Der wundersame Lord Atherton – Maritims viktorianisches Abenteuer zwischen Genialität, Wahnsinn und fantastischen Erfindungen

  • Der wundersame Lord Atherton – Maritims viktorianisches Abenteuer zwischen Genialität, Wahnsinn und fantastischen Erfindungen

    Zwischen Exzentrik, Abenteuerroman und technischer Fantastik – Serienhintergrund

    Der wundersame Lord Atherton ist eine sechsteilige Hörspielserie aus dem Maritim-Verlag, geschrieben von Andreas Masuth. Die Reihe erschien zwischen 2007 und 2009 und gehört zu jenen Produktionen, die sich nicht ohne Weiteres in eine einfache Genre-Schublade stecken lassen. Sie ist kein klassischer Krimi, keine reine Science-Fiction, kein gewöhnliches Historienhörspiel und auch keine Fantasyserie im engen Sinn. Vielmehr verbindet sie viktorianisch anmutende Abenteuerliteratur, technische Fantastik, Familiengeschichte, Reiseerzählung und eine Prise skurrilen britischen Humor.

    Im Mittelpunkt steht Lord Atherton, ein eigenwilliger, hochbegabter und geheimnisvoller Adeliger, der nach einem traumatischen Erlebnis zurückgezogen auf seinem Landsitz Atherton Manor lebt. Er ist ein Mann der Erfindungen, der Pläne, der ungewöhnlichen Bauwerke und der großen Ideen. Schon die Ausgangsfrage der ersten Folgen macht deutlich, dass diese Figur mehr ist als nur ein exzentrischer Lord: Was ist mit Lord Atherton geschehen? Warum verschwindet er? Warum lässt er riesige Mengen Stahl liefern? Und was verbirgt sich auf seinem Anwesen?

    Die Reihe entfaltet daraus eine ungewöhnliche Abenteuerwelt. Lord Atherton ist kein klassischer Held, der mit Pistole, Degen oder Detektivlupe unterwegs ist. Er ist ein Konstrukteur, ein Visionär, ein Sonderling. Seine Erfindungen treiben die Handlung an. Unterirdische Bahnen, fantastische Reisewege, ein Luftschiff namens Ikarus und tödliche technische Entwicklungen gehören zu dieser Welt. Die Serie erzählt damit von einer Zeit, in der Technik noch wie Magie wirken konnte und Erfindungen nicht nur Fortschritt, sondern auch Gefahr bedeuteten.

    Gerade diese Mischung macht Der wundersame Lord Atherton so reizvoll. Die Hörspiele wirken wie eine Verbeugung vor klassischen Abenteuerstoffen, vor Jules Verne, vor britischer Exzentrik, vor alten Reise- und Erfinderromanen. Gleichzeitig besitzen sie eine eigene Handschrift. Andreas Masuth erzählt nicht einfach ein nostalgisches Abenteuer nach, sondern baut eine eigene, leicht schräge Welt um einen Mann, dessen Baukünste und Ideen die Grenzen des Gewöhnlichen sprengen.

    Die Maritim-Reihe – Folgenliste

    Zur Reihe gehören:

    Der wundersame Lord Atherton – Teil 1

    Der wundersame Lord Atherton – Teil 2

    Der wundersame Lord Atherton – Teil 3

    Expedition Ikarus

    Tödliche Erfindungen 1

    Tödliche Erfindungen 2

    Diese sechs Folgen bilden einen zusammenhängenden, aber in mehrere große Abenteuerblöcke gegliederten Zyklus. Die ersten beiden Teile stellen Lord Atherton, seine Familie, seine Getreuen und das Geheimnis um Atherton Manor vor. Die dritte Folge führt die Abenteuer weiter und leitet stärker in die Welt der fantastischen Fortbewegungsmittel und technischen Wunder über. Mit Expedition Ikarus erhält die Reihe einen besonders markanten Mittelpunkt, denn hier tritt Lord Athertons Luftschiff in den Vordergrund. Die beiden Folgen Tödliche Erfindungen bilden schließlich den abschließenden Block und zeigen, dass technische Genialität in dieser Welt immer auch mit Gefahr verbunden ist.

    Schon die Titelliste zeigt sehr deutlich, dass die Serie auf große Abenteuerbewegung angelegt ist. Es geht nicht um kleine Alltagsfälle, sondern um Reisen, Maschinen, Rätsel, verschwundene Personen und Erfindungen, die die Vorstellungskraft übersteigen. Die Reihe beginnt auf Atherton Manor, öffnet sich dann aber immer weiter und führt ihre Figuren in außergewöhnliche Situationen.

    Auffällig ist auch die Veröffentlichungsform. Die Folgen erschienen als Doppel-CDs und waren damit deutlich umfangreicher angelegt als viele kürzere Serienproduktionen. Die Hörspiele nehmen sich Zeit für Dialoge, Atmosphäre, Reisegefühl und Figurenkonstellationen. Dadurch entsteht weniger ein schneller Abenteuercomic als vielmehr ein breit erzähltes, szenisches Hörspiel mit literarischem Anspruch.

    Lord Atherton, Clifford Stenton und Edward Stenton – Die Figurenwelt der Serie

    Im Zentrum steht Lord Atherton selbst. Er ist der titelgebende Mittelpunkt der Reihe, aber nicht immer im klassischen Sinn die durchgehend handelnde Hauptfigur. Gerade seine Abwesenheit, seine Geheimnisse und seine Erfindungen machen ihn so faszinierend. Er ist ein Mann, über den gesprochen wird, nach dem gesucht wird und dessen Pläne andere Figuren erst nach und nach verstehen. Sein Geist liegt über der ganzen Serie, selbst wenn er nicht in jeder Szene unmittelbar präsent ist.

    Lord Atherton ist ein Erfinder und Einsiedler. Nach einem traumatischen Erlebnis hat er sich von der Außenwelt weitgehend zurückgezogen. Dieses Motiv gibt der Figur eine melancholische Tiefe. Er ist nicht bloß ein skurriler Bastler, sondern jemand, dessen Genialität auch mit Verletzung, Rückzug und vielleicht einer gewissen Weltflucht verbunden ist. Seine technischen Projekte wirken dadurch wie mehr als Spielereien. Sie sind Ausdruck eines inneren Zustands, einer Sehnsucht nach Bewegung, Kontrolle und Überwindung der Grenzen, die ihm das Leben gesetzt hat.

    Clifford Stenton und Edward Stenton gehören zu den wichtigsten Figuren der Reihe. Als Neffen Lord Athertons werden sie in die Geheimnisse ihres Onkels hineingezogen und bilden gemeinsam mit ihren Ehefrauen und dem Butler Carter einen zentralen Teil des Ensembles. Clifford und Edward stehen dabei für die jüngere Generation, die mit Lord Athertons exzentrischer Welt konfrontiert wird. Sie müssen nicht nur verstehen, was ihr Onkel gebaut hat, sondern auch, welche Folgen seine Erfindungen haben.

    Lady Alice und Lady Diane erweitern diese Familienkonstellation. Sie sind nicht bloß dekorative Begleiterinnen, sondern Teil der Reisegruppe und der gesellschaftlichen Struktur, aus der die Reihe ihre Spannung bezieht. Die Figuren bewegen sich in einer Welt aus Adel, Dienerschaft, Unternehmertum, Erfindertum und Abenteuer. Dadurch entsteht ein Ensemble, das stark an klassische britische Abenteuer- und Gesellschaftsstoffe erinnert.

    Carter, der Butler, ist eine besonders wichtige Figur, weil er den Ton der Reihe mitprägt. Ein Butler in einem solchen Setting bringt automatisch britischen Humor, Zurückhaltung, Loyalität und eine gewisse trockene Distanz ins Spiel. Carter verbindet das Haus Atherton mit seinen Geheimnissen und ist zugleich ein klassischer Vertreter jener Dienerfiguren, die mehr wissen, als sie zunächst sagen.

    Atherton Manor und die Welt der seltsamen Baukünste

    Atherton Manor ist der zentrale Ausgangspunkt der Serie. Der Landsitz ist mehr als nur ein Wohnort. Er ist Geheimnisraum, Labor, Rückzugsort und Ausgangspunkt fantastischer Reisen. Wenn Lord Atherton sich dorthin zurückzieht, wird das Anwesen selbst zum verschlossenen Rätsel. Was verbirgt sich hinter seinen Mauern? Was wurde dort gebaut? Welche Spuren führen von dort aus in die Welt?

    Die erste große Irritation entsteht durch die gewaltigen Mengen Stahl, die Lord Atherton liefern lässt und die scheinbar spurlos verschwinden. Dieses Motiv ist typisch für die Serie. Ein realistischer Gegenstand – Stahl – wird zum Hinweis auf etwas Unmögliches. Der Hörer ahnt, dass hinter der scheinbar normalen Oberfläche ein technisches Wunder verborgen liegt.

    Lord Athertons Baukünste sind das eigentliche Herz der Reihe. Sie verbinden Ingenieursfantasie mit Abenteuerromantik. Eine unterirdische Einschienenbahn, ein Luftschiff, technische Apparaturen und gefährliche Erfindungen machen seine Welt zu einem Ort, an dem das 19. Jahrhundert in eine alternative, fantastische Richtung kippt. Diese Maschinen sind nicht nur Requisiten, sondern Handlungsmotoren. Sie bringen die Figuren in Bewegung, öffnen neue Räume und schaffen Gefahren.

    Damit nähert sich die Reihe einer steampunkartigen Ästhetik, ohne sich zwingend als Steampunk zu bezeichnen. Es geht um technische Fantasie in historischem Gewand, um Maschinen, die größer, kühner und abenteuerlicher sind als das, was der Alltag kennt. Genau daraus entsteht die Faszination von Der wundersame Lord Atherton.

    Die erste Reise – Das Geheimnis um Lord Atherton

    Die ersten beiden Folgen bilden den Auftakt und führen in das große Geheimnis um Lord Atherton ein. Zunächst steht seine Abwesenheit im Mittelpunkt. Ein Mann, der ohnehin zurückgezogen lebt, ist verschwunden. Zugleich sind gewaltige Stahlmengen verschwunden. Diese beiden Rätsel verbinden sich miteinander und führen die Figuren nach Atherton Manor.

    Gemeinsam mit dem Stahlmagnaten Bradshaw machen sich Lord Athertons Neffen, ihre Ehefrauen und Carter auf die Suche. Schon diese Konstellation ist reizvoll: Familie, Dienerschaft und Industrie treffen aufeinander. Der Adel mit seinen Geheimnissen begegnet der modernen Stahlwelt. Aus dieser Verbindung entsteht genau jene Mischung aus Tradition und Technik, die die Reihe prägt.

    Auf Atherton Manor erwartet die Figuren nicht einfach eine Erklärung, sondern der Beginn einer fantastischen Reise. Lord Athertons Bauwerk führt sie auf eine Route, die alle Erwartungen sprengt. Die unterirdische Einschienenbahn wird zum Symbol seiner Genialität. Sie ist Fortbewegungsmittel, Geheimnis und Abenteuerraum zugleich. Die Figuren folgen dem verschwundenen Lord auf einem Weg, den niemand zuvor für möglich gehalten hätte.

    Der Auftakt funktioniert dadurch wie eine Entdeckungsgeschichte. Die Figuren betreten eine Welt, die scheinbar in ihrer eigenen Gesellschaft verborgen lag. Unter der Oberfläche des Bekannten existiert eine technische Utopie, die zugleich faszinierend und gefährlich ist. Genau dieser Moment des Staunens trägt die ersten Folgen.

  • Expedition Ikarus – Das Luftschiff und der Traum vom Himmel

    Mit Expedition Ikarus erreicht die Reihe einen besonders markanten Punkt. Lord Atherton hat ein Luftschiff gebaut, die Ikarus. Schon der Name ist bedeutungsvoll. Ikarus steht für den Traum vom Fliegen, aber auch für Übermut, Gefahr und Absturz. Damit ist das zentrale Spannungsfeld der Folge bereits im Titel angelegt.

    Die Ikarus wird als herrliches Luftschiff von Eleganz und Komfort beschrieben. Mit ihr soll eine Reise nach Südamerika angetreten werden. Doch wie so oft bei Lord Atherton kippt das Wunder in Gefahr. Als er seinen Neffen Edward und Clifford samt ihren Gemahlinnen seine Erfindung präsentiert, kommt es zur Katastrophe: Das Luftschiff reißt sich los und driftet manövrierunfähig davon.

    Diese Grundsituation ist klassisches Abenteuerkino für die Ohren. Eine Gruppe von Menschen sitzt in einem technischen Wunderwerk fest, das eigentlich Beherrschung und Fortschritt symbolisieren sollte, nun aber zur Gefahr wird. Der Himmel wird zum abgeschlossenen Raum, die Reise zur unfreiwilligen Prüfung und die Erfindung zum Risiko.

    Gerade diese Folge zeigt, wie gut die Reihe mit Bewegung arbeitet. Nach der unterirdischen Reise öffnet sich nun der Himmel. Die Serie denkt Fortbewegung nicht gewöhnlich, sondern extrem: unter der Erde, durch die Luft, über Grenzen hinweg. Lord Atherton ist ein Mann, der Räume neu erschließt. Doch jeder Raum, den er öffnet, bringt auch neue Bedrohungen mit sich.

    Tödliche Erfindungen – Wenn Genialität gefährlich wird

    Die beiden Folgen Tödliche Erfindungen führen das zentrale Motiv der Reihe noch einmal besonders deutlich vor Augen. Technik ist bei Lord Atherton nie nur Fortschritt. Sie ist immer auch Risiko. Eine Erfindung kann retten, staunen lassen, Wege öffnen und Menschen verbinden. Sie kann aber auch zur Waffe werden, außer Kontrolle geraten oder falsche Begehrlichkeiten wecken.

    Der Titel selbst bringt diese Ambivalenz auf den Punkt. Erfindungen sind hier nicht harmlos. Sie können tödlich sein. Dadurch verschiebt sich der Ton der Reihe etwas stärker in Richtung Gefahr und Spannung. Was zuvor vor allem als wundersam, kühn und abenteuerlich erschien, erhält nun eine dunklere Seite.

    In diesen abschließenden Folgen wird die Welt der Serie erweitert. Neben den bekannten Hauptfiguren treten weitere Figuren wie Bürgermeister, Arzt und Jana auf. Dadurch wird deutlich, dass Lord Athertons Erfindungen nicht nur seine Familie oder sein direktes Umfeld betreffen, sondern eine größere gesellschaftliche Wirkung entfalten können. Wenn ein Genie Maschinen baut, bleibt deren Wirkung nicht auf das Labor beschränkt.

    Die Schlussphase der Reihe zeigt damit noch einmal sehr schön, dass Der wundersame Lord Atherton keine reine Erfinderromantik ist. Sie erzählt auch von Verantwortung. Wer außergewöhnliche Dinge erschafft, muss sich fragen lassen, was daraus wird. Genau darin liegt eine ernstere Ebene unter dem Abenteuer.

    Niels Clausnitzer, Torsten Münchow und das große Sprecherensemble

    Das Sprecherensemble ist einer der großen Pluspunkte der Reihe. Niels Clausnitzer spricht Lord Atherton und gibt der Figur Würde, Geheimnis und eine gewisse entrückte Eigenart. Seine Stimme passt hervorragend zu einem exzentrischen Adeligen, der mehr in seinen Ideen und Bauwerken lebt als in der gewöhnlichen Welt.

    Torsten Münchow übernimmt Clifford Stenton und prägt damit eine der zentralen Perspektivfiguren. Philipp Brammer spricht Edward Stenton. Beide bilden gemeinsam die Neffengeneration, die Lord Athertons Geheimnisse entdeckt und an seinen Abenteuern teilnimmt. Melanie Manstein als Lady Alice und Dagmar Dempe als Lady Diane ergänzen diese familiäre Gruppe und bringen weitere stimmliche Farben in das Ensemble.

    Mogens von Gadow ist als Carter, der Butler, besonders wirkungsvoll. Seine Stimme bringt trockene Eleganz, Erfahrung und eine klassische Dienerpräsenz ein. Klaus-Dieter Klebsch spricht den Stahlmagnaten Bradshaw und verleiht der Welt der Industrie und des Unternehmertums Gewicht. Gerade Klebschs markante Stimme passt sehr gut zu einer Figur, die mit Stahl, Kapital und Tatkraft verbunden ist.

    In weiteren Rollen sind unter anderem Michael Habeck als Ramchandra, Udo Schenk als Naresh, Helmut Krauss als Bürgermeister, Roswitha Benda, Eckart Dux und Sandra Schwittau zu hören. Diese Namen zeigen, dass Maritim die Reihe mit erfahrenen und sehr markanten Stimmen besetzte. Dadurch entsteht eine große, teilweise fast filmische Klangwirkung.

    Besonders wichtig ist, dass die Sprecher nicht nur Abenteuerdialoge liefern. Sie müssen auch eine gewisse historische, gesellschaftliche und leicht exzentrische Atmosphäre tragen. Der wundersame Lord Atherton funktioniert nur, wenn man dem Adel, dem Butler, dem Stahlmagnaten, den technischen Wundern und den Reisen in fremde Räume glaubt. Genau das leistet das Ensemble.

    Andreas Masuth, Günther Hoppenstedt und Maritim – Die Macher hinter der Reihe

    Die Reihe stammt aus der Feder von Andreas Masuth. Er gehört zu den Autoren, die im Maritim-Umfeld mehrere markante Hörspielproduktionen prägten. Mit Serien wie Kurier Preston Aberdeen, Planet Eden, Danger und Der wundersame Lord Atherton entwickelte er sehr unterschiedliche Stoffe, die oft durch eine besondere Grundidee, starke Atmosphäre und eine gewisse Genre-Lust auffallen.

    Bei Lord Atherton zeigt Masuth eine besondere Vorliebe für technische Fantastik und erzählerische Exzentrik. Die Reihe wirkt nicht wie eine gewöhnliche Abenteuerhandlung, sondern wie ein literarisch inspirierter Fantasiestoff mit historischer Patina. Die seltsamen Baukünste des Lord Atherton sind dabei nicht nur Aufhänger, sondern Ausdruck einer ganzen Erzählhaltung. Hier darf das Ungewöhnliche groß gedacht werden.

    Die Hörspielbearbeitung wird bei den Produktionen mit Günther Hoppenstedt verbunden. Ton und technische Umsetzung lagen unter anderem bei Michael Garke. Produziert wurde die Reihe vom Maritim-Verlag. Maritim hatte in dieser Phase ein breites Programm aus Krimis, Klassikern, Abenteuer- und Mysteryproduktionen und veröffentlichte Lord Atherton als aufwendig inszeniertes szenisches Hörspiel.

    Die Folgen erschienen als Doppel-CDs. Das gab den Geschichten Raum und unterstrich den Anspruch, nicht nur kurze Serienstoffe abzuliefern, sondern ausgedehnte Hörspielabenteuer zu erzählen. Später wurden die Folgen auch digital zugänglich und im Umfeld von Maritim beziehungsweise Highscore Music weitergeführt.

  • Doppel-CDs, Digitalveröffentlichungen und Sammlerinteresse

    Die ursprünglichen Veröffentlichungen erschienen bei Maritim auf Doppel-CD. Das ist für die Reihe wichtig, weil es ihren Charakter prägt. Der wundersame Lord Atherton ist kein schnelles 45-Minuten-Hörspiel, sondern breit erzähltes Abenteuer. Die Doppel-CD-Form erlaubt längere Szenen, mehr Atmosphäre und eine ruhigere Entwicklung der Handlung.

    Die Reihe erschien zwischen 2007 und 2009. Die erste Folge kam 2007, mehrere Folgen folgten 2008, die letzte 2009. Dadurch besitzt die Serie einen klar umrissenen Veröffentlichungszeitraum. Sie gehört in die Phase, in der Maritim viele neue Serien und Sonderstoffe auf CD veröffentlichte und sich im Hörspielmarkt stark mit klassischen, fantastischen und abenteuerlichen Produktionen positionierte.

    Später wurden die Hörspiele auch digital verfügbar. Dadurch konnten Hörer die Reihe jenseits der ursprünglichen CD-Ausgaben entdecken. Zugleich blieben die CDs für Sammler interessant, weil die Serie mit ihren Doppel-CDs, den Covern und der Maritim-Aufmachung ein klar erkennbares physisches Erscheinungsbild besitzt.

    Auffällig ist, dass die Reihe zwar abgeschlossen wirkt, aber nicht zu einer sehr langen Serie ausgebaut wurde. Sechs Folgen genügen, um Lord Atherton, seine Erfindungen und mehrere große Abenteuer zu erzählen. Gerade diese Begrenzung macht sie heute überschaubar sammelbar.

    Technische Wunder, historische Patina und fantastische Bildwelten – Cover und Erscheinungsbild

    Die Cover der Reihe mussten eine besondere Aufgabe erfüllen. Sie sollten Abenteuer, historische Atmosphäre, Erfindertum und Geheimnis vermitteln. Der wundersame Lord Atherton ist keine Serie, die man allein über Figurenporträts verkaufen kann. Entscheidend sind die Maschinen, die Reisen, die technischen Wunder und der leicht viktorianische Ton.

    Die Gestaltung der CDs arbeitet deshalb mit einer Atmosphäre, die zu alten Abenteuerromanen und fantastischen Reisegeschichten passt. Man erwartet keine moderne Gegenwart, sondern eine Welt aus Herrenhäusern, Luftschiffen, geheimen Bauwerken, Maschinen und exotischen Reisen. Gerade die Cover helfen dabei, diesen Ton schon vor dem Hören anzulegen.

    Die visuelle Identität passt gut zum Maritim-Programm jener Zeit. Sie wirkt erwachsener und literarischer als klassische Kinder- oder Jugendhörspielcover, aber zugleich abenteuerlich genug, um Neugier zu wecken. Für Sammler sind die Cover ein wichtiger Teil des Reizes, weil sie die Reihe als geschlossenes kleines Abenteuerprojekt erkennbar machen.

    Besonders die Motive rund um die Ikarus und die technischen Erfindungen sind zentral. Sie zeigen, worum es in der Serie wirklich geht: nicht nur um Menschen, sondern um Ideen, Bauwerke und Maschinen, die eine eigene erzählerische Kraft besitzen.

    Zwischen Jules Verne, Steampunk und britischer Exzentrik – Einordnung der Reihe

    Der wundersame Lord Atherton lässt sich am besten als fantastische Abenteuerreihe mit viktorianischem Einschlag einordnen. Die Nähe zu Jules Verne liegt auf der Hand, ohne dass die Serie eine direkte Verne-Adaption wäre. Auch dort geht es um Reisen, Maschinen, technische Visionen und die Frage, wie weit menschlicher Erfindergeist gehen kann.

    Gleichzeitig erinnert die Reihe an klassische britische Exzentrikerstoffe. Ein zurückgezogener Lord, ein Manor, Neffen, Ehefrauen, ein Butler und ein Stahlmagnat – all das wirkt wie eine bewusst altmodische Gesellschaftswelt, in die plötzlich technische Wunder einbrechen. Dieser Kontrast zwischen Tradition und Fortschritt trägt die Serie.

    Auch steampunkartige Elemente sind erkennbar. Unterirdische Bahnen, Luftschiffe und gefährliche Apparaturen passen zu einer Fantastik, in der historische Technik weitergedacht wird. Dennoch bleibt die Reihe stärker Abenteuerhörspiel als reine Steampunk-Ästhetik. Sie nutzt das technische Staunen nicht nur als Stilmittel, sondern als Motor der Handlung.

    Innerhalb des Maritim-Katalogs ist Lord Atherton deshalb ein besonderes Stück. Die Reihe ist weniger bekannt als große Krimi- oder Klassikerlinien, aber sie besitzt eine sehr eigene Identität. Sie richtet sich an Hörer, die ungewöhnliche Hörspielstoffe mögen und Freude an altmodisch-fantastischer Abenteuerkunst haben.

    Ein wundersamer Sonderling im Maritim-Katalog – Bedeutung der Reihe

    Die Bedeutung von Der wundersame Lord Atherton liegt vor allem in seiner Eigenständigkeit. Die Reihe folgt keinem bereits übermächtigen Franchise, keiner berühmten literarischen Vorlage und keinem Standardermittler. Sie baut eine eigene Welt um einen exzentrischen Erfinder und seine fantastischen Bauwerke.

    Gerade das macht sie interessant. Im Hörspielmarkt der 2000er-Jahre dominierten häufig Krimis, Mysteryserien, Gruselreihen, Klassikeradaptionen und Jugenddetektive. Lord Atherton bot dagegen ein anderes Abenteuergefühl: technisch, historisch, britisch, skurril und leicht melancholisch.

    Die Serie zeigt außerdem Andreas Masuths Stärke für ungewöhnliche Stoffe. Er entwirft hier keine alltägliche Krimihandlung, sondern eine Welt, in der ein verschwundener Lord und 9.000 Tonnen Stahl zum Beginn einer fantastischen Reise werden. Diese Art von Ausgangsidee ist im Hörspiel selten und macht die Reihe bis heute erinnerungswürdig.

    Für Sammler ist die Serie überschaubar, hochwertig besetzt und klar im Maritim-Programm verankert. Für Hörer ist sie eine Einladung in eine Welt, in der Erfindungen noch Geheimnisse sind und technische Wunder immer auch ein wenig unheimlich bleiben.

    Stahl, Luftschiff und Atherton Manor

    Der wundersame Lord Atherton ist eine der ungewöhnlicheren Hörspielserien aus dem Maritim-Katalog. In sechs Folgen erzählt Andreas Masuth von einem exzentrischen Lord, seinen technischen Visionen, seinen Neffen, ihren Ehefrauen, einem loyalen Butler und Abenteuern, die zwischen unterirdischer Reise, Luftschiffdrama und gefährlichen Erfindungen pendeln.

    Die Reihe lebt von ihrer Atmosphäre. Atherton Manor, die verschwundenen Stahlmengen, die unterirdische Einschienenbahn, das Luftschiff Ikarus und die tödlichen Apparaturen erschaffen eine Welt, die altmodisch, technisch, geheimnisvoll und wundersam zugleich wirkt. Sie erinnert an klassische Abenteuerliteratur, besitzt aber eine eigene Maritim-Handschrift.

    Sprecher wie Niels Clausnitzer, Torsten Münchow, Philipp Brammer, Melanie Manstein, Dagmar Dempe, Mogens von Gadow, Klaus-Dieter Klebsch, Michael Habeck, Udo Schenk, Helmut Krauss, Eckart Dux und Sandra Schwittau geben der Serie einen starken Klang. Ihre Stimmen tragen die Mischung aus Adel, Abenteuer, Exzentrik und Gefahr.

    Produktionstechnisch steht die Reihe für eine Phase, in der Maritim auch ungewöhnlichere Stoffe aufwendig als szenische Hörspiele umsetzte. Doppel-CDs, große Sprecherensembles und eine bewusst klassische Abenteueratmosphäre machen Der wundersame Lord Atherton zu einem besonderen Fundstück der 2000er-Jahre.

    Gerade weil die Serie nicht in ein Standardschema passt, bleibt sie reizvoll. Sie ist ein Hörspiel über technische Träume, über die Schönheit und Gefahr des Erfindergeistes und über einen Lord, dessen Bauwerke größer sind als das Leben, das er eigentlich zurückgezogen führen wollte. Ein wundersames, etwas verschrobenes und sehr eigenständiges Abenteuer im Maritim-Katalog.

  • Freundlicherweise hat Maritim die ersten beiden Folgen bei YouTube eingestellt.

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