Spider-Man: Brand New Day – Marvel schenkt Peter Parker seine bislang emotionalste Reise (Filmkritik)

  • Spider-Man: Brand New Day – Marvel schenkt Peter Parker seine bislang emotionalste Reise

    Nach dem gewaltigen Multiversumspektakel von Spider-Man: No Way Home stand die Reihe vor einer schwierigen Aufgabe. Wie erzählt man die Geschichte eines Helden weiter, der praktisch alles verloren hat? Spider-Man: Brand New Day entscheidet sich bewusst gegen das Motto „größer, lauter, spektakulärer“ und konzentriert sich stattdessen wieder auf den Menschen hinter der Maske. Genau diese Entscheidung macht den Film zu einem der persönlichsten Spider-Man-Abenteuer der vergangenen Jahre.

    Die Geschichte setzt einige Jahre nach den Ereignissen des Vorgängers ein. Niemand erinnert sich mehr an Peter Parker. MJ und Ned führen ihr eigenes Leben weiter, während Peter allein in New York zurückbleibt und sich vollständig seiner Aufgabe als Spider-Man widmet. Was zunächst wie ein klassischer Neuanfang wirkt, entwickelt sich schnell zu einer Geschichte über Einsamkeit, Verlust und die Frage, wie viel ein Mensch opfern kann, ohne sich selbst zu verlieren.

    Gerade dieser emotionale Schwerpunkt gehört für mich zu den größten Stärken des Films. Statt permanent das nächste Marvel-Spektakel aufzubauen, nimmt sich die Handlung Zeit für ihren Helden. Peter Parker wirkt reifer, nachdenklicher und verletzlicher als je zuvor. Seine Trauer über Tante May, die Sehnsucht nach MJ und Ned sowie die Last seiner eigenen Entscheidung ziehen sich wie ein roter Faden durch den gesamten Film. Dadurch entsteht eine ungewöhnlich melancholische Stimmung, die sich deutlich von den vorherigen MCU-Abenteuern abhebt.

    Tom Holland liefert dabei ohne Zweifel seine bislang stärkste Leistung als Spider-Man ab. Er spielt Peter Parker nicht mehr als unsicheren Teenager, sondern als jungen Erwachsenen, der versucht, mit den Konsequenzen seines Handelns zu leben. Man nimmt ihm jede Unsicherheit, jede Verzweiflung und jeden kleinen Hoffnungsschimmer ab. Selbst in den ruhigsten Momenten trägt Holland den Film mühelos auf seinen Schultern.

    Auch Zendaya überzeugt erneut als MJ. Obwohl ihre Rolle zunächst kleiner ausfällt als gewohnt, besitzen ihre gemeinsamen Szenen mit Tom Holland eine enorme emotionale Kraft. Gerade weil sie sich nicht mehr an Peter erinnern kann, entsteht zwischen beiden eine bittersüße Spannung, die viele der schönsten Momente des Films trägt. Jacob Batalon sorgt als Ned weiterhin für humorvolle Auflockerungen, ohne dabei die ernste Grundstimmung zu zerstören.

    Neu hinzu kommen mehrere bekannte Gesichter aus dem Marvel-Universum. Jon Bernthal gibt einen beeindruckenden Punisher ab und entwickelt mit Spider-Man eine überraschend unterhaltsame Dynamik. Statt bloßer Gastauftritte erhalten ihre gemeinsamen Szenen tatsächlich Bedeutung für Peters Entwicklung. Auch Mark Ruffalo als Bruce Banner fügt sich sinnvoll in die Geschichte ein und unterstützt die zentrale Thematik rund um Peters innere Veränderungen.

    Besonders positiv fällt auf, dass der Film das Multiversum weitgehend hinter sich lässt. Natürlich gibt es Verbindungen zum Marvel Cinematic Universe und einige Überraschungen für Fans, doch sie drängen sich nie dauerhaft in den Vordergrund. Stattdessen bleibt Peter Parker jederzeit das emotionale Zentrum der Geschichte.

    Auch inszenatorisch hinterlässt Brand New Day einen starken Eindruck. Destin Daniel Cretton verbindet spektakuläre Action mit ruhigen Charaktermomenten und findet meist die richtige Balance. Die Schwungsequenzen durch New York wirken dynamisch und lebendig, während die Kämpfe angenehm übersichtlich inszeniert sind und jederzeit nachvollziehbar bleiben. Gleichzeitig setzt der Film immer wieder auf kleinere Momente der Stille, die den Figuren Raum geben.

    Dazu kommt Michael Giacchinos hervorragende Filmmusik, die sowohl die melancholischen Szenen als auch die großen Actionmomente wirkungsvoll begleitet. Gemeinsam mit den gelungenen Bildern entsteht eine Atmosphäre, die den emotionalen Kern der Geschichte immer wieder unterstreicht.

    Ganz ohne Schwächen kommt der Film allerdings nicht aus. Vor allem im letzten Drittel merkt man, dass mehrere Handlungsstränge gleichzeitig abgeschlossen werden müssen. Einige Figuren erhalten dadurch weniger Entwicklung, als sie eigentlich verdient hätten. Auch der neue Gegenspieler besitzt zwar interessante Ansätze und eine nachvollziehbare Motivation, erreicht aber nicht ganz die Wirkung früherer Spider-Man-Schurken. Manche Wendungen wirken etwas konstruiert und verlieren dadurch an Glaubwürdigkeit.

    Hinzu kommt, dass der Film stellenweise etwas überladen wirkt. Mehrere Marvel-Figuren, verschiedene Nebenhandlungen und zahlreiche Überraschungen sorgen dafür, dass der Fokus gelegentlich verloren geht. Hier hätte etwas mehr Zurückhaltung der Geschichte gutgetan.

    Dennoch überwiegen für mich ganz klar die positiven Eindrücke. Spider-Man: Brand New Day erinnert daran, warum Peter Parker seit Jahrzehnten zu den beliebtesten Comicfiguren überhaupt gehört. Nicht seine Kräfte machen ihn besonders, sondern seine Menschlichkeit. Seine Zweifel, seine Opferbereitschaft und sein Wunsch, trotz aller Rückschläge das Richtige zu tun, stehen wieder im Mittelpunkt.

    Gerade deshalb funktioniert der Film so gut. Er erzählt keine Geschichte über das Ende der Welt, sondern über einen jungen Mann, der lernen muss, mit Schmerz, Einsamkeit und Verantwortung zu leben. Genau darin liegt seine größte Stärke.

    Spider-Man: Brand New Day gehört für mich zu den stärksten Spider-Man-Filmen mit Tom Holland und gleichzeitig zu den überzeugendsten Marvel-Beiträgen der letzten Jahre. Der Film verbindet emotionale Figurenentwicklung mit packender Action und verliert dabei nie den Menschen hinter der Maske aus den Augen. Kleinere Schwächen im Drehbuch und eine etwas überladene Handlung verhindern zwar die Höchstwertung, ändern aber nichts daran, dass Marvel seinem beliebtesten Helden endlich wieder genau das gibt, was ihn immer ausgezeichnet hat: Herz.

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  • Tom Holland hasste frühe Version von Spider-Man: Brand New Day, weil sie zu sehr auf das Publikum hörte
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  • Spiderman wirklich der Beste von allen? Ich kann mich nicht so ganz entscheiden, No Way Home ebenfalls meiner Meinung nach "Super", aber der neue, ich glaub, ja noch besser. :thumbup::thumbup::thumbup:

    Für mich auf jedenfall der Beste Film von den dreien. Auch wenn evtl der Humor nicht ganz so stark war, glänzt Spider-Man: Brand New Day mit Emotionen und einen Superhelden der so noch sympathischer bzw. greifbarer wirkt. Nach all den für mich in letzter Zeit nicht mehr so guten Marvel Verfilmungen, eine die Spaß und Action geboten hat. So darf es dann wie zum Ende angekündigt wurde weitergehen.

    Tolkien und wie war die Odyssey ? Ich möchte gerne ins Kino weiß aber auch nicht so richtig warum ich noch nicht war ?

  • Tolkien und wie war die Odyssey ? Ich möchte gerne ins Kino weiß aber auch nicht so richtig warum ich noch nicht war ?

    Ich fand ihn klasse und meiner Meinung nach hat Matt Damon dafür den Oscar verdient. Wir waren zu viert drin und die Frauen fanden ihn zu brutal, obwohl er eine FSK von 12 hat und auch kaum Blut floß. Aber ich bin da wohl nicht der Maßstab. Etwas gestört hat mich die sehr diverse Mannschaft, aber da es ein Fantasy-Film war, ist es letztendlich egal. Elliot Page war übrigens besser als gedacht und auch Lupita Nyong´o hat klasse gespielt, nur hätte ich sie nicht unbedingt als Helena gesehen. Ganz besonders gefiel mir das letzte Drittel, als Odysseus wieder im Heimathafen angekommen ist. Patterson war schon ein guter Bösewicht.

  • Ja Wahnsinn. Knapp hinter Endgame. Spidey war schon als Kind einer meiner Lieblingshelden, obwohl ich ja gar nicht mal soviel Marvel und auch DC gelesen habe. Vielleicht von Spiderman so 50 Hefte. Keine Ahnung, wieviel es davon inzwischen gibt?

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