Sprecherinnen im (Hörspiel-)Talk-Studio: Folge 90 Tilly Lauenstein

  • Sprecher im (Hörspiel-)Talk-Studio: Folge 90 Tilly Lauenstein

    Diesmal widmet sich das Talkstudio einer Schauspielerin und Sprecherin, deren Stimme über Jahrzehnte hinweg Generationen begleitet hat und bis heute sofort Erinnerungen weckt.

    Im Mittelpunkt von Folge 90 steht Tilly Lauenstein.

    Tilly Lauenstein – Wikipedia

    Kurzer Überblick:

    Tilly Lauenstein, eigentlich Mathilde Dorothea Lauenstein, wurde 1916 in Bad Homburg geboren und gehörte über viele Jahrzehnte zu den prägendsten Stimmen der deutschen Synchron- und Hörspielgeschichte. Nach ihrer Schauspielausbildung in Berlin stand sie zunächst auf zahlreichen Bühnen, unter anderem am Deutschen Theater, am Schillertheater und am Staatstheater Stuttgart. Nach dem Zweiten Weltkrieg feierte sie große Erfolge am Theater und wurde kurz darauf auch für Film und Fernsehen entdeckt.

    Im deutschen Kino und Fernsehen war sie unter anderem in Produktionen wie Der Forellenhof, Alle meine Tiere, Derrick, Otto – Der Film oder Rivalen der Rennbahn zu sehen. Ihre wahre Unsterblichkeit erreichte sie jedoch mit ihrer markanten Stimme.

    Über Jahrzehnte hinweg synchronisierte Tilly Lauenstein internationale Schauspielgrößen wie Katharine Hepburn, Ingrid Bergman, Lauren Bacall, Barbara Stanwyck, Deborah Kerr, Susan Hayward oder auch Marlene Dietrich. Ihre Stimme hatte dabei etwas Elegantes, Würdevolles und zugleich Wärmevolles, das besonders ältere, starke oder geheimnisvolle Figuren unverwechselbar machte.

    Auch im Hörspielbereich hinterließ sie bleibende Spuren. Vielen ist sie bis heute vor allem als die legendäre Hexe Mania aus Bibi Blocksberg in Erinnerung geblieben. Mit ihrer tiefen, leicht kratzigen und gleichzeitig herrlich verschmitzten Stimme prägte sie die Uralthexe wie kaum jemand sonst. Ebenso sprach sie unter anderem Fräulein Rottenmeier in den Heidi-Hörspielen, die Eule Ula in Xanti oder Rollen bei Benjamin Blümchen.

    Zu ihren bekanntesten Synchronrollen zählen außerdem die alte Rose in Titanic, Mommy Fortuna in Das letzte Einhorn, die Bibliothekarin in Ghostbusters sowie die Eule in Als die Tiere den Wald verließen. Selbst nach schweren gesundheitlichen Rückschlägen blieb sie ihrer Arbeit verbunden. Tilly Lauenstein starb 2002 im Alter von 85 Jahren.

    Nun ihr:

    Mit welcher Rolle verbindet ihr Tilly Lauenstein am meisten?

    War sie für euch die unvergessliche Hexe Mania, das strenge Fräulein Rottenmeier, die alte Rose aus Titanic oder kennt ihr sie vor allem aus dem klassischen Synchronbereich?

    Und was hat ihre Stimme für euch so besonders gemacht?

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  • Tilly Lauenstein – Die Stimme einer ganzen Hörspiel- und Synchrongeneration

    Es gibt Stimmen, die man nicht einfach nur hört, sondern sofort mit Erinnerungen verbindet. Tilly Lauenstein gehörte genau zu diesen Sprecherinnen. Ihre Stimme hatte etwas Würdevolles, Warmes und zugleich Strenges – sie konnte aristokratisch klingen, geheimnisvoll, mütterlich oder einschüchternd. Gerade deshalb blieb sie über Jahrzehnte hinweg eine der markantesten deutschen Synchron- und Hörspielstimmen überhaupt.

    Schon ihre Herkunft wirkt wie der Beginn eines klassischen Schauspielerlebens. Geboren 1916 in Bad Homburg, zog sie früh nach Berlin, absolvierte dort ihre Schauspielausbildung und stand bereits mit achtzehn Jahren auf der Bühne. Das Theater war zunächst ihre eigentliche Heimat. Nach ersten Rollen in Stuttgart spielte sie an zahlreichen bedeutenden Bühnen, besonders aber in Berlin. Nach dem Krieg wurde sie am Deutschen Theater unter Wolfgang Langhoff besetzt – allein das zeigt schon, welches Ansehen sie als Darstellerin besaß. Gerade die Rolle der Marie in Woyzeck machte deutlich, dass sie nicht einfach nur eine Schauspielerin mit schöner Stimme war, sondern eine intensive Bühnenkünstlerin mit enormer Ausdruckskraft.

    Im Film blieb sie zwar oft in Nebenrollen, aber gerade diese Rollen besitzen heute etwas ungemein Charakteristisches. Ob in alten Krimis, Fernsehspielen oder Serien – Tilly Lauenstein brachte immer diese besondere Mischung aus Eleganz und Autorität mit. Viele Zuschauer kennen sie noch aus Der Forellenhof, Alle meine Tiere, Derrick oder später aus Rivalen der Rennbahn. Selbst kleine Auftritte blieben oft im Gedächtnis, weil sie eine unglaubliche Präsenz hatte.

    Wirklich unsterblich wurde sie aber natürlich durch ihre Synchronarbeit. Kaum eine deutsche Sprecherin hat das Bild klassischer Hollywood-Diven in Deutschland so geprägt wie sie. Wenn Katharine Hepburn oder Ingrid Bergman deutsch sprachen, dann hörte man über viele Jahre Tilly Lauenstein. Ihre Stimme passte perfekt zu diesen starken, intelligenten Frauenfiguren. Sie besaß eine klare Artikulation, eine gewisse Strenge und zugleich Wärme – genau das machte sie so unverwechselbar.

    Auch Schauspielerinnen wie Simone Signoret, Deborah Kerr, Lauren Bacall, Rita Hayworth oder Barbara Stanwyck bekamen durch sie eine deutsche Stimme, die nie künstlich wirkte. Besonders beeindruckend ist, dass sie selbst in hohem Alter noch synchronisierte und ihre Stimme nichts von ihrer Kraft verlor. Ihre Arbeit als alte Rose in Titanic gehört bis heute zu den emotionalsten Synchronleistungen überhaupt. Wenn Gloria Stuart am Ende des Films erzählt, schwingt in Tilly Lauensteins Stimme eine ganze Lebensgeschichte mit.

    Für Hörspielfans bleibt sie natürlich vor allem als Mania aus Bibi Blocksberg unvergessen. Ihre Darstellung der Oberhexe hatte genau die richtige Mischung aus Schrulligkeit, Strenge und liebevoller Verrücktheit. Wenn sie schimpfte, klang das nie böse, sondern eher wie eine uralte Hexe, die schon alles gesehen hat und trotzdem mitten im Chaos lebt. Gerade diese Stimme machte Mania zu einer Kultfigur. Viele verbinden mit ihr sofort Kindheitserinnerungen an alte Kassetten, Regentage und dieses typische Kiddinx-Gefühl.

    Ebenso legendär ist ihre Rolle als Fräulein Rottenmeier in Heidi. Kaum jemand konnte diese strenge Gouvernante so perfekt zwischen Härte und heimlicher Menschlichkeit anlegen. Ihre Stimme verlieh der Figur etwas Einschüchterndes, ohne sie jemals lächerlich wirken zu lassen.

    Auch in der Hörspielwelt war sie eine Ausnahmeerscheinung. Ob als Ulla in Xanti, als geheimnisvolle alte Dame in Gruselstoffen oder in Literaturhörspielen – sie hatte immer diese sofort erkennbare Aura. Selbst kurze Auftritte wirkten bedeutend. Viele Sprecherinnen können „alt“ klingen, aber Tilly Lauenstein klang nie künstlich gealtert. Ihre Stimme trug echtes Leben in sich.

    Besonders bewegend ist auch ihre Haltung zum Alter. Trotz zweier Schlaganfälle stand sie noch mit über achtzig Jahren auf der Bühne. Dieser trockene Satz von ihr – „Nach meinem Tod ziehe ich mich zurück“ – beschreibt ihren Charakter eigentlich perfekt. Humorvoll, diszipliniert und voller Leidenschaft für ihren Beruf.

    Am 8. Mai 2002 starb Tilly Lauenstein im Alter von 85 Jahren in Potsdam. Doch ihre Stimme lebt bis heute weiter. In alten Synchronfassungen, Hörspielen, Serien und Filmen begegnet man ihr ständig wieder. Und jedes Mal entsteht sofort dieses Gefühl, eine Stimme aus einer anderen, vielleicht etwas würdevolleren Zeit zu hören.

    Für mich gehört Tilly Lauenstein ganz klar zu den größten deutschen Synchronsprecherinnen überhaupt. Nicht nur wegen ihrer gewaltigen Filmografie, sondern weil ihre Stimme Persönlichkeit hatte. Sie klang nie austauschbar. Sobald sie sprach, wusste man sofort, wer da spricht – und genau das schaffen nur ganz wenige.

  • War sie für euch die unvergessliche Hexe Mania, das strenge Fräulein Rottenmeier, die alte Rose aus Titanic oder kennt ihr sie vor allem aus dem klassischen Synchronbereich?

    Weder noch. Ich verbinde mit ihr vor allem "Rivalen der Rennbahn" und "Der Mönch mit der Peitsche". In der Jugend hat man sich noch nicht so damit beschäftigt, wessen Stimmen hinter bestimmten Hörspielrollen und Synchronisationen stecken.

    Wobei, halt, eine Hörspielerinnerung ist da tatsächlich: Fr. Dr. Schniebelhut in Bibi Blocksberg (28) im Dschungel.

    "Was sagt man darüber, wie man Bücher schreibt? Man denkt sich etwas aus und zwingt sich, es aufzuschreiben."

    Ariadne Oliver, Poirot: Wiedersehen mit Mrs. Oliver

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