Evil Dead - Die blutige Chronik einer Horrorlegende
Einleitung
Nur wenige Horrorfilmreihen haben das Genre so nachhaltig geprägt wie Evil Dead, das im deutschsprachigen Raum vor allem unter dem Titel Tanz der Teufel bekannt wurde. Was Anfang der 1980er-Jahre als ambitionierter Independent-Film einer Gruppe junger Filmemacher begann, entwickelte sich über mehr als vier Jahrzehnte zu einem der bekanntesten Horror-Franchises der Filmgeschichte. Die Reihe verbindet kompromisslosen Dämonenhorror mit schwarzem Humor, innovativer Kameraarbeit, spektakulären praktischen Spezialeffekten und einer Bildsprache, die bis heute zahlreiche Filmschaffende beeinflusst.
Im Mittelpunkt der klassischen Filme steht der einfache Kaufhausangestellte Ashley „Ash“ Williams, der unfreiwillig zum Kämpfer gegen dämonische Mächte wird. Mit seiner abgesägten Schrotflinte, der Kettensäge als Handprothese und seinen markigen Sprüchen entwickelte sich Ash zu einer der bekanntesten Figuren des Horrorfilms überhaupt. Gleichzeitig bewies die Reihe immer wieder ihre Wandlungsfähigkeit. Während der erste Film noch kompromissloser Survival-Horror war, entwickelten die Fortsetzungen zunehmend einen eigenständigen Mix aus Splatter, Slapstick, Fantasy und Abenteuer. Die modernen Filme wiederum kehrten zu einem deutlich ernsteren, härteren Ton zurück und erweiterten die Mythologie um neue Figuren und Schauplätze.
Die treibenden Kräfte hinter der Reihe waren von Beginn an drei Freunde: Regisseur Sam Raimi, Produzent Robert G. Tapert und Schauspieler Bruce Campbell. Bereits während ihrer Schulzeit entstanden erste gemeinsame Filmprojekte, aus denen schließlich The Evil Dead hervorging. Aus einfachsten Mitteln schufen sie einen Film, der zunächst kaum Beachtung fand, später jedoch zum Kultklassiker wurde und den Grundstein für eines der langlebigsten Horror-Franchises der Kinogeschichte legte.
Heute umfasst das Franchise mehrere Kinofilme, eine Fernsehserie, Comics, Videospiele, Romane sowie zahlreiche Sammlereditionen. Trotz unterschiedlicher Regisseure und wechselnder Hauptfiguren blieb der Kern der Reihe stets erhalten: Ein uraltes Buch verbotenen Wissens entfesselt dämonische Mächte, die Menschen in grausame Deadites verwandeln und ihre Opfer nicht nur töten, sondern seelisch und körperlich quälen.
Die Geschichte von Evil Dead ist zugleich die Geschichte des modernen Independent-Horrorfilms. Kaum eine andere Reihe zeigt so eindrucksvoll, wie Kreativität, Leidenschaft und Einfallsreichtum aus einem kleinen Low-Budget-Projekt ein weltweites Kultphänomen entstehen lassen können.
Die Entstehungsgeschichte
Die Ursprünge von Evil Dead reichen bis in die frühen 1970er-Jahre zurück. Sam Raimi, Bruce Campbell und Robert G. Tapert lernten sich bereits während ihrer Schulzeit in Michigan kennen. Alle drei begeisterten sich für Filme und begannen schon als Jugendliche damit, eigene Kurzfilme zu drehen. Während andere Gleichaltrige Super-8-Kameras für Familienaufnahmen nutzten, experimentierten Raimi und seine Freunde bereits mit Action-, Horror- und Slapstickfilmen.
Sam Raimi zeigte früh großes Interesse an ungewöhnlichen Kamerabewegungen und visuellen Experimenten. Er ließ seine Kamera an Seilen durch Wälder schwingen, baute improvisierte Kamerawagen und entwickelte Tricks, um trotz geringster finanzieller Mittel möglichst dynamische Bilder zu erzeugen. Viele dieser Ideen sollten später zum Markenzeichen der Evil-Dead-Reihe werden.
Bruce Campbell übernahm in den frühen Produktionen häufig die Hauptrollen. Schon damals zeichnete er sich durch seinen enormen körperlichen Einsatz aus. Stürze, Schläge und gefährliche Szenen führte er oft selbst aus. Diese Bereitschaft machte ihn später zu einer der prägenden Figuren des Franchise.
Robert Tapert kümmerte sich zunehmend um die organisatorische Seite der Produktionen. Während Raimi die kreativen Ideen entwickelte und Campbell vor der Kamera stand, sorgte Tapert dafür, dass Dreharbeiten überhaupt möglich wurden. Diese Rollenverteilung sollte sich über Jahrzehnte hinweg bewähren.
Gemeinsam drehten sie zahlreiche Amateurfilme und entwickelten dabei nicht nur ihre Fähigkeiten weiter, sondern auch ihren ganz eigenen Stil. Schon diese frühen Werke verbanden überzeichnete Gewalt, schwarzen Humor und eine ungewöhnlich bewegliche Kamera – Elemente, die später zu den Markenzeichen von Evil Dead werden sollten.
Doch allen Beteiligten war klar, dass sie für den Schritt in die professionelle Filmwelt einen überzeugenden Langfilm benötigten. Da ihnen niemand mehrere Hunderttausend Dollar für einen unbekannten Horrorfilm anvertrauen würde, beschlossen sie zunächst, einen deutlich kürzeren Film zu produzieren, der Investoren von ihrem Talent überzeugen sollte.
Within the Woods – Der Ursprung von Evil Dead
1978 entstand schließlich der rund 30 Minuten lange Kurzfilm Within the Woods. Obwohl er heute nur wenigen Zuschauern bekannt ist, gehört er zu den wichtigsten Werken der gesamten Evil-Dead-Geschichte.
Der Kurzfilm erzählt bereits eine Geschichte über dämonische Besessenheit in einer abgelegenen Waldhütte. Viele Motive, die später weltberühmt wurden, sind hier bereits vorhanden: der einsame Wald, eine kleine Gruppe junger Menschen, dämonische Kräfte und ein Überlebender, der gegen das Böse kämpfen muss.
Bruce Campbell spielte bereits hier die Hauptrolle. Sam Raimi führte Regie und Robert Tapert übernahm erneut die Produktion. Gedreht wurde mit einfachsten Mitteln, Freunden als Darstellern und einer kleinen Crew. Dennoch zeigte der Film bereits eindrucksvoll, welches Talent Raimi für Spannung, Bildgestaltung und dynamische Inszenierung besaß.
Within the Woods wurde nicht für das Kino produziert. Sein eigentlicher Zweck bestand darin, potenziellen Geldgebern zu zeigen, wie ein längerer Horrorfilm dieser Machart aussehen könnte. Die Rechnung ging auf: Mehrere Investoren erklärten sich bereit, Geld für einen professionellen Spielfilm bereitzustellen.
Damit war der Grundstein für The Evil Dead gelegt.
Heute besitzt Within the Woods unter Fans beinahe legendären Status. Offiziell wurde der Kurzfilm nie regulär veröffentlicht und ist deshalb bis heute nur eingeschränkt zugänglich. Dennoch gilt er als unmittelbarer Vorläufer der späteren Filmreihe und als entscheidender Schritt auf dem Weg zur Entstehung eines der berühmtesten Horror-Franchises überhaupt.
Sam Raimi, Bruce Campbell und Robert G. Tapert – Das kreative Herz der Reihe
Der außergewöhnliche Erfolg von Evil Dead ist eng mit der Zusammenarbeit dreier Männer verbunden, die sich über Jahrzehnte gegenseitig ergänzten.
Sam Raimi
Sam Raimi wurde am 23. Oktober 1959 in Royal Oak, Michigan, geboren. Schon früh entwickelte er eine Leidenschaft für Horrorfilme, Slapstick-Komödien und das klassische Abenteuerkino. Besonders die Werke der Three Stooges beeinflussten seinen Humor nachhaltig. Gleichzeitig bewunderte er Regisseure wie Alfred Hitchcock und entwickelte ein großes Interesse an ungewöhnlichen Kameraperspektiven.
Mit Evil Dead gelang Raimi der internationale Durchbruch. Später etablierte er sich endgültig in Hollywood und inszenierte unter anderem die erfolgreiche Spider-Man-Trilogie mit Tobey Maguire sowie zahlreiche weitere Kino- und Fernsehproduktionen.
Trotz seines späteren Erfolgs blieb Raimi der Evil-Dead-Reihe eng verbunden. Auch nachdem andere Regisseure die Kinofilme übernahmen, wirkte er als Produzent und Executive Producer maßgeblich an der Weiterentwicklung des Franchise mit.
Bruce Campbell
Bruce Campbell wurde am 22. Juni 1958 in Royal Oak, Michigan, geboren. Bereits in den gemeinsamen Amateurfilmen mit Raimi fiel sein außergewöhnlicher körperlicher Einsatz auf. Während viele Schauspieler gefährliche Szenen lieber Doubles überlassen, führte Campbell zahlreiche Stunts selbst aus.
Mit der Rolle des Ash Williams wurde er weltweit zur Kultfigur. Anders als klassische Actionhelden ist Ash kein perfekter Kämpfer. Er macht Fehler, gerät ständig in Schwierigkeiten und reagiert oft überfordert auf die Ereignisse. Gerade diese Mischung aus Mut, Selbstüberschätzung und trockenem Humor machte ihn zu einer der beliebtesten Figuren des Horrorfilms.
Neben Evil Dead arbeitete Campbell regelmäßig mit Sam Raimi zusammen und übernahm zahlreiche Gastrollen in dessen Produktionen.
Robert G. Tapert
Robert Gerard Tapert wurde am 14. Mai 1955 in Royal Oak, Michigan, geboren. Während Raimi und Campbell meist im Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit standen, entwickelte sich Tapert zu einem der wichtigsten Produzenten im Horror- und Fernsehbereich.
Bereits beim ersten Evil-Dead-Film koordinierte er Finanzierung, Organisation und Produktion. Ohne seine Arbeit hinter den Kulissen wäre das Projekt kaum realisierbar gewesen.
Auch nach Evil Dead blieb Tapert eng mit Raimi verbunden. Gemeinsam produzierten sie unter anderem die erfolgreiche Fernsehserie Xena – Die Kriegerprinzessin sowie zahlreiche weitere Film- und Fernsehprojekte. Bis heute gilt Tapert als die organisatorische Konstante des gesamten Evil-Dead-Franchise.
Mit der Finanzierung durch die Investoren und einem eingespielten Team begann schließlich die Produktion von The Evil Dead. Niemand der Beteiligten konnte damals ahnen, dass aus ihrem kleinen Independent-Projekt eine der berühmtesten und langlebigsten Horrorfilmreihen der Welt entstehen würde.