Bessy – Die berühmte Collie-Hündin zwischen Wildwest-Comic, EUROPA-Klassiker und Poly-Abenteuer

  • Bessy – Die berühmte Collie-Hündin zwischen Wildwest-Comic, EUROPA-Klassiker und Poly-Abenteuer

    Zwischen belgischer Comicgeschichte, deutschem Heftenerfolg und drei Hörspielproduktionen – Serienhintergrund

    Bessy gehört zu den erfolgreichsten europäischen Abenteuercomicserien des 20. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt steht eine kluge und mutige Collie-Hündin, die gemeinsam mit ihrem Besitzer Andy Cayoon im Wilden Westen lebt und immer wieder entscheidend zur Rettung bedrohter Menschen beiträgt. Bessy ist dabei keine sprechende oder vermenschlichte Tierfigur. Sie bleibt ein Hund, handelt jedoch mit außergewöhnlicher Intelligenz, Treue und Instinktsicherheit.

    Die Serie wurde 1952 vom belgischen Comiczeichner Willy Vandersteen entwickelt. Karel Verschuere, der in Vandersteens Studio arbeitete, war wesentlich an der zeichnerischen Ausgestaltung beteiligt. Beide veröffentlichten frühe Geschichten unter dem gemeinsamen Pseudonym Wirel, das sich aus ihren Vornamen Willy und Karel zusammensetzte. Die Grundidee war erkennbar vom weltweiten Erfolg der Collie-Geschichten um Lassie beeinflusst. Anders als Lassie lebte Bessy jedoch nicht in einer modernen Familienwelt, sondern im historischen Milieu des amerikanischen Westens.

    Bessys menschlicher Gefährte ist Andy Cayoon. Er ist ein junger Farmerssohn und Abenteurer, der sich zwischen Ranches, Minenstädten, Wäldern, Prärien und kleinen Westernorten bewegt. Gemeinsam begegnen Andy und Bessy Banditen, Betrügern, Viehdieben, skrupellosen Geschäftsleuten, Gesetzlosen und Menschen in Not. In vielen Geschichten erkennt Bessy die Gefahr früher als ihr Besitzer oder kann handeln, während Andy gefangen, verletzt oder anderweitig ausgeschaltet ist.

    Die Comicserie erschien zunächst in Belgien und wurde später in mehreren europäischen Ländern veröffentlicht. Besonders erfolgreich war sie in Westdeutschland. Nach ersten Veröffentlichungen als Fortsetzungsgeschichte und in Zeitschriften wie Pony und Felix erhielt Bessy 1965 eine eigene Heftreihe beim Bastei-Verlag. Bis 1985 erschienen dort 992 Hefte, ergänzt durch Taschenbücher, Sammelbände, Neuauflagen und Sonderausgaben. Damit wurde Bessy in Deutschland zeitweise zu einer der bekanntesten Comicfiguren des Bastei-Programms.

    Dieser Erfolg führte Anfang der 1970er-Jahre auch zu Hörspieladaptionen. Das Label EUROPA produzierte zwei Abenteuer, die in Zusammenarbeit mit dem Bastei-Verlag auf Langspielplatte erschienen. 1980 folgte bei Poly ein drittes Hörspiel mit neuer Besetzung, neuer Produktion und einem eigenen Stil. Die drei Titel werden heute häufig gemeinsam als Bessy-Hörspiele geführt, bilden produktionstechnisch jedoch keine einheitliche dreiteilige Serie.

    Die deutschsprachigen Bessy-Hörspiele – Folgenliste

    Zur deutschsprachigen Hörspielgeschichte von Bessy gehören:

    Die Dynamitfalle

    Der Gesetzlose

    Der Wundercolt von Abilane

    Die Dynamitfalle und Der Gesetzlose bilden die eigentliche EUROPA-Reihe. Sie entstanden 1972 beziehungsweise 1973 im Studio EUROPA und erschienen zunächst auf Langspielplatte innerhalb der Reihe EUROPA exquisit. Beide Hörspiele wurden von Brigitte Weber bearbeitet und von Heikedine Körting inszeniert. Hans Paetsch fungiert als Erzähler, während Bernd Kreibich in beiden Produktionen Andy Cayoon spricht.

    Der Wundercolt von Abilane erschien 1980 bei Poly aus dem Hause Deutsche Grammophon. Dieses Hörspiel besitzt weder dieselbe Besetzung noch dasselbe Produktionsteam wie die beiden EUROPA-Folgen. Andy wird nun von Peter Kirchberger gesprochen, Gunter Hartung übernimmt die Erzählerrolle. Jürgen Albrecht schrieb das Hörspiel und führte Regie, produziert wurde es von der Satellit GmbH.

    Damit existieren drei deutsche Bessy-Hörspiele, aber nur zwei davon bilden eine unmittelbar zusammengehörige Reihe. Das dritte Abenteuer ist eine eigenständige spätere Adaption der Comicwelt.

    Bessy – Eine Heldin ohne eigene Stimme

    Bessy ist die eigentliche Hauptfigur, obwohl sie keine Dialogrolle besitzt. Sie wird weder von einer Sprecherin gesprochen noch mit menschlichen Gedanken ausgestattet. Ihre Persönlichkeit entsteht durch das Verhalten, das der Erzähler beschreibt, durch die Reaktionen der übrigen Figuren und durch ihre hörbaren Bewegungen.

    Gerade darin liegt eine Besonderheit der Hörspiele. Eine Comicfigur kann durch Zeichnungen, Gesichtsausdruck und Körperhaltung handeln. Im Hörspiel muss dieselbe Wirkung über Erzählertext, Geräusche und Dialoge vermittelt werden. Wenn Bessy eine Spur aufnimmt, davonläuft, jemanden warnt oder einem Täter folgt, muss der Hörer allein anhand der akustischen Inszenierung verstehen, was sie tut.

    Bessy handelt ausgesprochen selbstständig. Sie wartet nicht ständig auf Andys Befehle, sondern erkennt Gefahren und trifft eigene Entscheidungen. Wird Andy festgesetzt oder kann nicht eingreifen, übernimmt sie die Initiative. Sie sucht Hilfe, folgt Spuren oder greift in entscheidenden Augenblicken an.

    Die Hündin verkörpert Treue, Mut und Gerechtigkeitssinn. Sie unterscheidet instinktiv zwischen Freunden und Feinden und lässt sich von Drohungen kaum abschrecken. Gleichzeitig bleibt sie eng an Andy gebunden. Die Beziehung zwischen Mensch und Tier ist der emotionale Kern aller drei Hörspiele.

    Andy Cayoon – Farmerssohn und Westernheld

    Andy Cayoon ist Bessys Besitzer und engster Gefährte. In den Comics und Hörspielen wird er als junger, mutiger und hilfsbereiter Mann dargestellt, der auf der Pineapple-Ranch beziehungsweise im Umfeld seiner Familie lebt. Er bewegt sich selbstverständlich durch die Welt des Wilden Westens, kann reiten und scheut sich nicht davor, gegen Kriminelle oder ungerechte Machthaber einzutreten.

    Andy besitzt keine offizielle Ermittlerfunktion. Er ist weder Sheriff noch Detektiv, gerät aber durch Zufall oder seine Hilfsbereitschaft regelmäßig in Verbrechen hinein. Sobald er erkennt, dass jemand bedroht oder betrogen wird, mischt er sich ein.

    Seine Entschlossenheit führt gelegentlich dazu, dass er selbst in Schwierigkeiten gerät. In Die Dynamitfalle wird er nach einer Auseinandersetzung festgesetzt und kann die drohende Katastrophe nicht selbst verhindern. Bessy muss deshalb allein handeln. Dieses Muster zeigt sehr deutlich, wie die Rollen verteilt sind: Andy erkennt das Unrecht und versucht einzugreifen, doch Bessy wird häufig zur entscheidenden Retterin.

    In den beiden EUROPA-Hörspielen wird Andy von Bernd Kreibich gesprochen. Seine junge, energische Stimme passt zum abenteuerlustigen Farmerssohn. Im Poly-Hörspiel übernimmt Peter Kirchberger die Rolle und zeichnet Andy etwas erwachsener und stärker als klassischen Westernhelden.

    Die Dynamitfalle – Ein ganzer Ort in Lebensgefahr

    Die Dynamitfalle erschien 1972 als erste Hörspieladaption bei EUROPA. Andy Cayoon befindet sich mit Bessy auf dem Weg zum Gamble-See und macht in Buffalo Station Halt. Dort gerät er in einen Plan, der nicht nur die junge Jennifer Adams um ihr Erbe bringen, sondern die gesamte Stadt zerstören soll.

    Hinter dem Verbrechen stehen Männer, die vor nichts zurückschrecken. Dynamit wird zur zentralen Bedrohung, und die Gefahr ist deutlich größer als bei einem gewöhnlichen Überfall oder Diebstahl. Eine Explosion könnte zahlreiche Menschen töten und Buffalo vernichten.

    Andy erkennt die Zusammenhänge, kann aber nach einer Auseinandersetzung mit einem Cowboy nicht mehr frei handeln. Er wird eingesperrt und ist dadurch ausgerechnet in dem Moment ausgeschaltet, in dem seine Hilfe am dringendsten gebraucht wird. Bessy bleibt als Einzige frei.

    Die Hündin muss nun selbstständig handeln, Verbündete finden und verhindern, dass der Plan der Verbrecher gelingt. Dadurch wird bereits in der ersten Folge sehr deutlich, dass Bessy nicht bloß Andys tierische Begleitung ist. Ohne ihre Wachsamkeit und ihren Mut wären die menschlichen Figuren verloren.

    Die Geschichte verbindet klassische Westernelemente mit einer für ein Jugendhörspiel ungewöhnlich großen Bedrohung. Es gibt einen Saloon, einen Sheriff, zwielichtige Cowboys, Erbschaftsbetrug und eine Stadt, die durch Sprengstoff gefährdet wird. Das Hörspiel besitzt dadurch ein höheres Tempo und mehr Dramatik als eine reine Tiergeschichte.

    Hans Paetsch, Bernd Kreibich und das Ensemble von Die Dynamitfalle

    Hans Paetsch führt als Erzähler durch die Handlung. Seine Stimme gibt der Geschichte jene klassische Abenteueratmosphäre, die viele frühe EUROPA-Produktionen prägt. Er beschreibt Bessys Handlungen, verbindet die Schauplätze und sorgt dafür, dass die stumme Tierfigur jederzeit im Mittelpunkt bleibt.

    Bernd Kreibich spricht Andy Cayoon. Harald Graf ist als Ben Warden zu hören, Helmut Kolar als Jim Murphy und Horst Stark als Sheriff Travis. Doris Steinmüller übernimmt Jennifer Adams, Horst Beck spricht Steve Conrads und Reiner Brönneke ist als Jerry Gibbins beteiligt.

    Andreas von der Meden spricht Chuck. Auf der ursprünglichen Veröffentlichung wurde dafür das Pseudonym Hans Meinhardt verwendet. Andreas Beurmann ist als Kutscher und zusätzlich als Gast im Saloon zu hören; bei einer Rollenangabe wurde das Pseudonym Charles Ponti benutzt.

    Die Besetzung besteht damit aus mehreren Stimmen, die den EUROPA-Klang der frühen 1970er-Jahre stark mitprägten. Hans Paetsch sorgt für erzählerische Größe, während Horst Stark, Horst Beck, Reiner Brönneke und Andreas von der Meden den Westernfiguren klare akustische Konturen geben.

  • Der Gesetzlose – Jahrmarkt, Minenstadt und ein gejagter Mann

    Der Gesetzlose folgte 1973 als zweites EUROPA-Hörspiel. Die Geschichte führt Andy und Bessy nach Dodge City, wo ein Jahrmarkt stattfindet. Zwischen Schaustellern, Minenarbeitern, Cowboys und Besuchern entwickelt sich ein Fall um den vermeintlichen Gesetzlosen Mike Winters.

    Der Titel legt zunächst nahe, dass Mike Winters eindeutig der gefährliche Gegner der Geschichte ist. Wie bei vielen Westernstoffen steht jedoch die Frage im Raum, ob der gejagte Mann tatsächlich schuldig ist oder ob andere Personen ein Interesse daran haben, ihn als Verbrecher erscheinen zu lassen.

    Bessy gerät in die Gewalt gefährlicher Männer. Andy muss nicht nur die Hintergründe des Falls aufklären, sondern auch seine Hündin befreien. Das Verhältnis zwischen Andy und Bessy wird dadurch diesmal von der anderen Seite gezeigt: In der ersten Folge muss Bessy ihren handlungsunfähigen Besitzer unterstützen, nun kämpft Andy darum, seine Gefährtin zurückzubekommen.

    Die Handlung nutzt mehrere klassische Wildwestmotive. Es gibt einen Jahrmarkt, Schausteller, Minenarbeiter, einen Sheriff, rivalisierende Männer und einen Gesetzlosen, dessen Geschichte nicht so eindeutig ist, wie es zunächst scheint.

    Die Folge wirkt stärker wie ein persönliches Westernabenteuer als die groß angelegte Katastrophengeschichte der ersten Produktion. Während in Die Dynamitfalle eine ganze Stadt bedroht wird, stehen hier die Schicksale einzelner Figuren und Bessys Gefangenschaft stärker im Mittelpunkt.

    Die Sprecher von Der Gesetzlose

    Hans Paetsch übernimmt erneut den Erzähler, Bernd Kreibich spricht wieder Andy Cayoon. Diese beiden Stimmen verbinden die zweite Folge unmittelbar mit dem Auftakt.

    Siegfried Kerner beziehungsweise Siegfried Kernen spricht Georg Baxter. Hella von der Osten-Sacken ist unter dem Pseudonym Regine Lamster als Julie Baxter zu hören. Andreas von der Meden übernimmt Timmy, Reiner Brönneke spricht Mike Winters.

    Heinz Harm ist als Mowa beteiligt. Michael von Rospatt spricht mehrere Rollen, darunter Willy Walker und Mr. Smitty. Jürgen Strube übernimmt Sheriff Badford und zusätzlich einen Minenarbeiter. Horst Stark ist als Johnny Bronson zu hören.

    Die Mehrfachbesetzungen waren für frühe EUROPA-Produktionen nicht ungewöhnlich. Erfahrene Sprecher übernahmen mehrere kleinere Figuren und veränderten dafür Stimmlage und Spielweise. Das ermöglichte ein vergleichsweise großes Figurenensemble, ohne für jede Nebenrolle einen eigenen Darsteller verpflichten zu müssen.

    Hans Paetsch bleibt auch hier für die Beschreibung von Bessys Handlungen entscheidend. Da die Hündin selbst nicht spricht, trägt der Erzähler einen erheblichen Teil ihrer Figurenzeichnung.

    Brigitte Weber, Heikedine Körting und die EUROPA-Produktion

    Die Hörspielbearbeitungen der beiden EUROPA-Folgen stammen von Brigitte Weber. Sie übertrug die Comicgeschichten beziehungsweise Vorlagen aus dem Bastei-Umfeld in kompakte Hörspielhandlungen.

    Dabei musste die visuelle Erzählweise der Comics vollständig verändert werden. Kampfszenen, Verfolgungen und Bessys Handlungen konnten nicht mehr durch Bilder vermittelt werden. Sie mussten entweder durch Geräusche hörbar gemacht, in Dialogen erklärt oder vom Erzähler beschrieben werden.

    Regie führte Heikedine Körting. Sie befand sich damals noch am Anfang jener jahrzehntelangen Arbeit, durch die sie später zu einer der wichtigsten Regisseurinnen des deutschen Kinder- und Jugendhörspiels wurde. Schon bei Bessy ist ihre klare Szenenführung erkennbar. Die Dialoge bleiben verständlich, die Handlungen bewegen sich zügig und der Erzähler verbindet die einzelnen Stationen.

    Die künstlerische Gesamtleitung lag bei Andreas Beurmann, der auf den Veröffentlichungen als Dr. Beurmann genannt wurde. Produziert wurden die Hörspiele als Studio-EUROPA-Produktionen im Hause Miller International. Die Zusammenarbeit mit dem Bastei-Verlag war wichtig, weil dort die deutschen Bessy-Comics erschienen und die verwendeten Vorlagen sowie die Markenrechte lagen.

    Die Musik stammt von Bert Brac, einem Pseudonym von Carsten Bohns Vorgänger Hans-Joachim Herwald? Nein: Hinter Bert Brac stand der Komponist und EUROPA-Musikschaffende Bert Brac als eigenes Künstlerpseudonym im Labelkatalog. Die eingesetzten Westernmotive stammten teilweise aus bereits vorhandenen Studio-EUROPA-Aufnahmen wie Lederstrumpf. Sie erzeugen mit kurzen Prärie- und Spannungsmotiven das passende Westerngefühl.

    Die Dynamitfalle hat eine Spielzeit von rund 35 Minuten. Der Gesetzlose ist mit ungefähr 46 Minuten deutlich länger. Beide Produktionen erschienen zunächst auf 12-Zoll-Langspielplatte. Spätere EUROPA-JUGEND-Auflagen folgten 1975.

    EUROPA exquisit und die Zusammenarbeit mit Bastei

    Die beiden Hörspiele erschienen ursprünglich innerhalb der Reihe EUROPA exquisit. Die Dynamitfalle trug die Katalognummer ex 3501, Der Gesetzlose die Nummer ex 3509.

    EUROPA exquisit vereinte Anfang der 1970er-Jahre unterschiedliche Kinder-, Jugend- und Comicproduktionen. Neben Bessy erschienen dort unter anderem frühe Folgen von Hanni und Nanni, Silberpfeil, Felix und weitere Stoffe aus dem Bastei-Umfeld.

    Die Zusammenarbeit zwischen EUROPA und Bastei war naheliegend. Bastei verfügte über erfolgreiche Comicfiguren und Abenteuerstoffe, EUROPA über Erfahrung in der Produktion und Vermarktung von Hörspielen. Auf diese Weise konnten bekannte Heftfiguren in ein neues Medium übertragen werden.

    Die Bessy-Reihe wurde dennoch nicht weitergeführt. Obwohl die Comicserie in Deutschland äußerst erfolgreich war, entstanden bei EUROPA nur zwei Hörspiele. Gründe für die kurze Laufzeit sind nicht zuverlässig dokumentiert. Deshalb lässt sich nicht eindeutig sagen, ob Verkaufszahlen, Lizenzfragen oder eine veränderte Programmplanung entscheidend waren.

    Der Wundercolt von Abilane – Das eigenständige Poly-Hörspiel

    1980 erschien mit Der Wundercolt von Abilane ein drittes deutsches Bessy-Hörspiel. Es wurde bei Poly veröffentlicht und stammt aus dem Hause Deutsche Grammophon. Die Produktion hat mit den beiden EUROPA-Hörspielen außer den Figuren und der Comicgrundlage keine direkte personelle Kontinuität.

    Die Geschichte ist in mehrere benannte Abschnitte gegliedert:

    Andy und Bessy retten Marshall Denver das Leben

    Will Masters bietet 5.000 Dollar für Andys Colt

    Bert Colmans Verhängnis

    Abrechnung in Abilane

    Im Mittelpunkt steht ein wertvolles Pferd, das als Wundercolt bezeichnet wird. Will Masters bietet Andy eine hohe Summe für das Tier. Das Angebot von 5.000 Dollar macht deutlich, dass es sich nicht um ein gewöhnliches Pferd handelt.

    Andy lehnt sich gegen Menschen auf, die das Tier nur als wertvollen Besitz betrachten. Aus dem Angebot entwickelt sich ein Konflikt, in den unter anderem Marshall Denver, Will Masters, Bert Colman und weitere Bewohner der Gegend verwickelt werden.

    Bessy bleibt auch in dieser Geschichte Andys wichtigste Gefährtin. Sie hilft dabei, Marshall Denver zu retten und Gefahren zu erkennen. Der Titel rückt zwar den Colt in den Mittelpunkt, doch die Colliehündin bleibt für den Verlauf der Handlung entscheidend.

    Das Hörspiel wirkt stärker wie eine klassische Westernproduktion als die beiden kompakten EUROPA-Adaptionen. Die Handlung wird in mehrere Kapitel gegliedert und verfügt über ein größeres Figurenensemble aus Marshalls, Farmern, Ganoven, Kindern und älteren Bewohnern.

    Peter Kirchberger, Gunter Hartung und die Poly-Besetzung

    Gunter Hartung fungiert als Erzähler. Seine Darstellung unterscheidet sich deutlich von Hans Paetschs feierlichem EUROPA-Ton. Das Poly-Hörspiel erhält dadurch eine eigenständige akustische Identität.

    Peter Kirchberger spricht Andy Cayoon. Seine Stimme war bereits aus zahlreichen Hörspielen, Synchronproduktionen und Werbearbeiten bekannt. Sein Andy klingt erwachsener als Bernd Kreibichs Interpretation und stärker wie ein klassischer Westernheld.

    Volker Buttgereit spricht Will Masters. Reinhilt Schneider ist als Lola zu hören, Ursula Wolff beziehungsweise Uschi Wolff als Peggy. Thomas Harrenhorst übernimmt Marshall Denver, Jens Gottschalk spricht Geoff Brown.

    Brigitte Buttgereit ist als Andys Mutter beteiligt. Hans Wagner spricht Bert Colman. John H. George ist als Opa Charly zu hören, während Jürgen Albrecht neben Buch und Regie auch Opa Henry übernimmt.

    Bastian Svater spricht einen kleinen Dieb. Janice Knipping, Dagmar Jost und Frank Huber sind als Kinder beteiligt, Renate Behr als Mutter.

    Die Besetzung stammt damit aus einem anderen Sprecherumfeld als die EUROPA-Produktionen. Besonders Peter Kirchberger und Reinhilt Schneider sorgen für bekannte Stimmen, während Jürgen Albrecht in mehreren Funktionen an der Produktion beteiligt war.

  • Jürgen Albrecht, Satellit und die Produktion bei Poly

    Jürgen Albrecht schrieb das Hörspielbuch und führte Regie. Zusätzlich wirkte er als Sprecher des Opa Henry mit. Die Zusammenstellung wurde W. Neumann zugeschrieben.

    Produziert wurde das Hörspiel von der Satellit GmbH. Die Veröffentlichung erfolgte 1980 bei Poly unter der Katalognummer 2432 219. Es erschien sowohl auf Langspielplatte als auch auf Kompaktkassette.

    Die Musik stammt von Felix Parday. Sie unterstützt den Westerncharakter und unterscheidet sich von Bert Bracs Musik in den EUROPA-Hörspielen. Dadurch besitzt das Poly-Abenteuer auch musikalisch keinen direkten Serienzusammenhang mit den beiden älteren Produktionen.

    Die Poly-Fassung ist stärker kapitelartig aufgebaut. Die vier auf dem Tonträger ausgewiesenen Abschnitte gliedern den Handlungsverlauf und geben dem Hörer Orientierung. Dieses Verfahren erinnert an einen mehrteiligen Abenteuerroman beziehungsweise an mehrere aufeinanderfolgende Comickapitel.

    Andy, Bessy und der Wilde Westen – Die gemeinsame Figurenwelt

    Trotz unterschiedlicher Produktionsfirmen und Sprecher verbindet alle drei Hörspiele dieselbe Grundkonstellation. Andy Cayoon bewegt sich durch den amerikanischen Westen und hilft Menschen, die von Verbrechern, Betrügern oder ungerechten Machtverhältnissen bedroht werden. Bessy erkennt Gefahren, folgt Spuren und greift ein, wenn menschliche Möglichkeiten versagen.

    Die Welt ist weniger historisch exakt als romantisch-abenteuerlich gestaltet. Sheriffs, Marshalls, Saloons, Ranches, Minen, Jahrmärkte, Pferde und kleine Westernstädte liefern eine sofort verständliche Kulisse. Die Hörspiele wollen keine dokumentarische Darstellung des 19. Jahrhunderts sein, sondern klassische Jugendabenteuer erzählen.

    Die Grenze zwischen Gut und Böse ist meist klar. Andy und Bessy stehen für Hilfsbereitschaft und Gerechtigkeit. Ihre Gegner handeln aus Gier, Rachsucht oder Machtstreben. Dennoch enthalten die Geschichten gelegentlich Figuren, deren Schuld zunächst nicht eindeutig ist. Besonders Der Gesetzlose spielt mit der Frage, ob der gejagte Mann tatsächlich der Täter ist.

    Bessys Rolle bleibt in allen Produktionen ungewöhnlich stark. Sie ist zwar ein Tier und kann nicht sprechen, wird aber nicht zum dekorativen Maskottchen. Mehrfach hängt der Ausgang der Handlung unmittelbar von ihr ab.

    Die Comicvorlage und ihre besondere deutsche Geschichte

    Die Bessy-Comics besitzen eine ungewöhnlich umfangreiche und teilweise komplizierte Veröffentlichungsgeschichte. Die Reihe wurde zunächst vom Studio Vandersteen produziert. Willy Vandersteen und Karel Verschuere entwickelten die Hauptfiguren und die Westernwelt.

    Die Nachfrage im deutschen Markt war zeitweise so groß, dass zusätzliche Geschichten benötigt wurden. In einigen Fällen wurden bereits existierende Westernzeichnungen umgearbeitet. Figuren erhielten Andys Aussehen, und Bessy wurde nachträglich in Bilder eingefügt. In solchen Geschichten spielte die Hündin teilweise eine kleinere Rolle als in den eigens für sie entwickelten Abenteuern.

    Die deutsche Bastei-Reihe begann 1965. Zunächst erschien sie monatlich, später zweiwöchentlich und schließlich wöchentlich. Die enorme Zahl von 992 Heften zeigt, wie populär Bessy in Deutschland war.

    Die Serie wurde später mehrfach neu aufgelegt. Unter Titeln wie Bessy Classic erschienen ältere Geschichten erneut. In den 1980er-Jahren wurde das Konzept außerdem modernisiert: Andy und Bessy arbeiteten nun in der Gegenwart im Natur- und Tierschutz. Diese spätere Umweltserie ist jedoch nicht Grundlage der drei Hörspiele, die alle in der klassischen Westernwelt spielen.

    Klaus Dill und die Cover der EUROPA-Folgen

    Die Illustrationen der beiden EUROPA-Hörspiele stammen von Klaus Dill. Dill war einer der bekanntesten deutschen Titelbildzeichner für Western-, Abenteuer- und Kriminalstoffe. Seine Arbeiten prägten unter anderem zahlreiche Bessy-Hefte des Bastei-Verlags.

    Die Cover greifen die dramatische Bildsprache der Comics auf. Andy und Bessy stehen im Mittelpunkt einer gefährlichen Situation. Bewegung, Bedrohung und Westernkulisse werden in einem einzigen Motiv zusammengeführt.

    Bei Die Dynamitfalle zeigt das Titelbild die explosive Gefahr und vermittelt sofort, dass die Geschichte über ein gewöhnliches Tierabenteuer hinausgeht. Bessy erscheint als aktiv handelnde Heldin und nicht als ruhiger Begleithund.

    Der Gesetzlose erhielt ein eigenes Covermotiv, das aus dem Umfeld der Bessy-Comicvorlagen stammt. Für die Hörspielausgabe wurde das Bild eines Bessy-Romans beziehungsweise -Heftes genutzt. Die konkrete Vorlage wird mit der Nummer 277 in Verbindung gebracht.

    Klaus Dills realistischer Malstil passt hervorragend zur Welt der Hörspiele. Seine Figuren wirken wie Darsteller eines klassischen Westernfilms, während Bessy zugleich deutlich als Hauptfigur erkennbar bleibt.

    Hans Möller und das Cover von Der Wundercolt von Abilane

    Das Cover der Poly-Produktion wurde von Hans Möller gestaltet. Auch hier steht eine dramatische Westernszene im Mittelpunkt.

    Der Wundercolt, Andy und Bessy bilden die zentralen Elemente. Das Titelbild muss deutlich machen, dass das Pferd eine besondere Bedeutung besitzt, ohne die eigentliche tierische Serienheldin zu verdrängen.

    Die Gestaltung unterscheidet sich sichtbar von Klaus Dills EUROPA-Covern. Während die beiden frühen Ausgaben eng an den Bastei-Comiclook gebunden sind, besitzt die Poly-LP ein eigenständiges Erscheinungsbild.

    Gerade für Sammler ist dieser Unterschied wichtig. Schon am Cover lässt sich erkennen, dass Der Wundercolt von Abilane nicht zur ursprünglichen EUROPA-Reihe gehört. Labelschrift, Typografie, Illustration und gesamte Aufmachung stammen aus einem anderen Produktionszusammenhang.

    Langspielplatte, Wiederauflage und Kompaktkassette – Die Veröffentlichungsformen

    Die Dynamitfalle erschien 1972 auf Langspielplatte innerhalb von EUROPA exquisit. 1975 folgte eine Wiederveröffentlichung in der Reihe EUROPA JUGEND mit der Katalognummer 3501.

    Der Gesetzlose erschien 1973 als EUROPA-exquisit-LP ex 3509. Auch dieses Hörspiel wurde 1975 in der EUROPA-JUGEND-Reihe neu aufgelegt.

    Die beiden Aufnahmen sind vor allem mit dem LP-Format verbunden. Eine reguläre zeitgenössische Kassettenreihe der beiden EUROPA-Folgen ist nicht in gleicher Weise dokumentiert wie bei späteren EUROPA-Serien.

    Der Wundercolt von Abilane erschien 1980 bei Poly sowohl auf Langspielplatte als auch auf Kompaktkassette. Damit ist es die einzige der drei Produktionen, die bereits bei ihrer ursprünglichen Veröffentlichung ausdrücklich in beiden Formaten angeboten wurde.

    Eine umfassende moderne CD- oder Streaming-Neuauflage aller drei Hörspiele als gemeinsame Serie ist nicht dokumentiert. Die Originalausgaben bleiben daher vor allem Sammlerobjekte aus der LP- und frühen Kassettenzeit.

  • Zwei EUROPA-Folgen und ein Poly-Hörspiel – Die richtige Einordnung

    In Hörspieldatenbanken werden die drei Titel häufig gemeinsam unter dem Seriennamen Bessy aufgeführt. Das ist inhaltlich nachvollziehbar, weil alle drei dieselben Comicfiguren verwenden.

    Produktionshistorisch muss jedoch unterschieden werden. Die Dynamitfalle und Der Gesetzlose wurden in unmittelbarer Folge bei EUROPA produziert. Sie besitzen denselben Erzähler, denselben Andy-Sprecher, dieselbe Bearbeiterin, dieselbe Regisseurin und dieselbe musikalische beziehungsweise gestalterische Grundausrichtung.

    Der Wundercolt von Abilane entstand sieben beziehungsweise acht Jahre später. Es besitzt einen anderen Erzähler, einen anderen Andy, ein neues Ensemble, eine andere Regie, einen anderen Autor, andere Musik, ein anderes Produktionsstudio und ein anderes Label.

    Es handelt sich deshalb nicht um eine reguläre „Folge 3“ der EUROPA-Serie, sondern um das dritte deutschsprachige Bessy-Hörspiel. Für eine vollständige Betrachtung der Hörspielgeschichte gehört es unbedingt dazu, sollte aber nicht fälschlich EUROPA zugerechnet werden.

    Zwischen Lassie, Silberpfeil und klassischem Westernhörspiel – Einordnung

    Die Grundidee einer außergewöhnlich klugen Collie-Hündin erinnert zwangsläufig an Lassie. Beide Figuren sind treue Hunde, die Gefahren erkennen, Menschen retten und oft selbstständig Hilfe holen.

    Bessy unterscheidet sich jedoch durch das historische Westernmilieu. Ihre Abenteuer spielen nicht in einer modernen ländlichen Familienwelt, sondern zwischen Cowboys, Sheriffs, Minenarbeitern, Banditen und Ranchern. Dadurch verbindet die Serie Tiergeschichte und Western.

    Innerhalb des frühen EUROPA-Programms steht Bessy neben anderen Comic- und Westernadaptionen wie Silberpfeil. Beide Produktionen entstanden in Zusammenarbeit mit dem Bastei-Verlag und wurden von Brigitte Weber bearbeitet sowie von Heikedine Körting inszeniert.

    Anders als Silberpfeil wurde Bessy jedoch nicht zu einer längeren Hörspielreihe ausgebaut. Die Figur blieb im Audiobereich auf wenige Einzelproduktionen beschränkt, obwohl die Comicvorlage deutlich umfangreicher und erfolgreicher war.

    Eine kleine Hörspielreihe zu einer riesigen Comicwelt – Bedeutung

    Die drei Hörspiele bilden nur einen winzigen Ausschnitt aus der riesigen Bessy-Welt. Fast tausend deutsche Comic-Hefte stehen lediglich drei deutschsprachigen Hörspielproduktionen gegenüber.

    Gerade diese Seltenheit macht die Tonträger heute interessant. Sie dokumentieren zwei unterschiedliche Versuche, den Comic in ein akustisches Medium zu übertragen. EUROPA setzte auf Hans Paetsch, kompakte Bearbeitungen und den typischen Studiohörspielklang der frühen 1970er-Jahre. Poly wählte einige Jahre später eine neue Besetzung und eine stärker kapitelartig erzählte Westernproduktion.

    Die EUROPA-Hörspiele besitzen außerdem Bedeutung innerhalb von Heikedine Körtings früher Regiearbeit. Bereits hier zeigt sich ihre Fähigkeit, bekannte Kinder- und Jugendstoffe mit klarer Handlung, prägnanten Stimmen und effektvollen Geräuschen umzusetzen.

    Für Fans von Hans Paetsch sind die beiden Folgen ebenfalls reizvoll. Seine Erzählerstimme macht Bessys Handlungen sichtbar und verleiht den kurzen Westernabenteuern eine Größe, die über ihre Laufzeit hinausgeht.

    Treue, Mut und Gerechtigkeit im Wilden Westen

    Die deutschsprachige Hörspielgeschichte von Bessy ist klein, aber bemerkenswert. Sie besteht aus zwei zusammengehörigen EUROPA-Produktionen und einem späteren eigenständigen Poly-Hörspiel. Gemeinsam übertragen sie die erfolgreiche Comicwelt um Andy Cayoon und seine Collie-Hündin in drei klassische Westernabenteuer.

    Im Mittelpunkt steht eine Heldin, die keine menschliche Stimme benötigt. Bessy handelt durch Instinkt, Treue und außergewöhnliche Intelligenz. Sie erkennt Verbrecher, nimmt Spuren auf, holt Hilfe und rettet Menschen, wenn Andy oder andere Figuren nicht mehr eingreifen können. Gerade dadurch bleibt sie trotz ihrer stummen Rolle der eigentliche Mittelpunkt.

    Die beiden EUROPA-Hörspiele profitieren stark von Hans Paetsch als Erzähler und Bernd Kreibich als Andy Cayoon. Brigitte Webers Bearbeitungen, Heikedine Körtings Regie, Bert Bracs Westernmusik und Klaus Dills markante Cover verbinden die Produktionen eng mit dem klassischen EUROPA-Klang der frühen 1970er-Jahre.

    Der Wundercolt von Abilane schlägt einen eigenen Weg ein. Peter Kirchberger spricht Andy, Gunter Hartung erzählt, Jürgen Albrecht verantwortet Buch und Regie, Felix Parday die Musik und Hans Möller das Cover. Die Produktion gehört deshalb nicht zur EUROPA-Reihe, erweitert aber die deutsche Hörspielwelt von Bessy um ein drittes Abenteuer.

    Die drei Hörspiele konnten nie die enorme Größe der Comicserie erreichen. Dennoch bewahren sie einen reizvollen Teil jener Zeit, in der erfolgreiche Hefthelden auf Langspielplatte ein zweites Leben erhielten. Sie verbinden Tiergeschichte, Western, Verbrechen und Abenteuer zu einer Mischung, in der am Ende weder der Sheriff noch der mutige Cowboy allein den entscheidenden Unterschied macht.

    Es ist Bessy – die kluge Collie-Hündin, die keine Worte braucht, um zur Heldin zu werden.

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