Masters of the Universe – Mit Schwert, Selbstironie und sehr viel Plastik-Pathos zurück nach Eternia
Masters of the Universe hat mich im Kino auf eine Weise überrascht, mit der ich nach den Trailern ehrlich gesagt nicht unbedingt gerechnet hätte. Ich bin nicht hineingegangen mit der Erwartung, hier ein großes Fantasy-Epos zu sehen, das nun endlich den He-Man-Mythos auf eine wirklich zeitlose Ebene hebt. Dafür ist diese Welt aus Zauberschwert, Muskelheld, sprechendem Tiger, Skeletor und Namen wie Fisto, Ram-Man oder Evil-Lyn einfach zu sehr in ihrer eigenen, herrlich absurden Spielzeuglogik verwurzelt. Aber genau das scheint Regisseur Travis Knight verstanden zu haben. Dieser Film versucht gar nicht erst, aus Masters of the Universe etwas zu machen, das es nie war. Er nimmt die Vorlage ernst genug, um sie nicht zu verraten, aber nie so ernst, dass man sich ständig fremdschämen müsste.
Gerade dieser selbstironische Zugang rettet den Film immer wieder. Natürlich ist die Handlung dünn. Prinz Adam wird als Kind von Eternia auf die Erde geschickt, verliert das Schwert der Macht, wächst dort als etwas weltfremder Erwachsener auf und muss schließlich zurückkehren, um seine Heimat von Skeletor zu befreien. Das ist im Grunde klassische Heldenreise mit sehr viel Neon, Leder, Metall, Synthesizer und Fantasy-Kitsch. Aber der Film weiß um diese Einfachheit. Er tut nicht so, als würde er gerade Shakespeare erzählen. Er weiß, dass ein erwachsener Mann namens He-Man mit einem Zauberschwert durch eine Welt voller Actionfiguren läuft – und genau daraus zieht er seinen Charme.
Nicholas Galitzine funktioniert als Adam erstaunlich gut. Er spielt ihn nicht als unantastbaren Muskelgott, sondern eher als jemanden, der nie ganz erwachsen geworden ist, weil er immer an eine Welt geglaubt hat, die auf der Erde niemand ernst nehmen konnte. Diese Mischung aus Verlorenheit, Naivität und späterem Heldentum gibt der Figur mehr Sympathie, als ich erwartet hätte. Besonders schön ist, dass der Film Männlichkeit nicht nur über Muskeln und Gewalt definiert, sondern Adam als jemanden zeigt, der lieber zuhört, vermittelt und Konflikte lösen möchte, bevor er zuschlägt. Das ist manchmal etwas sehr deutlich formuliert, passt aber überraschend gut zu dieser Neuinterpretation.
Visuell ist Masters of the Universe allerdings ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ist Eternia bunt, überladen und oft wirklich nah an dem Gefühl eines zum Leben erwachten Spielzeugregals. Andererseits sieht vieles sehr künstlich aus. Manche Kulissen wirken weniger wie echte Orte als wie digitale Hochglanz-Playsets. Das kann man dem Film teilweise als Stilentscheidung zugutehalten, weil diese Welt eben nie realistisch war. Trotzdem gab es Momente, in denen mich die CGI-Wucht eher aus dem Film gerissen hat. Gerade größere Schlachten und einige Hintergründe haben diesen leicht sterilen Blockbuster-Look, bei dem man spürt, dass hier sehr viel Geld auf der Leinwand liegt, aber nicht immer echte Magie entsteht.
Dafür macht Jared Leto als Skeletor erschreckend viel Spaß. Ich hätte nicht gedacht, dass ausgerechnet er zu den stärksten Elementen des Films gehören würde, aber seine Darstellung passt perfekt zu dieser überdrehten Welt. Skeletor ist hier kein komplexer Tragödienbösewicht, sondern ein machtgieriger, eitler, herrlich theatralischer Schurke mit Totenkopfgesicht. Und genau das ist richtig. Er darf böse sein, weil er böse ist. Er darf lachen, posieren, drohen und sich in seiner eigenen Lächerlichkeit suhlen. Der Film gewinnt immer dann Energie, wenn er auftaucht.
Auch Idris Elba als Man-At-Arms bringt Gewicht in die Geschichte. Seine Figur bekommt tatsächlich einen kleinen inneren Bogen, weil sie lernen muss, Stärke anders zu verstehen als nur über Kampf und Härte. Camila Mendes als Teela bleibt etwas blasser, funktioniert aber als Gegenpol zu Adam. Bei vielen Nebenfiguren merkt man jedoch, dass sie weniger Figuren als lebendig gewordene Actionfiguren sind. Das ist unterhaltsam, aber emotional nicht immer tragfähig.
Am besten ist Masters of the Universe, wenn er seine eigene Albernheit umarmt. Die Namen, die Kostüme, die Posen, die pathetischen Reden, die übergroßen Waffen – all das könnte furchtbar peinlich sein. Der Film macht daraus aber oft bewusst einen Witz, ohne die Vorlage komplett zu verhöhnen. Diese Balance gelingt nicht immer. Manche Sprüche sind zu flach, manche Gags zu offensichtlich, und nicht jede selbstironische Bemerkung sitzt. Aber insgesamt hat der Film genug Gespür für seinen eigenen Ton, um nicht unter dem Gewicht seiner Absurdität zusammenzubrechen.
Was mich wirklich positiv überrascht hat, ist der Sound. Die Musik mit ihren Synthesizern, Gitarren und diesem deutlichen 80er-Jahre-Gefühl gibt dem Film viel von dem, was ihm visuell manchmal fehlt: Energie, Haltung und eine gewisse Größe. Gerade wenn Brian Mays Gitarrensolo am Ende erklingt, spürt man kurz genau den heroischen Überschwang, den man sich von so einem Film wünscht. Das ist vielleicht nicht subtil, aber subtil sollte Masters of the Universe auch nie sein.
Trotzdem ist der Film zu lang. Über zwei Stunden für diese doch recht überschaubare Geschichte sind einfach zu viel. Im Mittelteil hängt er stellenweise durch, einige Actionsequenzen wiederholen sich, und nicht jeder Handlungsstrang bekommt genug Substanz, um die Laufzeit zu rechtfertigen. Manchmal hat man das Gefühl, der Film wolle gleichzeitig Origin-Story, Franchise-Start, Nostalgiepaket, Parodie und ernst gemeintes Fantasy-Abenteuer sein. Das ist viel auf einmal, und nicht alles fügt sich sauber zusammen.
Aber ich konnte dem Film seinen Charme nicht absprechen. Masters of the Universe ist kein großer Film, kein wirklich rundes Epos und schon gar kein moderner Fantasy-Meilenstein. Aber er ist deutlich unterhaltsamer, als ich erwartet hatte. Er hat Farbe, Tempo, Selbstironie, ein paar schöne Ideen und einen herrlich überdrehten Skeletor. Vor allem hat er verstanden, dass He-Man nicht funktioniert, wenn man ihn komplett entzaubert oder zwanghaft erwachsen machen will. Man muss den Kitsch zulassen. Man muss das Spielzeughafte akzeptieren. Man muss sich auf diese Welt einlassen, in der ein Zauberschwert, ein Totenkopf-Bösewicht und ein Muskelheld im Fellhöschen völlig selbstverständlich nebeneinander existieren.
Am Ende bin ich aus dem Kino gegangen mit dem Gefühl, keinen wirklich guten Film im klassischen Sinne gesehen zu haben, aber einen erstaunlich vergnüglichen. Masters of the Universe ist manchmal albern, manchmal künstlich, manchmal überladen und sicher nicht frei von Schwächen. Aber er besitzt eine Spielfreude, die vielen modernen Markenfilmen fehlt. Er weiß, dass er aus Plastik geboren wurde – und macht daraus keinen Makel, sondern fast schon ein Prinzip.
Für mich ist das kein makelloser Neustart, aber ein sympathischer. Ein Film, der oft mehr Spaß macht, als er eigentlich dürfte. Und vielleicht ist genau das bei Masters of the Universe schon die halbe Macht von Grayskull.