Märchen - Grimms Märchen und 1001 Nacht als eigenwillige Kassettenwelt von Tonstudio Braun

  • Märchen - Grimms Märchen und 1001 Nacht als eigenwillige Kassettenwelt von Tonstudio Braun

    Zwischen Märchentradition, Tonstudio-Braun-Klang und deutscher Kassettenkultur – Serienhintergrund

    Die Märchenreihe von Tonstudio Braun ist eine deutsche Hörspielserie, die klassische Märchenstoffe als inszenierte Hörspiele für Kinder und Familien aufbereitete. Sie gehört zum breiteren Programm des Wiesbadener Tonstudio Braun, das vor allem durch Reihen wie Geisterjäger John Sinclair, Larry MacCloud, Vanessa, Jerry Cotton, Conny und weitere Kassettenproduktionen bekannt wurde. Neben diesen Krimi-, Grusel- und Abenteuerreihen nahm die Märchenserie eine besondere Stellung ein, weil sie sich an ein deutlich jüngeres beziehungsweise familiäreres Publikum richtete.

    Die Reihe umfasst 30 Folgen. Die ersten 25 Folgen greifen vor allem Märchen frei nach den Brüdern Grimm auf. Die letzten fünf Folgen führen in den Bereich von 1001 Nacht. Dadurch entsteht eine interessante Zweiteilung: Zunächst steht der klassische deutsche Märchenschatz mit Königen, Müllersburschen, Hexen, sprechenden Tieren, verzauberten Kindern und listigen Figuren im Mittelpunkt. Später öffnet sich die Reihe zu orientalischen Erzählwelten mit Scheherazade, Königen, versteinerten Prinzen, Fischern, Flaschen, Ärzten, Magnetbergen und Männern aus Messing.

    Tonstudio Braun hatte mit dieser Märchenreihe großen Erfolg und setzte die Stoffe in der eigenen typischen Produktionsweise um. Die Hörspiele sind keine reinen Lesungen, sondern szenische Bearbeitungen mit Sprecherinnen und Sprechern, Musik, Geräuschen und Dialogen. Damit gehören sie in jene Zeit, in der Märchen auf Kassette nicht einfach vorgelesen, sondern als kleine Hörspielwelten ins Kinderzimmer gebracht wurden.

    Auffällig ist auch, dass Tonstudio Braun bei seinen Produktionen häufig mit markanten, nicht immer aus den großen Synchronstar-Ensembles bekannten Stimmen arbeitete. Das Studio griff auf Sprecherinnen und Sprecher aus Theaterhäusern und dem näheren beziehungsweise weiteren Umfeld zurück. Dadurch entstand ein eigener Klang, der sich deutlich von den großen Hamburger oder Berliner Hörspiellabels unterschied. Gerade diese etwas rauere, unmittelbare und eigenständige Klangfarbe gehört zum Reiz vieler Tonstudio-Braun-Produktionen.

    Die Tonstudio-Braun-Reihe – Folgenliste

    Zur Märchenreihe gehören:

    Rumpelstilzchen und andere Märchen

    Rotkäppchen und andere Märchen

    Aschenputtel und andere Märchen

    Schneewittchen und andere Märchen

    Dornröschen und andere Märchen

    Der Wolf und die sieben jungen Geislein und andere Märchen

    Rapunzel und andere Märchen

    Hänsel und Gretel und andere Märchen

    Der Froschkönig und andere Märchen

    Der gestiefelte Kater und andere Märchen

    Brüderchen und Schwesterchen und andere Märchen

    Das tapfere Schneiderlein und andere Märchen

    Tischlein deck dich und andere Märchen

    Spindel, Weberschiffchen und Nadel und andere Märchen

    Das blaue Licht und andere Märchen

    Des Teufels rußiger Bruder und andere Märchen

    Der arme Müllerbursch und das Kätzchen und andere Märchen

    Allerleirauh und andere Märchen

    Die sieben Raben und andere Märchen

    Die goldene Gans und andere Märchen

    Der Teufel und seine Großmutter und andere Märchen

    Jorinde und Joringel und andere Märchen

    König Drosselbart und andere Märchen

    Der Hase und der Igel

    Der Teufel mit den drei goldenen Haaren

    Scheherazade in Todesgefahr

    Vom Fischer, der eine Flasche fand

    Von König Murad und Selim dem Arzt

    Vom versteinerten Prinz und den beiden Fischen

    Der Magnetberg und der Mann aus Messing

    Schon diese Titelliste zeigt sehr deutlich, wie breit die Reihe angelegt ist. Sie beginnt mit den bekanntesten Märchen der Brüder Grimm: Rumpelstilzchen, Rotkäppchen, Aschenputtel, Schneewittchen, Dornröschen, Rapunzel, Hänsel und Gretel, Der Froschkönig, Der gestiefelte Kater und Tischlein deck dich. Später werden auch weniger häufig vertonte Stoffe aufgenommen, darunter Spindel, Weberschiffchen und Nadel, Das blaue Licht, Des Teufels rußiger Bruder, Der arme Müllerbursch und das Kätzchen, Allerleirauh, Der Teufel und seine Großmutter oder Jorinde und Joringel.

    Mit den letzten fünf Folgen erweitert sich die Reihe um Märchen aus 1001 Nacht. Dadurch bekommt die Serie einen anderen Ton: Die Welt der Grimm-Märchen mit Wald, Schloss, Müller, Schneider, Hexe und Königshof wird durch orientalische Motive ergänzt. Scheherazade, Fischer, verzauberte Prinzen, fremde Könige, magische Flaschen, geheimnisvolle Fische und Magnetberge öffnen die Reihe in eine andere Erzähltradition.

    Könige, Hexen, Müllerburschen und Scheherazade – Figuren und Welt der Serie

    Eine feste Hauptfigur besitzt die Märchenreihe nicht. Der eigentliche Mittelpunkt ist die Märchenwelt selbst. Jede Folge öffnet einen neuen Erzählraum, oft sogar mehrere kleine Märchenräume innerhalb einer Kassette. Dadurch entsteht keine fortlaufende Serienhandlung, sondern eine Sammlung klassischer und weniger bekannter Märchenstoffe.

    In den Grimm-Folgen treten die vertrauten Figuren des europäischen Märchens auf: arme Mädchen, böse Stiefmütter, Könige, Prinzessinnen, sprechende Tiere, Hexen, Wölfe, Schneider, Müller, Teufel, Brüder, Schwestern, verwunschene Kinder, kluge Burschen, dumme Riesen und geheimnisvolle Helfer. Die Figuren sind nicht psychologisch modernisiert, sondern bleiben klar im Märchenprinzip verankert. Gut und Böse, Fleiß und Faulheit, Hochmut und Bescheidenheit, Treue und Verrat stehen deutlich gegenüber.

    Gerade diese Klarheit ist wichtig. Märchenfiguren funktionieren nicht wie realistische Romanfiguren, sondern als Träger von Motiven. Rotkäppchen steht für kindliche Unschuld und Gefahr, Hänsel und Gretel für Angst, Verlassenheit und Mut, Aschenputtel für Demütigung und Erlösung, Rumpelstilzchen für das unheimliche Geheimnis eines Namens, der gestiefelte Kater für List und Aufstieg, der Froschkönig für Versprechen und Verwandlung.

    Bei den späteren 1001 Nacht-Folgen ändert sich die Bildwelt. Hier geht es stärker um orientalische Paläste, magische Gegenstände, fremde Herrscher, kluge Erzählerinnen, gefährliche Reisen und wundersame Verwandlungen. Scheherazade ist dabei eine zentrale Figur des gesamten Erzählkosmos von 1001 Nacht: Sie steht für die Macht des Erzählens selbst. Dass die Reihe diesen Bereich aufnimmt, erweitert sie von der Grimm-Sammlung zur breiteren Märchenbibliothek.

    Die Welt der Serie ist dadurch sehr abwechslungsreich. Einmal geht es in den deutschen Wald, dann in ein Königsschloss, dann an einen Backofen im Hexenhaus, dann zu einem Schneiderlein, dann zu einem Teufel, dann zu einem Fischer am Meer und schließlich in orientalische Märchenräume. Genau diese Vielfalt macht die Reihe zu einer kleinen Kassettenbibliothek klassischer Erzählstoffe.

    Stimmen aus dem Tonstudio-Braun-Kosmos – Das Sprecherensemble

    Die Sprecherlage der Märchenreihe ist heute nicht in derselben detaillierten Form öffentlich greifbar wie bei manchen großen Einzelserien. Tonstudio Braun arbeitete jedoch grundsätzlich mit einem festen Kreis markanter Sprecherinnen und Sprecher, der auch aus anderen Produktionen des Hauses bekannt ist. Das Studio suchte bewusst nach besonderen, unverbrauchten Stimmen und griff dafür häufig auf Theaterstimmen aus der Region und dem weiteren Umfeld zurück.

    Dadurch entstand ein Klang, der sich von vielen anderen Märchenhörspielen unterscheidet. Die Märchen von Tonstudio Braun klingen nicht wie die großen EUROPA-Märchen mit Hans Paetsch als zentraler Erzählerfigur und auch nicht wie elegante Rundfunkproduktionen. Sie besitzen stärker den unmittelbaren, teilweise einfachen, aber sehr eigenen Ton einer Kassettenproduktion, die aus einem regional geprägten Studioumfeld heraus entstanden ist.

    Gerade für Märchen ist diese Stimmenwahl interessant. Märchen brauchen keine nüchterne Alltagsrealistik. Sie leben von klaren Rollen: ein böser Wolf muss sofort gefährlich wirken, eine Hexe muss unheimlich sein, ein König darf würdevoll oder töricht klingen, ein Schneiderlein braucht Schläue, ein Teufel braucht Wucht oder Groteske, ein armer Müllerbursche braucht Sympathie. Die Sprecherinnen und Sprecher mussten deshalb weniger psychologisch fein, sondern deutlich, farbig und kindgerecht spielen.

    Die Märchenreihe nutzt verschiedene Rollen- und Erzählerstimmen. Weil viele Folgen mehrere Märchen enthalten, wechseln die Figuren ständig. Dadurch entsteht ein Ensembleprinzip, bei dem die Sprecherinnen und Sprecher immer wieder neue Rollen übernehmen: Könige, Kinder, Tiere, Hexen, Teufel, Erzähler, Händler, Bauern, Prinzen, Prinzessinnen oder geheimnisvolle Helferfiguren.

    Da für die Märchenserie keine vollständig öffentlichen Einzelbesetzungen zu allen 30 Folgen greifbar ist lässt sich schwer der komplette Cast rekonstruieren. Sicher ist aber, dass die Reihe Teil jener Tonstudio-Braun-Produktionswelt war, die mit markanten, eigenständigen Stimmen arbeitete und gerade dadurch einen unverwechselbaren Kassettenklang entwickelte.

  • Tonstudio Braun, Wiesbaden und die Märchenproduktion – Die Macher hinter der Reihe

    Tonstudio Braun wurde 1965 in Wiesbaden gegründet und ging aus einer bereits zuvor bestehenden Filmproduktions- und Tontechnikarbeit im Umfeld von Max K. Braun hervor. Das Studio arbeitete zunächst im Bereich Film, Funk, Fernsehen und Werbeproduktion. Besonders bekannt wurde es später durch die Vertonung der ZDF-Mainzelmännchen sowie durch Hörspielproduktionen.

    Innerhalb des Hörspielbereichs wurde Tonstudio Braun vor allem durch seine Bastei-Vertonungen und Gruselserien berühmt. Doch die Märchenproduktionen gehörten zu den frühen und wichtigen Bestandteilen des Programms. Die Märchenserie entstand in einer Phase, in der Kinder und Jugendliche eine zentrale Zielgruppe des Studios waren. Erst später rückten stärker erwachsene Hörer und Serien wie John Sinclair, Larry MacCloud, Vanessa oder Jerry Cotton in den Mittelpunkt.

    Die Märchen wurden „frei nach den Brüdern Grimm“ bearbeitet, die letzten Folgen nach Stoffen aus 1001 Nacht. Diese Formulierung ist wichtig, denn sie zeigt, dass es nicht um philologisch strenge Lesungen ging. Die Stoffe wurden für das Hörspielmedium angepasst, gekürzt, dramatisiert und kindgerecht inszeniert. Dialoge, Erzählerpassagen, Geräusche und Musik verwandelten die Märchen in kleine szenische Hörspiele.

    Veröffentlicht wurden die Folgen zunächst als Kassetten. Später wurden viele Titel auch als MP3-Downloads und teils als CD über Tonstudio Braun wieder zugänglich gemacht. Dadurch blieb die Märchenreihe nicht nur als Sammlerobjekt alter MCs erhalten, sondern konnte auch in neuerer Form weitergehört werden.

    Produktionstechnisch steht die Reihe für das typische Tonstudio-Braun-Prinzip: überschaubare, direkte Inszenierung, deutliche Stimmen, einfache, aber wirkungsvolle Geräuschkulisse und ein erkennbarer Studiocharakter. Die Märchen wurden nicht auf Hochglanz geglättet, sondern als handfeste Hörspiele für Kinder umgesetzt.

    Grimm, 1001 Nacht und kleine Kassettenmärchen – Dramaturgie der Reihe

    Die Dramaturgie der Reihe folgt dem jeweiligen Märchenstoff. Anders als bei einer fortlaufenden Serie gibt es keine übergreifende Handlung und keine wiederkehrenden Helden. Jede Folge ist ein neuer Einstieg in eine andere Geschichte oder in mehrere kleine Geschichten.

    Die ersten Folgen greifen stark bekannte Märchen auf. Rumpelstilzchen, Rotkäppchen, Aschenputtel, Schneewittchen, Dornröschen und Hänsel und Gretel gehören zu den wichtigsten und meistvertonten Märchen überhaupt. Sie bieten klare Handlung, starke Bilder und sofort erkennbare Konflikte. Für eine Hörspielreihe sind sie besonders geeignet, weil sie mit markanten Szenen arbeiten: der Wolf im Wald, die Hexe am Lebkuchenhaus, das schlafende Schloss, die sieben Zwerge, der Ball, das Spinnrad, das Feuer, der Backofen.

    Später folgen Märchen, die weniger selbstverständlich in jeder Sammlung auftauchen. Spindel, Weberschiffchen und Nadel, Das blaue Licht, Der arme Müllerbursch und das Kätzchen, Allerleirauh oder Der Teufel und seine Großmutter erweitern die Reihe deutlich. Dadurch wird sie nicht nur zur Sammlung der bekanntesten Standardmärchen, sondern auch zu einem Zugang zu weniger alltäglichen Stoffen.

    Die 1001 Nacht-Folgen bringen eine andere Dramaturgie. Hier spielt das Erzählen selbst eine größere Rolle. Scheherazade, verzauberte Prinzen, geheimnisvolle Fische, Flaschen und magische Orte verweisen auf eine Erzählwelt, die verschachtelter und märchenhaft fremder wirkt als viele Grimm-Stoffe. Dadurch bekommt die Reihe zum Ende hin eine neue Farbe.

    Viele Folgen tragen den Zusatz „und andere Märchen“. Das bedeutet, dass nicht jede Kassette nur ein einziges Märchen enthält. Häufig werden mehrere Stoffe zusammengeführt. Dadurch entsteht ein Sammlungscharakter: Eine Kassette wirkt wie ein kleiner Märchenabend, nicht nur wie ein einzelnes Hörspiel.

    Moral, Schrecken und Zauber – Die Grundmotive der Serie

    Die Märchenreihe arbeitet mit den klassischen Motiven des Genres. Dazu gehören Prüfungen, Verbote, Verwandlungen, Strafen, Belohnungen, List, Treue, Hochmut, Habgier, Fleiß, Mut und Erlösung. Die Geschichten sind klar gebaut und behalten ihre archetypische Wirkung.

    Ein wichtiges Motiv ist der Wald. In vielen Grimm-Märchen ist der Wald ein Ort der Gefahr und der Verwandlung. Dort trifft Rotkäppchen den Wolf, Hänsel und Gretel verirren sich, Brüder und Schwestern geraten in Not, Jäger, Tiere und geheimnisvolle Helfer tauchen auf. Im Hörspiel lässt sich dieser Wald durch Geräusche und Erzählung stark atmosphärisch gestalten.

    Ein zweites Motiv ist das Schloss. Viele Märchen führen an Königshöfe, zu Prinzessinnen, Königen, Bällen, Prüfungen und Heiraten. Das Schloss steht für Macht, Sehnsucht, Aufstieg und Verwandlung. Aschenputtel, Dornröschen, Schneewittchen oder König Drosselbart leben stark von dieser Bildwelt.

    Ein drittes Motiv ist der Teufel beziehungsweise das Unheimliche. Märchen wie Des Teufels rußiger Bruder, Der Teufel und seine Großmutter oder Der Teufel mit den drei goldenen Haaren zeigen, dass die Reihe nicht nur liebliche Stoffe umfasst. Sie bewahrt auch den dunkleren Märchenton, allerdings in einer Form, die für Kinderhörspiele zugänglich bleibt.

    Bei den 1001 Nacht-Folgen treten andere Grundmotive hinzu: fremde Länder, Wunder, Erzählkunst, magische Gegenstände, Flaschengeister, verwunschene Prinzen und geheimnisvolle Reisen. Dadurch wird die Reihe am Ende exotischer und stärker abenteuerlich.

    Vom MC-Regal zum MP3-Download – Veröffentlichungen und heutige Verfügbarkeit

    Die Märchen von Tonstudio Braun erschienen ursprünglich als Kassettenreihe. Damit gehören sie fest in die klassische MC-Zeit des deutschen Kinderhörspiels. Die Kassetten waren Teil eines breiten Tonstudio-Braun-Programms, das neben Märchen auch Kinder-, Abenteuer-, Krimi- und Gruselstoffe umfasste.

    Heute sind viele Titel der Märchenreihe über Tonstudio Braun wieder als MP3-Downloads erhältlich. Ein Teil der Veröffentlichungen wird außerdem als CD angeboten. Dadurch unterscheidet sich die Reihe von vielen alten Kassettenserien, die nur noch antiquarisch greifbar sind. Tonstudio Braun hat seine alten Produktionen in neuer Form weiter verfügbar gemacht.

    Die heutige digitale Präsentation trennt die Grimm-Märchen und die 1001 Nacht-Märchen sichtbar voneinander. Die Grimm-Titel erscheinen als Bereich rund um die Brüder Grimm, während die orientalischen Stoffe im Umfeld von Märchen aus 1001 Nacht stehen. Inhaltlich gehören sie aber zur 30-teiligen Märchenserie, wie die ursprüngliche Folgenstruktur zeigt.

    Für Sammler bleiben die alten Kassetten besonders reizvoll. Sie zeigen die ursprüngliche Veröffentlichungsform, die alten Cover und den Tonstudio-Braun-Charakter der physischen Kassettenzeit. Die digitalen Fassungen machen die Hörspiele zugänglicher, aber die MCs besitzen den eigentlichen nostalgischen Sammlerwert.

  • Märchenlogo, Kassettenoptik und Sammlungscharakter – Cover und Erscheinungsbild

    Die Cover der Märchenreihe besitzen einen klaren Sammlungscharakter. Die Folgen wurden als zusammengehörige Reihe präsentiert, jeweils mit Märchentitel, Folgennummer und einem Bildmotiv, das zum Hauptmärchen der Folge passt. Dadurch war sofort erkennbar, dass es sich nicht um einzelne, zufällige Märchenveröffentlichungen handelt, sondern um eine fortlaufende Märchenserie.

    Das Erscheinungsbild unterschied sich von den Grusel- und Krimireihen des Tonstudio Braun. Während John Sinclair, Larry MacCloud oder Vanessa auf düstere, dramatische Motive setzten, mussten die Märchen-Cover stärker kindgerecht und klassisch wirken. Dennoch blieb die Gestaltung klar auf Wirkung angelegt: Rumpelstilzchen, Rotkäppchen, Schneewittchen, Dornröschen oder der gestiefelte Kater sind sofort bildhafte Stoffe, die sich gut als Covermotiv eignen.

    Bei den späteren digitalen Veröffentlichungen treten die Reihenlogos für Märchen beziehungsweise Märchen aus 1001 Nacht stärker hervor. Dadurch wird die Zweiteilung der Serie auch optisch sichtbar: Grimm-Märchen auf der einen Seite, orientalische Erzählstoffe auf der anderen.

    Ein sicherer Name eines einzelnen Coverillustrators oder einer Coveragentur lässt sich aus den zugänglichen Angaben nicht eindeutig benennen. Deshalb sollte hier kein Gestaltername ergänzt werden. Sicher ist aber, dass die Reihe visuell als Märchensammlung positioniert wurde und sich durch die Folge-für-Folge-Gestaltung gut sammeln ließ.

    Gerade die alten Kassettenhüllen besitzen heute einen besonderen Reiz. Sie verbinden Märchenmotive mit dem sehr eigenen Tonstudio-Braun-Designgefühl der Kassettenzeit. Für Sammler sind sie deshalb nicht nur Verpackung, sondern Teil der Wirkung.

    Zwischen Kinderhörspiel, Studioklang und Märchenschatz – Bedeutung der Reihe

    Die Märchenreihe ist wichtig, weil sie zeigt, dass Tonstudio Braun nicht nur für erwachsenere Grusel- und Krimistoffe stand. Das Studio arbeitete auch mit klassischen Kinderstoffen und hatte damit Erfolg. Die Märchenserie gehört zu den Grundlagen des breiteren Tonstudio-Braun-Programms.

    Innerhalb der deutschen Märchenhörspiele nimmt sie eine eigene Position ein. Sie steht weder für den großen EUROPA-Märchenton mit Hans Paetsch noch für literarische Rundfunkfassungen, sondern für eine direkte, kassettenhafte Studioumsetzung aus Wiesbaden. Gerade diese Eigenständigkeit macht sie interessant.

    Die Reihe ist auch deshalb reizvoll, weil sie bekannte und weniger bekannte Märchen verbindet. Kinder konnten mit Rotkäppchen, Aschenputtel oder Hänsel und Gretel beginnen und später auch auf Allerleirauh, Jorinde und Joringel oder Der Teufel und seine Großmutter stoßen. Dadurch hatte die Serie einen kleinen Bildungs- und Entdeckungswert.

    Die 1001 Nacht-Folgen erweitern diesen Märchenschatz zusätzlich. Sie zeigen, dass Tonstudio Braun die Reihe nicht nur als Grimm-Sammlung verstand, sondern auch andere klassische Erzählwelten aufnehmen wollte. Dadurch wird aus der Serie eine kleine internationale Märchenbibliothek auf Kassette.

    Eine eigenwillige Märchenbibliothek aus Wiesbaden

    Die Märchen von Tonstudio Braun sind eine besondere Hörspielreihe innerhalb der deutschen Kassettenkultur. Mit 30 Folgen bot das Studio eine breite Sammlung klassischer Märchenstoffe: zunächst frei nach den Brüdern Grimm, später auch aus der Welt von 1001 Nacht.

    Besonders reizvoll ist die Mischung aus sehr bekannten Titeln und weniger alltäglichen Stoffen. Rumpelstilzchen, Rotkäppchen, Aschenputtel, Schneewittchen, Dornröschen, Rapunzel, Hänsel und Gretel, Der Froschkönig oder Tischlein deck dich stehen neben Spindel, Weberschiffchen und Nadel, Das blaue Licht, Des Teufels rußiger Bruder, Allerleirauh, Jorinde und Joringel und schließlich den orientalischen Erzählungen um Scheherazade, König Murad, verzauberte Prinzen und den Magnetberg.

    Produktionstechnisch steht die Reihe fest im Tonstudio-Braun-Kosmos. Das Wiesbadener Studio brachte seine eigene Klangfarbe in die Märchen ein: markante Stimmen, direkte Inszenierung, szenische Bearbeitung und der typische Charakter einer MC-Hörspielproduktion.

    Auch wenn die vollständige Einzelbesetzung der Märchenfolgen heute nicht in derselben Klarheit greifbar ist wie bei manchen größeren Serien, bleibt die akustische Identität der Reihe deutlich: Märchen wurden hier nicht vorgelesen, sondern als kleine Hörspiele gespielt.

    Gerade deshalb bleibt die Märchenreihe von Tonstudio Braun eine reizvolle Besonderheit. Sie ist keine glatte Hochglanzsammlung, sondern eine eigenständige Kassetten-Märchenwelt aus Wiesbaden – vertraut, manchmal rau, märchenhaft, sammelwürdig und bis heute ein spannender Teil der deutschen Hörspielgeschichte.

  • DerPoldi June 1, 2026 at 3:50 PM

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