Tina Turner - Wildest Dreams - 30th Anniversary Deluxe Edition (CD Kritik)

  • Tina Turner - Wildest Dreams - 30th Anniversary Deluxe Edition

    Es gibt Jubiläumseditionen, die wirken wie eine Pflichtübung. Und es gibt solche, bei denen man sofort merkt: Hier wird nicht einfach ein Album neu aufgelegt, hier wird eine ganze Ära noch einmal geöffnet. Wildest Dreams gehört eindeutig zur zweiten Sorte. Dreißig Jahre nach seiner ursprünglichen Veröffentlichung erscheint Tina Turners neuntes Studioalbum in einer aufwendig ausgestatteten Deluxe Edition – und plötzlich wird wieder deutlich, wie groß diese Phase ihrer Karriere eigentlich war.

    Das Originalalbum von 1996 war schon damals ein Werk mit enormem Selbstbewusstsein. Tina Turner musste niemandem mehr etwas beweisen, und genau so klingt Wildest Dreams: erwachsen, souverän, international, elegant produziert. Songs wie „Whatever You Want“, „On Silent Wings“, „Goldeneye“ oder „Something Beautiful Remains“ zeigen eine Künstlerin, die ihre Stimme nicht mehr als reine Rockröhre einsetzt, sondern als Ausdruck von Würde, Erfahrung und Stärke.

    Besonders spannend ist, wie breit das Album damals aufgestellt war. „Goldeneye“ bringt Bond-Dramatik, „Confidential“ trägt die Handschrift der Pet Shop Boys, „In Your Wildest Dreams“ setzt mit Barry White auf samtige Duett-Atmosphäre, während „On Silent Wings“ mit Sting eine beinahe majestätische Weite entwickelt. Das ist kein Album aus einem Guss im engen Sinn, sondern ein großes, luxuriöses Pop-Panorama – und genau darin liegt sein Reiz.

    Das Remaster gibt den Songs nun spürbar mehr Klarheit. Die Produktion der 90er bleibt natürlich hörbar, aber sie wirkt nicht angestaubt. Gerade die Balladen gewinnen an Raum, während die kräftigeren Stücke mehr Druck bekommen. Man hört wieder, wie kontrolliert und gleichzeitig kraftvoll Tina Turner hier singt. Diese Stimme trägt selbst dann, wenn ein Arrangement etwas sehr zeittypisch daherkommt.

    Die zweite CD mit Bonusmaterial, Mixen und seltenen Tracks ist vor allem für Fans interessant. Nicht alles davon ist unverzichtbar, aber es erweitert das Bild dieser Ära. Gerade die alternativen Versionen von „Goldeneye“, „Whatever You Want“ und „Something Beautiful Remains“ zeigen, wie sehr man damals mit unterschiedlichen Klangfarben gearbeitet hat.

    Der eigentliche Schatz dieser Box liegt aber im Live-Material. Das bislang unveröffentlichte Konzert aus dem Wembley-Stadion von 1996 zeigt Tina Turner in einer Phase absoluter Bühnenmacht. „The Best“, „What’s Love Got To Do With It“, „Private Dancer“, „Proud Mary“ und „Nutbush City Limits“ sind hier keine bloßen Klassiker, sondern Triumphzüge. Man hört eine Künstlerin, die ein Stadion nicht einfach bespielt, sondern beherrscht.

    Auch die Blu-ray mit „Live In Amsterdam“ ist ein enormer Mehrwert. Der Konzertfilm fängt diese Mischung aus Glamour, Disziplin, Energie und Publikumsnähe hervorragend ein. Gerade im Zusammenspiel aus Studioalbum, Wembley-Konzert und Amsterdam-Film entsteht ein vollständiges Bild dieser Wildest Dreams-Ära.

    Natürlich ist Wildest Dreams nicht das roheste oder gefährlichste Tina-Turner-Album. Es ist glatt, groß produziert und stellenweise sehr erwachsen im besten wie im etwas sicheren Sinn. Aber gerade diese Souveränität macht es heute so faszinierend. Hier steht keine Künstlerin am Anfang, sondern eine Legende auf voller Höhe ihrer späten Weltkarriere.

    Diese Deluxe Edition ist deshalb mehr als nur eine Neuauflage. Sie ist eine würdige Erinnerung an Tina Turner als Weltstar, Live-Gigantin und Sängerin mit unverwechselbarer Autorität.

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