapitän aus „20.000 Meilen unter dem Meer“ erscheint hier ein letztes Mal und berichtet von seinem bisherigen Leben. Gleichzeitig verabschiedet sich die Figur endgültig aus der Handlung. Für viele Leser bildet diese Begegnung den eigentlichen Höhepunkt des Romans.

    Interessanterweise besetzte Kurt Vethake die Rolle des Kapitän Nemo diesmal neu. Während in „20.000 Meilen unter dem Meer“ noch Eberhard Krug den Kommandanten der Nautilus sprach, übernahm Krug in dieser Produktion die Hauptrolle des Cyrus Smith. Den gealterten Nemo spricht nun Hans Eberhard. Diese Umbesetzung macht deutlich, dass die einzelnen Jules-Verne-Hörspiele trotz ihrer literarischen Zusammenhänge nicht als fortlaufende Hörspielserie mit festen Rollenbesetzungen geplant waren.

    Als Erzähler führt Knut Reschke durch die Handlung. Er verbindet die größeren Zeitsprünge miteinander und fasst die langen Entwicklungsphasen der Inselgemeinschaft zusammen.

    Die wichtigsten Rollen übernehmen Eberhard Krug als Cyrus Smith, Peter Schiff als Gedeon Spilett, Klaus Jepsen als Pencroff, Hans Schwarz als Nab, Santiago Ziesmer als Harbert, Heinz Rabe als Ayrton und Hans Eberhard als Kapitän Nemo. Hinzu kommt Karl Heinrich in einer kleineren Rolle als Soldat.

    Wie bei mehreren Produktionen dieser Zeit war Ludwig Bender als Toningenieur beteiligt. Eine Besonderheit stellt außerdem die musikalische Mitwirkung von H. J. Nehm an der Hammondorgel dar. Die Orgel verleiht einzelnen Szenen einen geheimnisvollen Klang und unterstützt besonders jene Momente, in denen die unbekannte Macht auf der Insel spürbar wird.

    Die Romanvorlage gehört zu den umfangreichsten Werken Jules Vernes. Entsprechend stark musste Kurt Vethake die Handlung verdichten. Viele technische Einzelheiten, ausführliche Beschreibungen des Inselaufbaus und zahlreiche Nebenepisoden konnten nicht übernommen werden. Im Mittelpunkt bleiben deshalb die Ballonflucht, das Überleben auf der Insel, die rätselhaften Hilfen, Ayrtons Rückkehr in die Gemeinschaft und schließlich die Begegnung mit Kapitän Nemo.

    Auch die Veröffentlichungsgeschichte unterscheidet sich von einigen anderen Jules-Verne-Hörspielen Vethakes. Während Produktionen wie „Der Kurier des Zaren“ oder „Die Kinder des Kapitäns Grant“ bei zahlreichen Labels neu erschienen, blieb „Die geheimnisvolle Insel“ stärker mit ihrer ursprünglichen Veröffentlichung bei Philips und Fontana verbunden. Dennoch erschien auch dieses Hörspiel später erneut auf anderen Tonträgern und wurde schließlich digital verfügbar gemacht.

    Innerhalb von Kurt Vethakes Jules-Verne-Adaptionen nimmt „Die geheimnisvolle Insel“ eine besondere Stellung ein. Kein anderes Hörspiel verbindet so viele Motive aus früheren Romanen. Die Geschichte führt Ayrton zurück, verabschiedet Kapitän Nemo und zeigt zugleich eine Gemeinschaft, die sich allein durch Wissen, Zusammenhalt und gegenseitiges Vertrauen eine neue Existenz aufbaut.

    Gerade diese Mischung aus Abenteuer, Geheimnis und menschlicher Entwicklung macht „Die geheimnisvolle Insel“ bis heute zu einer der eindrucksvollsten Jules-Verne-Vertonungen Kurt Vethakes und zu einem würdigen Abschluss der literarischen Trilogie um Kapitän Nemo.

  • Zwei Jahre Ferien – Gestrandet ohne Erwachsene

    Mit „Zwei Jahre Ferien“ widmete sich Kurt Vethake einem Roman, der sich deutlich von den übrigen Jules-Verne-Abenteuern seiner Hörspielreihe unterscheidet. Während in den meisten Geschichten erfahrene Forscher, Offiziere oder Weltreisende im Mittelpunkt stehen, erzählt dieser Roman von einer Gruppe Jugendlicher, die plötzlich ganz auf sich allein gestellt ist. Nicht Wissenschaft oder technische Erfindungen bestimmen die Handlung, sondern Verantwortung, Zusammenhalt und die Frage, wie junge Menschen ohne jede Hilfe von Erwachsenen überleben können.

    Die Hörspielfassung entstand 1974 und erschien zunächst beim Label Unsere Welt. Anders als bei den meisten anderen Jules-Verne-Hörspielen stammt die Bearbeitung nicht von Kurt Vethake selbst, sondern von Peter Jacob. Regie und Produktion übernahm jedoch wiederum Vethake. Mit einer Laufzeit von knapp 44 Minuten gehört die Produktion zu den mittellangen Vertonungen innerhalb der Reihe.

    Eine Besonderheit der Veröffentlichungsgeschichte besteht darin, dass das Hörspiel später unter einem zweiten Titel erneut erschien. Aus „Zwei Jahre Ferien“ wurde „Die Irrfahrt des Schoners Sloughi“. Inhaltlich handelt es sich jedoch um dieselbe Aufnahme. Lediglich Titel und Covergestaltung wurden verändert.

    Die Geschichte beginnt im neuseeländischen Auckland. Eine Gruppe von Schülern des Chairman-Internats soll mit dem Schoner Sloughi zu einer Ferienreise aufbrechen. Noch bevor die eigentliche Besatzung das Schiff erreicht, löst sich die Sloughi während der Nacht von ihrem Liegeplatz und treibt hinaus auf das offene Meer.

    An Bord befinden sich ausschließlich die Jungen sowie ein Schiffsjunge. Keiner von ihnen verfügt über genügend Erfahrung, um ein größeres Segelschiff sicher zu steuern. Schon bald geraten sie in einen schweren Sturm. Wind und Strömung treiben die Sloughi immer weiter von ihrer Heimat fort. Nach einer langen Irrfahrt läuft das Schiff schließlich vor einer unbekannten Insel auf Grund.

    Den Jungen bleibt nichts anderes übrig, als sich an Land zu retten. Das beschädigte Schiff liefert ihnen zwar zunächst Werkzeuge, Lebensmittel und andere Vorräte, doch eine schnelle Rückkehr nach Neuseeland ist ausgeschlossen. Aus wenigen Ferientagen wird ein unfreiwilliger Aufenthalt, der sich über viele Monate erstreckt.

    Schon bald wird deutlich, dass das eigentliche Abenteuer nicht allein im Überleben besteht. Die Jugendlichen müssen lernen, ihre Gemeinschaft selbst zu organisieren. Nahrung muss beschafft, Unterkünfte müssen gebaut und Aufgaben sinnvoll verteilt werden. Anders als bei „Die geheimnisvolle Insel“ gibt es keinen erfahrenen Ingenieur, der alle Probleme löst. Die Jungen müssen gemeinsam herausfinden, welche Fähigkeiten jeder Einzelne besitzt.

    Besonders wichtig werden dabei Gordon, Briant und Doniphan. Gordon versucht, zwischen den unterschiedlichen Charakteren zu vermitteln und vernünftige Entscheidungen zu treffen. Briant handelt verantwortungsbewusst und stellt das Wohl der Gemeinschaft in den Vordergrund. Doniphan besitzt dagegen großen Ehrgeiz und möchte sich nur ungern den Entscheidungen anderer unterordnen. Zwischen ihm und Briant entwickelt sich ein Konflikt, der die Gruppe immer wieder belastet.

    Gerade diese Spannungen machen den Roman ungewöhnlich. Die Jungen kämpfen nicht nur gegen die Natur, sondern auch gegen ihre eigenen unterschiedlichen Vorstellungen davon, wie die Gemeinschaft geführt werden soll. Gleichzeitig lernen sie, dass sie aufeinander angewiesen sind und persönliche Rivalitäten zurückstellen müssen.

    Neben den älteren Schülern spielen auch die jüngeren Jungen eine wichtige Rolle. Sie benötigen Schutz und Orientierung und erinnern immer wieder daran, wie groß die Verantwortung der Älteren tatsächlich ist. Dadurch erhält die Geschichte eine zusätzliche emotionale Ebene, die sich deutlich von vielen anderen Abenteuerromanen Jules Vernes unterscheidet.

    Lange Zeit glauben die Jungen, allein auf der Insel zu sein. Erst später entdecken sie Spuren weiterer Menschen. Diese Hoffnung verwandelt sich jedoch schnell in eine neue Gefahr. Eine Gruppe bewaffneter Verbrecher erreicht ebenfalls die Insel und bedroht das mühsam aufgebaute Zusammenleben der Schüler.

    Angeführt werden die Männer von Walston, einem skrupellosen Gegner, der keinerlei Rücksicht auf die Jugendlichen nimmt. Damit verändert sich der Charakter der Geschichte. Aus dem Überlebensabenteuer entwickelt sich nun zusätzlich ein Kriminal- und Verfolgungsabenteuer, in dem Mut und Zusammenhalt erneut auf die Probe gestellt werden.

    Unterstützung erhalten die Jungen schließlich durch Kate und den erfahrenen Seemann Evans, die sich ebenfalls gegen die Verbrecher stellen. Gemeinsam entsteht die Hoffnung, die Insel eines Tages wieder verlassen zu können.

    Als Erzähler führt Klaus Jepsen durch die Handlung und verbindet die langen Zeitabschnitte miteinander. Da der Roman einen Zeitraum von fast zwei Jahren umfasst, übernimmt der Erzähler eine wichtige Aufgabe. Viele Entwicklungen können nur zusammenfassend geschildert werden, ohne den Handlungsfluss zu unterbrechen.

    Die Hauptrollen sprechen Knut Reschke als Gordon, Ronald Nitschke als Briant und Uwe Paulsen als Doniphan. Die jüngeren Schüler werden unter anderem von Klaus Seibert, Thorsten Sense, Mathias Einert und Pierre Peters-Arnolds gesprochen.

    Die Erwachsenenrollen übernehmen Heinz Rabe als Walston, Hans Schwarz als Forbes, Micaela Pfeiffer als Kate sowie Hermann Nespech als Evans. Klaus Jepsen ist neben seiner Erzählerrolle zusätzlich als Obersteuermann zu hören.

    Auffällig ist die vergleichsweise große Zahl jugendlicher Stimmen. Während die meisten Jules-Verne-Hörspiele Kurt Vethakes überwiegend mit erwachsenen Figuren arbeiten, tragen hier Jugendliche den größten Teil der Handlung. Dadurch entsteht eine andere Atmosphäre als etwa bei „Der Kurier des Zaren“ oder „20.000 Meilen unter dem Meer“.

    Die Romanvorlage umfasst eine Vielzahl weiterer Figuren und Nebenhandlungen. Insgesamt stranden im Original fünfzehn Jungen auf der Insel. Für die Hörspielfassung musste diese Zahl deutlich reduziert werden, damit die einzelnen Stimmen unterscheidbar bleiben und die Handlung übersichtlich erzählt werden kann.

    Wie in den übrigen Produktionen konzentriert sich Kurt Vethake auf die entscheidenden Stationen der Geschichte. Die Irrfahrt der Sloughi, die Strandung, der Aufbau einer neuen Gemeinschaft, die Konflikte innerhalb der Gruppe und das Auftreten der Verbrecher bilden das Gerüst der Hörspielfassung.

    Die erste Veröffentlichung erfolgte 1974 auf Langspielplatte beim Label Unsere Welt. Wenig später erschien dieselbe Produktion bei Maritim unter dem Titel „Die Irrfahrt des Schoners Sloughi“. Jahrzehnte später folgte eine CD-Ausgabe, wodurch das Hörspiel einer neuen Hörergeneration zugänglich wurde.

    Die unterschiedlichen Titel führten immer wieder zu Missverständnissen. Tatsächlich existiert von Kurt Vethake jedoch nur diese eine Bearbeitung. Andere Hörspielfassungen des Romans stammen von anderen Produzenten und besitzen vollständig andere Besetzungen.

    Innerhalb der Jules-Verne-Hörspiele nimmt „Zwei Jahre Ferien“ eine besondere Stellung ein. Keine andere Produktion erzählt so konsequent aus der Perspektive junger Menschen. Die Geschichte verzichtet weitgehend auf technische Wunder oder berühmte Erfinder und konzentriert sich stattdessen auf Freundschaft, Verantwortung und den schwierigen Weg zum Erwachsenwerden.

    Gerade dadurch wirkt das Hörspiel auch heute noch ungewöhnlich zeitlos. Es erzählt weniger von spektakulären Entdeckungen als von der Erkenntnis, dass eine Gemeinschaft nur dann bestehen kann, wenn ihre Mitglieder bereit sind, füreinander Verantwortung zu übernehmen.

  • In 80 Tagen um die Welt – Kurt Vethakes zweite Reise mit Phileas Fogg

    Fast zehn Jahre nach seiner ersten Bearbeitung von Jules Vernes berühmtem Roman kehrte Kurt Vethake noch einmal zu „In 80 Tagen um die Welt“ zurück. Die neue Produktion erschien 1975 bei Maritim und war keine Wiederveröffentlichung der Fontana-Aufnahme von 1966. Stattdessen entstand ein vollständig neues Hörspiel mit anderer Besetzung, längerer Laufzeit und einer eigenständigen Inszenierung.

    Damit nimmt diese Produktion innerhalb von Kurt Vethakes Jules-Verne-Hörspielen eine besondere Stellung ein. Sie ist die einzige Romanvorlage, die er zweimal vollständig vertonte. Beide Fassungen unterscheiden sich nicht nur in den Sprechern, sondern auch im Aufbau, in der Dramaturgie und im Tempo der Erzählung.

    Wie bereits in der ersten Bearbeitung steht der englische Gentleman Phileas Fogg im Mittelpunkt. Er lebt streng nach festen Regeln und verbringt seine Tage nahezu unverändert zwischen seinem Haus und dem Reform Club in London. Als dort über die modernen Verkehrsverbindungen diskutiert wird, behauptet Fogg, dass sich die Erde inzwischen innerhalb von achtzig Tagen umrunden lasse.

    Aus dieser Behauptung entsteht erneut die berühmte Wette über 20.000 Pfund. Noch am selben Abend macht sich Fogg gemeinsam mit seinem neuen Diener Passepartout auf den Weg. Was zunächst wie ein genau berechneter Reiseplan erscheint, entwickelt sich bald zu einem Wettlauf gegen die Zeit.

    Die Route führt über Frankreich, Italien und Ägypten nach Indien. Dort retten Fogg und Passepartout die junge Aouda, die nach dem Tod ihres Mannes geopfert werden soll. Obwohl diese Rettung den Zeitplan gefährdet, entscheidet sich Fogg ohne Zögern für den gefährlichen Einsatz. Die Reise führt anschließend weiter nach Hongkong, Japan und in die Vereinigten Staaten, bevor schließlich die Rückkehr nach England bevorsteht.

    Wie schon in der ersten Bearbeitung begleitet der Detektiv Fix die gesamte Reise. Er hält Fogg weiterhin für den Täter eines Bankraubs und wartet nur auf die Gelegenheit, ihn auf britischem Boden festnehmen zu können. Sein Irrtum sorgt während der gesamten Weltreise für zusätzliche Hindernisse und erhöht den ohnehin enormen Zeitdruck.

    Obwohl beide Hörspiele dieselbe Geschichte erzählen, wirkt die Maritim-Produktion insgesamt etwas großzügiger angelegt. Mit einer Laufzeit von rund 52 Minuten bleibt mehr Raum für die wichtigsten Figuren und einzelne Stationen der Reise. Vor allem das Zusammenspiel zwischen Fogg, Passepartout, Fix und Aouda erhält dadurch etwas mehr Gewicht.

    Die Titelrolle übernimmt diesmal Joachim Kerzel. Seine ruhige, kontrollierte Sprechweise passt hervorragend zu Phileas Foggs zurückhaltendem Charakter. Gleichzeitig gelingt es Kerzel, hinter der scheinbar emotionslosen Fassade den mitfühlenden und verantwortungsbewussten Menschen hörbar werden zu lassen.

    Als Passepartout ist nun Peter Schiff zu hören. Er verleiht der Figur deutlich mehr Temperament und Lebendigkeit und bildet damit einen wirkungsvollen Gegenpol zum stets beherrschten Phileas Fogg. Zwischen beiden entsteht ein harmonisches Zusammenspiel, das zu den großen Stärken der Produktion zählt.

    Den Detektiv Fix spricht Heinz Rabe, während Sibylle Gilles die Rolle der Aouda übernimmt. Rolf Marnitz ist als General Sir Francis Cromarty zu hören. Weitere Rollen übernehmen Klaus Seibert, Uwe Paulsen, Hans Mahlau und Hans Schwarz.

    Als Erzähler führt Klaus Jepsen durch die Geschichte. Wie bereits in mehreren anderen Jules-Verne-Hörspielen Kurt Vethakes übernimmt er die Aufgabe, größere Ortswechsel und längere Reiseabschnitte zusammenzufassen. Dadurch bleibt die Handlung trotz der zahlreichen Schauplätze jederzeit übersichtlich.

    Die Musik stammt erneut von Arno Bergmann, dessen Kompositionen die Weltreise wirkungsvoll begleiten. Produktion und Regie lagen vollständig bei Kurt Vethake.

    Die ursprüngliche Veröffentlichung erschien 1975 auf Langspielplatte bei Maritim. Das Titelbild gestaltete Jürgen Rogner, der auch zahlreiche weitere Illustrationen für das Maritim-Programm schuf. Später folgten Musikkassetten sowie viele Jahre später eine CD-Ausgabe, durch die das Hörspiel erneut einem größeren Publikum zugänglich wurde.

    Der direkte Vergleich mit der ersten Bearbeitung zeigt, wie sehr sich Kurt Vethakes Arbeitsweise innerhalb eines Jahrzehnts verändert hatte. Während die Fontana-Produktion von 1966 den Roman besonders stark verdichtet, wirkt die Maritim-Fassung insgesamt ruhiger und ausgewogener. Einzelne Begegnungen erhalten etwas mehr Raum, ohne dass das hohe Erzähltempo verloren geht.

    Besonders auffällig ist der Wechsel der Hauptdarsteller. Aus Heiner Schmidt wird Joachim Kerzel, aus Claus Wilcke wird Peter Schiff, aus Frank Scholze wird Heinz Rabe und aus Ilona Wiedem wird Sibylle Gilles. Dadurch entsteht trotz identischer Handlung ein völlig neuer Höreindruck.

    Innerhalb der gesamten Jules-Verne-Reihe bildet diese Produktion deshalb keine bloße Neuauflage, sondern eine eigenständige Interpretation desselben Romans. Beide Fassungen besitzen ihren eigenen Charakter und spiegeln zugleich unterschiedliche Phasen in Kurt Vethakes Schaffen wider.

    Mit der zweiten Weltreise endet zugleich jene besonders produktive Phase, in der zwischen 1970 und 1975 der größte Teil seiner Jules-Verne-Hörspiele entstand. Nur noch ein weiterer Roman sollte einige Jahre später neu hinzukommen – „Fünf Wochen im Ballon“, das zugleich den Abschluss seiner umfangreichen Beschäftigung mit Jules Vernes Abenteuerwelt bildet.

  • Fünf Wochen im Ballon – Die letzte Jules-Verne-Produktion Kurt Vethakes

    Mit Fünf Wochen im Ballon“ entstand 1980 das letzte bekannte Jules-Verne-Hörspiel unter der Regie Kurt Vethakes. Zwischen dieser Produktion und seiner ersten Verne-Bearbeitung aus dem Jahr 1966 lagen rund 14 Jahre.

    Die Vorlage besitzt innerhalb von Jules Vernes Werk eine besondere Bedeutung. „Fünf Wochen im Ballon“ war der erste Roman der später als „Außergewöhnliche Reisen“ bezeichneten Folge von Abenteuer- und Entdeckungsromanen. Die Geschichte machte Jules Verne 1863 einem größeren Publikum bekannt.

    Im Mittelpunkt steht der Forscher Dr. Samuel Fergusson. Er plant, Afrika von Osten nach Westen in einem Wasserstoffballon zu überqueren. Auf diese Weise möchte er Gebiete erreichen und miteinander verbinden, die zuvor von verschiedenen Forschungsreisenden nur getrennt erkundet worden waren.

    Begleitet wird Fergusson von seinem schottischen Freund Dick Kennedy und seinem Diener Joe. Kennedy begegnet dem Vorhaben zunächst mit deutlicher Skepsis. Er hält die geplante Ballonfahrt für zu gefährlich und versucht, seinen Freund von der Reise abzubringen. Schließlich entschließt er sich jedoch, Fergusson nicht allein aufbrechen zu lassen.

    Joe steht seinem Herrn loyal zur Seite und begegnet dem Unternehmen mit wesentlich größerem Vertrauen. Die drei Männer bilden eine Reisegemeinschaft, deren unterschiedliche Charaktere einen erheblichen Teil der Handlung tragen.

    Der Ballon trägt den Namen Victoria. Fergusson hat eine Konstruktion entwickelt, mit der die Höhe des Ballons reguliert werden soll, ohne bei jedem Aufstieg Ballast abwerfen oder für den Sinkflug große Mengen Gas ablassen zu müssen.

    Trotz aller Vorbereitung bleiben die Reisenden von Wind und Wetter abhängig. Sie können ihre Höhe beeinflussen, die eigentliche Flugrichtung jedoch nur begrenzt bestimmen. Dadurch geraten sie während der Überquerung immer wieder in gefährliche Situationen.

    Die Reise führt über weite afrikanische Landschaften. Stürme, Wassermangel und unvorhersehbare Luftströmungen bedrohen die Expedition ebenso wie Begegnungen am Boden. Der Ballon ist dabei nicht nur Transportmittel, sondern zugleich der wichtigste Schauplatz der Geschichte.

    Kurt Vethakes Hörspielfassung besitzt eine Laufzeit von ungefähr 60 Minuten. Damit gehört sie zu seinen längeren Jules-Verne-Produktionen. Dennoch musste der umfangreiche Roman erheblich gekürzt werden. Die Aufnahme konzentriert sich auf den Beginn der Expedition, die wichtigsten Gefahren der Ballonfahrt und das Zusammenspiel der drei Hauptfiguren.

    Als Erzähler ist Klaus Seibert zu hören.

    Klaus Jepsen spricht den Forscher Dr. Samuel Fergusson. Peter Schiff übernimmt dessen Diener Joe, während Uwe Paulsen als Dick Kennedy zu hören ist.

    In den weiteren Rollen sprechen Achilles Grunewald den Präsidenten der Geografischen Gesellschaft, Harald Hofer den Kapitän Pennet und Hermann Nespech einen Schiffsjungen.

    Die Regie übernahm Kurt Vethake. Für den Ton waren Wolfgang Loos und Boris Balin verantwortlich. Die Produktion wird ausdrücklich als Kurt-Vethake-Produktion ausgewiesen.

    Als Covergestalter ist Gerd Ullner genannt. Die bekannte ursprüngliche Ausgabe erschien 1980 auf Musikkassette. In verschiedenen Verzeichnissen wird das Labelumfeld als KLAX beziehungsweise Kiosk geführt. Die Kassette trägt die Bestellnummer 2861.

    2006 erschien das Hörspiel bei Maritim und vgh audio books auf CD. Dabei handelte es sich um eine Wiederveröffentlichung der Produktion von 1980 und nicht um die bereits 1978 bei Maritim erschienene Fassung unter der Regie von Toyo Tanaka.

    Die beiden Hörspiele dürfen nicht miteinander verwechselt werden. Toyo Tanakas Maritim-Produktion besitzt eine andere Besetzung, eine Laufzeit von rund 39 Minuten und eine Illustration von Jürgen Rogner. Kurt Vethakes Aufnahme ist ungefähr 60 Minuten lang und wird von Klaus Seibert, Klaus Jepsen, Peter Schiff und Uwe Paulsen getragen.

    Mit „Fünf Wochen im Ballon“ endete Kurt Vethakes Beschäftigung mit Jules Vernes Romanen. Seine letzte Bearbeitung führt zugleich an den Anfang von Vernes großer Reihe der „Außergewöhnlichen Reisen“ zurück. Dadurch bildet die Produktion einen passenden Abschluss seiner über viele Jahre entstandenen Abenteuerhörspiele.

    Die Helden der Abenteuer – Forscher, Weltreisende und unbeugsame Einzelgänger

    Obwohl Kurt Vethakes Jules-Verne-Hörspiele ganz unterschiedliche Geschichten erzählen, besitzen ihre Hauptfiguren bemerkenswerte Gemeinsamkeiten. Sie stammen aus verschiedenen Ländern, verfolgen unterschiedliche Ziele und reisen auf völlig verschiedene Weise durch die Welt. Dennoch verbindet sie ein ausgeprägter Wille, auch unter schwierigsten Bedingungen nicht aufzugeben.

    Mit Phileas Fogg begegnet dem Hörer ein Mann, der jede Entscheidung mit großer Ruhe und Genauigkeit trifft. Seine Weltreise beginnt nicht aus Abenteuerlust, sondern aus der Überzeugung heraus, dass sich ein scheinbar unmögliches Vorhaben durch sorgfältige Planung verwirklichen lässt. Erst im Verlauf der Reise zeigt sich, dass hinter seiner kühlen Fassade ein hilfsbereiter und mitfühlender Mensch steckt.

    Ganz anders wirkt Michael Strogoff. Der Kurier des Zaren handelt nicht für sich selbst, sondern im Auftrag seines Landes. Seine Reise ist von Anfang an lebensgefährlich. Anders als Fogg kann er seine Route kaum planen. Immer wieder muss er auf neue Bedrohungen reagieren und schwierige Entscheidungen treffen. Pflichtgefühl und Ausdauer prägen seinen gesamten Weg.

    Mit Professor Pierre Aronnax und Dr. Samuel Fergusson treten gleich zwei Wissenschaftler auf, die ihre Umwelt mit großer Neugier betrachten. Aronnax begegnet den Geheimnissen der Nautilus zunächst als Forscher, Fergusson wagt mit seinem Ballon den Aufbruch in weitgehend unbekannte Regionen Afrikas. Beide vertrauen auf Wissen und Beobachtung stärker als auf Zufall oder Glück.

    Auch Cyrus Smith gehört zu dieser Gruppe. Der Ingenieur macht die geheimnisvolle Insel nicht durch körperliche Stärke bewohnbar, sondern durch technisches Verständnis und Erfindungsgeist. Für Jules Verne sind Wissen und Vernunft häufig die wichtigsten Werkzeuge seiner Helden.

    Daneben finden sich Figuren, deren Abenteuer vor allem durch Menschlichkeit geprägt werden. Lord Glenarvan beginnt seine Reise allein deshalb, weil er zwei Kindern helfen möchte, ihren verschollenen Vater wiederzufinden. Die Suche nach Kapitän Grant ist kein wissenschaftliches Unternehmen, sondern Ausdruck von Mitgefühl und Verantwortung.

    Eine besondere Stellung nehmen schließlich die Jugendlichen aus „Zwei Jahre Ferien“ ein. Sie besitzen weder außergewöhnliche technische Kenntnisse noch militärische Erfahrung. Ihre Stärke entsteht erst im Laufe der Geschichte. Verantwortung, Zusammenhalt und gegenseitiges Vertrauen entwickeln sich Schritt für Schritt und machen aus einer Gruppe von Schülern eine funktionierende Gemeinschaft.

    So unterschiedlich diese Figuren auch erscheinen mögen, eines verbindet sie alle: Sie begegnen unbekannten Situationen nicht mit Resignation. Jeder von ihnen sucht nach einer Lösung und wächst an den Aufgaben, denen er sich stellen muss.

    Edited once, last by DerPoldi (August 4, 2026 at 1:29 PM).

  • Freunde, Begleiter und treue Gefährten

    Kaum ein Held Jules Vernes reist allein. Fast jede Geschichte lebt von Figuren, die den Hauptpersonen zur Seite stehen und deren Charakter ergänzen.

    Der wohl bekannteste Begleiter ist Passepartout. Während Phileas Fogg selbst nur selten Gefühle zeigt, reagiert sein französischer Diener spontan, neugierig und oft mit sichtbarer Begeisterung oder Sorge. Zwischen beiden entsteht ein Gegensatz, der die Weltreise lebendig macht.

    Professor Aronnax wird von seinem treuen Diener Conseil begleitet, dessen ruhige Loyalität ihn selbst in den gefährlichsten Situationen nicht verlässt. Gemeinsam mit dem Harpunier Ned Land entsteht an Bord der Nautilus ein Dreiergespann, dessen unterschiedliche Ansichten immer wieder für spannende Diskussionen sorgen.

    Auch Nadja entwickelt sich auf Michael Strogoffs Reise weit mehr als nur zu einer Reisegefährtin. Sie teilt die Gefahren seines Weges und unterstützt ihn immer wieder. Ähnlich verhält es sich mit Aouda, deren Rettung Phileas Foggs Leben nachhaltig verändert.

    In „Die Kinder des Kapitäns Grant“ übernimmt vor allem Jacques Paganel diese Rolle. Seine Begeisterung für Geografie und seine liebenswerte Zerstreutheit sorgen immer wieder für humorvolle Momente und lockern die oftmals gefährliche Handlung auf.

    Auf der geheimnisvollen Insel entsteht dagegen eine vollständige Gemeinschaft. Cyrus Smith, Pencroff, Gedeon Spilett, Harbert und Nab ergänzen sich mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten. Keiner von ihnen könnte allein überleben. Erst das Zusammenwirken aller macht den Aufbau einer neuen Heimat möglich.

    Auch die Schüler des Schoners Sloughi müssen lernen, Verantwortung füreinander zu übernehmen. Gerade darin unterscheidet sich „Zwei Jahre Ferien“ von den übrigen Romanen. Hier gibt es keinen einzelnen Helden, sondern eine Gemeinschaft, deren Zusammenhalt über Erfolg oder Scheitern entscheidet.

    Unvergessliche Gegenspieler

    Ebenso wichtig wie die Helden sind ihre Gegner.

    Der geheimnisvolle Kapitän Nemo nimmt dabei eine Sonderstellung ein. In „20.000 Meilen unter dem Meer“ erscheint er zunächst selbst als rätselhafte und teilweise bedrohliche Figur. Erst „Die geheimnisvolle Insel“ zeigt ihn aus einer anderen Perspektive und erklärt einen Teil seiner Vergangenheit. Nemo ist weder klassischer Held noch einfacher Bösewicht. Gerade diese Vielschichtigkeit macht ihn zu einer der faszinierendsten Figuren Jules Vernes.

    Deutlich eindeutiger angelegt ist Ivan Ogareff in „Der Kurier des Zaren“. Mit großer Geduld und Berechnung versucht er, Michael Strogoff aufzuhalten und den Auftrag des Zaren scheitern zu lassen.

    Auch Detective Fix entwickelt sich zu einem ständigen Gegenspieler Phileas Foggs, obwohl er eigentlich kein Verbrecher ist. Sein Irrtum, Fogg für einen Bankräuber zu halten, begleitet die gesamte Weltreise und sorgt immer wieder für neue Schwierigkeiten.

    In „Die Kinder des Kapitäns Grant“ sorgt Ayrton zunächst für Misstrauen. Erst später erhält seine Figur eine zweite Chance und entwickelt sich in „Die geheimnisvolle Insel“ zu einem wichtigen Mitglied der Gemeinschaft.

    Die Verbrecher um Walston in „Zwei Jahre Ferien“ bilden schließlich den deutlichsten Gegensatz zu den jugendlichen Helden. Während die Schüler lernen, Verantwortung füreinander zu übernehmen, handeln Walston und seine Männer ausschließlich aus Eigennutz.

    Gerade diese unterschiedlichen Gegenspieler verleihen den Hörspielen ihre besondere Spannung. Nicht jede Bedrohung entsteht durch offene Gewalt. Oft reichen Misstrauen, Irrtum oder persönliche Schwächen aus, um die Helden immer wieder vor neue Herausforderungen zu stellen.

    Jules Vernes Menschenbild

    Betrachtet man alle Hörspiele gemeinsam, entsteht ein erstaunlich einheitliches Bild.

    Jules Vernes Helden lösen ihre Probleme selten allein durch körperliche Stärke. Viel häufiger vertrauen sie auf Wissen, Erfahrung, Disziplin oder gegenseitige Unterstützung. Selbst in den gefährlichsten Situationen behalten sie meist einen klaren Kopf und suchen nach vernünftigen Lösungen.

    Ebenso auffällig ist, dass viele Figuren im Laufe ihrer Reise eine persönliche Entwicklung durchlaufen. Phileas Fogg entdeckt hinter seiner strengen Ordnung neue menschliche Nähe. Ayrton findet den Weg zurück in die Gemeinschaft. Die Jungen aus „Zwei Jahre Ferien“ wachsen an ihrer Verantwortung. Selbst Kapitän Nemo erhält am Ende seines Lebens die Möglichkeit, sich anderen Menschen wieder anzunähern.

    Gerade diese Mischung aus Abenteuer, Charakterentwicklung und menschlicher Wärme macht die Figuren der Jules-Verne-Hörspiele bis heute so zeitlos und trägt wesentlich dazu bei, dass Kurt Vethakes Bearbeitungen auch Jahrzehnte nach ihrer Entstehung ihren besonderen Reiz bewahrt haben.

  • Die Stimmen der großen Abenteuer – Kurt Vethakes vertrauter Sprecherkreis

    Ein wesentlicher Grund dafür, dass Kurt Vethakes Jules-Verne-Hörspiele trotz ihrer unterschiedlichen Geschichten wie aus einem Guss wirken, ist der immer wiederkehrende Sprecherstamm. Zwar wechseln die Figuren von Hörspiel zu Hörspiel vollständig, viele Stimmen begegnen dem Hörer jedoch immer wieder. Dadurch entsteht ein hoher Wiedererkennungswert, der die Produktionen bis heute prägt.

    Kurt Vethake griff regelmäßig auf einen Kreis erfahrener Berliner Schauspieler und Synchronsprecher zurück, mit denen er bereits in zahlreichen anderen Hörspielproduktionen zusammengearbeitet hatte. Sie waren es gewohnt, auch umfangreiche Dialoge sicher einzusprechen und unterschiedlichste Figuren glaubwürdig darzustellen. Da jede Produktion unabhängig entstand, wurden die Rollen jeweils neu verteilt. Ein Sprecher konnte deshalb im einen Hörspiel den Helden verkörpern und im nächsten dessen Gegenspieler oder Erzähler sein.

    Besonders häufig begegnet man Peter Schiff. Innerhalb der Jules-Verne-Hörspiele übernimmt er ganz unterschiedliche Aufgaben. In „20.000 Meilen unter dem Meer“ spricht er den treuen Conseil, in „Die Kinder des Kapitäns Grant“ führt er als Erzähler durch die Handlung, in der zweiten Fassung von „In 80 Tagen um die Welt“ wird er zu Passepartout und in „Fünf Wochen im Ballon“ übernimmt er sogar die Hauptrolle des Dr. Samuel Fergusson. Kaum ein anderer Sprecher prägt diese Hörspielgruppe so nachhaltig wie er.

    Eine ähnlich wichtige Stellung nimmt Klaus Jepsen ein. Er begegnet dem Hörer als Gegenspieler Ivan Ogareff, als Erzähler mehrerer Produktionen, als Pencroff auf der geheimnisvollen Insel und in zahlreichen kleineren Nebenrollen. Seine markante Stimme sorgt immer wieder für Orientierung, selbst wenn er völlig unterschiedliche Figuren verkörpert.

    Heinz Rabe zählt ebenfalls zu den prägenden Stimmen der Reihe. Er spricht den mutigen Michael Strogoff, den hartnäckigen Detective Fix, Major MacNabbs in „Die Kinder des Kapitäns Grant“, den verwilderten Ayrton in „Die geheimnisvolle Insel“ sowie später den Verbrecher Walston in „Zwei Jahre Ferien“. Diese Bandbreite zeigt eindrucksvoll, wie vielseitig die Besetzung innerhalb der einzelnen Produktionen gehandhabt wurde.

    Auch Eberhard Krug gehört zu den wichtigsten Sprechern der Reihe. Zunächst verkörpert er den geheimnisvollen Kapitän Nemo, später spricht er Lord Glenarvan und schließlich Cyrus Smith. Dass derselbe Sprecher innerhalb einer literarisch zusammenhängenden Trilogie drei völlig verschiedene Hauptfiguren übernimmt, macht deutlich, dass Kurt Vethake keine durchgehenden Rollenbesetzungen anstrebte. Entscheidend war allein, welche Stimme am besten zur jeweiligen Produktion passte.

    Zu den regelmäßig eingesetzten Schauspielern gehören außerdem Hans Mahlau, Hans Schwarz, Hermann Nespech, Rolf Marnitz, Santiago Ziesmer, Uwe Paulsen, Klaus Seibert, Micaela Pfeiffer, Hans Eberhard, Gerhard Zimram, Monika Ogorek, Ina Patzlaff, Sibylle Gilles, Regine Mahler, Margarethe Schön, Moritz Milar, Artur Binder und viele weitere bekannte Stimmen der damaligen Hörspielszene.

    Auffällig ist außerdem der häufige Wechsel zwischen Erzähler- und Rollenbesetzungen. Während Peter Schiff in einer Produktion selbst durch die Geschichte führt, spricht er im nächsten Hörspiel eine Hauptfigur. Klaus Jepsen übernimmt einmal den Erzähler, später einen Gegenspieler oder Seemann. Dadurch wirken die Sprecher niemals auf eine bestimmte Rollenart festgelegt.

    Die Erzähler besitzen innerhalb der Jules-Verne-Hörspiele eine besonders wichtige Aufgabe. Da die umfangreichen Romanvorlagen häufig auf weniger als eine Stunde Spielzeit gekürzt werden mussten, übernehmen sie längere Reiseabschnitte, Zeitsprünge und Ortswechsel. Ohne diese verbindenden Texte wären viele Handlungswechsel kaum nachvollziehbar gewesen. Gleichzeitig bleiben die eigentlichen Dialogszenen den wichtigsten Begegnungen vorbehalten.

    Gerade diese Kombination aus erfahrenen Schauspielern und einer klaren Erzählstruktur gehört zu den größten Stärken von Kurt Vethakes Produktionen. Die Stimmen tragen die Geschichten weit stärker als spektakuläre Geräuscheffekte oder aufwendige musikalische Inszenierungen. Jede Figur erhält ihren eigenen Charakter, ohne dass die Hörspiele überladen wirken.

    Rückblickend zeigt sich, dass Kurt Vethake mit seinem festen Sprecherkreis einen entscheidenden Anteil am Wiedererkennungswert seiner Jules-Verne-Hörspiele hatte. Obwohl die Abenteuer an völlig unterschiedlichen Orten der Welt spielen und sich ihre Figuren kaum überschneiden, entsteht durch die vertrauten Stimmen ein gemeinsamer Klang, der die Produktionen bis heute unverwechselbar macht.

    Vom Abenteuerroman zum Hörspiel – Kurt Vethakes Bearbeitungen

    Die Romane Jules Vernes gehören zu den umfangreichsten Abenteuerbüchern des 19. Jahrhunderts. Viele von ihnen umfassen mehrere hundert Seiten und erzählen ihre Geschichten über zahlreiche Kapitel hinweg. Ausführliche Reisebeschreibungen, naturwissenschaftliche Erläuterungen, technische Details und eine große Zahl von Nebenfiguren gehören ebenso zu ihrem Charakter wie die eigentlichen Abenteuer.

    Für eine Hörspielproduktion auf Schallplatte oder Musikkassette stellte das eine besondere Herausforderung dar. Die damals übliche Laufzeit bewegte sich meist zwischen 40 und 60 Minuten. Damit musste Kurt Vethake die Vorlagen auf einen Bruchteil ihres ursprünglichen Umfangs reduzieren, ohne dass die Handlung ihren Zusammenhang verlor.

    Gerade hierin zeigt sich eine der größten Stärken seiner Bearbeitungen. Statt möglichst viele Einzelheiten des Romans zu übernehmen, konzentrierte er sich konsequent auf den eigentlichen Kern der Geschichte. Jede Produktion folgt einem klaren roten Faden, der den Hörer sicher durch die Handlung führt.

    Bei „In 80 Tagen um die Erde“ steht deshalb die Wette zwischen Phileas Fogg und den Clubmitgliedern sowie der Wettlauf gegen die Zeit im Mittelpunkt. Viele kleinere Reiseepisoden werden dagegen deutlich verkürzt oder vollständig ausgelassen.

    „20.000 Meilen unter dem Meer“ verzichtet auf zahlreiche naturwissenschaftliche Exkurse des Romans und richtet den Blick vor allem auf das Verhältnis zwischen Professor Aronnax, Ned Land und Kapitän Nemo.

    Auch „Der Kurier des Zaren“ konzentriert sich vor allem auf Michael Strogoffs Auftrag und seine gefährliche Reise durch Russland. Die politischen Hintergründe des Aufstands werden dagegen nur soweit erläutert, wie sie zum Verständnis der Handlung notwendig sind.

    Bei „Die Kinder des Kapitäns Grant“ bleiben vor allem die Suche nach dem verschollenen Kapitän sowie die wichtigsten Stationen der Weltreise erhalten. Umfangreiche Landschaftsbeschreibungen und zahlreiche kleinere Begegnungen treten zugunsten des eigentlichen Abenteuers in den Hintergrund.

    Ähnlich verfährt Vethake bei „Die geheimnisvolle Insel“. Der Roman schildert ausführlich den Aufbau einer neuen Siedlung und beschreibt viele technische Einzelheiten. Im Hörspiel konzentriert sich die Handlung dagegen stärker auf das geheimnisvolle Eingreifen des unbekannten Helfers, die Rückkehr Ayrtons und die Begegnung mit Kapitän Nemo.

    Auch „Zwei Jahre Ferien“ musste erheblich gekürzt werden. Aus der großen Zahl jugendlicher Figuren wählte Vethake beziehungsweise Bearbeiter Peter Jacob nur jene aus, die für den Verlauf der Geschichte unverzichtbar sind. Dadurch bleibt die Handlung trotz der vielen beteiligten Personen jederzeit übersichtlich.

    Selbst die längste Produktion der Reihe, „Fünf Wochen im Ballon“, übernimmt nur einen Teil der ausführlichen Reisebeschreibungen Jules Vernes. Im Mittelpunkt stehen auch hier die Ballonfahrt selbst und ihre größten Gefahren.

    Eine besondere Rolle kommt dabei den Erzählern zu. Sie verbinden die einzelnen Szenen miteinander, erklären größere Ortswechsel und fassen längere Zeiträume in wenigen Sätzen zusammen. Dadurch lassen sich selbst Reisen über mehrere Kontinente innerhalb einer überschaubaren Spielzeit nachvollziehbar erzählen.

    Auffällig ist außerdem, dass Kurt Vethake auf unnötige Effekte weitgehend verzichtet. Geräusche und Musik unterstützen die Handlung, drängen sich jedoch nie in den Vordergrund. Das eigentliche Abenteuer entsteht vor allem durch die Dialoge und die klar strukturierte Erzählweise.

    Auch die Sprache bleibt bewusst verständlich. Jules Vernes Romane enthalten zahlreiche wissenschaftliche und geografische Fachbegriffe. Vethake übernimmt sie nur dort, wo sie für die Geschichte unverzichtbar sind. Dadurch bleiben die Hörspiele sowohl für jüngere als auch für erwachsene Hörer leicht zugänglich.

    Ein weiterer Unterschied zu den Romanen besteht im Tempo. Während Jules Verne häufig mehrere Kapitel nutzt, um Landschaften, technische Entwicklungen oder historische Hintergründe ausführlich zu schildern, wechseln die Hörspiele deutlich schneller zwischen den einzelnen Stationen. Dennoch wirken sie selten gehetzt. Jede wichtige Wendung erhält genügend Raum, um ihre Wirkung zu entfalten.

    Gerade diese Mischung aus sorgfältiger Kürzung und klarer Dramaturgie macht Kurt Vethakes Jules-Verne-Hörspiele bis heute so hörenswert. Sie versuchen nicht, die Romane vollständig wiederzugeben, sondern konzentrieren sich auf deren stärkste Szenen und wichtigsten Figuren. Dadurch entstehen eigenständige Hörspiele, die den Geist der literarischen Vorlagen bewahren und zugleich den Möglichkeiten des Mediums optimal angepasst sind.

  • Zwischen Philips, Intercord, Maritim und Kiosk – Die Veröffentlichungen

    Kurt Vethakes Jules-Verne-Hörspiele entstanden nicht als geschlossen geplante Labelserie. Die Aufnahmen erschienen zwischen 1966 und 1980 bei unterschiedlichen Anbietern und erhielten weder eine gemeinsame Nummerierung noch ein durchgehendes grafisches Erscheinungsbild.

    Den Anfang bildete 1966 „Reise um die Erde in 80 Tagen“ beziehungsweise „In 80 Tagen um die Erde“ bei Fontana. Kurt Vethake verantwortete die Hörspielfassung und Produktion, während Benno Schurr Regie führte.

    „Kapitän Nemo – 20.000 Meilen unter dem Meer“ erschien 1970 bei Maritim. Die Produktion wurde später auch unter dem kürzeren Titel „20.000 Meilen unter dem Meer“ angeboten.

    Die Vethake-Fassung von „Der Kurier des Zaren“ entstand 1972. Für diese Aufnahme existiert eine besonders große Zahl unterschiedlicher Ausgaben und Hüllen. Die dokumentierten Varianten enthalten dieselbe Produktion mit Heinz Rabe als Michael Strogoff, Klaus Jepsen als Ivan Ogareff und Regine Mahler als Nadja.

    Bei „Die Kinder des Kapitäns Grant“ ist die Datierung nicht in allen Verzeichnissen einheitlich. Einzelne Bibliografien nennen 1973 als Produktionsjahr, während eine Intercord-Langspielplatte für 1974 dokumentiert ist. Am genauesten ist deshalb die Formulierung, dass das Hörspiel um 1973/74 entstand und 1974 bei Intercord veröffentlicht wurde.

    Später erschienen weitere Intercord-Ausgaben sowie Veröffentlichungen bei Tempo und anderen Anbietern. Auch hier blieb die Tonaufnahme erhalten, während Hüllen, Bestellnummern und Reihenbezeichnungen wechselten.

    „Die geheimnisvolle Insel“ erschien 1974 bei Philips beziehungsweise Fontana.

    Ebenfalls 1974 veröffentlichte Unsere Welt „Zwei Jahre Ferien“ auf Langspielplatte und Musikkassette. Die LP trug die Nummer UW 746, die Kassette die Nummer 20.746. Als Alternativtitel ist „Die Irrfahrt des Schoners Sloughi“ dokumentiert. Dieser Name war bereits als Arbeitstitel der Produktion bekannt.

    Eine CD-Veröffentlichung von 2006 verwendete den Titel „Die Irrfahrt des Schoners Sloughi“. Es handelt sich um dieselbe Vethake-Aufnahme und nicht um ein zusätzliches Hörspiel.

    1975 folgte bei Maritim die vollständig neue Fassung von „In 80 Tagen um die Welt“. Im Gegensatz zu den bloßen Neuauflagen anderer Titel wurde die Geschichte hier mit neuen Sprechern vollständig neu aufgenommen. Joachim Kerzel spricht Phileas Fogg, Peter Schiff Passepartout und Heinz Rabe den Detektiv Fix.

    Die letzte Produktion war „Fünf Wochen im Ballon“ aus dem Jahr 1980. Die ursprüngliche Kassette wird dem KLAX- beziehungsweise Kiosk-Programm zugeordnet und trägt die Bestellnummer 2861. Eine CD-Wiederveröffentlichung folgte 2006.

    Bei der Einordnung ist grundsätzlich Vorsicht notwendig. Von fast allen bekannten Jules-Verne-Romanen existierten in den 1970er-Jahren mehrere deutschsprachige Hörspielfassungen unterschiedlicher Produzenten. Ein identischer Titel oder ein ähnliches Cover bedeutet deshalb nicht automatisch, dass sich auf dem Tonträger die Produktion Kurt Vethakes befindet.

    Eine sichere Zuordnung ist über die Sprecher und Produktionsangaben möglich. Bei Wiederveröffentlichungen können einzelne Credits allerdings fehlen oder unter Pseudonymen aufgeführt sein.

    Die unterschiedlichen Ausgaben dokumentieren den damaligen Hörspielmarkt. Produktionen wurden lizenziert, in neue Reihen übernommen und mit anderen Hüllen erneut angeboten. Dadurch blieben viele Aufnahmen über Jahre verfügbar, während ihre ursprüngliche Herkunft für spätere Käufer nicht immer sofort erkennbar war.

    Illustrationen voller Fernweh – Die Cover der Jules-Verne-Hörspiele

    Ebenso abwechslungsreich wie die Hörspiele selbst präsentieren sich auch ihre Cover. Da die Produktionen ursprünglich bei verschiedenen Labels erschienen, entstand niemals ein einheitliches Erscheinungsbild. Stattdessen entwickelte jede Platten- oder Kassettenfirma ihre eigene Gestaltung, sodass sich die Titelbilder zum Teil erheblich voneinander unterscheiden.

    Gerade darin liegt heute ein besonderer Reiz für Sammler. Während moderne Hörspielreihen meist über viele Jahre hinweg einer festen grafischen Linie folgen, spiegeln die Jules-Verne-Hörspiele Kurt Vethakes die Gestaltungsvielfalt der 1960er-, 1970er- und frühen 1980er-Jahre wider. Fast jede Wiederveröffentlichung erhielt eine neue Illustration und verlieh derselben Geschichte dadurch einen völlig anderen Eindruck.

    Besonders eng mit der Reihe verbunden ist Aiga Rasch. Die bekannte Illustratorin gestaltete unter anderem die ursprünglichen Intercord-Ausgaben von „Der Kurier des Zaren“ und „Die Kinder des Kapitäns Grant“. Ihre detailreichen Titelbilder verbinden realistische Figuren mit einer lebendigen Farbgestaltung und fangen den Charakter der jeweiligen Abenteuer eindrucksvoll ein. Gleichzeitig gehören diese Illustrationen heute zu den bekanntesten Arbeiten innerhalb der Intercord-Hörspielproduktionen.

    Für die Maritim-Neuproduktion von „In 80 Tagen um die Welt“ schuf Jürgen Rogner das Titelbild. Auch seine Arbeiten prägten das Erscheinungsbild zahlreicher Abenteuer- und Literaturhörspiele der damaligen Zeit. Seine Illustration stellt die Weltreise in den Mittelpunkt und unterstreicht den klassischen Abenteuercharakter des Romans.

    Die übrigen Veröffentlichungen zeigen eine große stilistische Bandbreite. Manche Cover setzen auf dramatische Actionszenen, andere auf romantische Landschaften oder technische Meisterwerke wie die Nautilus oder den Ballon von Dr. Fergusson. Wieder andere konzentrieren sich auf die Hauptfiguren und vermitteln bereits auf den ersten Blick den Charakter der jeweiligen Geschichte.

    Gerade „Der Kurier des Zaren“ und „Die Kinder des Kapitäns Grant“ erschienen im Laufe der Jahre mit besonders vielen unterschiedlichen Titelbildern. Je nach Label standen einmal Michael Strogoff zu Pferd, ein Angriff der Tataren oder russische Landschaften im Mittelpunkt. Bei den Ausgaben von „Die Kinder des Kapitäns Grant“ wechselten sich Darstellungen von Segelschiffen, dramatischen Küstenszenen oder den Mitgliedern der Expedition ab.

    Auch „20.000 Meilen unter dem Meer“ bot den Illustratoren zahlreiche Möglichkeiten. Mal dominiert die geheimnisvolle Nautilus das Bild, mal erscheinen riesige Meerestiere oder Kapitän Nemo selbst als Mittelpunkt der Darstellung. Dadurch erhält jede Ausgabe einen etwas anderen Schwerpunkt, obwohl sich die eigentliche Hörspielaufnahme nicht verändert.

    Bei „Fünf Wochen im Ballon“ steht naturgemäß der Ballon im Mittelpunkt der Gestaltung. Die Illustrationen zeigen häufig den Flug über weite afrikanische Landschaften und vermitteln bereits auf dem Cover den Eindruck eines großen Entdeckungsabenteuers.

    Die Cover dienten jedoch nicht allein der Illustration. Sie sollten zugleich die Aufmerksamkeit der Käufer im Schallplatten- oder Spielwarengeschäft auf sich ziehen. Entsprechend farbenprächtig und dramatisch wurden viele Motive gestaltet. Reißende Flüsse, stürmische Meere, gewaltige Gebirge oder exotische Landschaften sollten bereits vor dem Hören Abenteuerlust wecken.

    Mit den zahlreichen Wiederveröffentlichungen veränderte sich zugleich der grafische Zeitgeschmack. Während frühe Ausgaben häufig auf klassische gemalte Illustrationen setzten, orientierten sich spätere Cover teilweise stärker an moderneren Gestaltungsformen oder passten sich den jeweiligen Reihen der veröffentlichenden Labels an. Dadurch entstanden zahlreiche Varianten derselben Hörspiele, die sich heute oft schon auf den ersten Blick voneinander unterscheiden lassen.

    Für Sammler besitzen gerade die Erstausgaben einen besonderen Stellenwert. Sie dokumentieren nicht nur die ursprüngliche Veröffentlichungsgeschichte der Hörspiele, sondern zeigen zugleich die enge Verbindung zwischen Illustration und Abenteuerliteratur, die viele Produktionen der damaligen Zeit auszeichnete.

    Die Cover der Jules-Verne-Hörspiele sind deshalb weit mehr als bloße Verpackungen. Sie gehören selbst zur Geschichte dieser Produktionen und tragen wesentlich dazu bei, dass die Abenteuer von Phileas Fogg, Kapitän Nemo, Michael Strogoff oder Cyrus Smith bis heute auch optisch ihren ganz eigenen Reiz bewahrt haben.

    Edited once, last by DerPoldi (August 4, 2026 at 1:30 PM).

  • Kurt Vethake - Ein besonderes Kapitel deutscher Hörspielgeschichte

    Mit seinen Jules-Verne-Hörspielen schuf Kurt Vethake keine klassische Hörspielserie im heutigen Sinn. Es gab weder eine fortlaufende Nummerierung noch ein gemeinsames Logo oder ein einheitliches Erscheinungsbild. Dennoch verbindet die acht Produktionen weit mehr als nur ihren literarischen Ursprung.

    Zwischen 1966 und 1980 gelang es Vethake, einige der bekanntesten Abenteuerromane Jules Vernes in kompakte, leicht verständliche Hörspiele zu verwandeln. Dabei verzichtete er bewusst auf den Versuch, jede Einzelheit der umfangreichen Romanvorlagen zu übernehmen. Stattdessen konzentrierte er sich auf die entscheidenden Figuren, die wichtigsten Wendepunkte und jene Szenen, die den Charakter der jeweiligen Geschichte besonders deutlich widerspiegeln.

    Gerade diese Konzentration auf das Wesentliche gehört bis heute zu den größten Stärken der Produktionen. Die Hörspiele wirken klar strukturiert, verlieren trotz ihrer oft erheblichen Kürzungen nie den roten Faden und bleiben auch für Hörer verständlich, die die Romanvorlagen nicht kennen.

    Ebenso prägend ist der wiederkehrende Sprecherkreis. Peter Schiff, Klaus Jepsen, Heinz Rabe, Eberhard Krug, Hans Mahlau, Rolf Marnitz, Hans Schwarz, Hermann Nespech und viele weitere Berliner Schauspieler verleihen den unterschiedlichsten Figuren ihre Stimmen. Obwohl dieselben Sprecher immer wieder auftreten, entsteht niemals der Eindruck bloßer Wiederholung. Vielmehr entwickelt jede Produktion ihren eigenen Charakter.

    Auch musikalisch besitzen die Hörspiele eine erkennbare Handschrift. Komponisten wie Arno Bergmann schufen Begleitungen, die Abenteuer und Fernweh vermitteln, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Musik und Geräusche unterstützen die Handlung, während die Stimmen stets das eigentliche Zentrum der Inszenierung bleiben.

    Nicht weniger interessant ist die wechselvolle Veröffentlichungsgeschichte. Unterschiedliche Labels, zahlreiche Wiederauflagen, neue Titelbilder und einzelne Umbenennungen führten dazu, dass dieselben Hörspiele über viele Jahre hinweg immer wieder neue Hörer fanden. Besonders „Der Kurier des Zaren“ und „Die Kinder des Kapitäns Grant“ erschienen unter einer Vielzahl verschiedener Hüllen und gehören dadurch heute zu den bekanntesten Vertonungen innerhalb der Reihe.

    Mit „In 80 Tagen um die Erde“ beziehungsweise „In 80 Tagen um die Welt“ schuf Kurt Vethake sogar zwei eigenständige Bearbeitungen desselben Romans. Diese doppelte Vertonung ist innerhalb seines Jules-Verne-Schaffens einzigartig und dokumentiert zugleich die Entwicklung seiner Arbeitsweise über fast ein Jahrzehnt hinweg.

    Rückblickend spiegeln die Produktionen auch eine Epoche wider, in der Literaturhörspiele einen festen Platz im Schallplatten- und Kassettenprogramm vieler deutscher Labels einnahmen. Abenteuerklassiker von Jules Verne, Karl May, Daniel Defoe oder Robert Louis Stevenson gehörten selbstverständlich zum Angebot und machten Weltliteratur für junge Hörer auf leicht zugängliche Weise erlebbar.

    Die Jules-Verne-Hörspiele Kurt Vethakes stehen beispielhaft für diese Zeit. Sie verbinden klassische Abenteuerstoffe mit einer klaren Inszenierung, markanten Sprecherleistungen und einer Erzählweise, die bis heute nichts von ihrer Verständlichkeit verloren hat.

    Auch Jahrzehnte nach ihrer Entstehung besitzen diese Produktionen ihren besonderen Reiz. Sie führen durch die Tiefen der Meere, über die Weiten Russlands, rund um den Erdball, auf geheimnisvolle Inseln und hoch über den afrikanischen Kontinent. Jede Geschichte eröffnet eine neue Welt, jede Reise folgt ihren eigenen Regeln, und doch verbindet sie alle derselbe Geist des Entdeckens.

    Damit bilden Kurt Vethakes Jules-Verne-Hörspiele bis heute eines der geschlossensten und zugleich abwechslungsreichsten Kapitel innerhalb der deutschen Literaturhörspiele – und zugleich eine eindrucksvolle Hommage an einen der bedeutendsten Abenteuererzähler der Weltliteratur.

  • DerPoldi Wow :thumbup: Ganz lieben Dank für diese tollen Posts. Ich liebe Geschichten von Jules Verne und sammle tatsächlich die verschiedenen Versionen der Hörspiele. Natürlich sind auch Kurt Vethake Versionen dabei. Müsste hierzu tatsächlich nochmals genau schauen was ich alles habe. Gibt da ja so einiges.

    Wenn ich gerade mal in meine hoffentlich noch aktuelle Liste schaue dann habe ich von

    20.000 Meilen unter dem Meer 6 Versionen (Europa, Maritim, Membran "Schatztruhe der Abenteuer, Auditon, Der Hörverlag und Titania Medien)

    Der Kurier des Zaren habe ich 4 Versionen (bella Musica, Seyffert, Poly pop.de/Audionarchie, Membran "Schatztruhe der Abrenteuer) Denke hier sind teilweise identische Sprechercasts bei

    In 80 Tagen um die Welt habe ich 5 Versionen (Europa, bella Musica, Igel Records, Maritim, Der Hörverlag)

    Die Reise zum Mittelpunkt der Erde habe ich 4 Versionen (Europa, Igel Records, Der Hörverlag, Poly pop.de/Audionarchie)

    Die geheimnisvolle Insel habe ich 2 Versionen (Europa und Membran "Schatztruhe der Abenteuer")

    Und dann noch

    Zwei Jahre Ferien

    Fünf Wochen im Ballon

    Schwarzes Gold

    Das Karpathenschloss

    Der Stahlelefant

    Die Erfindung des Verderbens

    Die Propellerinsel

    Die Kinder des Kapitän Grant

    Niemand kann so hart zuschlagen wie das Leben.

  • Angel 74

    Das ist wirklich eine beeindruckende Sammlung! Ich glaube alle davon habe ich bisher nicht

    Da sind ja einige verschiedene Vertonungen zusammengekommen. Gerade bei Jules Verne finde ich es immer wieder spannend, wie unterschiedlich ein und derselbe Stoff interpretiert werden kann.

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