Der Aufstieg des modernen Horrorkinos - Die 1970er-Jahre

  • Der Aufstieg des modernen Horrorkinos - Die 1970er-Jahre

    Der Aufbruch des modernen Horrorkinos - Einleitung

    Kaum eine Epoche hat das Horrorkino so nachhaltig geprägt wie die 1970er- und 1980er-Jahre. Zahlreiche Figuren, Motive und Erzählformen, die heute untrennbar mit dem Genre verbunden sind, entstanden in diesen beiden Jahrzehnten oder erhielten damals ihre bis heute maßgebliche Form. Besessene Kinder, kannibalische Familien, maskierte Serienmörder, außerirdische Organismen, untote Horden, körperliche Mutationen, mörderische Traumgestalten und Dämonen aus anderen Dimensionen eroberten die Leinwand.

    Eine buchstäblich vollständige Erfassung jedes weltweit produzierten Horrorfilms dieser zwanzig Jahre würde mehrere Tausend Titel umfassen. Neben den bekannten Kinoerfolgen entstanden unzählige regionale Produktionen, Exploitationfilme, Fernsehfilme, Amateurarbeiten und Werke, deren Einordnung zwischen Horror, Thriller, Science-Fiction und Fantasy bis heute umstritten ist. Diese Filmdoku konzentriert sich deshalb auf die prägenden, historisch bedeutsamen, erfolgreichen, einflussreichen und für einzelne Länder oder Subgenres wichtigen Produktionen. Auch weniger bekannte Filme werden berücksichtigt, sofern sie eine erkennbare Bedeutung für die Entwicklung des Genres besitzen.

    Die 1970er-Jahre verwandelten den Horror grundlegend. Die klassischen Monster verschwanden zwar nicht, doch Dracula, Frankenstein und der Werwolf verloren ihre frühere Vormachtstellung. An ihre Stelle traten zeitgenössische Ängste: der Zerfall der Familie, religiöse Verunsicherung, gesellschaftliche Gewalt, politische Paranoia, Umweltkatastrophen, urbane Vereinsamung und der Verlust des Vertrauens in staatliche oder wissenschaftliche Institutionen.

    Das Böse lebte nun nicht mehr ausschließlich in Burgruinen, Gruften und abgelegenen Dörfern. Es drang in amerikanische Vorstädte, moderne Wohnungen, Krankenhäuser, Ferienhäuser, Polizeistationen und scheinbar gewöhnliche Familien ein. Filme wie Der Exorzist, Blutgericht in Texas, Das Omen, Carrie, Halloween, Dawn of the Dead und Alien machten den Horror unmittelbarer, körperlicher und gesellschaftlich anschlussfähiger.

    Die 1980er-Jahre griffen diese Entwicklung auf und verwandelten das Genre zunehmend in ein populäres, vermarktbares Unterhaltungskino. Maskierte Täter wie Michael Myers, Jason Voorhees und später Freddy Krueger wurden zu wiedererkennbaren Marken. Gleichzeitig erreichte die handwerkliche Kunst der Maskenbildner und Spezialeffekttechniker einen Höhepunkt. Künstler wie Rick Baker, Rob Bottin, Tom Savini, Stan Winston und Chris Walas ließen Körper vor laufender Kamera zerreißen, mutieren, verwesen und neue Formen annehmen.

    Das Heimvideo veränderte zusätzlich die Verbreitung des Horrors. Filme, die im Kino nur ein begrenztes Publikum erreicht hatten, konnten auf VHS ein zweites Leben beginnen. Videotheken, auffällige Kassettenhüllen und internationale Verleiher machten selbst kleine Produktionen weltweit bekannt. Gleichzeitig löste die unregulierte oder nur schwach kontrollierte Verbreitung drastischer Filme heftige Zensurdebatten aus. Besonders in Großbritannien entstand Anfang der 1980er-Jahre die sogenannte „Video-Nasties“-Kontroverse, nachdem zuvor ungekürzte Horrorfilme auf Videokassette leicht zugänglich geworden waren.

    Die Ausgangslage zu Beginn der 1970er-Jahre

    Am Anfang des Jahrzehnts befand sich das traditionelle Horrorkino in einer Übergangsphase. Die britische Produktionsfirma Hammer Film Productions setzte ihre erfolgreichen Dracula-, Frankenstein- und Mumienreihen fort, suchte jedoch nach Möglichkeiten, sie einem jüngeren Publikum anzupassen. Die Gothicfilme wurden freizügiger, blutiger und erotischer. Gleichzeitig verloren sie gegenüber dem zeitgenössischen Horror zunehmend an Wirkung.

    In den USA hatte George A. Romero mit Die Nacht der lebenden Toten bereits 1968 gezeigt, dass ein wirkungsvoller Horrorfilm nicht von bekannten Stars, großen Studios oder aufwendigen Kulissen abhängig sein musste. Romeros Film kombinierte dokumentarisch wirkende Schwarz-Weiß-Bilder mit gesellschaftlicher Unruhe und drastischer Gewalt. Seine lebenden Toten wurden zum Ausgangspunkt des modernen Zombiefilms.

    Roman Polanskis Rosemaries Baby von 1968 hatte das Übernatürliche dagegen in eine alltägliche Großstadtwohnung verlegt. Der Film zeigte, wie sich religiöser Horror, psychologische Unsicherheit und moderne Lebenswirklichkeit miteinander verbinden ließen. Diese beiden Werke bereiteten gemeinsam mit Filmen wie Psycho, Peeping Tom, Die Vögel und Tanz der Vampire den Boden für das folgende Jahrzehnt.

    Das amerikanische Studiosystem befand sich ebenfalls im Wandel. Jüngere Regisseure erhielten zeitweise größere Freiheiten, während unabhängige Produzenten entdeckten, dass Horrorfilme mit vergleichsweise kleinen Budgets hohe Gewinne erzielen konnten. Der Horror wurde dadurch zu einem Experimentierfeld, in dem Anfänger, Außenseiter und künftige Meisterregisseure ihre ersten großen Arbeiten realisieren konnten.

  • 1970 – Vampire, Hexen und die letzten Jahre des klassischen Gothic-Horrors

    Gruft der Vampire – The Vampire Lovers

    Mit Gruft der Vampire eröffnete Hammer 1970 die sogenannte Karnstein-Trilogie. Regie führte Roy Ward Baker. Ingrid Pitt spielte die Vampirin Carmilla Karnstein, während Peter Cushing als General von Spielsdorf zu sehen war.

    Der Film basiert auf Motiven aus Sheridan Le Fanus Novelle Carmilla, die bereits 1872 erschienen war und damit Bram Stokers Dracula vorausging. Carmilla schleicht sich unter verschiedenen Namen in adelige Familien ein, gewinnt das Vertrauen junger Frauen und ernährt sich von deren Blut.

    Hammer verband den traditionellen Vampirfilm hier deutlich stärker als zuvor mit Erotik. Ingrid Pitts Carmilla war keine bloße Dienerin eines männlichen Obervampirs, sondern das Zentrum der Handlung. Ihre Beziehungen zu Emma Morton und anderen jungen Frauen bildeten den emotionalen und zugleich provokanten Kern des Films.

    Auf Gruft der Vampire folgten Nur Vampire küssen blutig beziehungsweise Lust for a Vampire und Draculas Hexenjagd beziehungsweise Twins of Evil. Die drei Produktionen sind keine durchgehend erzählte Filmreihe, greifen jedoch die Familie Karnstein und ähnliche Themen auf.

    Wie schmeckt das Blut von Dracula? – Taste the Blood of Dracula

    Christopher Lee kehrte 1970 erneut als Graf Dracula zurück. Regie führte Peter Sasdy. Die Handlung konzentriert sich auf drei angesehene Familienväter, die aus Langeweile an einem satanischen Ritual teilnehmen. Dabei wird Dracula wieder zum Leben erweckt.

    Der Film verlagerte den Schwerpunkt teilweise vom Vampir selbst auf die moralische Doppeldeutigkeit der viktorianischen Gesellschaft. Die scheinbar respektablen Männer führen heimlich ein ausschweifendes Leben und lösen durch ihre Neugier die Katastrophe aus.

    Christopher Lee hatte im Vergleich zu anderen Darstellern nur begrenzte Dialoganteile. Dennoch blieb seine körperliche Präsenz entscheidend. Seine Dracula-Figur wirkte weniger wie ein romantischer Verführer als wie eine beinahe stumme Verkörperung von Hass und Rache.

    Dracula – Nächte des Entsetzens – Scars of Dracula

    Noch im selben Jahr erschien mit Dracula – Nächte des Entsetzens ein weiterer Hammer-Film mit Christopher Lee. Roy Ward Baker übernahm die Regie. Patrick Troughton spielte Draculas Diener Klove.

    Der Film besitzt nur lose Verbindungen zu den vorherigen Teilen. Dracula wird bereits zu Beginn wiederbelebt, ohne dass seine Vernichtung aus dem vorausgegangenen Film ausführlich aufgegriffen wird. Diese mangelnde Kontinuität wurde zu einem wiederkehrenden Merkmal der Hammer-Reihe.

    Auffällig ist die größere Brutalität. Dracula sticht unter anderem wiederholt auf eines seiner Opfer ein. Außerdem erhält die Figur mehr Dialog als in einigen der vorherigen Beiträge. Der Film gehört zu den letzten klassischen Hammer-Draculas, bevor die Reihe in die Gegenwart verlegt wurde.

    Junges Blut für Dracula – Count Yorga, Vampire

    Bob Kelljan führte bei Count Yorga, Vampire Regie, während Robert Quarry den titelgebenden Vampir spielte. Der Film war ursprünglich unter einem stärker erotisch ausgerichteten Konzept geplant, entwickelte sich jedoch zu einem regulären Horrorfilm.

    Die entscheidende Neuerung lag im Schauplatz. Yorga lebte nicht in einem historischen Europa, sondern im zeitgenössischen Kalifornien. Seine Umgebung bestand aus modernen Wohnungen, Autos und jungen Erwachsenen. Der Film bewies, dass ein aristokratischer Vampir auch außerhalb des Gothicmilieus funktionieren konnte.

    Robert Quarry spielte Yorga kultiviert, ruhig und selbstbewusst. Die Figur war intelligent genug, ihre wahre Natur über längere Zeit zu verbergen. Der Erfolg führte 1971 zur Fortsetzung The Return of Count Yorga.

    Der Todesschrei der Hexen – Cry of the Banshee

    Gordon Hessler inszenierte Der Todesschrei der Hexen mit Vincent Price in der Hauptrolle. Price spielte Lord Edward Whitman, einen grausamen englischen Grundbesitzer, der vermeintliche Hexen verfolgen und töten lässt.

    Nach einem Massaker wird Whitmans Familie mit einem Fluch belegt. Der Film verbindet Hexenverfolgung, Familiendrama und übernatürliche Rache. Obwohl Vincent Price vor allem für seine häufig theatralischen Schurkenrollen bekannt war, verkörperte er Whitman als ausgesprochen unangenehmen und gewalttätigen Patriarchen.

    Die ursprünglich von Terry Gilliam entworfene Titelsequenz gehört zu den auffälligen gestalterischen Elementen des Films. Gilliam war zu dieser Zeit bereits durch seine Animationen für Monty Python bekannt.

    Das Bildnis des Dorian Gray – Dorian Gray

    Massimo Dallamano verfilmte Oscar Wildes Roman als europäische Koproduktion mit Helmut Berger in der Titelrolle. Die Handlung wurde in die damalige Gegenwart verlegt. Herbert Lom spielte Henry Wotton, während Richard Todd als Basil Hallward auftrat.

    Dorian bleibt körperlich jung, während sein Porträt die Spuren seines moralischen Verfalls übernimmt. Die Modernisierung betonte sexuelle Freizügigkeit und Dekadenz. Helmut Bergers elegante, zugleich distanzierte Erscheinung passte zu einer Figur, deren äußere Schönheit immer deutlicher im Gegensatz zu ihrer inneren Leere steht.

    Der Hexenjäger – Mark of the Devil

    Der Hexenjäger entstand als westdeutsche Produktion unter der Regie von Michael Armstrong. Herbert Lom spielte Lord Cumberland, Udo Kier dessen jungen Schüler Christian.

    Der Film gehört zu einer Gruppe besonders drastischer Hexenverfolgungsfilme, die nach Michael Reeves’ Der Hexenjäger beziehungsweise Witchfinder General entstanden. Folterungen und Hinrichtungen werden ausführlich dargestellt. Die Vermarktung setzte gezielt auf den angeblichen Schockwert des Films.

    Trotz seiner exploitativen Inszenierung besitzt der Film einen erkennbaren politischen Kern. Die selbsternannten Hexenjäger nutzen Aberglauben und religiöse Autorität, um Macht auszuüben, persönliche Wünsche zu erfüllen und ihre Verbrechen zu legitimieren.

  • 1971 – Giallo, Serienmord und die Auflösung moralischer Gewissheiten

    Im Blutrausch des Satans – A Bay of Blood

    Mario Bavas Im Blutrausch des Satans, international unter anderem als A Bay of Blood, Bay of Blood und Twitch of the Death Nerve bekannt, gilt als einer der wichtigsten Vorläufer des späteren Slasherfilms.

    Die Handlung beginnt mit dem Mord an einer wohlhabenden Gräfin. Mehrere Personen versuchen anschließend, das Grundstück an einer abgelegenen Bucht unter ihre Kontrolle zu bringen. Dabei entwickelt sich eine Kette gegenseitiger Morde.

    Bava interessierte sich weniger für einen einzelnen dämonischen Täter als für menschliche Gier. Fast jede Figur kann zum Mörder oder Opfer werden. Die Tötungen werden ungewöhnlich direkt und einfallsreich dargestellt. Mehrere Szenen wurden später in amerikanischen Slasherfilmen sichtbar aufgegriffen. Besonders Freitag der 13. – Jason kehrt zurück übernahm erkennbare Varianten einzelner Todesarten.

    Bava war nicht nur Regisseur, sondern prägte den Film auch als Kameramann und visueller Gestalter. Durch farbige Beleuchtung, Nebel, Zooms und bewegliche Kameraeinstellungen verlieh er dem begrenzten Schauplatz eine künstliche, beinahe traumartige Atmosphäre.

    Der Schwanz des Skorpions – The Case of the Scorpion’s Tail

    Sergio Martino gehörte neben Dario Argento, Mario Bava und Lucio Fulci zu den wichtigen Regisseuren des italienischen Giallo. In Der Schwanz des Skorpions wird eine Frau nach dem Tod ihres Ehemanns zur Erbin einer hohen Versicherungssumme. Kurz darauf beginnt eine Mordserie.

    Der Film verbindet Kriminalhandlung, schwarze Handschuhe, Rasiermesser, sexuelle Motive und überraschende Wendungen. Anita Strindberg und George Hilton übernahmen zentrale Rollen. Die Musik stammte von Bruno Nicolai.

    Der Giallo war nicht mit einem gewöhnlichen Kriminalfilm gleichzusetzen. Die Aufklärung der Identität des Täters blieb zwar wichtig, doch ebenso entscheidend waren subjektive Kameraeinstellungen, stilisierte Gewalt, erotische Spannung und eine oftmals labyrinthische Handlung.

    Vier Fliegen auf grauem Samt – Four Flies on Grey Velvet

    Vier Fliegen auf grauem Samt bildete den Abschluss von Dario Argentos inoffizieller Tier-Trilogie nach Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe und Die neunschwänzige Katze.

    Michael Brandon spielte den Musiker Roberto Tobias, der von einem Unbekannten verfolgt und in ein Mordkomplott verwickelt wird. Mimsy Farmer übernahm die Rolle seiner Frau Nina. Bud Spencer trat in einer ungewöhnlichen Nebenrolle auf.

    Argento experimentierte mit Zeitlupe, extremen Perspektiven und optischen Effekten. Die titelgebenden vier Fliegen werden durch ein auf der Netzhaut eines Toten gespeichertes Bild erklärt – eine pseudowissenschaftliche Idee, die den stilisierten Charakter des Films unterstreicht.

    Der Todesengel – The Abominable Dr. Phibes

    Vincent Price schuf mit Dr. Anton Phibes eine seiner bekanntesten Figuren. Robert Fuest inszenierte den Film, dessen Gestaltung Jugendstil, Art déco, schwarzen Humor und makabre Mordfantasien miteinander verbindet.

    Phibes gilt nach einem Unfall als tot. Tatsächlich hat er überlebt, ist jedoch entstellt und kann nur mithilfe einer technischen Vorrichtung sprechen. Er macht mehrere Ärzte für den Tod seiner Frau verantwortlich und tötet sie nach einem von den biblischen Plagen inspirierten System.

    Obwohl Phibes grausame Morde begeht, wird er als trauernder, beinahe romantischer Rächer inszeniert. Sein verborgenes Anwesen, seine mechanische Musikgruppe und seine stumme Assistentin Vulnavia verleihen ihm die Aura eines tragischen Fantoms.

    Joseph Cotten spielte den Arzt Dr. Vesalius, Peter Jeffrey den ermittelnden Inspector Trout. Der Erfolg führte zur Fortsetzung Die Rückkehr des Dr. Phibes.

    Das Haus der Schatten – The House That Dripped Blood

    Der von Amicus Productions hergestellte Episodenfilm basiert auf Geschichten von Robert Bloch. Peter Duffell führte Regie. Die Rahmenhandlung verbindet vier Erzählungen, die sich um ein geheimnisvolles Landhaus drehen.

    Zur Besetzung gehörten unter anderem Peter Cushing, Christopher Lee, Ingrid Pitt, Denholm Elliott und Jon Pertwee. Jede Episode behandelt eine andere Form des Horrors: eine erfundene Figur, die möglicherweise Wirklichkeit wird, ein unheimliches Wachsfigurenkabinett, ein gefährliches Kind und einen Schauspieler, dessen Vampirkostüm tatsächliche Kräfte besitzt.

    Amicus spezialisierte sich auf Horror-Anthologien und bot damit eine Alternative zu Hammers fortlaufenden Dracula- und Frankensteinreihen. Die Episodenstruktur erlaubte es, mehrere bekannte Darsteller in relativ kurzen, pointierten Geschichten einzusetzen.

    Töchter der Finsternis – Daughters of Darkness

    Harry Kümel inszenierte diesen belgisch-französisch-westdeutschen Vampirfilm. Delphine Seyrig spielte Gräfin Elizabeth Báthory, die gemeinsam mit ihrer Begleiterin Ilona in einem fast menschenleeren Hotel an der belgischen Küste eintrifft.

    Dort begegnet sie dem frisch verheirateten Paar Stefan und Valerie. Die Gräfin interessiert sich zunehmend für Valerie, während Stefans gewalttätige Seite hervortritt.

    Der Film behandelt Vampirismus weniger als traditionelle Monsterhandlung denn als Mischung aus Verführung, Macht, Begehren und Abhängigkeit. Seyrig spielt die Gräfin nicht als offen animalisches Wesen, sondern als elegante, kontrollierte und zeitlose Erscheinung.

  • 1972 – Der Horror wird schmutziger, politischer und gegenwärtiger

    Das letzte Haus links – The Last House on the Left

    Wes Cravens Regiedebüt gehört zu den umstrittensten amerikanischen Horrorfilmen der 1970er-Jahre. Die Geschichte orientiert sich in ihrer Grundstruktur an Ingmar Bergmans Die Jungfrauenquelle, verlegt die Handlung jedoch in die amerikanische Gegenwart.

    Mari Collingwood und ihre Freundin Phyllis geraten in die Gewalt einer Gruppe entflohener Krimineller um Krug Stillo. Nach der Ermordung der jungen Frauen suchen die Täter ausgerechnet im Haus von Maris Eltern Zuflucht. Als diese erkennen, was geschehen ist, üben sie brutale Rache.

    Craven arbeitete mit einem geringen Budget und einer bewusst rauen Inszenierung. Die Gewalttaten besitzen dadurch keine elegante Distanz. Gleichzeitig enthält der Film unbeholfen wirkende komische Szenen mit zwei Polizisten, die einen starken Kontrast zum übrigen Geschehen bilden.

    David Hess spielte Krug und komponierte außerdem Musik für den Film. Produziert wurde das Werk von Sean S. Cunningham, der später Freitag der 13. realisierte.

    Der Film stellte Gewalt nicht als rein übernatürliche Bedrohung dar. Das Grauen ging von Menschen aus, und die Grenze zwischen zivilisierten Eltern und brutalen Tätern brach im Verlauf der Rachehandlung zusammen.

    Das Grauen auf der Themse – Death Line/Raw Meat

    Gary Shermans britischer Film ist im englischsprachigen Raum sowohl als Death Line als auch unter dem US-Titel Raw Meat bekannt. Donald Pleasence spielte Inspector Calhoun, Christopher Lee trat in einer kleineren Rolle als Geheimdienstvertreter auf.

    Nach dem Verschwinden eines Mannes in der Londoner U-Bahn stößt die Polizei auf die Nachkommen von Arbeitern, die Jahrzehnte zuvor bei einem Tunnelbau verschüttet und anschließend aufgegeben worden waren. Der letzte männliche Überlebende entführt Menschen, um sich und seine sterbende Gefährtin zu ernähren.

    Hugh Armstrong spielte den namenlosen Kannibalen fast ohne verständliche Sprache. Trotz seiner Gewalttaten wird die Figur nicht nur als Monster dargestellt, sondern auch als tragisches Ergebnis sozialer Gleichgültigkeit.

    Der Film verlagerte den britischen Horror aus alten Schlössern in das moderne London. Die BFI führt ihn als Beispiel für die Entwicklung des britischen Genres in den 1970er-Jahren an: zeitgenössische Schauplätze, härtere Gewalt und schwarzer Humor traten an die Stelle vieler traditioneller Gothicmotive.

    Blacula

    William Crain inszenierte Blacula, einen der bekanntesten Horrorfilme des Blaxploitationkinos. William Marshall spielte den afrikanischen Prinzen Mamuwalde, der im 18. Jahrhundert Graf Dracula um Unterstützung gegen den Sklavenhandel bittet. Dracula verwandelt ihn stattdessen in einen Vampir und gibt ihm den Namen Blacula.

    Jahrhunderte später wird Mamuwalde in Los Angeles befreit. Dort begegnet er Tina, die seiner verstorbenen Frau Luva ähnlich sieht.

    William Marshall verlieh der Figur Würde und Tragik. Mamuwalde ist zwar ein gefährlicher Vampir, wird aber zugleich als Opfer kolonialer Gewalt und von Draculas Rassismus eingeführt. Seine Liebe zu Luva beziehungsweise Tina unterscheidet ihn von rein sadistischen Filmmonstern.

    Der kommerzielle Erfolg führte zur Fortsetzung Scream Blacula Scream, in der Pam Grier eine wichtige Rolle übernahm.

    Geschichten aus der Gruft – Tales from the Crypt

    Freddie Francis inszenierte diese Amicus-Anthologie nach Geschichten aus den EC-Horrorcomics. Ralph Richardson spielte den Crypt Keeper, der fünf Menschen mit den möglichen Folgen ihrer Verbrechen konfrontiert.

    Zu den bekanntesten Episoden gehört And All Through the House, in der Joan Collins eine Frau spielt, die ihren Ehemann ermordet und anschließend von einem entflohenen Mörder in einem Weihnachtsmannkostüm bedroht wird.

    Peter Cushing übernahm in Poetic Justice die Rolle des einsamen Arthur Grimsdyke. Seine Darstellung verleiht der Episode eine ungewöhnlich melancholische Wirkung. Die Geschichte verbindet soziale Grausamkeit mit übernatürlicher Vergeltung.

    Die später international erfolgreiche Fernsehserie Tales from the Crypt basierte ebenfalls auf den EC-Comics, steht aber produktionstechnisch nicht in direkter Fortsetzung zu diesem Film.

    Die Rückkehr des Dr. Phibes – Dr. Phibes Rises Again

    Vincent Price kehrte als Anton Phibes zurück. Robert Fuest führte erneut Regie. Phibes reist nach Ägypten, um den Fluss des Lebens zu finden und seine verstorbene Frau Victoria wiederzuerwecken.

    Robert Quarry spielte Phibes’ Gegenspieler Darius Biederbeck, der selbst nach Unsterblichkeit strebt. Dadurch erhält Phibes erstmals einen Widersacher, der ihm intellektuell und in seinem Streben nach Überwindung des Todes ähnlich ist.

    Die Fortsetzung ist fantastischer und humorvoller als der erste Film. Die aufwendige Ausstattung und die bizarren Tötungsmethoden stehen stärker im Mittelpunkt als eine konventionelle Horroratmosphäre.

    Dracula jagt Minimädchen – Dracula A.D. 1972

    Hammer versuchte, Dracula in die moderne Gegenwart zu versetzen. Christopher Lee spielte erneut den Grafen, Peter Cushing kehrte als Professor Lorrimer Van Helsing zurück. Stephanie Beacham verkörperte dessen Enkelin Jessica.

    Dracula wird durch ein satanisches Ritual im London der 1970er-Jahre wiedererweckt. Johnny Alucard, gespielt von Christopher Neame, führt eine Gruppe junger Menschen in eine entweihte Kirche und benutzt sie für die Rückkehr des Vampirs.

    Der Film verband Draculas klassische Erscheinung mit Jugendkultur, Rockmusik und modischer Ausstattung. Dracula selbst blieb jedoch weitgehend an die Kirche gebunden und bewegte sich nicht frei durch das moderne London. Dadurch wirkte die Modernisierung weniger umfassend, als Titel und Werbung erwarten ließen.

  • 1973 – Das Jahr des religiösen und psychologischen Horrors

    Der Exorzist – The Exorcist

    William Friedkins Der Exorzist gehört zu den entscheidenden Wendepunkten der gesamten Horrorgeschichte. Grundlage war William Peter Blattys gleichnamiger Roman. Blatty schrieb auch das Drehbuch und produzierte den Film.

    Ellen Burstyn spielte die Schauspielerin Chris MacNeil, Linda Blair deren Tochter Regan. Jason Miller verkörperte Pater Damien Karras, einen Jesuitenpriester und Psychiater, der mit Glaubenszweifeln und Schuldgefühlen wegen des Todes seiner Mutter ringt. Max von Sydow spielte den erfahrenen Exorzisten Pater Lankester Merrin.

    Die Handlung beginnt nicht sofort als eindeutiger Dämonenhorror. Regans körperliche und psychische Veränderungen werden zunächst medizinisch untersucht. Ärzte führen zahlreiche belastende Tests durch, finden jedoch keine ausreichende Erklärung. Erst als die medizinischen Möglichkeiten ausgeschöpft scheinen, sucht Chris die Hilfe der Kirche.

    Diese Struktur war wesentlich für die Wirkung des Films. Friedkin inszenierte das Übernatürliche mit der Nüchternheit eines realistischen Dramas. Die Wohnung der MacNeils, die Krankenhäuser und die Straßen von Georgetown wirken nicht wie künstliche Horrorkulissen. Das Dämonische bricht in eine glaubwürdig dargestellte Alltagswelt ein.

    Linda Blairs Darstellung wurde durch die Stimme von Mercedes McCambridge ergänzt. Für die körperlichen Spezialeffekte war unter anderem Dick Smith verantwortlich. Die Verwandlung Regans, die Wunden, die Gesichtsveränderungen und Max von Sydows künstliche Alterung wurden zu Meilensteinen der Maskenkunst.

    Der gekühlte Schlafraum entstand mit erheblichem technischem Aufwand. Die niedrige Temperatur machte den Atem der Darsteller sichtbar und verstärkte die körperliche Belastung während der Dreharbeiten.

    Mike Oldfields Stück Tubular Bells wurde zwar eng mit dem Film verbunden, war aber keine eigens komponierte vollständige Filmmusik. Friedkin verwendete unterschiedliche bereits vorhandene und neu geschaffene Musikstücke ausgesprochen sparsam.

    Der Film wurde nicht nur ein kommerzielles Phänomen, sondern erhielt eine für einen Horrorfilm außergewöhnliche Anerkennung durch die Filmindustrie. Der Exorzist kam auf zehn Oscar-Nominierungen und gewann für Blattys adaptiertes Drehbuch sowie für den Ton. William Friedkin, Ellen Burstyn, Linda Blair, Jason Miller und Kameramann Owen Roizman gehörten zu den weiteren Nominierten.

    Der Erfolg löste zahlreiche Nachahmungen über Besessenheit, Exorzismus und dämonische Kinder aus. Gleichzeitig zeigte er den großen Studios, dass Horror nicht nur ein preisgünstiges Nischenprodukt sein musste, sondern ein prestigeträchtiger internationaler Kassenerfolg werden konnte.

    Wenn die Gondeln Trauer tragen – Don’t Look Now

    Nicolas Roeg verfilmte eine Erzählung von Daphne du Maurier. Donald Sutherland und Julie Christie spielten John und Laura Baxter, deren Tochter bei einem Unfall ertrunken ist.

    Das Ehepaar reist nach Venedig, wo John an der Restaurierung einer Kirche arbeitet. Laura begegnet zwei älteren Schwestern, von denen eine behauptet, hellsehen und die verstorbene Tochter wahrnehmen zu können. Gleichzeitig glaubt John wiederholt, eine kleine Gestalt in einem roten Mantel zu sehen.

    Roeg erzählt die Geschichte nicht geradlinig. Bilder, Erinnerungen und Vorahnungen werden durch die Montage miteinander verbunden. Das Rot des Mantels wird zu einem wiederkehrenden visuellen Signal. Venedig erscheint nicht als romantische Touristenstadt, sondern als feuchtes, labyrinthisches und zunehmend menschenleeres Geflecht aus Gassen und Kanälen.

    Der Film handelt ebenso stark von Trauer, verdrängter Wahrnehmung und der Unfähigkeit, Warnzeichen richtig zu deuten wie von einer möglichen übernatürlichen Bedrohung. Seine berühmte Liebesszene montiert Intimität und das anschließende Ankleiden parallel und verbindet Vergangenheit, Gegenwart und Erinnerung.

    The Wicker Man

    Robin Hardy führte Regie, Anthony Shaffer schrieb das Drehbuch. Edward Woodward spielte den streng christlichen Polizeibeamten Sergeant Neil Howie. Christopher Lee verkörperte Lord Summerisle.

    Howie reist auf die abgelegene schottische Insel Summerisle, um nach einem verschwundenen Mädchen zu suchen. Die Bewohner behaupten zunächst, das Kind habe nie existiert. Gleichzeitig entdeckt Howie, dass die Inselgemeinschaft eine vorchristliche, naturreligiöse Kultur pflegt.

    Der Horror entsteht nicht durch Dunkelheit oder klassische Monster. Große Teile des Films spielen bei Tageslicht. Musik, Fruchtbarkeitsrituale, Masken und scheinbar freundliche Inselbewohner erzeugen eine immer stärkere Verunsicherung.

    Christopher Lee betrachtete Lord Summerisle als eine seiner wichtigsten Rollen. Die Figur ist gebildet, charmant und überzeugt von ihrer Weltanschauung. Dadurch entsteht kein einfacher Gegensatz zwischen einem offensichtlich wahnsinnigen Schurken und einem makellosen Helden. Auch Howies Starrheit und religiöse Überheblichkeit werden kritisch dargestellt.

    Das Finale mit der riesigen Weidenfigur wurde zu einem der bekanntesten Bilder des britischen Horrorkinos. Gemeinsam mit Witchfinder General und The Blood on Satan’s Claw wird The Wicker Man häufig als zentraler Bezugspunkt des britischen Folk Horror betrachtet. Die BFI ordnet ihn entsprechend in die Tradition ländlicher britischer Horrorfilme ein.

    Theater des Grauens – Theatre of Blood

    Douglas Hickox inszenierte Vincent Price als Shakespeare-Darsteller Edward Lionheart. Nachdem Kritiker ihn verhöhnt und bei einer Preisvergabe übergangen haben, rächt sich Lionheart an ihnen. Jeder Mord orientiert sich an einer Szene aus einem Shakespeare-Stück.

    Diana Rigg spielte Lionhearts Tochter Edwina. Zur Gruppe der Kritiker gehörten unter anderem Ian Hendry, Harry Andrews, Robert Coote und Jack Hawkins.

    Der Film verbindet Slashermotive, schwarze Komödie, Theaterparodie und Tragödie. Lionheart ist zugleich lächerlich, grausam und von seiner Kunst besessen. Vincent Price konnte seine theatralische Spielweise bewusst einsetzen und variieren, da seine Figur selbst ein Schauspieler ist.

    Die Morde greifen unter anderem Julius Caesar, Der Kaufmann von Venedig, Othello, Richard III. und Titus Andronicus auf. Der Film gehört zu den deutlichsten Vorläufern späterer Horrorgestalten, die ihre Taten nach einem bestimmten Thema oder Regelwerk gestalten.

    Die Nacht der rollenden Köpfe – The Legend of Hell House

    John Hough führte Regie, Richard Matheson schrieb das Drehbuch nach seinem eigenen Roman Hell House. Roddy McDowall, Pamela Franklin, Clive Revill und Gayle Hunnicutt spielten ein Team, das ein berüchtigtes Spukhaus untersucht.

    Die Figuren vertreten unterschiedliche Zugänge zum Übernatürlichen. Der Physiker Lionel Barrett sucht eine naturwissenschaftliche Erklärung, während die Medien Florence Tanner und Benjamin Fischer für paranormale Erscheinungen empfänglich sind.

    Die Handlung konzentriert sich stark auf sexuelle Unterdrückung, psychische Manipulation und die Frage, ob das Haus selbst eine zerstörerische Kraft besitzt. Der Film führt damit die Tradition von Shirley Jacksons Spuk in Hill House und Robert Wises Verfilmung Bis das Blut gefriert fort, zeigt sich jedoch körperlicher und freizügiger.

    Die lebenden Leichen des Dr. Mabuse – The Vault of Horror

    Die Amicus-Anthologie The Vault of Horror basiert erneut auf Geschichten aus dem Umfeld der EC-Comics. Trotz des irreführenden deutschen Titels besteht keine Verbindung zur Figur Dr. Mabuse.

    Fünf Männer befinden sich in einem geheimnisvollen Keller und erzählen einander ihre wiederkehrenden Albträume. Die Episoden handeln von Vampiren, einem zwanghaft ordentlichen Mann, einem Zaubertrick mit tödlichen Folgen, einem Versicherungsbetrug und einem Maler, der sich mit Voodoo an seinen Kritikern rächt.

    Zur Besetzung gehörten Daniel Massey, Terry-Thomas, Curd Jürgens, Michael Craig und Tom Baker. Roy Ward Baker übernahm die Regie.

  • 1974 – Kettensägen, schwarze Weihnachten und der Durchbruch des modernen Serienmörderfilms

    Blutgericht in Texas – The Texas Chain Saw Massacre

    Tobe Hoopers The Texas Chain Saw Massacre gehört zu den einflussreichsten unabhängig produzierten Horrorfilmen der Filmgeschichte. Der deutsche Kinotitel lautete Blutgericht in Texas; später setzte sich auch die Übersetzung The Texas Chainsaw Massacre beziehungsweise Texas Chainsaw Massacre durch.

    Marilyn Burns spielte Sally Hardesty, die gemeinsam mit ihrem Bruder Franklin und mehreren Freunden durch Texas reist. Die Gruppe gerät an eine verarmte, kannibalische Familie ehemaliger Schlachthofarbeiter.

    Gunnar Hansen verkörperte Leatherface. Die Figur trägt Masken aus menschlicher Haut und benutzt unter anderem eine Kettensäge. Leatherface ist jedoch nicht der souveräne Anführer der Familie. Er reagiert häufig panisch, wird von seinen Angehörigen herumkommandiert und nimmt je nach Situation unterschiedliche häusliche Rollen an.

    Jim Siedow spielte den älteren Bruder, der zugleich als Besitzer einer Tankstelle auftritt. Edwin Neal verkörperte den unberechenbaren Anhalter. John Dugan war als beinahe mumifizierter Großvater zu sehen.

    Obwohl der Titel ein regelrechtes Massaker verspricht, zeigt der Film weniger offene Verstümmelungen, als sein Ruf vermuten lässt. Seine Intensität entsteht aus Schnitt, Geräuschen, Hitze, schmutzigen Schauplätzen und der ununterbrochenen Eskalation der zweiten Hälfte.

    Die Ausstattung des Familienhauses bestand aus Knochen, Tierkadavern, Federn und bizarren Möbelstücken. Die Grenzen zwischen Schlachthof, Küche und Wohnraum verschwimmen. Menschen werden von der Familie wie Nutztiere behandelt.

    Hooper und sein Team arbeiteten unter schwierigen Bedingungen. Das geringe Budget, die sommerliche Hitze und die langen Drehtage verstärkten die körperliche Belastung. Daniel Pearls Kameraarbeit nutzt grelles Sonnenlicht ebenso wirkungsvoll wie die dunklen Innenräume.

    Der Film wurde teilweise mit dem Hinweis beworben, er beruhe auf wahren Ereignissen. Die Handlung und die Figuren sind jedoch nicht die Darstellung eines konkreten Falls. Einzelne Ideen, insbesondere Gegenstände aus menschlicher Haut, wurden lose durch die Verbrechen Ed Geins angeregt. Auch Norman Bates aus Psycho und Buffalo Bill aus Das Schweigen der Lämmer wurden später teilweise mit Gein in Verbindung gebracht, ohne direkte filmische Abbilder seiner Person zu sein.

    The Texas Chain Saw Massacre machte den ländlichen amerikanischen Raum zu einem Ort des sozialen und körperlichen Zerfalls. Die Familie ist nicht nur eine Ansammlung von Monstern, sondern auch ein groteskes Abbild wirtschaftlich überflüssig gewordener Arbeiter. Ihre früheren Tätigkeiten im Schlachthof führen sie nun an Menschen fort.

    Leatherface wurde zu einer der großen Ikonen des Horrors. Anders als Dracula oder Frankenstein war er kein literarisches Monster, sondern eine originäre Filmfigur. Zahlreiche Fortsetzungen, Neuverfilmungen, Comics, Spiele und Merchandiseprodukte folgten.

    Black Christmas

    Bob Clark inszenierte Black Christmas, der in Deutschland unter anderem als Jessy – Die Treppe in den Tod und später unter seinem Originaltitel veröffentlicht wurde.

    Mehrere Studentinnen verbringen die Weihnachtszeit in einem Verbindungshaus. Sie erhalten obszöne und zunehmend bedrohliche Telefonanrufe. Kurz darauf verschwindet eine der Bewohnerinnen.

    Olivia Hussey spielte Jess, Keir Dullea ihren Freund Peter. Margot Kidder war als Barb zu sehen, John Saxon als Lieutenant Fuller.

    Der Täter, häufig nach einem der am Telefon genannten Namen als Billy bezeichnet, wird nicht vollständig erklärt. Seine Identität und seine Vergangenheit bleiben weitgehend unbekannt. Die Kamera übernimmt wiederholt seine subjektive Perspektive, während er sich im Haus versteckt.

    Der Film etablierte mehrere Elemente, die später für den Slasher wichtig wurden: eine Gruppe junger Menschen, ein begrenzter Schauplatz, Telefonterror, subjektive Täteraufnahmen und eine Reihe von Morden. Im Unterschied zu vielen späteren Filmen präsentiert Black Christmas jedoch keine dem Publikum deutlich erkennbare Killerfigur.

    Jess’ Schwangerschaft und ihre Entscheidung gegen das Kind bilden einen ernst behandelten Nebenstrang. Dadurch erhält die Hauptfigur einen persönlichen Konflikt, der unabhängig von der Mordhandlung existiert.

    Das Phantom im Paradies – Phantom of the Paradise

    Brian De Palma verband in Phantom of the Paradise Motive aus Das Phantom der Oper, Faust und Das Bildnis des Dorian Gray mit einer Satire auf die Musikindustrie.

    William Finley spielte den Komponisten Winslow Leach. Paul Williams verkörperte den Produzenten Swan und schrieb außerdem die Songs. Jessica Harper war als Sängerin Phoenix zu sehen.

    Nachdem Swan Winslows Musik stiehlt und ihn ins Gefängnis bringen lässt, wird der Komponist bei einem Unfall entstellt. Als maskiertes Phantom kehrt er zurück und versucht, sein Werk sowie Phoenix vor Swan zu schützen.

    Der Film war bei seiner ursprünglichen Veröffentlichung kein großer allgemeiner Erfolg, entwickelte aber besonders in Winnipeg und später durch Wiederaufführungen und Heimmedien eine ausgeprägte Kultanhängerschaft.

    Der Mann mit den Röntgenaugen? Nein: Larry Cohen und der urbane Monsterfilm

    Mit Die Wiege des Bösen beziehungsweise It’s Alive schuf Larry Cohen 1974 eine eigenwillige Verbindung aus Monsterfilm, Familiendrama und Gesellschaftssatire.

    John P. Ryan spielte Frank Davis, dessen neugeborenes Kind eine monströse Mutation aufweist und unmittelbar nach der Geburt mehrere Menschen tötet. Sharon Farrell verkörperte die Mutter Lenore.

    Das Kind wird zunächst vor allem als Bedrohung behandelt. Im Verlauf der Handlung erkennt Frank jedoch, dass es trotz seiner Mutation sein Sohn ist und aus Angst sowie Selbsterhaltung handelt. Der Film verbindet den Schrecken vor Geburt und Elternschaft mit Misstrauen gegenüber Pharmaindustrie, Umweltgiften und staatlichen Reaktionen.

    Die Musik komponierte Bernard Herrmann, der zuvor unter anderem mit Alfred Hitchcock gearbeitet hatte. Rick Baker war an der Gestaltung des Kreaturenmodells beteiligt.

    Der Film erhielt zwei Fortsetzungen: Die Wiege des Satans und Die Wiege des Schreckens.

    Zwischenbilanz: Was sich bis 1974 verändert hatte

    Innerhalb von nur fünf Jahren hatte sich das Horrorkino weit von den vertrauten Gothicformen entfernt. Der Vampir lebte nun im modernen Kalifornien, Kannibalen hausten unter der Londoner U-Bahn oder in der texanischen Provinz, ein Dämon drang in das Schlafzimmer eines Kindes ein und menschliche Täter versteckten sich innerhalb gewöhnlicher Wohnhäuser.

    Die wichtigsten Veränderungen waren bereits deutlich erkennbar:

    Der Horror wurde gegenwärtig. Moderne Kleidung, Autos, Telefone, Krankenhäuser und Vorstadthäuser ersetzten viele historische Schauplätze.

    Er wurde körperlicher. Gewalt, Krankheit, Sexualität, Schwangerschaft und körperlicher Verfall wurden direkter gezeigt.

    Er wurde politischer. Wirtschaftliche Ausgrenzung, religiöser Machtmissbrauch, Familienkonflikte, soziale Heuchelei und staatliche Gleichgültigkeit wurden Teil der Horrorerzählungen.

    Er wurde unabhängiger. Filme wie Das letzte Haus links und The Texas Chain Saw Massacre bewiesen, dass kleine Produktionen eine Wirkung erzielen konnten, die großen Studioprojekten ebenbürtig war.

    Und er schuf neue Monster. Leatherface, Anton Phibes, Mamuwalde und die namenlosen Täter des Giallo unterschieden sich deutlich von den Universal- und Hammer-Ikonen früherer Jahrzehnte.

    In der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre sollte diese Entwicklung noch einmal beschleunigt werden. Der weiße Hai machte den Tierhorror zum weltweiten Ereignis, Das Omen führte den religiösen Horror fort, Carrie verband Pubertät mit übernatürlicher Rache, Suspiria verwandelte Hexerei in einen audiovisuellen Albtraum, Halloween legte die Grundlage für den amerikanischen Slasherboom, Dawn of the Dead verband Zombiehorror mit Konsumkritik und Alien brachte das Monster in die industrielle Welt des Weltraums. Die Library of Congress nahm später unter anderem Alien und The Shining als kulturell, historisch oder ästhetisch bedeutende Werke in das National Film Registry auf.

  • 1975 – Haie, Kannibalen, parasitäre Körper und die Rückkehr des Giallo

    Der weiße Hai – Jaws

    Mit Der weiße Hai wurde Steven Spielberg 1975 endgültig zu einem der wichtigsten Regisseure des amerikanischen Unterhaltungskinos. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Peter Benchley, der 1974 erschienen war. Benchley war zunächst auch an der Ausarbeitung des Drehbuchs beteiligt, das anschließend vor allem von Carl Gottlieb überarbeitet wurde.

    Im Mittelpunkt steht die fiktive Ferieninsel Amity. Kurz vor Beginn der wirtschaftlich wichtigen Badesaison wird eine junge Frau von einem Hai getötet. Polizeichef Martin Brody möchte die Strände schließen lassen, stößt jedoch auf den Widerstand von Bürgermeister Larry Vaughn. Dieser fürchtet die wirtschaftlichen Folgen und versucht, die Gefahr herunterzuspielen. Erst nach weiteren Angriffen lässt sich das Problem nicht länger leugnen.

    Roy Scheider spielte Martin Brody als verantwortungsbewussten, aber keineswegs furchtlosen Mann. Brody ist aus New York nach Amity gezogen, fühlt sich auf der Insel jedoch noch immer als Außenseiter. Hinzu kommt seine ausgeprägte Angst vor dem Wasser. Gerade deshalb gewinnt seine spätere Teilnahme an der Jagd auf den Hai besondere Bedeutung.

    Robert Shaw verkörperte den professionellen Haijäger Quint. Die Figur ist erfahren, selbstbewusst, eigenwillig und von einer tiefen persönlichen Besessenheit geprägt. In seiner berühmten Erzählung über den Untergang der USS Indianapolis berichtet Quint davon, wie Schiffbrüchige nach einer geheimen Mission tagelang im Meer trieben und von Haien angegriffen wurden. Die Rede erklärt seine Feindschaft gegenüber den Tieren, ohne ihn zu einer einfachen Heldenfigur zu machen.

    Richard Dreyfuss spielte den Meeresbiologen Matt Hooper. Hooper verlässt sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse und technische Ausrüstung, gerät jedoch immer wieder mit dem praktisch denkenden Quint aneinander. Gemeinsam mit Brody bilden die beiden Männer ein Trio, dessen unterschiedliche Persönlichkeiten die zweite Hälfte des Films tragen.

    Die Dreharbeiten fanden überwiegend auf und vor Martha’s Vineyard statt. Spielberg bestand darauf, zahlreiche Szenen tatsächlich auf dem Meer zu drehen. Diese Entscheidung erhöhte den Realismus, verursachte jedoch erhebliche Schwierigkeiten. Boote gerieten in den Hintergrund, Wetter und Wasser ließen sich nicht kontrollieren, technische Geräte wurden beschädigt und der Drehplan verlängerte sich erheblich.

    Besonders problematisch waren die mechanischen Haimodelle, die für den Film konstruiert worden waren. Im Salzwasser funktionierten sie häufig nicht wie vorgesehen. Spielberg war deshalb gezwungen, den Hai über weite Strecken nicht vollständig zu zeigen. Stattdessen kündigten subjektive Unterwasseraufnahmen, eine sich bewegende Rückenflosse, schwimmende Fässer oder John Williams’ Musik die Anwesenheit des Tieres an.

    Aus der technischen Notwendigkeit entstand eines der wirkungsvollsten Stilmittel des Films. Das Publikum sieht den Hai zunächst kaum und ergänzt die unsichtbare Bedrohung durch die eigene Vorstellungskraft. Erst im späteren Verlauf tritt das Tier deutlicher in Erscheinung.

    John Williams komponierte das berühmte musikalische Hauptmotiv aus zwei sich wiederholenden Tönen. Die Musik ahmt nicht einfach ein Tier nach, sondern erzeugt das Gefühl einer unerbittlich näher kommenden Kraft. Williams erhielt für seine Komposition den Oscar.

    Auch der Schnitt von Verna Fields war für die Spannung entscheidend. Die Strandszenen wechseln zwischen Brodys besorgtem Blick, spielenden Kindern, vermeintlichen Warnzeichen und der tatsächlichen Gefahr. Eine auffällige Kamerafahrt mit gleichzeitiger Veränderung der Brennweite hebt Brodys Schock hervor, als er einen Angriff erkennt.

    Der weiße Hai wurde zu einem außerordentlichen kommerziellen Erfolg. Seine groß angelegte Sommerveröffentlichung, die starke Fernsehwerbung und der landesweite Kinostart trugen dazu bei, die Vermarktung großer Hollywoodproduktionen dauerhaft zu verändern. Das American Film Institute führt den Film sowohl unter den bedeutenden amerikanischen Filmen als auch an zweiter Stelle seiner Auswahl der größten Thrill-Filme.

    Der Film erhielt vier Oscar-Nominierungen und gewann für die Musik, den Schnitt und den Ton. Spielberg selbst wurde nicht als Regisseur nominiert. Es folgten drei Fortsetzungen, an denen er nicht mehr als Regisseur beteiligt war: Der weiße Hai 2, Der weiße Hai 3-D und Der weiße Hai – Die Abrechnung.

    Obwohl der Film häufig als Abenteuer- oder Thriller eingeordnet wird, besitzt er eine klare Horrorstruktur. Eine zunächst unsichtbare Macht dringt in einen alltäglichen Lebensraum ein, Behörden versagen bei der Gefahrenabwehr und gewöhnliche Menschen werden plötzlich zu Beute. Der Hai wurde dadurch zu einem modernen Filmmonster, obwohl es sich nicht um ein übernatürliches Wesen handelt.

    Deep Red – Profondo Rosso

    Dario Argento kehrte 1975 mit Deep Red, im Original Profondo rosso, zum Giallo zurück. Der Film wurde in Deutschland unter verschiedenen Titeln veröffentlicht, darunter Rosso – Farbe des Todes und Deep Red.

    David Hemmings spielte den britischen Pianisten Marcus Daly, der in Turin lebt und Zeuge der Ermordung einer Hellseherin wird. Marcus glaubt, am Tatort ein wichtiges Detail wahrgenommen zu haben, kann sich jedoch nicht mehr genau daran erinnern. Gemeinsam mit der Journalistin Gianna Brezzi, gespielt von Daria Nicolodi, beginnt er eigene Nachforschungen.

    Der Film beruht auf einem für Argento typischen Wahrnehmungsproblem. Marcus sieht die Lösung früh, erkennt aber nicht, was er tatsächlich gesehen hat. Die Wahrheit wird nicht vollständig vor ihm verborgen, sondern von seiner eigenen Erinnerung falsch geordnet. Erst als er an den Tatort zurückkehrt, versteht er die Bedeutung des fehlenden Bildes.

    Argento verknüpft die Kriminalhandlung mit Kindheitstraumata, verdrängten Erinnerungen und familiären Geheimnissen. Ein Kinderlied kündigt mehrere Morde an. Puppen, Zeichnungen, verlassene Gebäude und zugemauerte Räume werden zu Spuren einer Vergangenheit, die niemals wirklich verschwunden ist.

    Die Kamera löst sich häufig von Marcus und bewegt sich durch Räume, als besitze sie ein eigenes Bewusstsein. Nahaufnahmen von Gegenständen, schwarzen Handschuhen und Waffen erzeugen eine starke Nähe zum Täter, ohne dessen Identität preiszugeben.

    Die Musik stammte teilweise von Giorgio Gaslini und zu großen Teilen von der italienischen Progressive-Rock-Band Goblin. Die Verbindung aus Synthesizern, Schlagzeug, Bass und kindlich wirkenden Melodien wurde für Argentos weiteres Werk prägend. Goblin arbeitete später auch an Suspiria und George A. Romeros Dawn of the Dead.

    Deep Red steht zwischen Argentos frühen Gialli und seinen späteren übernatürlichen Horrorfilmen. Die Handlung besitzt zwar eine rationale Auflösung, doch die Inszenierung folgt zunehmend der Logik eines Albtraums. Farbe, Musik und Bewegung sind häufig wichtiger als eine realistische Darstellung der Ereignisse. Die BFI hebt besonders die Verbindung aus verdrängtem Trauma, roter Farbgestaltung und Goblins dämonisch wirkendem Kinderlied hervor.

    Die Frauen von Stepford – The Stepford Wives

    Bryan Forbes inszenierte Die Frauen von Stepford nach dem Roman von Ira Levin, dem Autor von Rosemaries Baby. Katharine Ross spielte Joanna Eberhart, die mit ihrem Ehemann Walter und den gemeinsamen Kindern aus New York in die scheinbar idyllische Vorstadt Stepford zieht.

    Joanna möchte als Fotografin arbeiten und empfindet die vollkommen häuslich orientierten Frauen des Ortes zunehmend als unheimlich. Sie begegnet Bobbie Markowe, gespielt von Paula Prentiss, die ihre Skepsis teilt. Gemeinsam versuchen sie herauszufinden, weshalb fast alle Frauen Stepfords ausschließlich an Haushaltsführung, Schönheit und der Zufriedenheit ihrer Ehemänner interessiert sind.

    Der Horror liegt zunächst in der scheinbaren Perfektion. Die Häuser sind gepflegt, die Nachbarschaft ist freundlich und die Ehefrauen entsprechen einem konservativen Ideal. Erst allmählich wird deutlich, dass diese Harmonie durch die vollständige Beseitigung weiblicher Selbstbestimmung hergestellt wurde.

    Der Film verbindet Science-Fiction, Verschwörungsthriller und Gesellschaftshorror. Die Männer von Stepford ersetzen ihre Ehefrauen durch künstliche Doppelgänger, die jünger wirken, gehorsam sind und keine eigenen Wünsche mehr äußern.

    Joanna ist keine klassische Horrorheldin, die gegen ein einzelnes Monster kämpft. Sie versucht, die Strukturen einer ganzen Gemeinschaft zu verstehen. Ihre zunehmende Isolation entsteht auch dadurch, dass Walter ihre Sorgen nicht ernst nimmt und selbst Teil des Männerbundes wird.

    Der Begriff „Stepford Wife“ entwickelte sich später zu einer verbreiteten Bezeichnung für eine scheinbar perfekte, angepasste und vollständig unterwürfige Frau. Der Stoff wurde mehrfach neu bearbeitet, darunter in Fernsehfortsetzungen und einer deutlich komödiantischer ausgerichteten Neuverfilmung von 2004.

  • Shivers – Parasiten-Mörder

    David Cronenberg realisierte mit Shivers, auch als The Parasite Murders und in Deutschland als Parasiten-Mörder bekannt, seinen ersten größeren kommerziellen Spielfilm.

    Die Handlung spielt in einem modernen Apartmentkomplex auf einer Insel bei Montreal. Ein Wissenschaftler hat einen Parasiten entwickelt, der die Funktion menschlicher Organe übernehmen und gleichzeitig sexuelle Hemmungen beseitigen soll. Das Experiment gerät außer Kontrolle, und die Bewohner des Gebäudes werden nach und nach infiziert.

    Paul Hampton spielte den Arzt Roger St. Luc, Lynn Lowry die Krankenschwester Forsythe und Barbara Steele eine Bewohnerin des Komplexes. Steele war bereits durch italienische Gothicfilme wie Die Stunde, wenn Dracula kommt zu einer Ikone des europäischen Horrorkinos geworden.

    Die Parasiten erinnern äußerlich an schleimige, wurmartige Organe. Sie dringen durch verschiedene Körperöffnungen in Menschen ein und verändern deren Verhalten. Sexualität erscheint gleichzeitig als Trieb, Krankheit, Befreiung und Bedrohung.

    Cronenberg entwickelte hier zentrale Motive seines späteren Werkes: den menschlichen Körper als instabiles System, die Verschmelzung von Biologie und Technologie, wissenschaftliche Experimente ohne kontrollierbare Folgen sowie körperliche Veränderungen, die nicht eindeutig als Krankheit oder Weiterentwicklung einzuordnen sind.

    Das moderne Hochhaus wird zum abgeschlossenen Labor. Seine Bewohner glauben, in einer komfortablen und fortschrittlichen Umgebung zu leben, sind jedoch vollständig von der Außenwelt isoliert. Die Architektur schützt sie nicht vor dem Horror, sondern erleichtert dessen Ausbreitung.

    Das Haus der lachenden Fenster – The House with Laughing Windows

    Pupi Avati inszenierte den italienischen Horrorfilm Das Haus der lachenden Fenster, dessen Originaltitel La casa dalle finestre che ridono lautet.

    Lino Capolicchio spielte den Restaurator Stefano, der in ein abgelegenes Dorf kommt, um ein beschädigtes Kirchenfresko zu erneuern. Das Bild zeigt das Martyrium des heiligen Sebastian und stammt von dem verstorbenen Künstler Buono Legnani.

    Je länger Stefano an dem Fresko arbeitet, desto stärker interessiert er sich für dessen Schöpfer. Legnani soll den Todeskampf seiner Modelle beobachtet und als Grundlage seiner Kunst benutzt haben. Die Dorfbewohner reagieren ausweichend oder feindselig auf Nachfragen.

    Der Film verbindet Gialloelemente mit ländlichem italienischem Folk Horror. Das Dorf erscheint ruhig und sonnig, doch hinter der scheinbaren Normalität verbirgt sich eine Gemeinschaft, die ein lang zurückliegendes Verbrechen schützt.

    Anders als viele Gialli setzt Avati weniger auf farbige Beleuchtung und spektakuläre Mordserien. Die Wirkung entsteht aus verfallenen Häusern, leeren Landschaften, religiösen Bildern und dem Gefühl, dass nahezu jeder Bewohner mehr weiß, als er zugibt.

    Die Nacht der reitenden Leichen und das europäische Untotenkino

    Amando de Ossorios Reihe um die sogenannten blinden Toten hatte bereits 1972 mit Die Nacht der reitenden Leichen begonnen und wurde in der Mitte der 1970er-Jahre fortgesetzt. Auf den ersten Film folgten Die Rückkehr der reitenden Leichen, Das Geisterschiff der schwimmenden Leichen und Das Blutgericht der reitenden Leichen.

    Die Kreaturen werden als wiedererweckte Tempelritter dargestellt, die nach satanischen Ritualen hingerichtet wurden. Ihre Augen wurden von Vögeln zerstört, weshalb sie ihre Opfer durch Geräusche aufspüren.

    Die blinden Toten unterscheiden sich deutlich von Romeros Zombies. Sie tragen zerfallene Kutten, benutzen teilweise Schwerter und reiten auf skelettartigen Pferden. Ihre langsamen Bewegungen und die häufig in Zeitlupe gezeigten Ritte verleihen ihnen eine geisterhafte Wirkung.

    Die Filme verbinden Gothic-Horror, Zombieelemente, mittelalterliche Legenden und spanisch-portugiesische Landschaften. Die Kontinuität zwischen den einzelnen Teilen ist gering; Ursprung und Eigenschaften der Templer werden mehrfach verändert.

    1976 – Dämonische Kinder, telekinetische Rache und tierische Vergeltung

    Das Omen – The Omen

    Richard Donner inszenierte Das Omen nach einem Drehbuch von David Seltzer. Gregory Peck spielte den amerikanischen Diplomaten Robert Thorn, Lee Remick dessen Ehefrau Katherine.

    Nach dem vermeintlichen Tod ihres Kindes nimmt Robert in einem Krankenhaus in Rom heimlich einen anderen Säugling an. Katherine erfährt nicht, dass Damien nicht ihr leiblicher Sohn ist. Als Robert zum amerikanischen Botschafter in Großbritannien ernannt wird, häufen sich rätselhafte Todesfälle und bedrohliche Ereignisse.

    Harvey Stephens spielte den jungen Damien Thorn. Der Film stellt Damien nicht als ständig offen bösartiges Kind dar. Häufig bleibt unklar, wie viel er selbst versteht und in welchem Maß andere Kräfte um ihn herum handeln.

    Billie Whitelaw verkörperte Mrs. Baylock, das neue Kindermädchen. Sie erscheint zunächst ruhig und fürsorglich, wird jedoch zu Damiens entschlossenster Beschützerin. Patrick Troughton spielte Pater Brennan, der Robert vor der wahren Herkunft des Kindes warnt.

    David Warner war als Fotograf Keith Jennings zu sehen. Jennings entdeckt auf seinen Bildern ungewöhnliche Linien und Schatten, die auf die bevorstehende Todesart fotografierter Personen hinzuweisen scheinen. Diese fotografischen Vorzeichen verleihen dem Film ein wiederkehrendes visuelles Motiv.

    Robert Thorn reagiert lange skeptisch. Erst durch Nachforschungen in Rom, Israel und einem etruskischen Friedhof setzt sich das Bild von Damiens Herkunft zusammen. Der Horror entsteht auch daraus, dass Robert seine väterliche Liebe gegen die wachsende Überzeugung richten muss, sein Sohn sei der Antichrist.

    Jerry Goldsmith komponierte eine wuchtige Musik mit lateinisch klingenden Chorpassagen. Für Das Omen erhielt Goldsmith seinen einzigen Oscar. Das Stück Ave Satani wurde zusätzlich als bester Filmsong nominiert.

    Der Erfolg führte unmittelbar zu einer Filmreihe. Damien – Omen II zeigte Damien als Jugendlichen, Barbara’s Baby – Omen III beziehungsweise The Final Conflict als erwachsenen Mann. Später folgten ein Fernsehfilm, eine Neuverfilmung von 2006, eine Fernsehserie und das Prequel The First Omen.

  • Carrie – Des Satans jüngste Tochter – Carrie

    Brian De Palma verfilmte Stephen Kings ersten veröffentlichten Roman. Carrie war zugleich die erste Kinoadaption eines Werkes von King und wurde zum Ausgangspunkt einer langen Reihe von Verfilmungen.

    Sissy Spacek spielte Carrie White, eine schüchterne Jugendliche, die von ihren Mitschülerinnen gemobbt und von ihrer fanatisch religiösen Mutter Margaret unterdrückt wird. Piper Laurie verkörperte Margaret White.

    Carrie wächst weitgehend ohne sachliche Aufklärung über Sexualität und körperliche Entwicklung auf. Als sie nach dem Sportunterricht erstmals ihre Menstruation bekommt, glaubt sie, verbluten zu müssen. Ihre Mitschülerinnen reagieren nicht mit Hilfe, sondern verspotten sie und bewerfen sie mit Hygieneartikeln.

    Die Sportlehrerin Miss Collins, gespielt von Betty Buckley, versucht, die verantwortlichen Mädchen zu bestrafen. Sue Snell, dargestellt von Amy Irving, empfindet Schuld und überredet ihren Freund Tommy Ross, Carrie zum Abschlussball einzuladen. Chris Hargensen, gespielt von Nancy Allen, plant dagegen gemeinsam mit Billy Nolan, dargestellt von John Travolta, eine besonders grausame Demütigung.

    Carrie besitzt telekinetische Fähigkeiten, die sich unter emotionaler Belastung verstärken. De Palma behandelt diese Gabe nicht nur als übernatürliche Bedrohung. Sie ist zugleich Ausdruck der lange unterdrückten Wut einer jungen Frau, die weder in der Schule noch zu Hause einen sicheren Ort besitzt.

    Die Ballsequenz bildet das Zentrum des Films. Für kurze Zeit erlebt Carrie Anerkennung und Glück. Nachdem Schweineblut über ihr ausgeschüttet wurde, verändert sich die Inszenierung. De Palma verwendet geteilte Bildflächen, intensive rote Beleuchtung und verlangsamte Bewegungen. Carries Wahrnehmung und die Realität gehen ineinander über.

    Sissy Spacek spielt Carrie zugleich verletzlich, fremd und zunehmend unheimlich. Piper Lauries Margaret ist keine bloße religiöse Karikatur. Ihre gesamte Beziehung zur Tochter wird von Angst vor Sexualität, Schuld und einer zerstörerischen Vorstellung von Reinheit bestimmt.

    Spacek und Laurie erhielten Oscar-Nominierungen als beste Hauptdarstellerin beziehungsweise beste Nebendarstellerin. Damit gehörte Carrie zu den seltenen Horrorfilmen seiner Zeit, die in zentralen Schauspielkategorien anerkannt wurden.

    Es folgten die späte Fortsetzung Carrie 2 – Die Rache, eine Fernsehneuverfilmung von 2002 und eine weitere Kinofassung von 2013. Außerdem wurde der Stoff als Musical bearbeitet.

    Die Nahrung der Götter – The Food of the Gods

    Bert I. Gordon schrieb und inszenierte Die Nahrung der Götter nach Motiven aus einem Roman von H. G. Wells. Marjoe Gortner, Pamela Franklin, Ralph Meeker und Ida Lupino gehörten zur Besetzung.

    Auf einer abgelegenen Insel tritt eine geheimnisvolle Substanz aus dem Boden aus. Tiere, die davon fressen, wachsen zu enormer Größe heran. Hühner, Wespen, Würmer und vor allem Ratten werden zu einer tödlichen Gefahr.

    Der Film gehört zur Welle des ökologischen Tierhorrors. Natur und Tierwelt schlagen gegen den Menschen zurück, nachdem eine unbekannte Substanz ohne ausreichende Vorsicht genutzt wurde.

    Bert I. Gordon war bereits seit den 1950er-Jahren für Filme über gigantische Menschen und Tiere bekannt. Sein Beiname „Mr. B.I.G.“ bezog sich sowohl auf seine Initialen als auch auf seine Vorliebe für übergroße Kreaturen.

    Die Effekte entstanden durch eine Mischung aus echten Tieren in Miniaturkulissen, vergrößerten Aufnahmen, Modellen und mechanischen Attrappen. Die sichtbaren Unterschiede zwischen den Verfahren tragen zum eigenwilligen Charakter des Films bei.

    Mörderspinnen – Kingdom of the Spiders

    John „Bud“ Cardos führte Regie bei Mörderspinnen, der 1977 veröffentlicht wurde, aber zur gleichen Welle ökologischer Horrorfilme wie Die Nahrung der Götter gehört. William Shatner spielte den Tierarzt Robert Hansen.

    Nachdem in Arizona Nutztiere unter rätselhaften Umständen sterben, entdeckt die Entomologin Diane Ashley eine ungewöhnliche Ansammlung hochgiftiger Vogelspinnen. Durch den Einsatz von Pestiziden wurde ihre natürliche Nahrung knapp, sodass die Spinnen beginnen, gemeinsam größere Beute anzugreifen.

    Der Film verwendete zahlreiche echte Vogelspinnen. Dadurch wirken viele Szenen unmittelbar, auch wenn die Kenntnisse über das tatsächliche Verhalten der Tiere stark zugunsten des Horrors verändert werden.

    Das Ende ist ungewöhnlich düster. Die Spinnen können nicht endgültig besiegt werden und überziehen große Teile der Umgebung mit ihren Netzen. Der Mensch erweist sich nicht als Herr der Natur, sondern als Auslöser und schließlich Opfer des ökologischen Ungleichgewichts.

    Der Mieter – The Tenant

    Roman Polanski führte Regie und spielte zugleich die Hauptrolle in Der Mieter, basierend auf dem Roman Le Locataire chimérique von Roland Topor.

    Polanski verkörperte Trelkovsky, einen zurückhaltenden Mann, der eine Pariser Wohnung bezieht. Die vorherige Mieterin Simone Choule hat sich aus dem Fenster gestürzt und liegt schwer verletzt im Krankenhaus.

    Trelkovsky beginnt zu glauben, dass seine Nachbarn ihn dazu bringen wollen, die Identität Simones anzunehmen. Er übernimmt unbewusst ihre Gewohnheiten, trägt ihre Kleidung und erlebt immer stärkere Wahrnehmungsstörungen.

    Isabelle Adjani spielte Stella, eine Freundin Simones. Shelley Winters war als Vermieterin Madame Dioz zu sehen, Melvyn Douglas als Eigentümer Monsieur Zy.

    Der Film lässt offen, welche Teile der Bedrohung tatsächlich von der Hausgemeinschaft ausgehen und welche aus Trelkovskys psychischem Zusammenbruch entstehen. Wohnung, Nachbarschaft und Identität werden zu einem geschlossenen System, aus dem er nicht mehr entkommen kann.

    Gemeinsam mit Ekel und Rosemaries Baby wird Der Mieter häufig als Teil von Polanskis inoffizieller Apartment-Trilogie betrachtet. In allen drei Filmen wird ein Wohnraum, der Sicherheit bieten sollte, zum Ort psychischer und möglicherweise übernatürlicher Zerstörung.

  • 1977 – Hexenschulen, mörderische Hügel und die Ausbreitung des Übernatürlichen

    Suspiria

    Dario Argento verließ mit Suspiria die überwiegend rational aufgelöste Welt des Giallo und wandte sich vollständig dem übernatürlichen Horror zu.

    Jessica Harper spielte die amerikanische Tänzerin Suzy Bannion, die nach Freiburg reist, um an einer angesehenen Ballettakademie zu studieren. Bereits bei ihrer Ankunft sieht sie eine verstörte Schülerin aus dem Gebäude fliehen. Wenig später wird diese junge Frau auf grausame Weise ermordet.

    Joan Bennett spielte die stellvertretende Leiterin Madame Blanc, Alida Valli die strenge Lehrerin Miss Tanner. Stefania Casini war als Suzys Freundin Sara zu sehen.

    Suzy erkrankt kurz nach ihrer Ankunft und wird dadurch zunehmend abhängig von den Verantwortlichen der Schule. Gemeinsam mit Sara erkennt sie, dass die Lehrerinnen nachts nicht, wie behauptet, das Gebäude verlassen. Ihre Schritte führen stattdessen in einen verborgenen Teil der Akademie.

    Der Film folgt weniger einer realistischen Logik als der Struktur eines Märchens oder Albtraums. Türen, Gänge und Räume wirken übergroß. Die kräftigen roten, blauen, grünen und gelben Farbtöne lösen sich von natürlichen Lichtquellen und spiegeln Suzys Zustand wider.

    Kameramann Luciano Tovoli arbeitete mit Argento an einer extrem kontrollierten Farbgestaltung. Als wichtige visuelle Bezugspunkte dienten unter anderem der deutsche Expressionismus und die intensive Farbwelt von Disneys Schneewittchen und die sieben Zwerge. Die BFI beschreibt Suspiria entsprechend als Verbindung aus greller Beleuchtung, barocker Gewalt, märchenhaften Einflüssen und einer experimentellen Musik von Goblin.

    Goblin komponierte gemeinsam mit Argento eine der auffälligsten Musiken des Horrorkinos. Flüsternde Stimmen, Glocken, Synthesizer, Schlaginstrumente und eine wiederkehrende Melodie setzen häufig bereits ein, bevor die Gefahr sichtbar wird.

    Das Zentrum der Hexengemeinschaft ist Helena Markos, auch als Schwarze Königin bezeichnet. Sie gehört zu den drei Müttern, einer von Argento entwickelten Mythologie um drei mächtige Hexen. Suspiria wurde zum ersten Teil der sogenannten Mütter-Trilogie. Es folgten Horror Infernal beziehungsweise Inferno und viele Jahre später The Mother of Tears.

    Suzy ist keine körperlich überlegene Heldin. Ihre wichtigsten Eigenschaften sind Aufmerksamkeit, Erinnerung und Neugier. Eine scheinbar nebensächliche Äußerung der fliehenden Schülerin liefert ihr schließlich den entscheidenden Hinweis.

    Suspiria wurde zu einem der bekanntesten italienischen Horrorfilme und prägte durch Farbe, Musik und Ausstattung zahlreiche spätere Produktionen. 2018 entstand unter der Regie von Luca Guadagnino eine weitgehend neu interpretierte Fassung.

    Hügel der blutigen Augen – The Hills Have Eyes

    Wes Craven inszenierte Hügel der blutigen Augen, im Original The Hills Have Eyes, als seinen zweiten großen Kinofilm nach Das letzte Haus links.

    Die Familie Carter reist mit einem Wohnwagen durch die amerikanische Wüste. Nachdem sie eine gesperrte Straße benutzt, kommt ihr Fahrzeug in einem abgelegenen Gebiet zum Stillstand. In den umliegenden Hügeln lebt eine gewalttätige Familie, die Reisende überfällt und teilweise als kannibalisch dargestellt wird.

    Russ Grieve und Virginia Vincent spielten Bob und Ethel Carter. Susan Lanier verkörperte ihre Tochter Brenda, Dee Wallace deren Schwester Lynne. Robert Houston war als Bobby zu sehen.

    Michael Berryman wurde als Pluto zur auffälligsten Figur der Hügelbewohner. James Whitworth spielte deren Anführer Jupiter. Ruby, dargestellt von Janus Blythe, beginnt dagegen, sich von ihrer Familie zu lösen und den Carters zu helfen.

    Craven stellt zwei Familien einander gegenüber. Die Carters begreifen sich zunächst als zivilisiert, während sie ihre Gegner als wilde Monster wahrnehmen. Im Kampf ums Überleben wenden jedoch auch sie zunehmend brutale Methoden an.

    Der Schäferhund Beast wird zu einem aktiven Rächer und greift mehrere Mitglieder der Angreiferfamilie an. Damit erhält ein Tier eine ungewöhnlich wichtige Rolle innerhalb des Überlebenskampfes.

    Der Film entstand mit begrenztem Budget in einer kargen Wüstenlandschaft. Hitze, Felsen und offene Flächen vermitteln nicht Freiheit, sondern vollständige Isolation. Die Familie kann weit sehen, erhält dadurch aber keine Hilfe.

    Craven drehte 1984 eine Fortsetzung. 2006 entstand eine Neuverfilmung von Alexandre Aja, der 2007 eine eigenständige Fortsetzung folgte.

    Eraserhead

    David Lynch realisierte mit Eraserhead seinen ersten Langfilm. Die Produktion erstreckte sich aufgrund der begrenzten Finanzierung über mehrere Jahre.

    Jack Nance spielte Henry Spencer, einen zurückgezogenen Mann, der in einer düsteren Industrielandschaft lebt. Seine frühere Freundin Mary informiert ihn, dass sie ein Kind bekommen habe. Das Baby ist jedoch schwer missgebildet und besitzt ein kaum menschliches Erscheinungsbild.

    Der Film erklärt weder die Welt noch die Ursache der körperlichen Veränderungen. Maschinenlärm, Dampf, dunkle Räume und verlassene Industrieanlagen bilden eine Umgebung, in der menschliches Leben selbst fremd wirkt.

    Das Kind wurde durch einen aufwendigen praktischen Effekt dargestellt. Lynch hielt die genaue Konstruktion bewusst geheim. Seine unruhigen Bewegungen, Geräusche und sichtbaren Organe machen es zugleich verletzlich und erschreckend.

    Henry empfindet Verantwortung, Überforderung, Angst und Fluchtwünsche. Dadurch kann der Film als Albtraum über Vaterschaft, Sexualität, Krankheit, Isolation und den Verlust persönlicher Freiheit gelesen werden, ohne sich auf eine einzige Deutung festzulegen.

    Die Frau im Heizkörper bietet Henry eine scheinbare Gegenwelt. Sie singt von einem Ort, an dem alles in Ordnung sei, während sie von der Decke fallende organische Gebilde zertritt. Selbst die vermeintliche Trostwelt enthält damit Gewalt und Unbehagen.

    Eraserhead war zunächst kein breiter Publikumserfolg, entwickelte sich jedoch durch Mitternachtsvorführungen zu einem Kultfilm. Seine Tonlandschaft, die Schwarz-Weiß-Fotografie und die Verbindung aus Körperhorror und surrealer Logik wurden für Lynchs späteres Werk grundlegend.

    Audrey Rose – das Mädchen aus dem Jenseits – Audrey Rose

    Robert Wise inszenierte Audrey Rose nach dem Roman von Frank De Felitta. Marsha Mason und John Beck spielten Janice und Bill Templeton, die Eltern der jungen Ivy. Anthony Hopkins verkörperte Elliot Hoover.

    Hoover behauptet, Ivy sei die Wiedergeburt seiner bei einem Autounfall ums Leben gekommenen Tochter Audrey Rose. Ivy wird tatsächlich von Albträumen und tranceartigen Zuständen heimgesucht, die mit dem Tod des anderen Kindes zusammenzuhängen scheinen.

    Der Film verbindet Reinkarnationsglauben, Familiendrama und psychologischen Horror. Anders als Der Exorzist behandelt er das Kind nicht als Gefäß eines eindeutig bösen Wesens. Die mögliche fremde Identität ist selbst ein verstorbenes und traumatisiertes Kind.

    Robert Wise hatte bereits mit Bis das Blut gefriert einen der bedeutendsten Spukhausfilme inszeniert. In Audrey Rose setzte er stärker auf emotionale und religiös-philosophische Fragen als auf offene Schockeffekte.

    Rabid – Der brüllende Tod – Rabid

    David Cronenberg setzte seine Beschäftigung mit biologischer Veränderung in Rabid fort. Marilyn Chambers spielte Rose, die nach einem Motorradunfall in einer Spezialklinik behandelt wird.

    Durch ein experimentelles medizinisches Verfahren entwickelt Rose eine neue körperliche Öffnung unter ihrer Achsel. Aus ihr tritt ein stachelartiges Organ hervor, mit dem sie Blut aufnimmt. Ihre Opfer werden anschließend von einer tollwutähnlichen Krankheit befallen und greifen andere Menschen an.

    Rose versteht zunächst nicht vollständig, was mit ihr geschieht. Sie ist zugleich Überträgerin, Opfer und Auslöserin einer Epidemie. Der Film vermeidet damit eine klare Trennung zwischen Monster und unschuldiger Hauptfigur.

    Cronenberg verbindet Vampirmotive mit medizinischem Horror. Der Vampirismus ist kein übernatürlicher Fluch, sondern das Ergebnis einer Operation und einer unkontrollierbaren Veränderung menschlichen Gewebes.

    Die Infektion breitet sich von einzelnen Begegnungen auf Montreal aus. Polizei, Krankenhäuser und staatliche Maßnahmen versuchen, die Erkrankung einzudämmen, reagieren aber zunehmend mit autoritärer Gewalt.

  • 1978 – Zombies im Kaufhaus, ein Schatten in Haddonfield und der Beginn neuer Filmreihen

    Halloween – Die Nacht des Grauens – Halloween

    John Carpenters Halloween wurde mit einem vergleichsweise geringen Budget produziert und entwickelte sich zu einem der einflussreichsten unabhängigen Horrorfilme der 1970er-Jahre.

    Die Handlung beginnt 1963 in der fiktiven Kleinstadt Haddonfield. Der sechsjährige Michael Myers ermordet seine Schwester Judith mit einem Küchenmesser. Fünfzehn Jahre später entkommt er aus einer psychiatrischen Einrichtung und kehrt am Vorabend von Halloween in seinen Heimatort zurück.

    Donald Pleasence spielte den Psychiater Dr. Samuel Loomis, der Michael seit dessen Kindheit behandelt hat. Loomis betrachtet seinen Patienten nicht als gewöhnlichen psychisch kranken Menschen, sondern als Verkörperung eines vollkommen leeren, nicht erklärbaren Bösen.

    Jamie Lee Curtis gab als Laurie Strode ihr Kinodebüt. Laurie ist verantwortungsbewusst, zurückhaltend und arbeitet am Halloweenabend als Babysitterin. Ihre Freundinnen Annie und Lynda, gespielt von Nancy Kyes und P. J. Soles, verbringen den Abend wesentlich unbeschwerter.

    Nick Castle verkörperte Michael in den meisten Szenen. In den Credits wird die Figur als „The Shape“ bezeichnet. Tony Moran war für die kurze Demaskierung zu sehen.

    Michaels Maske entstand aus einer handelsüblichen Maske von William Shatner als Captain Kirk. Sie wurde verändert, weiß bemalt und mit größeren Augenöffnungen versehen. Das ausdruckslose Gesicht ließ Michael weniger wie einen gewöhnlichen Täter und stärker wie eine menschenähnliche Leerstelle wirken.

    Carpenter und seine Mitautorin sowie Produzentin Debra Hill entwickelten den Film aus der Grundidee eines Mörders, der Babysitter verfolgt. Hill schrieb besonders an den Dialogen der jungen Frauen, während Carpenter die übergeordnete Handlung und Michael Myers’ Gestalt ausarbeitete.

    Kameramann Dean Cundey nutzte die Panaglide, eine stabilisierende tragbare Kamera. Bereits die lange Eröffnungssequenz folgt weitgehend der subjektiven Perspektive des jungen Michael und vermittelt den Eindruck einer fast schwerelosen Bewegung durch das Haus.

    Carpenter komponierte außerdem die Musik. Das Hauptthema verwendet einen ungewöhnlichen Fünfvierteltakt und eine reduzierte Klaviermelodie. Wie bei Der weiße Hai kündigt die Musik häufig eine Gefahr an, bevor sie eindeutig sichtbar wird.

    Michael wird über längere Zeit im Hintergrund gezeigt. Er steht hinter Hecken, zwischen Wäscheleinen, am Straßenrand oder in dunklen Zimmern. Laurie nimmt ihn wahr, kann jedoch nicht beweisen, dass sie verfolgt wird.

    Der Film zeigt weniger Blut als viele seiner Nachahmer. Seine Spannung entsteht aus Bildkomposition, Erwartung, Musik und der Frage, an welcher Stelle des Bildes Michael erscheinen könnte.

    Halloween war nicht der erste Slasherfilm. Produktionen wie Psycho, Im Blutrausch des Satans, Black Christmas und Blutgericht in Texas hatten bereits zentrale Elemente vorweggenommen. Carpenter bündelte diese jedoch in einer besonders klaren, leicht fortsetzbaren Form.

    Der Erfolg führte zu einer umfangreichen Filmreihe mit mehreren voneinander abweichenden Zeitlinien. Michael Myers wurde gemeinsam mit Jason Voorhees und Freddy Krueger zu einer der wichtigsten Horrorikonen der folgenden Jahrzehnte.

    Jamie Lee Curtis entwickelte sich durch Halloween, The Fog, Prom Night und Terror Train zu einer der bekanntesten sogenannten Scream Queens. Laurie Strode wurde wiederum zum Vorbild der später als Final Girl bezeichneten Überlebendenfigur.

    Zombie – Dawn of the Dead

    George A. Romero setzte seine mit Die Nacht der lebenden Toten begonnene Auseinandersetzung mit den Untoten in Dawn of the Dead fort. Der Film wurde in Deutschland unter anderem als Zombie veröffentlicht.

    Die Welt wird von einer immer weiter anwachsenden Zahl lebender Toter überrannt. Die Fernsehmitarbeiterin Francine, ihr Freund Stephen sowie die Polizisten Peter und Roger fliehen mit einem Hubschrauber. Sie entdecken ein großes Einkaufszentrum und beschließen, sich dort einzurichten.

    Gaylen Ross spielte Francine, David Emge Stephen, Ken Foree Peter und Scott Reiniger Roger. Die vier Figuren bilden keine klassische Familie, entwickeln jedoch innerhalb des Einkaufszentrums eine vorübergehende Ersatzgemeinschaft.

    Die Zombies kehren instinktiv in das Einkaufszentrum zurück. Eine Figur vermutet, dass der Ort in ihrem früheren Leben wichtig für sie gewesen sei. Damit wird das Kaufhaus zur zentralen Metapher des Films: Selbst nach dem Tod folgen die Menschen den Gewohnheiten des Konsums.

    Zunächst bietet das Zentrum beinahe unbegrenzte Möglichkeiten. Lebensmittel, Kleidung, Waffen und Unterhaltung stehen kostenlos zur Verfügung. Die Überlebenden verschließen die Eingänge und erschaffen sich eine komfortable Welt. Doch der Besitz verliert seinen Sinn, weil außerhalb des Gebäudes die Gesellschaft zusammenbricht.

    Tom Savini war für das Make-up und zahlreiche Spezialeffekte verantwortlich und spielte außerdem den Anführer einer Motorradgang. Blaue und graue Hauttöne, Bisswunden, Einschüsse und herausgerissene Körperteile verliehen den Zombies ein wesentlich drastischeres Erscheinungsbild als im Vorgänger.

    Romero verband Gewalt mit schwarzem Humor. Einige Zombieangriffe wirken grotesk oder slapstickhaft, während andere Szenen ausgesprochen brutal sind. Die Motorradgang behandelt das Einkaufszentrum wie einen Spielplatz und zerstört dadurch die mühsam aufgebaute Sicherheit.

    Die Musik unterscheidet sich je nach Fassung. Romero verwendete in der amerikanischen Version Bibliotheksmusik und Goblin-Kompositionen. Dario Argento, der an der internationalen Vermarktung beteiligt war, erstellte eine eigene, kürzere Schnittfassung mit stärkerem Einsatz der Goblin-Musik.

    Dadurch existieren mehrere bedeutende Versionen des Films. Neben Romeros amerikanischer Kinofassung und Argentos europäischer Fassung wurde später eine längere Fassung verbreitet, die häufig als Extended- oder Cannes-Fassung bezeichnet wird.

    Dawn of the Dead ist zugleich Zombiehorror, Belagerungsfilm, Gesellschaftssatire und apokalyptisches Drama. Er machte den modernen Zombie endgültig zu einer international erfolgreichen Horrorfigur und beeinflusste Filme, Comics, Fernsehserien und Videospiele.

    Die Körperfresser kommen – Invasion of the Body Snatchers

    Philip Kaufman inszenierte Die Körperfresser kommen als Neuinterpretation von Don Siegels Die Dämonischen aus dem Jahr 1956. Beide Filme basieren auf Jack Finneys Roman The Body Snatchers.

    Donald Sutherland spielte den Gesundheitsinspektor Matthew Bennell, Brooke Adams seine Kollegin Elizabeth Driscoll. Jeff Goldblum und Veronica Cartwright verkörperten das Ehepaar Jack und Nancy Bellicec. Leonard Nimoy war als Psychiater Dr. David Kibner zu sehen.

    Elizabeth bemerkt, dass ihr Freund Geoffrey sich plötzlich vollkommen anders verhält. Matthew glaubt zunächst an ein Beziehungsproblem. Bald entdecken sie jedoch außerirdische Pflanzen, aus denen körperlich identische Kopien von Menschen entstehen.

    Die Kopien übernehmen Erinnerungen und äußerliche Merkmale, besitzen aber keine echten Gefühle. Der ursprüngliche Mensch stirbt während des Schlafes und wird durch sein Duplikat ersetzt.

    Kaufman verlegte die Geschichte von einer amerikanischen Kleinstadt nach San Francisco. Die Großstadt bietet keinen Schutz. Im Gegenteil: Anonymität, wechselnde Moden, therapeutische Selbstoptimierung und das gleichgültige Verhalten Fremder erleichtern es den Kopien, sich unauffällig auszubreiten.

    Kevin McCarthy, der Hauptdarsteller der Verfilmung von 1956, tritt in einer kurzen Rolle auf. Don Siegel ist als Taxifahrer zu sehen. Diese Auftritte schaffen eine Verbindung zur älteren Fassung, ohne dass der Film eine direkte Fortsetzung sein muss.

    Das Ende gehört zu den bekanntesten Schlussszenen des 1970er-Jahre-Horrors. Der scheinbar gerettete Matthew deutet auf Nancy und stößt den unmenschlichen Warnschrei der Körperfresser aus. Damit wird die Hoffnung auf ein einzelnes überlebendes Widerstandsnest vollständig zerstört.

    Piranhas – Piranha

    Joe Dante inszenierte Piranha nach einem Drehbuch von John Sayles. Der Film wurde von Roger Cormans New World Pictures produziert und griff sichtbar den Erfolg von Der weiße Hai auf.

    Bradford Dillman spielte Paul Grogan, Heather Menzies die Ermittlerin Maggie McKeown. Bei der Suche nach verschwundenen Jugendlichen lassen sie versehentlich genetisch veränderte Piranhas aus einer militärischen Versuchsanlage frei.

    Die Tiere waren für ein Projekt namens Operation Razorteeth gezüchtet worden. Sie sollten sich in unterschiedlichen Gewässern vermehren und als biologische Waffe eingesetzt werden.

    Der Film verbindet Tierhorror mit einer Satire auf militärische Geheimprojekte, Tourismus und wirtschaftliche Interessen. Verantwortliche versuchen, die Gefahr zu verbergen, weil ein Ferienlager und ein neuer Badepark nicht evakuiert werden sollen.

    Die Piranhas werden nicht als realistische Tierdarstellung präsentiert. Schnitt, Miniaturmodelle, mechanische Effekte und hektische Unterwasseraufnahmen erzeugen den Eindruck eines Schwarms, der innerhalb weniger Sekunden angreift.

    Joe Dante und John Sayles behandelten die Ausgangsidee bewusst mit schwarzem Humor. Dadurch unterscheidet sich Piranha von vielen ernsteren Jaws-Nachahmungen.

    Es folgte Piranha II – Fliegende Killer, bei dem James Cameron während der Produktion erstmals als Spielfilmregisseur tätig war. Später entstanden weitere Neuinterpretationen, darunter Piranha 3D.

  • Patrick

    Richard Franklin inszenierte den australischen Horrorfilm Patrick. Robert Thompson spielte Patrick, einen jungen Mann, der nach einem Verbrechen im Koma liegt und in einer Klinik versorgt wird.

    Susan Penhaligon verkörperte die Krankenschwester Kathy Jacquard. Sie entwickelt zunächst Mitleid mit Patrick und versucht, mit ihm zu kommunizieren. Bald wird deutlich, dass er seine Umgebung telekinetisch beeinflussen kann.

    Patrick kann seinen Körper kaum bewegen, übt jedoch zunehmend Kontrolle über Menschen und Gegenstände aus. Seine Fixierung auf Kathy wird besitzergreifend und gefährlich.

    Der Film verbindet medizinischen Horror, Telekinese und psychosexuelle Besessenheit. Patrick wirkt äußerlich vollkommen passiv, ist aber dennoch in fast jeder Szene als mögliche Bedrohung präsent.

    Richard Franklin wurde später auch durch Psycho II bekannt. Patrick entwickelte besonders international eine Kultanhängerschaft und erhielt mehrere lose Neuinterpretationen.

    1979 – Das Monster im Weltraum und der Übergang in die 1980er-Jahre

    Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt – Alien

    Ridley Scotts Alien verband Science-Fiction, Körperhorror, Monsterfilm und klaustrophobischen Belagerungshorror. Der deutsche Kinotitel lautete Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt.

    Das Drehbuch entwickelte Dan O’Bannon aus einer Geschichte, die er gemeinsam mit Ronald Shusett ausgearbeitet hatte. Walter Hill und David Giler überarbeiteten das Material während der Produktion. Produziert wurde der Film unter anderem von Gordon Carroll, David Giler und Walter Hill.

    Die Handlung spielt an Bord des kommerziellen Raumfrachters Nostromo. Die siebenköpfige Besatzung wird aus dem künstlichen Tiefschlaf geweckt, nachdem der Bordcomputer ein Signal von einem unbekannten Planeten empfangen hat.

    Tom Skerritt spielte Captain Dallas, Sigourney Weaver Ellen Ripley, Veronica Cartwright Lambert, John Hurt Kane, Ian Holm Ash, Yaphet Kotto Parker und Harry Dean Stanton Brett.

    Die Figuren werden nicht als idealisierte Weltraumhelden eingeführt. Parker und Brett beschweren sich über ihre Bezahlung, die Crew isst gemeinsam und spricht beiläufig über ihre Arbeit. Die Nostromo wirkt eher wie ein industrieller Frachter oder eine fliegende Raffinerie als wie ein sauberes Zukunftsschiff. Gerade diese alltägliche Arbeitswelt macht das spätere Eindringen des Monsters glaubwürdig.

    Auf dem fremden Planeten entdeckt die Crew ein verlassenes Raumschiff. Kane findet in dessen Innerem eine Kammer mit zahlreichen Eiern. Als er sich einem der Eier nähert, springt eine spinnenartige Kreatur hervor und haftet sich an seinem Gesicht fest.

    Der sogenannte Facehugger hält Kane am Leben und pflanzt einen Organismus in seinen Körper. Nachdem das Wesen scheinbar von ihm abgefallen ist, wirkt Kane zunächst wieder gesund. Während einer gemeinsamen Mahlzeit bricht jedoch eine neue Kreatur aus seinem Brustkorb hervor.

    Die Chestburster-Szene wurde zu einem der berühmtesten Schockmomente der Filmgeschichte. John Hurts Kane windet sich auf dem Tisch, bevor das Tier seinen Körper durchbricht. Blut, hektische Bewegungen und die glaubwürdigen Reaktionen der übrigen Darsteller lassen den Vorgang chaotisch und körperlich wirken.

    Das Wesen wächst innerhalb kurzer Zeit zu einer großen, aufrecht gehenden Kreatur heran. Bolaji Badejo, ein besonders großer und schlanker Darsteller, trug in vielen Szenen das Kostüm.

    Das Design des Aliens stammte wesentlich von dem Schweizer Künstler H. R. Giger. Seine biomechanische Kunst verband Knochen, Maschinen, Sexualorgane und industrielle Formen. Giger gestaltete nicht nur die erwachsene Kreatur, sondern auch das außerirdische Schiff, den sogenannten Space Jockey und Teile der fremden Umgebung.

    Carlo Rambaldi arbeitete an beweglichen Elementen des Alienkopfes. Das ausfahrbare zweite Gebiss wurde zu einem der bekanntesten Merkmale der Kreatur. Das Geschöpf besitzt keinen klar erkennbaren Gesichtsausdruck und keine sichtbaren Augen, wodurch menschliche Zuschauer kaum eine Emotion in ihm lesen können.

    Produktionsdesigner Michael Seymour, Konzeptkünstler Ron Cobb und weitere Gestalter schufen einen deutlichen Gegensatz zwischen den verschiedenen Welten. Die von Menschen gebauten Bereiche wirken benutzt, funktional und industriell. Gigers außerirdische Räume erscheinen dagegen organisch, sexuell und zugleich maschinenartig. Der Film erhielt für seine visuellen Effekte einen Oscar; zu dem ausgezeichneten Team gehörten H. R. Giger, Carlo Rambaldi, Brian Johnson, Nick Allder und Dennis Ayling.

    Ellen Ripley ist zunächst nicht eindeutig als alleinige Hauptfigur erkennbar. Dallas wirkt anfangs wie der traditionelle männliche Anführer. Erst nach seinem Tod übernimmt Ripley zunehmend die Kontrolle.

    Ripley handelt bereits früh verantwortungsbewusst. Sie möchte Kane nach dessen Kontakt mit einer unbekannten Lebensform nicht ohne Quarantäne an Bord lassen. Ash widersetzt sich ihrer Anordnung und öffnet die Schleuse.

    Später stellt sich heraus, dass Ash ein künstlicher Mensch ist und geheime Befehle des Unternehmens befolgt. Das Alien soll nach Möglichkeit geborgen werden, während die Besatzung als entbehrlich gilt. Damit besitzt der Film neben dem außerirdischen Monster einen zweiten Gegner: die wirtschaftlichen Interessen einer unsichtbaren Firma.

    Ian Holms Ash wirkt lange kontrolliert und sachlich. Nach seiner Enttarnung greift er Ripley an und versucht, sie mit einer zusammengerollten Zeitschrift zu ersticken. Seine weiße Körperflüssigkeit und die freiliegenden mechanischen Teile schaffen einen starken Gegensatz zum schwarzen, organischen Alien.

    Jerry Goldsmith komponierte die Musik. Ridley Scott verwendete allerdings nicht alle Stücke in der ursprünglich vorgesehenen Form und griff teilweise auf bereits vorhandene Goldsmith-Kompositionen zurück.

    Kameramann Derek Vanlint arbeitete mit Dunkelheit, Dampf, blinkenden Anzeigen und engen Gängen. Die Nostromo wird zu einem technischen Spukhaus. Das Alien kann sich aufgrund seiner Form beinahe mit Rohren, Kabeln und Schatten verbinden.

    Scott bezeichnete sein Konzept sinngemäß als eine Art Texas Chain Saw Massacre der Science-Fiction. Die BFI beschreibt den Film entsprechend als „Spukhaus im Weltraum“, dessen Wirkung aus Klaustrophobie, Dunkelheit, parasitischer Angst und einer glaubwürdigen Arbeiterwelt entsteht.

    Der Film war ein großer Erfolg und begründete eine der bedeutendsten Science-Fiction-Horrorreihen. James Cameron verwandelte das Konzept 1986 mit Aliens – Die Rückkehr stärker in einen Kriegs- und Actionfilm. Es folgten weitere Fortsetzungen, Prequels, Crossoverfilme, Comics, Romane, Hörspiele, Spiele und zahlreiche Sammlerprodukte.

    Ellen Ripley wurde zu einer der einflussreichsten weiblichen Figuren des populären Kinos. Sie gewinnt nicht durch übermenschliche Kraft, sondern durch Aufmerksamkeit, Verantwortungsbewusstsein, Anpassungsfähigkeit und die Bereitschaft, unpopuläre Sicherheitsregeln durchzusetzen. Das American Film Institute führt Alien auf Platz sechs seiner größten amerikanischen Thrill-Filme.

    Nosferatu – Phantom der Nacht – Nosferatu the Vampyre

    Werner Herzog schuf mit Nosferatu – Phantom der Nacht eine Neuinterpretation von Friedrich Wilhelm Murnaus Stummfilm Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens.

    Klaus Kinski spielte Graf Dracula, dessen Erscheinung sich deutlich an Max Schrecks Graf Orlok orientiert. Er besitzt einen kahlen Schädel, bleiche Haut, spitze Ohren, lange Fingernägel und hervorstehende Schneidezähne.

    Bruno Ganz verkörperte Jonathan Harker, Isabelle Adjani dessen Ehefrau Lucy. Roland Topor war als Renfield zu sehen.

    Herzog verwendete die Namen aus Bram Stokers Roman, obwohl die Bildsprache stark auf Murnaus nicht autorisierte Verfilmung zurückgeht. Die Handlung führt Jonathan in Draculas Schloss und den Vampir anschließend in die Stadt Wismar.

    Dracula wird von Kinski nicht nur als Raubtier gespielt. Er wirkt einsam, erschöpft und von seiner Unsterblichkeit gequält. Sein Verlangen nach Lucy enthält deshalb eine melancholische Dimension.

    Die Ankunft des Vampirs wird von einer großen Zahl Ratten begleitet. Die Tiere verbreiten Krankheit und Tod, während die Bevölkerung an eine Pest glaubt. Dracula wird dadurch erneut mit Seuche und gesellschaftlichem Zusammenbruch verbunden.

    Für die deutsche und die englische Sprachfassung wurden zahlreiche Szenen zweimal gedreht. Die Darsteller sprachen ihre Dialoge jeweils in der entsprechenden Sprache.

    Isabelle Adjanis Lucy erkennt die wahre Gefahr früher als die männlichen Autoritäten. Sie opfert sich, um Dracula bis zum Sonnenaufgang bei sich zu halten. Der scheinbare Sieg erhält jedoch durch Jonathans Verwandlung ein bitteres Ende.

  • Phantasm – Das Böse – Phantasm

    Don Coscarelli schrieb, produzierte, fotografierte und inszenierte Phantasm, der in Deutschland unter dem Titel Das Böse bekannt wurde.

    A. Michael Baldwin spielte den Jugendlichen Mike, Bill Thornbury dessen älteren Bruder Jody. Reggie Bannister trat als gemeinsamer Freund Reggie auf. Angus Scrimm verkörperte den Tall Man.

    Nach einem Todesfall beobachtet Mike auf einem Friedhof einen ungewöhnlich großen Bestatter. Der Mann hebt einen schweren Sarg scheinbar mühelos allein an und bringt ihn zurück in das Mausoleum.

    Mike entdeckt, dass der Tall Man Leichen verkleinert und in zwergenartige Arbeiter verwandelt. Diese Wesen sollen in einer anderen Dimension als Sklaven eingesetzt werden.

    Zu den bekanntesten Elementen gehören silberne fliegende Kugeln, die ihre Opfer mit Bohrern und Klingen angreifen. Die sogenannten Spheres wurden zum wichtigsten wiederkehrenden Objekt der Reihe.

    Der Tall Man wird kaum erklärt. Er kann seine Gestalt verändern, scheint nicht menschlich zu sein und kehrt selbst nach scheinbarer Vernichtung zurück. Angus Scrimms strenge Erscheinung und seine tiefe Stimme machten ihn zu einer eigenständigen Horrorikone.

    Der Film folgt häufig einer Traumlogik. Szenen widersprechen einander, Figuren erwachen aus vermeintlichen Albträumen und die Grenzen zwischen Wirklichkeit, Erinnerung und Täuschung bleiben unsicher.

    Hinter dem fantastischen Horror steht Mikes Angst, nach dem Tod seiner Eltern auch seinen Bruder zu verlieren. Der Tall Man ist deshalb nicht nur ein außerirdischer Bestatter, sondern zugleich eine Verkörperung von Tod, Trennung und fehlender Kontrolle.

    Phantasm entwickelte sich zu einem Kultfilm und erhielt vier Fortsetzungen. Coscarelli und mehrere Hauptdarsteller blieben der Reihe über Jahrzehnte verbunden.

    Tourist Trap – Tourist Trap

    David Schmoeller inszenierte Tourist Trap mit Chuck Connors als Mr. Slausen. Eine Gruppe junger Reisender gerät nach einer Autopanne an ein abgelegenes Wachsfigurenmuseum.

    Im Gebäude befinden sich Schaufensterpuppen, die sich scheinbar selbstständig bewegen. Ein maskierter Täter besitzt telekinetische Kräfte und kann Gegenstände sowie Puppen kontrollieren.

    Der Film verbindet Elemente des Slasherfilms mit übernatürlichem Horror und der Tradition unheimlicher Wachsfigurenkabinette. Die Puppen bewegen ihre Münder, lachen oder schreien, obwohl sie nicht lebendig sein sollten.

    Chuck Connors spielt Slausen zunächst als freundlichen, leicht exzentrischen Besitzer. Seine Erzählungen über seinen Bruder Dave und die Geschichte des Museums werden jedoch zunehmend widersprüchlich.

    Die Masken und starren Puppengesichter erzeugen einen ähnlichen Verlust menschlicher Identität wie Michael Myers’ ausdrucksloses Gesicht. Tourist Trap blieb bei seiner Erstveröffentlichung vergleichsweise wenig beachtet, gewann aber durch spätere Heimvideoauswertungen eine Kultanhängerschaft.

    Brennen muss Salem – Salem’s Lot

    Tobe Hooper inszenierte Brennen muss Salem nach Stephen Kings Roman Salem’s Lot ursprünglich als zweiteilige Fernsehproduktion. In einigen Ländern wurde das Material für Kinoveröffentlichungen gekürzt.

    David Soul spielte den Schriftsteller Ben Mears, der in seine Heimatstadt Jerusalem’s Lot zurückkehrt. Dort möchte er sich mit dem unheimlichen Marsten-Haus auseinandersetzen, das ihn seit seiner Kindheit verfolgt.

    James Mason verkörperte den Antiquitätenhändler Richard Straker. Reggie Nalder spielte den Vampir Kurt Barlow.

    Die Gestaltung Barlows weicht deutlich von Kings Romanfigur ab. Statt eines kultivierten, äußerlich menschlichen Vampirs erscheint er als kahles, blauhäutiges Monster mit langen Zähnen. Das Design orientiert sich sichtbar an Murnaus Nosferatu.

    Der Horror breitet sich nicht nur innerhalb einer Familie aus, sondern erfasst schrittweise eine ganze Kleinstadt. Nachbarn, Kinder, Ladenbesitzer und Bekannte werden zu Vampiren. Die vertraute Gemeinschaft zerfällt von innen.

    Besonders bekannt wurden die Szenen, in denen vampirische Kinder nachts vor Fenstern schweben und darum bitten, eingelassen zu werden. Das Motiv verbindet kindliche Vertrautheit mit der traditionellen Regel, dass Vampire eine Einladung benötigen.

    Hooper inszenierte den Fernsehfilm wesentlich zurückhaltender als The Texas Chain Saw Massacre. Die lange Laufzeit erlaubt es, zahlreiche Einwohner vorzustellen und das langsame Verschwinden des normalen Stadtlebens zu zeigen.

    Das Ende der 1970er-Jahre

    Am Ende des Jahrzehnts war das Horrorkino endgültig nicht mehr an eine einzige Tradition gebunden. Innerhalb weniger Jahre waren vollkommen unterschiedliche Formen nebeneinander entstanden:

    Der weiße Hai verwandelte den Tierhorror in ein weltweites Großereignis.

    Das Omen und Carrie machten Kinder und Jugendliche zum Zentrum religiöser und psychischer Ängste.

    Deep Red und Suspiria zeigten, wie stark Musik, Farbe und Bewegung eine Horrorerzählung bestimmen konnten.

    Hügel der blutigen Augen setzte den Konflikt zwischen vermeintlicher Zivilisation und ausgegrenzten Familien fort.

    Halloween gab dem amerikanischen Slasher eine klar erkennbare Grundform.

    Dawn of the Dead verband drastischen Zombiehorror mit Konsumkritik und gesellschaftlicher Satire.

    Die Körperfresser kommen verwandelte Anpassung und emotionale Gleichgültigkeit in eine außerirdische Verschwörung.

    Alien übertrug das Spukhaus, das Monster und den Körperhorror in eine industrielle Science-Fiction-Welt.

    Gleichzeitig entstanden die Voraussetzungen für das kommende Jahrzehnt. Michael Myers bewies, dass ein beinahe stummer maskierter Täter eine fortsetzbare Serienfigur sein konnte. Tom Savinis Effekte zeigten, wie weit praktische Make-up-Techniken gehen konnten. H. R. Gigers Alien machte das Kreaturendesign zu einer eigenständigen Kunstform. David Cronenberg bereitete den modernen Body Horror vor. Und der wachsende Heimvideomarkt sollte bald dafür sorgen, dass selbst kleine, kontroverse oder kurz im Kino ausgewertete Filme dauerhaft ihr Publikum fanden.

    Die 1970er-Jahre hatten den Horror aus seinen alten Schlössern befreit. Das Böse konnte nun überall leben: im eigenen Kind, im Nachbarhaus, in einem Kaufhaus, im menschlichen Körper, in einer verlassenen Wüste, unter der Wasseroberfläche oder in den Versorgungsschächten eines Raumschiffs.

    Die 1980er-Jahre sollten diese Möglichkeiten aufgreifen, vervielfachen und in eine bis dahin nicht gekannte Flut von Filmen, Fortsetzungen und neuen Horrorikonen verwandeln.

  • Coole Sache Poldi!:thumbup::)<3

    Zu dem Bild: Rechts oben, der Monsterkopf und die daneben schreiende Frau, sind? Aus Poltergeist???

    Die schwarzhaarige Dame unterhalb von Michael Myers ist Lady Dracula?!

    Die blutrote Dame, links neben Pinhead, ist Carrie- des Satans jüngte Tochter?!

    Die drei Gestalten in schwarz vor dem Auto, sind? Aus Manchmal kommen sie wieder?

    Und WO bin ich??????;(:cursing:

    The Jokes on you!

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