John Carter - 1. Die Flucht des Toten
John Carter, ein ehemaliger Soldat, steht an der Schwelle zwischen Leben und Tod. Unter geheimnisvollen Umständen wird er auf den Mars versetzt – auf den sterbenden Planeten Barsoom. Dort begegnet er fremden Völkern, uralten Konflikten und einer Welt, deren Gesetze sich grundlegend von allem unterscheiden, was er kennt. Während Carter versucht zu verstehen, was mit ihm geschehen ist, gerät er bereits mitten in einen erbitterten Machtkampf, der über das Schicksal ganzer Zivilisationen entscheiden könnte.
Mit „Die Flucht des Toten“ startet Holysoft die Hörspielumsetzung von Edgar Rice Burroughs' berühmter John-Carter-Reihe. Schon nach wenigen Minuten wird deutlich, dass hier keine klassische Science-Fiction erzählt wird. Statt technischer Zukunftsvisionen erwartet den Hörer vielmehr eine Mischung aus Abenteuer, Fantasy und fremdartiger Mythologie. Genau das macht den Auftakt außergewöhnlich – auch wenn mich die Geschichte zunächst noch nicht vollständig überzeugen konnte.
Der Einstieg ist spannend gestaltet und wirft den Hörer direkt in ein großes Rätsel. Besonders die ungewöhnliche Reise John Carters nach Barsoom sorgt sofort für Neugier. Dass sein verstorbener Kamerad James Powell ihn anfangs in seinen Gedanken begleitet, verleiht der Geschichte zusätzlich eine interessante Ebene. Gut gefallen hat mir, dass auf einen klassischen Erzähler verzichtet wird. Stattdessen erlebt man viele Ereignisse unmittelbar aus John Carters Perspektive und folgt seinen Gedanken. Dadurch entsteht eine enge Bindung zur Hauptfigur, und man entdeckt die fremde Welt gemeinsam mit ihr. Mit der Zeit entwickelt sich eine abwechslungsreiche Handlung voller neuer Kulturen, unbekannter Wesen und politischer Konflikte. Mir persönlich driftet die Geschichte dabei allerdings etwas zu stark ins Fantasy-Genre ab. Gerade die mystische Reise zum Mars wirkt auf mich sehr unwirklich und erschwerte mir den Einstieg. Das ist natürlich Geschmackssache, denn Fans klassischer Planetary Romance werden gerade diesen Aspekt vermutlich besonders schätzen. Dennoch gelingt es der Folge, genügend offene Fragen aufzuwerfen, sodass ich neugierig geblieben bin und wissen möchte, wie sich die Geschichte weiterentwickelt.
Tim Gössler trägt die Handlung als John Carter überzeugend. Seine Gedanken wirken glaubwürdig und machen die Unsicherheit sowie die Neugier der Figur jederzeit nachvollziehbar. Nils Weyland hinterlässt als James Powell ebenfalls einen positiven Eindruck und verleiht den gemeinsamen Szenen eine angenehme Dynamik. Auch Peter Sura, Vanessa Diana Wirth und Giulianna Jakobeit fügen sich harmonisch in das Ensemble ein und verleihen der fremden Welt glaubwürdige Stimmen. Insgesamt ist die Besetzung stimmig gewählt und unterstützt die Atmosphäre der Geschichte sehr gut.
Technisch hinterlässt Holysoft einen starken Eindruck. Das Sounddesign erschafft eine fremdartige und zugleich glaubwürdige Welt, ohne sich dabei in Effekten zu verlieren. Musik und Geräusche erzeugen eine dichte Atmosphäre und unterstützen sowohl die ruhigeren Momente als auch die actionreicheren Szenen. Die Produktion wirkt hochwertig und trägt wesentlich dazu bei, dass man sich auf Barsoom einlassen kann.
Das Cover vermittelt sofort Fernweh und Abenteuerlust. John Carter kniet allein in einer scheinbar endlosen Wüstenlandschaft und blickt auf die gewaltigen Himmelskörper über sich. Die schlichte Gestaltung wirkt gleichzeitig geheimnisvoll und episch und passt hervorragend zum Beginn einer großen Science-Fiction-Saga.
„Die Flucht des Toten“ ist ein gelungener Auftakt mit einer hochwertigen Produktion, guten Sprechern und einer faszinierenden Welt. Besonders die Erzählweise aus John Carters Sicht funktioniert für mich hervorragend und sorgt für eine intensive Atmosphäre. Mit der Geschichte selbst bin ich allerdings noch nicht ganz warm geworden. Der starke Fantasy-Einschlag und insbesondere die mystische Reise nach Barsoom haben mich noch nicht vollständig abgeholt. Trotzdem besitzt die Handlung genügend interessante Ansätze, um neugierig auf die Fortsetzung zu machen. Ich werde der Reihe auf jeden Fall weiter eine Chance geben – denn das Potenzial für ein großes Abenteuer ist zweifellos vorhanden.