Sprecher im (Hörspiel) Talk-Studio: Folge 96 Hasso Zorn

  • Sprecher im (Hörspiel) Talk-Studio: Folge 96 Hasso Zorn

    Mit Folge 96 rückt eine Stimme in den Mittelpunkt, die vielen Hörspielfans vor allem durch ihre reife, markante und unverwechselbar erzählerische Kraft in Erinnerung geblieben ist.

    Im Mittelpunkt steht diesmal Hasso Zorn.

    Hasso Zorn – Wikipedia

    Hasso Zorn wurde 1931 in Frankfurt an der Oder geboren und absolvierte seine Schauspielausbildung an der Berliner Theaterschule. Danach stand er auf Bühnen in Stendal, Görlitz, Magdeburg und Frankfurt an der Oder, bevor er auch im Film und Fernsehen zu sehen war. Seit Ende der 1960er Jahre arbeitete er zudem als Synchronsprecher und lieh zahlreichen internationalen Schauspielern seine Stimme, darunter Eli Wallach, David Kelly, Peter Vaughan, Martin Landau und Philip Baker Hall.

    Gerade im Hörspielbereich war Hasso Zorn in seinen späten Berufsjahren noch einmal außerordentlich präsent. Besonders bei Titania Medien wurde seine Stimme zu einem festen Bestandteil vieler Produktionen. Ob als Erzähler in Klassikern wie Das Bildnis des Dorian Gray, Northanger Abbey, Der Sandmann, Das Haus des Richters, Die Maske des roten Todes, Das Gespenst von Canterville, Die Legende von Sleepy Hollow, Der Eschenbaum, Der Mönch, Die Affenpfote, Tobias Guarnerius oder Träume im Hexenhaus – Hasso Zorn besaß diese besondere Gabe, eine Geschichte nicht nur vorzulesen, sondern ihr Gewicht, Atmosphäre und Würde zu verleihen.

    Seine Stimme hatte etwas Warmes, Alterfahrenes und zugleich Geheimnisvolles. Sie konnte beruhigen, aber auch sofort Spannung erzeugen. Gerade in den Schauergeschichten des Gruselkabinetts wirkte sie wie eine Tür in eine andere Zeit: ruhig, getragen, mit einem feinen Gespür für Sprache und Stimmung.

    Auch in Reihen wie Dorian Hunter, Gabriel Burns, Perry Rhodan – Sternenozean oder John Sinclair Classics war er zu hören und zeigte dort, wie vielseitig seine Stimme eingesetzt werden konnte. Mal war er Erzähler, mal geheimnisvolle Nebenfigur, mal Autoritätsperson, mal ein Charakter mit dunkler Vergangenheit.

    Hasso Zorn starb 2016 im Alter von 84 Jahren in Berlin. Geblieben ist eine Stimme, die in vielen Hörspielen weiterlebt und gerade durch ihre Ruhe, Tiefe und Präsenz bis heute nachklingt.

    Nun seid ihr dran:

    Welche Hörspielrolle von Hasso Zorn ist euch besonders im Gedächtnis geblieben?

    Mögt ihr ihn eher als Erzähler oder als markante Nebenfigur?

    Was macht seine Stimme für euch so besonders?

  • Ich habe Hasso Zorn erst 2008 in der Hörspielserie „Dorian Hunter“ kennen und lieben gelernt. Hier spielt er von Folge 1 – 23 Norbert Helnwein, der für Hunter als eine Art väterlicher Mentor fungiert. Er zeigt hier wunderbar, dass er nicht nur ein toller Erzähler, sondern vor allem ein wunderbarer Schauspieler war. Und ich liebe diese warme, großväterliche Stimme, die aber auch in dunkle Abgründe führen kann.
    Als Erzähler lausche ich ihm ebenfalls sehr gerne, z. B. in vielen tollen Gruselkabinett-Folgen innerhalb der ersten 100. In Folge 100: „Träume im Hexenhaus“ hatte er seinen letzten Auftritt innerhalb der Reihe (wieder einmal als Erzähler) und nur wenige Monate vor seinem Tod in 2016.

    Ich freue mich jedes mal, wenn ich seine Stimme höre.

  • Hasso Zorn – Eine Stimme mit Würde, Wärme und dunkler Tiefe

    Hasso Zorn gehört für mich zu diesen Schauspielern und Sprechern, deren Stimme man vielleicht nicht immer sofort namentlich einordnet, die einem aber beim Hören unmittelbar vertraut vorkommt. Geboren 1931 in Frankfurt (Oder), führte ihn sein Weg zunächst über die klassische Schauspielausbildung an der Berliner Theaterschule auf verschiedene Bühnen, unter anderem nach Stendal, Görlitz, Magdeburg und Frankfurt (Oder). Auch vor der Kamera war er zu sehen, etwa in Produktionen wie Leichensache Zernik oder der Fernsehserie Das Mädchen Krümel.

    Besonders präsent bleibt Hasso Zorn für mich aber durch seine Arbeit als Synchron- und Hörspielsprecher. Seine Stimme hatte etwas Ruhiges, Gereiftes und zugleich sehr Charaktervolles. Er konnte alten Männern Würde geben, geheimnisvollen Figuren Tiefe verleihen und selbst kleinen Nebenrollen sofort Gewicht verschaffen. Als deutsche Stimme von Eli Wallach, David Kelly, Philip Baker Hall oder Martin Landau brachte er genau jene Mischung aus Lebenserfahrung, feinem Humor und melancholischer Wärme mit, die solche Figuren oft brauchen.

    Im Hörspielbereich ist seine Arbeit ebenfalls bemerkenswert. In Serien wie Gabriel Burns, Dorian Hunter, Perry Rhodan oder John Sinclair war er ebenso zu hören wie in zahlreichen Produktionen von Titania Medien. Gerade dort hat er für mich besonders schöne Spuren hinterlassen. Im Gruselkabinett war er nicht nur in Rollen wie Bruder Antonius, Richard Salton oder Jewe Manners zu hören, sondern vor allem auch mehrfach als Erzähler. Diese Erzählerstimme hatte eine ganz eigene Qualität: ruhig, getragen, nie übertrieben, aber immer atmosphärisch dicht. Ob bei Das Bildnis des Dorian Gray, Northanger Abbey, Der Sandmann, Das Haus des Richters, Die Maske des roten Todes, Sleepy Hollow, Der Eschenbaum, Der Mönch oder Träume im Hexenhaus – Hasso Zorn verstand es, eine Geschichte nicht einfach nur vorzulesen, sondern sie mit einer leisen, unheimlichen Spannung zu durchdringen.

    Auch seine Rolle als Captain Jim Boyd in Anne in Four Winds zeigt eine andere Seite seiner Stimme. Dort klingt er warmherzig, erfahren und menschlich, mit einer angenehmen Altersweisheit, die perfekt zu dieser Figur passt. Gerade solche Rollen machen deutlich, wie vielseitig er war und wie sehr er eine Produktion bereichern konnte, ohne sich jemals in den Vordergrund zu drängen.

    Hasso Zorn war kein Sprecher der lauten Effekte. Seine Stärke lag in der Ruhe, in der Präsenz und in dieser besonderen stimmlichen Reife, die man nicht spielen kann, wenn sie nicht wirklich vorhanden ist. Er brachte Lebenserfahrung in seine Rollen, manchmal eine Spur Verschmitztheit, manchmal eine dunkle Ahnung, manchmal schlicht große Menschlichkeit. Für mich bleibt er eine dieser Stimmen, die einem Hörspiel sofort Tiefe verleihen – eine Stimme, die man gern hört und die lange nachklingt.

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