The Mandalorian and Grogu – Zwischen Seriengefühl und Kinoleinwand bleibt das große Star-Wars-Erlebnis diesmal aus
"The Mandalorian and Grogu" hat mich im Kino ehrlich gesagt etwas zwiegespalten zurückgelassen. Auf der einen Seite war es natürlich schön, Star Wars nach so vielen Jahren wieder auf der großen Leinwand zu sehen. Allein dieses Gefühl, wenn das Lucasfilm-Logo erscheint, die Musik einsetzt und man wieder in diese weit, weit entfernte Galaxis eintaucht, hat bei mir sofort etwas ausgelöst. Da ist einfach eine Grundnostalgie, die man nicht abschalten kann. Und ja, ich habe mich auch gefreut, Mando und Grogu wiederzusehen.
Aber je länger der Film lief, desto deutlicher wurde für mich: Das ist kein wirklich großer Kino-Neustart für Star Wars, sondern eher eine sehr aufwendig produzierte Verlängerung der Serie. Man merkt dem Film an, dass er aus der Disney+-Welt kommt. Die Geschichte fühlt sich nicht wie ein großes, zwingendes Leinwandabenteuer an, sondern eher wie zwei oder drei Episoden, die man zusammengeschnitten und mit mehr Budget versehen hat. Das ist nicht automatisch schlecht, aber für einen Kinofilm hatte ich mir doch etwas mehr Größe, mehr Wucht und vor allem mehr erzählerischen Sog erhofft.
Dabei beginnt der Film durchaus ordentlich. Mando wird wieder als Kopfgeldjäger in eine Mission hineingezogen, Grogu ist an seiner Seite, die Neue Republik spielt eine Rolle, und es gibt diesen klassischen Auftrag, der natürlich komplizierter wird, als er zunächst aussieht. Gerade diese einfache Abenteuerstruktur mochte ich eigentlich. Wenn Mando durch zwielichtige Orte läuft, Informationen sammelt, sich mit Hutten, Kopfgeldjägern und imperialen Resten herumschlagen muss, dann blitzt dieses alte Star Wars-Gefühl schon auf. Das hat etwas von Weltraum-Western, etwas von Serienabenteuer, etwas von schmutziger Science-Fiction.
Grogu funktioniert dabei immer noch erstaunlich gut. Ich hätte vorher gedacht, dass dieser Niedlichkeitsfaktor irgendwann abgenutzt ist, aber im Kino hat das bei mir durchaus wieder gezogen. Gerade die ruhigeren Szenen mit ihm haben Charme. Wenn der Film einmal innehält und Grogu einfach beobachtet, wie er sich durch eine fremde Umgebung bewegt, dann entsteht plötzlich eine Wärme, die dem restlichen Film manchmal fehlt. Diese Momente sind klein, aber sie haben mehr Seele als manche der großen Actionsequenzen.
Das Problem ist nur, dass der Film insgesamt zu selten wirklich aus sich herauskommt. Die Handlung um Rotta den Hutten klingt auf dem Papier interessanter, als sie sich im Film anfühlt. Da steckt einiges drin: das Erbe von Jabba, die Hutt-Familie, die Neue Republik, alte imperiale Strukturen. Aber statt daraus eine wirklich spannende Kinogeschichte zu machen, bleibt vieles erstaunlich harmlos. Es gibt keine echte Bedrohung, keinen großen emotionalen Druck, keinen Moment, bei dem ich das Gefühl hatte, dass hier wirklich etwas auf dem Spiel steht.
Auch Mando selbst bleibt für mich etwas zu blass. In der Serie hat diese stoische Art oft gut funktioniert, weil die einzelnen Episoden drumherum genug Atmosphäre hatten. Im Kino merkt man aber stärker, dass eine Hauptfigur mit Helm und monotoner Stimme eben auch Grenzen hat. Pedro Pascal gibt der Figur zwar weiterhin eine gewisse Ruhe und Würde, aber emotional kommt diesmal wenig bei mir an. Mando wirkt oft eher wie ein sehr cool designter Avatar, der von Szene zu Szene bewegt wird, statt wie eine Figur mit innerem Konflikt.
Visuell ist der Film solide bis schön, aber selten überwältigend. Es gibt ein paar starke Bilder, schöne Kreaturen, ordentliche Action und diesen typischen gebrauchten Star Wars-Look, den ich grundsätzlich sehr mag. Gleichzeitig hatte ich nie das Gefühl, wirklich etwas Neues zu sehen. Viele Schauplätze, Figuren und Situationen erinnern an Dinge, die man aus diesem Universum schon kennt: Hutten, Kopfgeldjäger, imperiale Überreste, Raumschlachten, kleine Droidenwesen, gefährliche Kreaturen. Das ist alles nett, aber es wirkt eher wie ein gut sortiertes Best-of als wie ein mutiger neuer Schritt.
Richtig stark fand ich allerdings die Musik von Ludwig Göransson. Der Score hat wieder diesen eigenen Rhythmus, dieses leicht Ungewöhnliche, das schon die Serie von klassischen John-Williams-Motiven abgehoben hat. Gerade wenn die Musik etwas treibender oder melancholischer wird, gibt sie dem Film mehr Charakter, als die Geschichte selbst manchmal hergibt.
Unterm Strich hatte ich im Kino durchaus Spaß, aber eben keinen großen Star Wars-Moment. Der Film ist nicht ärgerlich, nicht misslungen, nicht langweilig im eigentlichen Sinn. Er ist eher angenehm, sympathisch und handwerklich ordentlich. Aber genau das ist vielleicht auch sein Problem. Er ist zu brav. Zu sicher. Zu sehr darauf bedacht, niemandem weh zu tun und einfach das zu liefern, was Fans mögen könnten.
Für mich ist "The Mandalorian and Grogu" deshalb ein nettes Wiedersehen, aber kein Ereignis. Grogu ist liebenswert, Mando bleibt cool, einige Szenen machen Spaß, und als Fan kann man sich durchaus in diese Welt fallen lassen. Aber ich bin nicht mit leuchtenden Augen aus dem Kino gekommen, sondern eher mit dem Gedanken: Das hätte als Staffel wahrscheinlich besser funktioniert.
Als Kinofilm ist mir das am Ende zu wenig. Nicht schlecht, aber auch nicht besonders genug. Ein solides, charmantes Abenteuer aus der Star Wars-Welt – nur eben keines, das wirklich lange nachhallt.