Liebe im ersten Semester – Die Podcast-Novela zwischen Campusdrama, Gefühlschaos und Lübbe-Audio-Hörspiel

  • Liebe im ersten Semester – Die Podcast-Novela zwischen Campusdrama, Gefühlschaos und Lübbe-Audio-Hörspiel

    Zwischen Audionovela, Podcast-Pionierzeit und Campus-Soap – Serienhintergrund

    Liebe im ersten Semester ist eine vierteilige Hörspiel-Audionovela von Lübbe Audio, die 2007 erschien und in mehrfacher Hinsicht eine besondere Stellung innerhalb der deutschen Hörspiellandschaft einnimmt. Die Reihe entstand nicht als klassische Kassetten- oder CD-Serie alter Schule, sondern aus dem Umfeld der frühen deutschen Podcast- und Audionovela-Bewegung. Damit gehört sie zu jenen Produktionen, die versuchten, serielle Unterhaltung, junge Zielgruppen, Radioerfahrung, Internetverbreitung und Hörspielproduktion miteinander zu verbinden.

    Im Mittelpunkt steht Felicitas Reincke, eine 19-jährige Abiturientin, die nach einer wenig glücklichen Schulzeit ein neues Leben beginnen möchte. Sie hat ein hervorragendes Abitur gemacht, wurde aber von ihren Mitschülern ausgegrenzt und verspottet. Mit dem Beginn ihres Jurastudiums hofft sie auf einen Neuanfang. Doch das erste Semester wird für sie nicht zur erhofften Befreiung, sondern zu einer Mischung aus Liebeskummer, Intrigen, akademischem Druck, geheimnisvollen Verwicklungen und gefährlichen Entdeckungen.

    Die Serie verbindet Campusdrama, Liebesgeschichte, Soap-Elemente und Krimihandlung. Es geht um den Start an der Universität, um soziale Unsicherheit, um erste große Gefühle, um Rivalitäten unter Studierenden, um Machtspiele zwischen Lehrenden und Studierenden und um einen Kriminalfall, der immer stärker in Felicitas’ neues Leben hineinwirkt. Gerade diese Mischung macht die Reihe aus: Sie ist keine reine Romanze, aber auch kein harter Krimi. Sie ist eine Hörspiel-Soap mit romantischer und kriminalistischer Handlung.

    Als „Audionovela“ steht Liebe im ersten Semester deutlich in der Tradition serieller Erzählformen. Die Geschichte ist auf Fortsetzung, Cliffhanger, emotionale Zuspitzung und Wiedererkennung angelegt. Jede Folge bringt Felicitas tiefer in ihr neues Umfeld hinein und verschärft zugleich die Konflikte. Die Universität wird dabei zum Schauplatz eines neuen Lebensabschnitts, aber auch zu einem Ort, an dem Macht, Geheimnisse und Gefühle gefährlich durcheinandergeraten.

    Die Lübbe-Audio-Reihe – Folgenliste

    Zur Reihe gehören:

    Ein neues Leben

    Der Traumprinz

    Auf der schiefen Bahn

    Entscheidung der Gefühle

    Diese vier Folgen bilden die veröffentlichte Lübbe-Audio-Reihe. Jede Folge erschien als Hörspiel-Audionovela und erzählt einen Abschnitt aus Felicitas Reinckes erstem Semester. Die Reihe ist damit deutlich kompakter als die ursprünglich serielle Podcast-Fassung, aus deren Umfeld sie hervorging, besitzt aber weiterhin den Charakter einer fortlaufenden Geschichte.

    Ein neues Leben führt Felicitas Reincke ein. Nach einer Schulzeit voller Spott und Ausgrenzung möchte sie an der Universität endlich neu anfangen. Sie beginnt ein Jurastudium, weil sie an Gerechtigkeit glaubt und besonders für Schwächere eintreten möchte. Doch statt eines einfachen Neuanfangs trifft sie auf neue Widerstände, unangenehme Kommilitonen, eine schwierige Professorin und erste Hinweise auf einen mysteriösen Fall.

    Der Traumprinz rückt stärker Felicitas’ Gefühle für den Dozenten Jan Keller in den Mittelpunkt. Zugleich verschärfen sich die Konflikte mit Ilka von Schönleben und Professorin Rebecca Hausmann. Felicitas ahnt, dass zwischen Jan Keller und Ilka mehr steckt, als offen ausgesprochen wird. Ihre Neugier und ihr Gerechtigkeitssinn bringen sie dabei immer tiefer in Verwicklungen hinein.

    Auf der schiefen Bahn führt die Handlung weiter in Richtung Gefahr und Kriminalfall. Felicitas steckt längst nicht mehr nur in einem gewöhnlichen Uni- und Liebeschaos. Die Machenschaften rund um Manfred Schwarz und die Verbindung zu Professorin Hausmann machen deutlich, dass hinter den persönlichen Konflikten auch dunklere Interessen stehen.

    Entscheidung der Gefühle bildet den Abschluss der veröffentlichten Reihe. Der Titel zeigt bereits, dass hier emotionale und dramatische Entscheidungen zusammenlaufen. Felicitas muss sich nicht nur mit ihren Gefühlen auseinandersetzen, sondern auch mit den Konsequenzen dessen, was sie im Verlauf ihres ersten Semesters entdeckt hat.

    Felicitas Reincke – Eine Außenseiterin sucht ihren Platz

    Felicitas Reincke ist die zentrale Figur der Reihe. Sie ist 19 Jahre alt, intelligent, ehrgeizig und verletzlich. Ihr sehr gutes Abitur hat ihr zwar fachlich alle Möglichkeiten eröffnet, sozial aber war ihre Schulzeit alles andere als leicht. Sie wurde als Streberin abgestempelt, verspottet und ausgegrenzt. Diese Vorgeschichte ist wichtig, weil sie Felicitas’ Verhalten an der Universität erklärt. Sie möchte nicht mehr das Mädchen sein, das von anderen klein gemacht wird. Sie will sich beweisen, ernst genommen werden und ein neues Leben beginnen.

    Ihr Jurastudium ist dabei mehr als nur eine Studienwahl. Felicitas verbindet damit eine Idee von Gerechtigkeit. Sie möchte für Schwächere eintreten, Unrecht erkennen und sich nicht einfach mit bestehenden Machtverhältnissen abfinden. Genau dieser Idealismus macht sie sympathisch, bringt sie aber auch in Schwierigkeiten. Denn Felicitas kann nicht gut wegsehen. Wenn sie spürt, dass etwas nicht stimmt, beginnt sie nachzufragen.

    Gleichzeitig ist sie keine unantastbare Heldin. Sie ist unsicher, verliebt sich, lässt sich von Gefühlen leiten und überschätzt manchmal ihre Möglichkeiten. Gerade das macht sie als Hauptfigur einer Audionovela passend. Sie trägt nicht nur eine Handlung, sondern eine emotionale Entwicklung. Der Hörer erlebt mit ihr die Hoffnung auf Neuanfang, die Enttäuschung über neue Konflikte, das Kribbeln einer ersten großen Verliebtheit und die Angst, in Dinge hineingezogen zu werden, die gefährlicher sind als gedacht.

    Felicitas ist damit eine typische, aber wirkungsvolle Soap-Hauptfigur. Sie bringt Verletzlichkeit, Moral, Neugier und romantische Sehnsucht zusammen. Ihr erstes Semester wird zur Prüfung: Wird sie sich behaupten können, oder wieder in eine Rolle gedrängt, aus der sie eigentlich entkommen wollte?

    Jan Keller, Ilka von Schönleben und Rebecca Hausmann – Die wichtigsten Gegenspieler und Bezugspunkte

    Jan Keller ist eine der zentralen Figuren in Felicitas’ neuer Uni-Welt. Er ist Dozent, wirkt smart, intelligent und anziehend. Felicitas verliebt sich in ihn, doch diese Gefühle werden durch Geheimnisse und Andeutungen belastet. Jan scheint eine Vergangenheit zu haben, über die nicht offen gesprochen wird. Besonders Ilka von Schönleben nutzt dieses Wissen oder diese Andeutungen, um Druck auszuüben.

    Ilka von Schönleben ist eine durchtriebene Kommilitonin und eine wichtige Gegenspielerin für Felicitas. Sie verkörpert genau jene Art sozialer Konkurrenz, der Felicitas eigentlich entkommen wollte. Ilka ist nicht einfach nur unsympathisch, sondern strategisch. Sie weiß, wie man andere verunsichert, wie man Informationen einsetzt und wie man Macht im sozialen Raum einer Universität ausübt. Dadurch wird sie zu einer Figur, die sowohl im Liebes- als auch im Intrigenstrang der Reihe wichtig ist.

    Professorin Rebecca Hausmann steht für eine weitere Form von Druck. Sie ist eine Autoritätsfigur an der Universität und macht Felicitas das Leben schwer. Ihre Rolle verschärft das Gefühl, dass Felicitas auch im Studium nicht einfach frei durchstarten kann. Die neue Welt ist nicht automatisch gerechter als die alte Schulwelt. Auch hier gibt es Hierarchien, Abhängigkeiten und Menschen, die ihre Position ausspielen.

    Manfred Schwarz, der Bruder von Professorin Hausmann, bringt den kriminalistischen Strang stärker ins Spiel. Durch ihn bekommt die Geschichte eine gefährlichere Ebene. Felicitas’ Neugier führt sie nicht nur in emotionale Verwicklungen, sondern auch in Situationen, die mit kriminellen Machenschaften verbunden sind.

    Universität, Jura und der Traum vom Neuanfang – Die Welt der Serie

    Die Universität ist der zentrale Schauplatz von Liebe im ersten Semester. Sie wird nicht als nüchterner Lernort dargestellt, sondern als soziale Bühne. Hier treffen Hoffnungen, Eitelkeiten, Konkurrenz, Machtverhältnisse, Liebesfantasien und alte Verletzungen aufeinander. Für Felicitas ist die Uni zunächst ein Versprechen: Endlich raus aus der Schule, endlich neue Menschen, endlich die Chance, anders wahrgenommen zu werden.

    Doch die Serie zeigt schnell, dass ein neuer Ort nicht automatisch ein neues Leben bedeutet. Felicitas nimmt ihre Unsicherheiten mit. Menschen wie Ilka oder Professorin Hausmann sorgen dafür, dass alte Muster wiederkehren. Wer früher Außenseiterin war, wird nicht über Nacht selbstsicher. Genau daraus entsteht die emotionale Spannung der Reihe.

    Das Jurastudium passt sehr gut zur Figur. Felicitas will Gerechtigkeit. Sie möchte nicht nur lernen, sondern verstehen, wie Recht und Unrecht funktionieren. Die Reihe nutzt diesen Hintergrund, um ihren moralischen Kompass zu erklären. Felicitas ist nicht zufällig in einem beliebigen Studienfach gelandet. Jura gibt ihrer Neugier, ihrem Gerechtigkeitssinn und ihrer Bereitschaft, sich einzumischen, einen Rahmen.

    Gleichzeitig bleibt das Universitätsmilieu in der Audionovela bewusst soaphaft zugespitzt. Professorinnen, Dozenten, Kommilitoninnen, Geheimnisse und Affären sind nicht nur realistische Bestandteile eines Campuslebens, sondern dramaturgische Werkzeuge. Die Uni ist Bühne, Prüfungsraum und Gefahrenzone zugleich.

  • Podcast-Novela, Radio und frühe serielle Audioformate – Das besondere Konzept

    Besonders interessant ist die Herkunft von Liebe im ersten Semester aus der frühen Podcast-Novela-Zeit. Die Geschichte wurde als serielle Audioerzählung konzipiert und gehört zu den frühen deutschsprachigen Beispielen fiktionaler Podcastunterhaltung. Die ursprüngliche Fassung bestand aus 60 kurzen Episoden von etwa zehn Minuten Länge. Dieses Format war stark auf regelmäßiges Hören, Fortsetzung und serielle Bindung angelegt.

    Damit unterscheidet sich die Reihe deutlich von klassischen Hörspielen, die als abgeschlossene 45- oder 60-Minuten-Produktionen erscheinen. Eine Novela arbeitet anders. Sie setzt auf tägliche oder regelmäßige Wiederkehr, kleine dramatische Wendungen, emotionale Haken und eine Handlung, die sich nach und nach entfaltet. Das ist näher an Daily Soap, Telenovela oder Radiodrama als an einem klassischen Einzelhörspiel.

    Für die spätere Lübbe-Audio-Veröffentlichung wurde diese serielle Struktur in vier längere Folgen überführt. Trotzdem bleibt der Ursprung spürbar. Die Reihe denkt in Episoden, Konflikten, Entwicklungen und Fortsetzungsspannung. Figuren werden nicht nur für einen Fall eingeführt, sondern über mehrere Handlungsschritte hinweg aufgebaut.

    Gerade in den 2000er-Jahren war dieses Konzept spannend. Podcasting steckte im deutschsprachigen Raum noch in einer frühen Phase, und fiktionale Serien waren dort längst nicht so selbstverständlich wie heute. Liebe im ersten Semester zeigt deshalb einen Moment, in dem Produzenten ausprobierten, wie Hörspiel, Podcast, Radio, junge Zielgruppen und kommerzielle Veröffentlichung zusammenfinden könnten.

    Silvana Katzer, Nicole von Wagner und das Sprecherensemble

    Die Hauptrolle der Felicitas Reincke wird von Silvana Katzer gesprochen. Ihre Stimme trägt die emotionale Perspektive der Reihe. Felicitas muss intelligent, unsicher, verletzlich, neugierig und verliebt klingen. Sie ist keine glatte Heldin, sondern eine junge Frau im Übergang. Silvana Katzer gibt ihr jene Mischung aus Naivität, Idealismus und Entschlossenheit, die die Figur braucht.

    Nicole von Wagner spricht Ilka von Schönleben. Diese Rolle ist für die Dynamik der Reihe besonders wichtig, weil Ilka Felicitas immer wieder herausfordert und verunsichert. Sie muss charmant, überlegen, durchtrieben und unangenehm wirken können, ohne zur Karikatur zu werden. Gerade als Gegenspielerin im Campus- und Liebesgeflecht ist Ilka eine der auffälligsten Figuren.

    Gerlinde Jänicke ist als Rebecca Hausmann zu hören. Ihre Figur steht für akademische Autorität und Druck. Sie gehört zu den Erwachsenen, die Felicitas’ Weg an der Uni erschweren und zugleich mit dem größeren Konflikt der Reihe verbunden sind.

    Zum Ensemble gehören außerdem Dietmar Wunder, Dominic Boeer, Engelbert von Nordhausen, Jeffrey Wipprecht, Marcus Kaiser, Oliver Bender, Peggy Sander und Vivian Kaiser. Diese Namen zeigen, dass die Produktion nicht mit Laien besetzt wurde, sondern auf professionelle Stimmen aus Synchron, Hörfunk und Audioproduktion setzte. Gerade für eine Audionovela ist das wichtig, weil viele Szenen stark dialoggetragen sind.

    Die Sprecherinnen und Sprecher müssen nicht nur Handlung vermitteln, sondern auch Soap-Ton treffen. Es braucht Emotion, Tempo, Zuspitzung und klare Figurenprofile. Die Reihe lebt davon, dass man sofort erkennt, wer in welchem sozialen Verhältnis zu Felicitas steht: Freundin, Konkurrentin, Autorität, romantische Projektionsfigur oder Gefahr.

    Jeffrey Wipprecht, PodcastFabrik und Lübbe Audio – Die Macher hinter der Reihe

    Die zentrale kreative Figur hinter Liebe im ersten Semester ist Jeffrey Wipprecht. Er entwickelte die Idee, war an Produktion und Regie beteiligt und prägte das Projekt aus dem Umfeld der PodcastFabrik heraus. Die Produktion gehörte zu den frühen Versuchen, eine fiktionale Audio-Novela für das Podcast-Zeitalter zu entwickeln.

    Die PodcastFabrik entstand in einem Umfeld von Radio- und Medienmachern, die neue digitale Ausspielwege nutzen wollten. Liebe im ersten Semester war dabei eines der auffälligsten Projekte: eine serielle Hörspielgeschichte, produziert mit professionellen Stimmen, gedacht für regelmäßiges Hören und junge Zielgruppen. Partner und Medienumfeld spielten dabei ebenfalls eine Rolle, weil das Projekt nicht nur als Tonträger, sondern auch als Audioformat im digitalen und radiobezogenen Raum gedacht war.

    Lübbe Audio veröffentlichte die Serie später als vierteilige Audionovela auf CD. Dadurch wurde aus der Podcast- beziehungsweise Episodenstruktur eine handelbare Hörspielreihe für den Audiomarkt. Lübbe Audio griff damit ein Format auf, das zwischen Hörspiel, Hörbuch, Soap und Podcast stand und im damaligen Programm auffällig anders wirkte als klassische Krimis, Thriller oder Literaturlesungen.

    Die Produktion steht dadurch an einer interessanten Schnittstelle. Sie ist einerseits ein Jugend- und Liebesdrama, andererseits ein Medienexperiment der 2000er-Jahre. Sie zeigt, wie früh im deutschsprachigen Raum versucht wurde, serielle Audiofiktion abseits klassischer Rundfunk- und Kassettenstrukturen zu etablieren.

    CD, Download, YouTube und Streaming – Veröffentlichungsgeschichte

    Die vier Lübbe-Audio-Folgen erschienen 2007 als Hörspiel-Audionovela auf CD. Jede Folge hatte eine Laufzeit von ungefähr zweieinhalb Stunden und wurde als eigenständige Veröffentlichung mit eigener ISBN geführt. Damit unterschied sich die CD-Fassung deutlich von den kurzen ursprünglichen Podcast-Episoden, bündelte aber denselben seriellen Erzählansatz in längeren Einheiten.

    Später wurde Liebe im ersten Semester auch digital verfügbar. Die Folgen beziehungsweise die zusammengefasste komplette Audionovela tauchten auf Plattformen wie YouTube, Audible, Spotify und anderen Audioportalen auf. Dadurch erhielt die Reihe ein zweites Leben außerhalb des ursprünglichen CD-Marktes.

    Interessant ist dabei, dass die Reihe in unterschiedlichen Kontexten unterschiedlich wahrgenommen wurde. Als CD-Veröffentlichung war sie eine Lübbe-Audio-Hörspielreihe. Als Podcast-Novela war sie ein frühes Beispiel serieller Online-Audiofiktion. Als spätere digitale Komplettfassung wurde sie wiederum eher wie ein langer Hörspielroman oder eine Audio-Soap gehört.

    Gerade diese verschiedenen Veröffentlichungsformen passen zur Identität der Reihe. Liebe im ersten Semester gehört nicht eindeutig nur in eine Schublade. Sie ist Hörspiel, Audionovela, Podcastprojekt, Campussoap und Liebesdrama zugleich.

    Campus, Gefühle und junge Zielgruppe – Cover und Erscheinungsbild

    Die Cover der Lübbe-Audio-Veröffentlichungen sind stark auf die Zielgruppe und das Genre ausgerichtet. Sie wirken nicht wie klassische Krimi- oder Literaturhörspielcover, sondern wie moderne Jugend- beziehungsweise Liebesunterhaltung der 2000er-Jahre. Der Begriff „Audionovela“ signalisiert bereits, dass es um serielle Emotion, Drama und Fortsetzung geht.

    Optisch musste die Reihe mehrere Dinge zugleich vermitteln: Universität, junge Liebe, Konflikt, Spannung und modernes Lebensgefühl. Die Cover stehen damit deutlich näher bei Soap, Telenovela und Young-Adult-Drama als bei traditionellen Hörspielserien. Genau das passt zur inhaltlichen Ausrichtung. Felicitas’ erstes Semester ist kein nüchterner Bildungsroman, sondern ein emotional aufgeladener Neustart.

    Auch die CD-Ausgaben spiegeln die damalige Übergangszeit des Audiomarktes. Sie gehören noch klar zur physischen Veröffentlichungskultur, stehen aber inhaltlich und konzeptionell bereits stark in Richtung Podcast und digitaler Serie. Dadurch wirken sie heute wie ein Zeitdokument: ein klassisches CD-Produkt für ein Format, das eigentlich schon in eine neue Audiozukunft deutete.

    Für Sammler sind die CDs interessant, weil die Reihe überschaubar geblieben ist. Vier Folgen bilden einen klaren Block. Gleichzeitig ist die Serie speziell genug, um nicht ständig im Fokus großer Hörspielklassiker zu stehen. Gerade das macht sie zu einem kleinen, ungewöhnlichen Fundstück im Lübbe-Audio-Katalog.

  • Zwischen Telenovela, Campusroman und Krimispannung – Dramaturgie der Reihe

    Die Dramaturgie von Liebe im ersten Semester folgt stark dem Prinzip der Novela. Es gibt eine junge Hauptfigur, einen Neuanfang, emotionale Hindernisse, eine romantische Sehnsucht, Gegenspielerinnen, Geheimnisse und eine sich zuspitzende Gefahr. Die Handlung ist auf Fortsetzung angelegt und lebt von emotionalen Wendepunkten.

    Felicitas’ erstes Semester wird dabei zur Bühne für mehrere Konfliktlinien. Da ist zunächst ihr Wunsch, endlich nicht mehr Außenseiterin zu sein. Dann kommt ihre Verliebtheit in Jan Keller hinzu. Dazu treten Ilkas Intrigen, Rebecca Hausmanns Druck und die kriminellen Machenschaften, die Felicitas immer stärker beschäftigen. Diese Ebenen greifen ineinander und sorgen dafür, dass die Reihe zwischen Liebesgeschichte und Krimi pendelt.

    Der Soap-Charakter zeigt sich besonders in der Art, wie Beziehungen erzählt werden. Es geht nicht nur darum, was passiert, sondern wie Figuren Informationen gegeneinander einsetzen. Wer weiß was? Wer verschweigt etwas? Wer spielt mit Gefühlen? Wer ist ehrlich, wer manipuliert? Diese Fragen treiben die Handlung ebenso stark voran wie der eigentliche Kriminalfall.

    Gleichzeitig bleibt die Reihe emotional bewusst zugespitzt. Felicitas ist 19, beginnt ein neues Leben und erlebt vieles mit großer Intensität. Das passt zur Zielgruppe und zum Genre. Liebe im ersten Semester will kein kühles Uni-Drama sein, sondern eine Audio-Soap, in der Gefühle, Gefahr und Selbstfindung miteinander verschmelzen.

    Eine frühe deutsche Podcast-Novela – Bedeutung der Reihe

    Die Bedeutung von Liebe im ersten Semester liegt weniger darin, dass die Reihe zu einem großen langlebigen Klassiker wurde. Viel wichtiger ist ihre Stellung als frühes Experiment serieller deutscher Audiofiktion im Podcast- und Digitalumfeld. Die Produktion entstand zu einer Zeit, in der fiktionale Podcasts in Deutschland noch keine Selbstverständlichkeit waren.

    Mit 60 kurzen Episoden in der ursprünglichen Podcast-Novela-Fassung und der späteren vierteiligen Lübbe-Audio-Veröffentlichung steht die Reihe an der Schnittstelle zwischen alter und neuer Audiowelt. Sie nutzt professionelle Hörspielmittel, denkt aber in serieller, regelmäßiger und digital verbreitbarer Form. Damit war sie ihrer Zeit in gewisser Weise voraus.

    Auch inhaltlich zeigt sie einen Versuch, das Hörspiel für eine junge erwachsene Zielgruppe zu öffnen. Statt Kinderabenteuer, Grusel, Krimi oder Fantasy ging es um Studium, Liebe, Mobbingerfahrung, Selbstfindung, Intrigen und romantische Spannung. Das war innerhalb des damaligen Hörspielmarktes nicht alltäglich.

    Heute wirkt Liebe im ersten Semester deshalb wie ein Zeitdokument der 2000er-Jahre: Campussoap, Podcastaufbruch, CD-Veröffentlichung, professionelle Synchronstimmen und der Versuch, junge Hörerinnen und Hörer mit einer fortlaufenden Audionovela zu erreichen.

    Felicitas, der Traumprinz und der Beginn eines neuen Lebens

    Liebe im ersten Semester ist eine ungewöhnliche Hörspielreihe, weil sie mehrere Welten miteinander verbindet. Sie ist Campusdrama, Liebesgeschichte, Krimihandlung, Audionovela und frühes Podcastprojekt zugleich. In vier Lübbe-Audio-Folgen erzählt sie von Felicitas Reincke, die nach einer schwierigen Schulzeit an der Universität ein neues Leben beginnen will und dort sofort in neue Konflikte, Gefühle und Gefahren gerät.

    Die Reihe lebt von ihrer Hauptfigur. Felicitas ist klug, verletzlich, idealistisch und neugierig. Ihr Wunsch nach Gerechtigkeit führt sie ins Jurastudium, aber auch mitten hinein in Intrigen, Machtspiele und Geheimnisse. Figuren wie Ilka von Schönleben, Rebecca Hausmann, Jan Keller und Manfred Schwarz machen aus dem ersten Semester eine emotionale und kriminalistische Bewährungsprobe.

    Sprecherisch prägen Silvana Katzer als Felicitas, Nicole von Wagner als Ilka, Gerlinde Jänicke als Rebecca Hausmann sowie Dietmar Wunder, Dominic Boeer, Engelbert von Nordhausen, Jeffrey Wipprecht, Marcus Kaiser, Oliver Bender, Peggy Sander und Vivian Kaiser die Reihe. Hinter dem Projekt steht Jeffrey Wipprecht mit der PodcastFabrik, während Lübbe Audio die Audionovela als vierteilige Hörspielveröffentlichung auf CD herausbrachte.

    Gerade aus heutiger Sicht ist Liebe im ersten Semester besonders interessant. Die Reihe zeigt einen frühen Versuch, serielle Audiofiction im deutschen Podcast- und Hörspielmarkt zu etablieren. Sie ist kein großer Klassiker im üblichen Sinn, sondern ein Stück Mediengeschichte: jung, soaphaft, dramatisch, experimentierfreudig und fest verbunden mit jener Zeit, in der das Hörspiel begann, neue digitale Wege zu suchen.

  • Es gibt tatsächlich einen Trailer dazu:

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